Gott hat es gefallen, mich als trans Frau zu erschaffen. Und ich glaube, dass sein Spruch „Und siehe, es war sehr gut!“ auch für mich gilt. Der nach dem Ebenbild Gottes geschlechtlich geschaffene Mensch bildet die unendliche Vielfalt ab, die zu Gottes Wesen gehört. Von männlich bis weiblich sind wir geschaffen, nicht bloß als Mann und Frau – nach dem Bilde Gottes geschaffen zu sein, verbietet geradezu die Vorstellung, dass er dabei nur ein cis und binäres Menschengeschlecht geschaffen hätte.
Mein Transsein ist kein Fehler, der in der Schöpfung eigentlich nicht vorkommen sollte, ich bin als trans Frau geschaffen.
Und doch: Oft genug denke ich mir, dass es viel schöner wäre, nicht trans zu sein. Also Frau – aber cis.
Dabei stellt sich natürlich die Frage: Wenn ich doch nach Gottes Willen als trans Frau geschaffen worden bin und das ihm gemäß „sehr gut“ ist, ist es dann nicht Sünde, mir zu wünschen, ich wäre cis? Ich sollte doch feiern, eine trans Frau zu sein, weil Gott mich so geschaffen hat und es für „sehr gut“ befand.
Aber es wäre sehr viel leichter, cis zu sein. Denn das Leben als trans Person in unserer Welt ist ein schwieriges Leben. Wir erfahren Diskriminierung, Gewalt, wir werden pathologisiert, oft genug dämonisiert, ausgegrenzt. An uns werden Erwartungen gestellt, wie wir zu sein haben, die uns stark einschränken.
Es ist nicht so, dass das Leben als cis Frau leicht wäre. In dieser Welt ist Misogynie ein großes Problem, erfahren Frauen Gewalt, oft genug sexualisierte Gewalt, werden unterdrückt, entmündigt. Das geschieht auch oft genug in christlichen Kreisen, trotz Paulus' Aussage, dass in Christus weder Frau noch Mann ist, sondern wir in Christus alle eins sind.
Aber manches in meinem Leben wäre dennoch leichter, wäre ich eine cis Frau.
Und darum hadere ich oft genug damit, eine trans Frau zu sein. Obwohl ich weiß, dass Gott mich so geschaffen hat, es nach seinem Wort "sehr gut" ist und ich es feiern sollte. Ich bin ein von Gott gewollter Teil der Vielfalt der Schöpfung.
Aber in dieser gefallenen Welt bedeutet Transsein, sehr viel Diskriminierung, erhebliche Gewalt, schreckliche Ausgrenzung zu erfahren. Es bedeutet, dass ich mein Leben nicht so leben kann, wie ich es gerne möchte. Denn egal, was ich tue: Die Menschen sehen zuerst die trans Frau in mir und bewerten mich immer aus dieser Perspektive. Darf ich die Kleidung tragen, die ich trage? Darf ich bei dieser oder jener Aktivität mitmachen? Was für cis Frauen meist ganz selbstverständlich ist, ist für uns trans Frauen fast immer sehr problematisch. In der Regel wird das, was wir an Frauendingen tun, sexualisiert. Weil viele Menschen denken, Transsein habe mit der Sexualität zu tun. Oft wird uns ein Fetischismus unterstellt, als ginge es uns um sexuelle Befriedigung, wenn wir einfach nur als Frauen die Dinge tun, die Frauen nun einmal tun.
Ja, ich wäre manchmal gerne eine cis Frau und hätte damit weniger Probleme in dieser cis-normativen Welt (hätte dafür aber als Frau immer noch viele Probleme in dieser Welt mit ihrem strukturellen Sexismus und ihrer Misogynie und dem Patriarchat).
Aber ich glaube, dass ich die bin, die Gott haben wollte. Ich glaube, dass es „sehr gut“ ist. Und das werde ich feiern, auch wenn mir manchmal eher nach Weinen zumute ist.
Und ich träume, eines Tages so leben zu können, wie es meinem Frausein entspricht, ohne dass mein Leben deswegen besonders schwierig und stressig wird.