Als Baptistin ist die Religionsfreiheit, eines der „Baptist Principles“, ein zentrales Thema für mich. Ebenso als intersektionale Feministin, die dafür eintritt, dass Frauen selbst bestimmen, wie sie sich kleiden und wie viel von ihrem Körper sie bedecken.

Und darum heute einmal einige Informationen zum Thema Burkini, das gerade in diesem Jahr eine stark überhitzte Debatte auslöst.

Ich kann dabei auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, schreibe also über ein Thema, das mir vertraut ist.

Burkini

Burkini bzw. Burqini ist eigentlich eine Handelsmarke aus Australien, ist aber inzwischen zum Gattungsbegriff für bedeckende bzw. „bescheidene“ Bademode geworden. Es gab schon vor dem Burkini ähnliche Bademoden, aber das 2007 entworfene Modell der australischen Mode-Designerin Aheda Zanetti und ihres Unternehmens Ahiida Pty Ltd. ist das bekannteste.

Neben dem Burkini und Burkini-ähnlichen Badeanzügen gibt es auch Modelle, die eher wie ein Jilbab oder eine Abaya aussehen, deutlich weiter geschnitten sind und mehr Stoff aufweisen. Sie sind eher zum Baden als zum Schwimmen bestimmt und werden darum auch „Badeabayas“ oder „Badejilbabs“ genannt.

Wortherkunft

Burkini bzw. Burqini ist ein Kofferwort, es setzt sich zusammen aus arabisch burqu' und Bikini.

Burqu' ist ein arabisches Wort, das Bedeckung, Verhüllung oder Verschleierung bedeutet; Bikini steht für Zweiteiler, da der Burkini meist aus einer Hose und einem Oberteil mitsamt Kapuze besteht. 

Es hat nichts mit der eigentlich Tschaderi genannten afghanischen-paschtunischen „Burka“ zu tun, sondern wird im Arabischen für viele Kleidungsstücke verwendet, die der Bedeckung des Körpers (ganz oder teilweise) dienen. 

Zanetti gibt an, bei der Suche nach einer Bezeichnung in einem Wörterbuch der arabischen Sprache nach einem geeigneten Wort gesucht zu haben und so auf burqu' gestoßen zu sein. An die afghanisch-paschtunische sogenannte Burka (Tschaderi) habe sie dabei nicht gedacht.

Verwendung

Der Burkini wird nicht nur von muslimischen Frauen getrage. 

Zanetti gab in einem Interview an, dass ca. 40 % ihrer Kundinnen keine muslimischen Frauen wären. So wird der Burkini auch von christlichen und jüdischen Frauen verwendet, die sich mit normalen Badeanzügen nicht wohlfühlen sowie von Frauen, die aus anderen Gründen bedeckende Kleidung vorziehen, etwa um ihr Gewicht, Narben o. ä. zu kaschieren. 

Material

Ein echter Burkini besteht aus gewöhnlichem Badeanzugstoff. Er saugt sich also nicht mit Wasser voll und trocknet schnell.

Das Gewicht eines Burkinis beträgt etwa das Zweieinhalbfache eines normalen Badeanzugs – zum Vergleich: der „Fischschwanz“, der beim Mermaiding (Meerjungfrauenschwimmen) verwendet wird, wiegt in der Regel mehr und weist auch mehr Stoff auf. 

Ähnliche Badeanzüge

Dem Burkini ähnlich sind Badeanzüge aus Neopren sowie Badeanzüge mit UV-Schutz.

Schwimmen mit dem Burkini

Aus eigener Erfahrung kann ich versichern, dass der Burkini beim Schwimmen und auch beim Tauchen nicht behindert. Es ist minimal mehr Kraft nötig, um sich zu bewegen, man ist ein klein wenig langsamer. Ich konnte aber auch mit Burkini lange Strecken schwimmen und tauchen, ohne Probleme. 

Fun Fact: Ich habe eine Zeitlang Burkini und Mermaiding-Flosse kombiniert und war somit wohl die erste und einzige Meerjungfrau mit Burkini in Deutschland (allerdings nicht weltweit). Auch beim Mermaiding hat mich der Burkini nicht behindert. 

Das (wenige) vom Burkini aufgenommene Wasser ist im Badewasser natürlich genauso so schwer wie das umgebende Wasser, es vermindert also nicht den Auftrieb oder führt dazu, dass man eher untergeht. Auch die Rettung einer Person mit Burkini ist deswegen nicht erschwert. 

Da er kaum Wasser aufnimmt, wird beim Verlassen des Wassers auch keine übermäßige Menge Wasser aus dem Becken entfernt. 

Tragekomfort

Da ich selbst mit Burkini geschwommen und getaucht (Apnoe) bin, kann ich aus erster Hand berichten, dass sich der Burkini durchaus angenehm trägt. 

UV-Schutz

Der Burkini bietet einen hervorragenden Schutz gegen UV-Strahlung, was den Einsatz von Sonnencreme (die für das Badewasser meist schädlich ist) deutlich reduziert. 

Hygiene

Da der Burkini aus Badeanzugstoff besteht, gibt es aus Sicht der Hygiene keine Bedenken gegen seine Verwendung.

Im Gegenteil reduziert er sogar den Eintrag von Haaren, Hautschuppen und Kosmetikprodukten wie z. B. Sonnencreme ins Wasser. 

Phosphat

Ein österreichischer Bademeister verwehrt Burkini-Trägerinnen den Zutritt zu seinem Schwimmbecken mit dem Hinweis, dass der Burkini mehr Phosphat ins Wasser abgeben würde als ein gewöhnlicher Badeanzug. 

Das könnte der Fall sein, wenn Waschmittel und Wasserenthärter für den Haushaltsgebrauch heute noch Phosphat enthielten, was aber EU-weit bereits seit 2013 verboten ist.

Tatsächlich sind Schweiß und Urin die hauptsächlichen Quellen von Phosphat im Badewasser, da wir Phosphat über Körperausscheidungen absondern. 

Zwang

Ein Mann, der seine Frau oder Tochter zwingen würde, einen Burkini zu tragen, würde ihr gar nicht erst erlauben, ein gemischtes Schwimmbad aufzusuchen. Von daher ist kein Zwang zum Tragen des Burkinis anzunehmen. 

Selbstbestimmung

Bekleidungsvorschriften für Frauen verletzen das Recht von Frauen, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Jede Frau muss selbst entscheiden können, wie viel Haut sie zeigt bzw. verdeckt. 

Burkiniverbote sind frauenfeindlich.

Burkiniverbote

Burkiniverbote haben freilich meist einen rassistischen Hintergrund. Interessanterweise wird hier ein Kleidungsstück verboten, das aus Australien stammt, einem westlichen Land.

Diese Verbote mit Frauenrechten zu begründen, ist häufig femonationalistisch, das heißt, Frauenrechte werden für eine nationalistische Agenda instrumentalisiert, obwohl die betreffenden Personen ansonsten nicht mit dem Einsatz für die Rechte von Frauen auffallen, wohl aber mit Islamfeindlichkeit, Rassismus und Nationalismus. 

Fazit

Es spricht nichts gegen die Verwendung eines Burkinis in Schwimmbädern, wenn eine Frau dies wünscht.

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