Ich bin Christin: Baptistin, progressiv, links-evangelikal, ökumenisch orientiert. Zum Glauben gekommen bin ich 1986, getauft wurde ich 1987 in einer afrodeutschen Pfingstgemeinde (Taufspruch: Johannes 8,32).
Die christliche Nächstenliebe wird von vielen Christ*innen falsch verstanden, „der Nächste“ sei auf die Personen bezogen, denen geholfen werden soll. Wer wäre dann mein Nächster?
Das kann dann, oft von Christ*innen aus dem konservativen oder rechten Lager, so verstanden werden, dass unsere Nächstenliebe auf die Personen beschränkt sei, die uns am nächsten stehen: Familienangehörige, Christ*innen (am besten derselben Konfession oder desselben Frömmigkeitsstils), Leute mit derselben Herkunft und Sprache, direkte Nachbarn.
Mit dem Hinweis, so etwas wie eine „Fernstenliebe“ sei in der Bibel nicht gefordert, nur die Nächstenliebe für die uns Nächststehenden, wird die Nächstenliebe für Menschen in anderen Ländern oder eines anderen Glaubens manchmal sogar ausdrücklich abgelehnt oder an den Missionsbefehl gekoppelt. Lieben, um zu evangelisieren (was sicherlich mit Liebe nichts zu tun hat).
Aber ist das mit der Nächstenliebe tatsächlich so gemeint? Wer ist eigentlich der Nächste?
„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“
So kennen wir den Bericht von der Erschaffung des Menschen aus dem ersten Kapitel des ersten Buches der Bibel (Genesis 1,27). Wie können wir diesen Vers verstehen?
Gerade beim Thema geschlechtliche Vielfalt wird er oft so verstanden, dass es nur zwei „biologische“ Geschlechter gäbe, Mann und Frau.
Aber lässt sich das tatsächlich aus diesem Vers schließen?
Ich bin eine evangelikale Christin. Links, progressiv, feministisch, queer, trans – aber eben auch evangelikal. Und damit von vornherein abgestempelt: rechts, konservativ, misogyn, queerfeindlich, islamfeindlich. Denn so sind Evangelikale doch, nicht wahr?
Und als freikirchliche Christin passe ich ohnehin besonders gut ins Bild, sind Evangelikale doch schließlich ein Freikirchen-Phänomen, nicht wahr?