Glasmalerei: Apostel PaulusKeine Sorge, in diesem Blogpost geht es nicht um einen radikalen Sinneswandel bei mir, von einer „Saula zur Paula“.

Es geht um die Redewendung selbst, die wir alle kennen – und die in der Regel verwendet wird, um einen plötzlichen Sinneswandel oder eine Bekehrung zu beschreiben.

Im Hinblick auf die Verwandlung vom Saulus zum Paulus wird meist auf das sogenannte Damaskuserlebnis des Paulus verwiesen, seine Bekehrung vom Verfolger der christlichen Gemeinde zum Nachfolger Christi (Apostelgeschichte 9,3-22).

War das aber tatsächlich der Moment, an dem Saulus zum Paulus wurde?

Erstaunlicherweise nennt die Apostelgeschichte ihn nicht sofort nach diesem Erlebnis „Paulus“, sondern erst deutlich später. In Apostelgeschichte 13,2 lesen wir: „Eines Tages, während die Gemeinde dem Herrn mit Gebet und Fasten diente, sagte der Heilige Geist: Stellt mir Barnabas und Saulus für die Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe!“.

Auch in den darauf folgenden Versen 4, 7 und 9 wird er noch „Saulus“ genannt, jedoch in Vers 9 lesen wir nun: „Saulus, der auch Paulus heißt“. Von jetzt an heißt er in der Apostelgeschichte nur noch Paulus.

In der damaligen Welt war es nicht ungewöhnlich, dass ein Mensch unter mehreren Namen bekannt war. Saul (Scha’ul) war der hebräische Name des Apostels, latinisiert als Saulus. Paulus ist die gebräuchliche lateinische bzw. römische Form des Namens. In Rom lebende Juden namens Saul nahmen wahrscheinlich häufiger den Namen Paulus an.

Saul wurde in Tarsus (Kilikien) geboren und ist dort auch aufgewachsen, einer in der heutigen Türkei gelegenen griechisch geprägten Stadt an der Mittelmeerküste (am Golf von İskenderun). Tarsus (nach 47 v. Chr. auch Iuliopolis genannt, nach Julius Caesar) stand unter römischem Einfluss. Saul war griechisch gebildet und besaß als Bürger von Tarsus das römische Bürgerrecht. Somit können wir davon ausgehen, dass er in seiner Heimat schon als junger Mann auch Paulus genannt wurde, schon bevor er sich zum Glauben an Jesus bekehrte. 

Als Saul oder eben Paulus in die Welt der Heiden vorstieß, um dort zu evangelisieren, wird für ihn nur mehr der römische Name Paulus verwendet. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass er nun die führende Rolle in der Evangelisierung der nichtjüdischen Welt übernimmt. 

Es geht bei „von Saulus zum Paulus“ also nicht um einen Sinneswandel, sondern eher um eine Anpassung an die neue Lebensaufgabe des nunmehrigen Heidenapostels. Nach dem von ihm geprägten Motto „den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche“ (siehe 1. Korinther 9,20) verwendet er unter den Heiden seinen römischen Namen. 

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