Manche cis Menschen lehnen den Begriff „cis“ ab und meinen, es handele sich dabei um eine Beleidigung.
„Cis“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „auf dieser Seite“; es ist das Gegenteil von „trans“, das ebenfalls aus dem Lateinischen stammt und „auf der anderen Seite“ bedeutet.
Cis sind alle Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt, während trans alle Menschen umfasst, bei denen dies nicht der Fall ist. Es ist also eine präzise Beschreibung, mehr nicht.
Warum glauben dennoch manche Menschen, dass „cis“ eine Beleidigung sei?
Sie betrachten ihre Identität als die einzig natürliche Norm – und ein Zusatz wie „cis“ würde implizieren, dass sie nicht die einzige natürliche Norm ist, sondern eine Variante, neben der auch noch andere natürliche Varianten existieren, gleichberechtigt und gleichwertig neben ihrer eigenen: etwa trans*, nichtbinär, agender.
Durch die Bezeichnung „cis“ fühlen sie sich in von Diversität geprägte Wirklichkeit gedrängt, in der sie plötzlich nicht mehr die natürliche Norm bilden, sondern eine Variante unter vielen. Sie erleben das als Abwertung.
Sie wollen aber diejenigen sein, die der natürlichen Norm entsprechen – während die trans*, nichtbinären und agender Menschen defizitär sind, von der Norm abweichend, abnormal.
Zur vermeintlichen Norm zu gehören bedeutet, nicht hinterfragte Privilegien zu besitzen, deren Verlust droht, wenn aus der Norm eine Variante unter vielen wird. Sie glauben, sie würden dadurch abgewertet.
Aber: Nur weil alle Varianten als gleichwertig betrachtet werden, wird nicht das Cissein abgewertet. Darum ist „cis“ keine Beleidigung, sondern einfach der Hinweis, dass cis Menschen nicht die natürliche Norm darstellen, sondern eine Variante neben anderen, die alle gleichwertig und gleichberechtigt existieren dürfen.