"Rechts" und "Links" sind künstliche Einteilungen, die wenig darüber aussagen, ob der so Bezeichnete nun "gut" oder "böse" sei. Die Extremisten, die man den beiden Lagern je und je zuordnet, sind selten wirklich "rechts" oder "links", sondern eben nur extremistisch, das "Rechte" oder das "Linke" an ihnen ist jeweils kaum mehr als Fassade über einem Haß, der sich gegen Menschen richtet, die vermeintlich oder tatsächlich mit bestimmten Eigenschaften ausgestattet sind. Beide freilich hassen mehr noch die Verräter im eigenen Lager und führen gegen sie einen unerbittlichen Krieg.

Ob die Ideologie der Nazis nun "links" war und die Nazis eigentlich Sozialisten mit einer etwas untypischen Einstellung zum eigenen "Volk", ist und bleibt unerheblich - auch für die Bewertung dieser Ideologie in ihren heutigen Erscheinungsformen.

Interessant immerhin ist, daß viele der heutigen Rechtspopulisten zwar rechts eingeordnet werden, aber nixcht selten einen eher linken Hintergrund haben. Der Rechtspopulismus ist ohne eine gewisse Verwurzelung im linken Lager kaum denkbar bzw. würde anders aussehen, wäre er allein im klassischen rechten Lager verwurzelt.

Das soll nun weder das linke Lager verteufeln noch das rechte Lager entschuldigen - am Entstehen wie am Erstarken des Rechtspopulismus haben viele Wurzeln ihren Anteil.

Beim Rechtsextremismus ebenso wie beim Rechtspopulismus ist das kleine Wörtchen "Rechts" in jedem Falle irreführend. Sie sind einfach Rassisten - wobei sich das Wort "Rassismus" hier nicht auf einen Kampf gegen eine andere "Rasse" bezieht, sondern auf einen Kampf für die vermeintliche eigene "Rasse" (besser gesagt: den eigenen Clan), die nicht nur gegen Verräter und äußere Feinde verteidigt, sondern auch mehr Raum gewinnen muß. Darin unterscheiden sie sich nur wenig von anderen Rassisten, die je und je für ihren eigenen Clan kämpfen.

Und dazu neigt nun einmal jeder Clan der Menschen. Es ist zu leicht, nur die Rechte oder die Linke als gefährlich zu betrachten - unter gewissen Umständen neigt jeder Clan zum Rassismus. Das kann auch ein religiöser Clan sein, wie uns Geschichte und Gegenwart deutlich beweisen.

Ist es ein Zufall, daß die einzige Spezies auf diesem Planeten, die abgesehen vom Menschen zum Genozid fähig ist, auch die einzige Spezies ist, bei der man eine Form von Religion vermutet? Jane Goodall jedenfalls deutet manches Verhalten der von ihr beobachteten Schimpansen in diese Richtung, die geradezu ekstatische Verehrung eines Naturschauspiels etwa. Schimpanse und Mensch teilen wohl nicht nur das "Religions-Gen", sondern auch das "Rassismus-Gen". Möglicherweise hängt beides eng zusammen.

Rassismus und Religion gehören beide untrennbar zum Menschsein dazu. Wer Rassismus oder Religion jeweils nur einer bestimmten Gruppe von Menschen zuordnen will, etwa den Rassismus den "Rechten" oder die "Religion" den "Unaufgeklärten", der verkennt die wahre Natur des Menschen.

Wir sind religiös, und wir sind rassistisch. Und ja, beides besitzt gewaltiges Potential zur Zerstörung, zum Haß, zur Gewalt.

Es hilft nicht, dem Menschen Religion und/oder Rassismus aberziehen zu wollen, beides sitzt wohl in unseren Genen. Wir haben da nicht wirklich einen "freien Willen", uns für oder gegen diese Eigenschaften zu wenden. Aber ich bin überzeugt: Wir können diese Eigenschaften in gute Bahnen lenken - aber auch nur, wenn wir das gemeinsam tun. Einzelkämpfer sind hier von vornherein verloren.

Die Gute Nachricht Jesu gibt uns einen Maßstab für einen guten Gebrauch dieser Eigenschaften: Ein Rassismus, der auf Gewalt in der Verteidigung und Ausbreitung der Gemeinschaft verzichtet und an die Stelle der Gewalt die Konvivenz setzt: Einander helfen, voneinander lernen, miteinander feiern. Eine Religion, die aus der Liebe Gottes, der freundlichen Zuwendung Jesu und der Gemeinschaft stiftenden Kraft des Heiligen Geistes lebt und sich darum den Menschen freundlich zuwendet, den Nächsten, aber auch den Feind liebt und nach Gemeinschaft sucht.

Die Kondeszendenz Gottes in Jesus Christus ({bib=Philipper 2,5-11}) gibt uns einen Maßstab für ein Leben, das Rassismus und Religion überwindet

Und ja, entgegen der landläufigen Meinung ist Religion nicht per se gut, Gewalt nicht Mißbrauch der Religion. Religion ohne Kondeszendenz und Konvivenz auch über die Grenzen der eigenen Gemeinschaft hinweg nimmt die schlimmsten Züge des Rassismus an, Religion ohne Kondeszendenz und Konvivenz ist Rassismus.

Das Christentum ist, wie wir aus Geschichte und Gegenwart wissen, nicht automatisch gut, schon gar nicht ein bloß traditionelles Christentum (und ja, liebe Evangelikale, so ein traditionelles Christentum finden wir auch in unserer Mitte, auch wenn wir das oft nicht wahrhaben wollen).

Was wir zusätzlich zu unserem Religions-Gen und unserem Rassismus-Gen brauchen, ist das Jesus-Gen, das uns mit der Liebe Gottes, der Gnade Jesu und der Kraft des Heiligen Geistes verbindet. Nur so können wir Rassismus und Religion überwinden bzw. durch etwas Besseres ersetzen.

Gott schenkt den Menschen das "Jesus-Gen" gerne, und um es zu bekommen, sind keine Voraussetzungen zu erfüllen (auch ohne Voraussetzungen ist aber Gemeinschaft sowohl auf der horizontalen als auch auf der vertikalen Ebene unabdingbar, will man Rassismus und Religion überwinden).

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