Vielen Menschen sagen Begriffe wie „cis“, „trans“, „nichtbinär“ und „agender“ nichts, also erkläre ich sie in diesem Post kurz und knapp.
Geschlechtliche Identität
Die Geschlechtsidentität eines Menschen wird wahrscheinlich durch hormonelle Einflüsse während der Schwangerschaft im Gehirn erzeugt und ist unabhängig von seinem körperlichen Geschlecht (dazu siehe weiter unten).
Das Gehirn wird darum oft als „größtes Geschlechtsorgan“ des Menschen bezeichnet.
Die geschlechtliche Identität ist häufig in einem engeren oder weiteren Rahmen fluide, also nicht starr festgelegt.
Cis
Cis, von Lateinisch „auf dieser Seite“, bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person von ihr als mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht als übereinstimmend wahrgenommen wird.
Trans*
Trans*, von Lateinisch „auf der anderen Seite“, bedeutet, dass die Geschlechtsidentität einer Person von ihr als nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmend wahrgenommen wird.
Medizinisch wird dieser Zustand als „Geschlechtsinkongruenz“ bezeichnet, früher auch als „Transsexualismus“, was heute als veraltet gilt und als pathologisierend und stigmatisierend abgelehnt wird.
Das Sternchen steht für die verschiedenen Selbstbezeichnungen wie trans, transgeschlechtlich, transgender, transident oder – inzwischen seltener – transsexuell.
Binär
Binär bedeutet, dass eine Person sich ausschließlich einem der beiden Geschlechter männlich oder weiblich zuordnet.
Nichtbinär
Nichtbinär bedeutet, dass eine Person sich nicht ausschließlich einem der beiden Geschlechter männlich oder weiblich zuordnet. Es gibt verschiedene Formen nichtbinärer Geschlechtsidentitäten, zum Beispiel genderfluid.
Agender
Agender bedeutet, dass eine Person sich keinem Geschlecht zuordnet.
Genderqueer, Drag
Drag und Genderqueer sind bewusst gewählte queere Geschlechtsidentitäten (wobei manche der Personen auch trans*, nichtbinär oder agender sind). Sie brechen beispielsweise bewusst mit gesellschaftlichen Geschlechterklischees und Rollenbildern.
Körperliches Geschlecht
Neben der Geschlechtsidentität (die wir dem Gehirn des Menschen als seinem „größten Geschlechtsorgan“ zuordnen können, siehe oben) gibt es das körperliche Geschlecht, also insbesondere die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, die Fortpflanzungsorgane, die Geschlechtschromosomen, die Geschlechtshormone usw.
Die Geschlechtsmerkmale des Fötus sind zu Beginn der Schwangerschaft noch nicht ausdifferenziert. Die Ausdifferenzierung erfolgt erst während der Schwangerschaft durch den Einfluss der Geschlechtshormone.
Früher wurden geschlechtliche Identität und körperliches Geschlecht stets in eins gesetzt, also die Geschlechtsidentität gleich dem körperlichen Geschlecht. In der Regel führt heute noch die Beschaffenheit der primären Geschlechtsmerkmale (Vorhandensein von Vulva oder Penis) zur Zuweisung eines Geschlechtes, was sich im Nachhinein als falsch herausstellen kann (trans*).
Heute wissen wir, dass sich die Geschlechtsidentität und das körperliche Geschlecht unterscheiden können.
Wenn ich vom körperlichen Geschlecht spreche, vermeide ich oft die Begriffe „männlich“ und „weiblich“, da ich diese Begriffe bevorzugt für die Geschlechtsidentität verwende. So spreche ich etwa von den Phänotypen XX oder XY, was sich auf die Geschlechtschromosomen bezieht.
Endogeschlechtlich, dyadisch
Endogeschlechtlich oder dyadisch bedeutet, dass die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, die Fortpflanzungsorgane, die Geschlechtschromosomen und die Geschlechtshormone ausschließlich einem der beiden chromosomalen Phänotypen XX („weiblich“) oder XY („männlich“) entsprechen, unabhängig von der Geschlechtsidentität.
Inter*geschlechtlich
Inter*geschlechtlich bedeutet, dass die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, die Fortpflanzungsorgane, die Geschlechtschromosomen und die Geschlechtshormone nicht ausschließlich einem der beiden chromosomalen Phänotypen XX („weiblich“) oder XY („männlich“) entsprechen, sondern beispielsweise Merkmale beider Phänotypen oder eines anderen Phänotyps (z B. XXY) aufweisen.
Inter*geschlechtlichkeit ist keine Erkrankung, sondern eine natürliche Variante der körperlichen Geschlechtsentwicklung.
Die früher übliche Bezeichnung „intersexuell“ wird heute zu meist abgelehnt.
Das Sternchen steht für die verschiedenen Formen von Inter*geschlechtlichkeit.
Queer
Der Begriff „Queer“ wird sehr unterschiedlich definiert. Oft wird er als Synonym zu LSBTI+ (lesbisch, schwul, bi, trans*, inter* usw.) verwendet.
Ich verwende ihn eher da, wo Menschen in Wort oder Tat gesellschaftliche (oder religiös tradierte) Geschlechterklischees und Rollenbilder hinterfragen.