In allem diesem können wir keine Motive der Menschen, keinen Schriftstelleregoismus, kein Gebäude stolzer Philosophie, kein Gebilde abenteuerlicher Phantasie erkennen, daher auch die heilige Schrift nicht für ein Menschenwort halten, obwohl es von Propheten und Aposteln geschrieben wurde. Wenn wir die soeben genannten, moralischen erhabenen, göttlich begeisterten und dabei so ruhig besonnenen und kindlich offenherzigen Männern einstimmig behaupten hören und mit Taten eines allvermögenden Gottes beweisen sehen, dass sie seine Beauftragten sind; wenn endlich der im Alten Testamente angekündigte göttliche Heiland im Neuen erscheint und die Worte sämtlicher Gottesboten zu den seinen macht und auf sich bezieht: so könnte uns unheilige Liebe zum Sündhaften wohl reizen, dem allen zu widersprechen, alles für Betrug und Jesus Christus selbst für einen Virtuosen des der Zeit angemessenen Betruges und der natürlichen Magie zu erklären, aber gesunde Vernunft würde uns nimmer zu einem so unvernünftigen Urteil, zu einer so flachen, schalen Behauptung berechtigen. Wenn auch unendlich viele es sich zum höchsten Grundsatz gemacht haben: "Was ich nicht sogleich begreife, was mit meinem Urteil nicht übereinstimmt, was mir missfällt, das brauche ich gar nicht gründlich zu kennen und zu prüfen, denn das muss notwendig verwerflich, unwahr, unvernünftig sein", so können wir doch vernünftigerweise nicht umhin, in diesem Verfahren der vermeintlichen Unfehlbarkeit den Egoismus, und somit die Quelle alles Absolutismus und aller Unterdrückung zu erblicken. Das Geschöpf, welches das Wesen des ewigen Schöpfers begreifen, ihn verstehen und beurteilen will mit eigner natürlicher Denkkraft, wagt unendlich viel mehr, als die Fliege wagen würde, welche den Menschen begreifen und verstehen wollte. Wer Gott beurteilt ohne eine Offenbarung Gottes und ohne übernatürliche von ihm verliehene Begriffsorgane, der behauptet, dass er Gott gleich sei, weil vermöge natürlicher Kraft niemand Gott begreifen kann, als Gott. Gelänge es aber der Theologie, unwidersprechlich darzutun, dass die Bibel nicht Gottes Wort ist, so würde es ihr nur gelungen sein darzutun, dass der Mensch über das Wesen und die Gesinnung Gottes, über sein Verhältnis zu ihm und über die Fortdauer seines eigenen Wesens durchaus nichts wisse, nichts wissen könne, mithin sich wie ein Tier mit dem gegenwärtigen Augenblick und dem ungewissen Besitz unbefriedigender Güter begnügen müsse. Dies wäre aber für den vernünftigen, denkenden Menschen eine Lehre der Verzweiflung. Aus tiefster Überzeugung unseres Verstandes und Herzens behaupten wir dieser Lehre gegenüber, der Mensch sei nicht auf Erden, um getrennt vom Himmel und von aller Gewissheit verzweifeln zu müssen, sondern ein gewisses, unfehlbares Gotteswort zu hören, und sich dann durch den von Gott gewirkten Glauben, mit Herz und Leben in einen gewissen Himmel zu erheben, während eben dadurch sich eine irdische Tätigkeit entfaltet, die das Göttliche der Erde recht auszubeuten versteht, die fern von allen Verblendungen der Leidenschaften alles vernünftig anfängt und deshalb so oft gedeihlich vollendet. Die Bibel ist Gottes Wort! So jauchzt das Herz derer, die wahrhaft glücklich sind auf Erden, die, an den Tod denkend, wissen, an wen sie glauben. Und wenn sie nun vollends die wunderbar beseligende Macht derselben betrachten, wenn sie Tausende der versunkensten, unglücklichsten Menschen aller Verhältnisse, Länder und Farben durch diese Wahrheit und den begleitenden Geist Gottes in sittlich reine, herzlich glückliche Anbeter Jehovas umgewandelt sehen; wenn tief gesunkene, zu reißenden, sich zerfleischenden Tieren gewordene, teuflischen Sitten ergebene Kannibalenvölker durch diese Wahrheit wie mit einem Schlage frei, vernünftig, friedsam, keusch, menschenfreundlich, gefühlvoll werden, wenn sie unter dem Einflusse dieser Wahrheit in kurzer Zeit wunderbare Fortschritte in der Kultur machen, und sich bei Annäherung weißer Barbaren von der ruhmreichsten Nation Europas (die ihnen Unsittlichkeit, politische und religiöse Unterdrückung unter dem heuchlerischen Namen "Protektorat" bringen wollen) sich bewaffen und dem Jesuitenheer den tapfersten Widerstand leisten; wenn endlich Menschen, die sich völlig fremd sind, zwischen denen Verschiedenheit der Nationalität und Sitten, überhaupt alles eine unüberschreitbare Kluft zu befestigen scheint, durch jene Wahrheit sich als Brüder in die Arme sinken und eines Herzens sind in dem Gott ihres Heils: dann triumphieren sie, die Freunde des Gotteswortes, hoch über alle entgegengesetzte Weisheit, und blicken mitleidig hinab auf die Pfeile des stumpfen Schwachsinns, die Mauerbrecher philosophischer Gewalt und die Sturmböcke des spöttischen Witzes.

Aber in unseren Tagen scheint man die göttlichen Früchte der geoffenbarten Wahrheit nicht mehr sehen zu können. Woher das? Wie geht es zu, dass man jetzt allenthalben wähnt, der Glaube an das Wort Gottes führe zum Rückschritt in die Finsternis, zur Knechtschaft, zur Hartherzigkeit und Unsittlichkeit? Nun das ist ganz natürlich. Die Scheinkirche mit ihrem Pfaffentum gibt vor, die Bibel sei ihr Glaubensgrund, gibt vor, ganz oder halb an sie zu glauben, wenigstens, wie die Rationalisten der alten Schule, mit ihr in Verbindung zu stehen. Daher betrachtet man die schlechten Früchte der Heuchelei als Früchte des biblischen Christentums, und da das große Kirchenungetüm die kleine Zahl der wahren Christen ganz bedeckt und zur unsichtbaren Kirche macht, so kann man die Früchte des christlichen Herzensglaubens nicht beurteilen. - Wir heben aber unsere Hand auf zu dem Allmächtigen, Allwissenden und protestieren vor dem Volke Deutschlands gegen die Annahme, dass Pfaffenwesen, Geiz, Jesuitismus, Absolutismus, Reaktion, Verdummung, Trübsinn usw. Erzeugnisse des Glaubens an die Bibel seien. Die Früchte des Bibelglaubens sind Freude, Lebensglück, reine Sitten, Selbstaufopferung, Menschenliebe, Vaterlandsliebe, Freiheitsliebe, Wahrheitsliebe, Liebe zur Wissenschaft, zur Industrie und Zivilisation. Wo diese sich nicht finden, da ist jener Glaube nur eine Maske schändlicher Bosheit.

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