Ich bin Christin: Baptistin, progressiv, links-evangelikal, ökumenisch orientiert. Zum Glauben gekommen bin ich 1986, getauft wurde ich 1987 in einer afrodeutschen Pfingstgemeinde (Taufspruch: Johannes 8,32).
Keine Sorge, in diesem Blogpost geht es nicht um einen radikalen Sinneswandel bei mir, von einer „Saula zur Paula“.
Es geht um die Redewendung selbst, die wir alle kennen – und die in der Regel verwendet wird, um einen plötzlichen Sinneswandel oder eine Bekehrung zu beschreiben.
Im Hinblick auf die Verwandlung vom Saulus zum Paulus wird meist auf das sogenannte Damaskuserlebnis des Paulus verwiesen, seine Bekehrung vom Verfolger der christlichen Gemeinde zum Nachfolger Christi (Apostelgeschichte 9,3-22).
War das aber tatsächlich der Moment, an dem Saulus zum Paulus wurde?
Eine häufige Frage unter Christ*innen, die sich für ihr geistliches Leben an der Bibel orientieren wollen, ist, ob Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther fordert, dass Frauen im Gottesdienst eine Kopfbedeckung tragen sollen1 – und wenn ja, ob das auch für uns heute gilt.
Die christliche Nächstenliebe wird von vielen Christ*innen falsch verstanden, „der Nächste“ sei auf die Personen bezogen, denen geholfen werden soll. Wer wäre dann mein Nächster?
Das kann dann, oft von Christ*innen aus dem konservativen oder rechten Lager, so verstanden werden, dass unsere Nächstenliebe auf die Personen beschränkt sei, die uns am nächsten stehen: Familienangehörige, Christ*innen (am besten derselben Konfession oder desselben Frömmigkeitsstils), Leute mit derselben Herkunft und Sprache, direkte Nachbarn.
Mit dem Hinweis, so etwas wie eine „Fernstenliebe“ sei in der Bibel nicht gefordert, nur die Nächstenliebe für die uns Nächststehenden, wird die Nächstenliebe für Menschen in anderen Ländern oder eines anderen Glaubens manchmal sogar ausdrücklich abgelehnt oder an den Missionsbefehl gekoppelt. Lieben, um zu evangelisieren (was sicherlich mit Liebe nichts zu tun hat).
Aber ist das mit der Nächstenliebe tatsächlich so gemeint? Wer ist eigentlich der Nächste?
„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“
So kennen wir den Bericht von der Erschaffung des Menschen aus dem ersten Kapitel des ersten Buches der Bibel (Genesis 1,27). Wie können wir diesen Vers verstehen?
Gerade beim Thema geschlechtliche Vielfalt wird er oft so verstanden, dass es nur zwei „biologische“ Geschlechter gäbe, Mann und Frau.
Aber lässt sich das tatsächlich aus diesem Vers schließen?