OS/2 war lange Zeit mein bevorzugtes Betriebssystem – angefangen habe ich mit OS/2 2.0 und dann bis OS/2 Warp 4 jede Version verwendet. Ende der 90er Jahre hatte ich eine kurze Affäre mit SuSE Linux, um dann eComStation, eine aktualisierte OEM-Version von OS/2, zu entdecken und zu benutzen, bis für eCS das Ende kam. 

Heute verwende ich hauptsächlich Linux (Kubuntu), habe aber diverse OS/2-Versionen und ArcaOS (eine weitere OEM-Version von OS/2) in VirtualBox installiert. Allerdings nicht mehr für den produktiven Einsatz, sondern mehr als Spielzeug. Ich gehe auch nicht mehr jede Neuerung mit, zumal ArcaOS nicht ganz billig ist.  

Interessanterweise habe ich während meiner OS/2-Zeit Gopher nicht wirklich verwendet, obgleich seit OS/2 Warp ein für damals guter Gopher-Browser im Lieferumfang enthalten war. Aber ich war neben der Verwendung von E-Mail mehr im frühen Web, im IRC und im Usenet unterwegs.

Erst in diesem Jahr habe ich Gopher für mich entdeckt, und da wollte ich natürlich wissen, was OS/2 zumindest auf Browser-Seite bewerkstelligen kann (die Server-Seite lasse ich außen vor).  

GOPHER

ArcaOS liefert keinen Gopher-Browser mehr aus, weil man das Protokoll wohl für veraltet hält, wer aber OS/2 Warp 3 oder 4 besitzt, kann den dortigen GOPHER (Version 1.9915 von David Singer, aus dem Jahr 1994) auch unter ArcaOS verwenden. Er unterstützt allerdings nicht alle Features moderner Gopher-Server. 

Wer kein OS/2 Warp 3 oder 4 zur Verfügung hat, kann GOPHER aus IBMs EWS-Programm aus dem Hobbes-Archiv herunterladen:

Um z. B. mein Gopherhole aufzurufen, ist folgender Menüeintrag anzulegen:

Name: Michaela's Gopher Hole
Host: gopher.molthagen.de
Port: 70
Path: /
Type: 1
Plus: +

Wichtig sind die Einträge unter Path und Type. Fehlen sie, kann der Browser keine Verbindung aufbauen und liefert eine Fehlermeldung.

Unter Options sollte für eine bessere Darstellung der im Gopherspace recht beliebten ASCII-Grafiken ein nichtproportionaler Font wie z. B. Courier New eingestellt werden. 

Wer diesen Browser verwendet, wird oft im Gopherspace stolpern; denn die Funktionen heutiger Server sind ihm oft unbekannt.

LYNX

Deutlich moderner als GOPHER ist LYNX, ein aus der Linux-Welt stammender Webbrowser mit guter Gopher-Unterstützung.

Die derzeit neueste Version stammt aus dem Jahr 2016 und kann hier heruntergeladen werden:

Zusätzlich werden die EMX Runtime 0.9 sowie die GNU File Utitilies (bereits in ArcaOS enthalten) benötigt:

Für die Installation von LYNX bitte die im ZIP-Archiv enthaltene README.OS2 beachten.

Ich habe unter ArcaOS LYNX.EXE nach C:\USR\BIN entpackt, die beiden DLL-Dateien nach C:\USR\LIB, LYNX_HELP_MAIN.HTML nach C:\HOME\LYNX und das Verzeichnis TERMINFO (soweit auf dem OS/2-System noch nicht vorhanden) nach C:\MPTN\ETC\TERMINFO.  

In C:\HOME\LYNX habe ich eine leere Datei LYNX.CFG angelegt.

Dann habe ich in der CONFIG.SYS folgende Einträge angelegt:

SET TERM=ansi
SET TERMINFO=C:\MPTN\ETC\TERMINFO
SET LYNX_HELPFILE=C:\HOME\LYNX\lynx_help_main.html
SET LYNX_CFG=C:\HOME\LYNX\lynx.cfg

In meiner CONFIG.SYS war SET TERM bereits mit os2 belegt, aber damit startet Lynx nicht.

Wer will, legt diese Einträge nicht in der CONFIG.SYS an, sondern schreibt sie in das entsprechende Programmobjekt (unter "Umgebung"). Dann kann LYNX allerdings nur über die WPS und nicht aus der Kommandozeile gestartet werden. 

Nach einem Neustart von OS/2 kann mein Gopherhole dann mit

  • lynx gopher://gopher.molthagen.de:70

aufgerufen werden. 

Als Webbrowser ist dieser alte Lynx mangels Unterstützung für SSL/TLS nur noch eingeschränkt verwendbar, aber für Gopher funktioniert er gut.

PLG_SYSTEM_PROGRESSIVEWEBAPPMAKER_OFFLINE_SITE_TEXT