Prolog

Im Jahre 1848, während der Revolution, verfaßte der deutsche Baptist Julius Köbner (1806 - 1884), als Sohn eines jüdischen Rabbis in Odense/Dänemark geboren, sein "Manifest des freien Urchristenthums an das deutsche Volk".

Julius Köbner erlernte den Beruf des Kupferstechers. Durch Begegnungen mit dem reformierten Erweckungsprediger Johannes Geibel (Lübeck) bekehrte sich Köbner zum Christentum. 1826 schloß er sich der evangelisch-lutherischen Kirche in Hamburg an. 1835 lernte er die junge Baptistengemeinde in Hamburg kennen, der er sich dann anschließt; 1836 wird er getauft. Weinige Jahre später wird Köbner zum Pastor ordiniert; er wird als Seelsorger in Hamburg, Wuppertal-Barmen, Kopenhagen und Berlin tätig, wo er 1884 stirbt.

Neben dem hier dokumentierten "Manifest des freien Urchristenthums" wird Köbner als Herausgeber des ersten baptistischen Liederbuches, der "Glaubensstimme für die Gemeinde des Herrn" (1849) bekannt. Daneben hat Köbner zahlreiche Lieder wie auch theologische Schriften des frühen Baptismus verfaßt.

1848 forderte Köbner die allgemeine Religionsfreiheit für Menschen jeden Glaubens - damals eine unerhörte Forderung, so daß sein Büchlein auch recht schnell verboten wurde.

Köbners Manifest ist heute ein wichtiges historisches Dokument sowohl für das Freikirchentum, den Baptismus wie auch den Kampf für die allgemeine Religionsfreiheit in Deutschland. Man wird heute, mehr als 150 Jahren nach Entstehung dieses Dokumentes, nicht mehr allen Passagen widerspruchslos zustimmen können, zumal sich ja auch die Gesellschaft und das Kirchentum hierzulande erheblich gewandelt hat. Man behalte darum stets vor Augen, welchen Datums dieses Dokument ist.

Wer sich heute darüber aufregt, daß Köbner etwa Religionsfreiheit für "Mohammedaner" fordert und nicht politisch korrekt von "Muslimen" spricht, halte sich ebenfalls vor Augen, wann dieses Manifest verfaßt wurde - und daß es historisch betrachtet bemerkenswert ist, wenn Köbner 1848 eben auch für "Mohammedaner" ausdrücklich volle Religionsfreiheit fordert.

Heute, wo etliche Länder Gesetze erlassen, durch die muslimischen Lehrerinnen das Kopftuch verboten werden soll, wo Forderungen nach einem Burkaverbot und einem Verbot des Minarettbaus erhoben werden, ist dieses historische Dokument auch eine Mahnung aus unserer Vergangenheit. Baptisten tun gut daran, sich dieses Dokument vorzunehmen und das eigene baptistische Gewissen daran zu eichen.

Michael Molthagen

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