Die Religionsfreiheit schützt die Interessen auch vollverschleierter Frauen - und das Problem sind ja ohnehin nicht diese, sondern Menschen, denen offenbar wichtiger ist, was auf dem Kopf ist als das, was darinnen ist. Das ist nichts anderes als Diskriminierung, und gemäß europäischen Rechts ist dies im Handel und im Berufsleben strafbar. 

Für eine Frau, die sich aus religiösen Gründen vollständig verschleiert, ist es nicht zumutbar, auf den Gesichtsschleier zu verzichten. Im Übrigen - was ist beispielsweise mit am ganzen Körper einschließlich des Gesichts Tätowierten oder mit im Gesicht gepiercten Personen, die aufgrund ihres Körperschmucks keine Anstellung finden? Bisher war nicht zu vernehmen, daß auch ihnen das Arbeitslosengeld gestrichen werden sollte. Wenn man bedenkt, wie viele Personen sich an Dicken ärgern - wäre da nicht zumindest eine Kürzung des Arbeitslosengeldes fällig, wenn sie nicht auf gesellschaftlich akzeptierte Maße abspecken? Je 10 % Übergewicht ergeben 10 % Kürzung des Arbeitslosengeldes?

Auch war nicht zu vernehmen, daß die verschleierten Frauen dann wenigstens im Gegenzug von der Einzahlung in die Arbeitslosenversicherung befreit werden sollen - ihre Beiträge würde Job Cohen sicherlich gerne weiterhin auf der Einnahmenseite verbuchen. Das Geld vollverschleierter Frauen scheint "halal" zu sein, keinerlei Tabus politischer oder gesellschaftlicher Natur zu unterliegen. 

Das Problem sind aber zum einen Unternehmen, die sich weigern, verschleierte Frauen einzustellen - viele weigern sich ja schon bei Frauen, die "nur" Kopftuch tragen -, zum anderen Kunden, die sich weigern, sich von verschleierten Frauen bedienen zu lassen, sich an einer Supermarktkasse etwa lieber an eine Kasse mit längerer Schlange anstellen, wenn die Kassiererin dort unverschleiert ist. Diesem Problem könnte man freilich mit dem System amerikanischer Supermärkte begegnen: Eine einzige Schlange vor den Kassen, die sich erst unmittelbar vor den Kassen aufteilt, so daß man sich nicht aussuchen kann, an welcher Kasse man bezahlen kann. Dieses System ist dem europäischen System ohnehin weit überlegen. 

Aber was spricht ohnehin dagegen, sich im Geschäftsleben von einer verschleierten Frau bedienen zu lassen, sei es in einem Supermarkt, an einem Ticketschalter oder wo sonst? Leidet die Ware, leidet die Dienstleistung etwa darunter? Natürlich ist es nicht hinnehmbar, wenn muslimische Frauen - verschleiert oder nicht - sich etwa weigern, Alkoholika oder Produkte aus Schweinefleisch über den Scanner zu ziehen - in einem solchen Fall wäre die Kassiererin sicherlich mit einem Berufs- oder wenigstens Arbeitsplatzwechsel gut beraten. Möglicherweise würde es auch ein Paar Handschuhe tun (was zugleich die Zahl von allergischen Reaktionen, die bei Verkäuferinnen nicht ganz selten sind, vermindern würde). Gerade dort, wo Frischprodukte verkauft werden, ist eine vollverschleierte Frau für die Hygiene sicherlich nicht von Nachteil - möglicherweise sollte sie für besondere Leistungen um die Hygiene eine Bonuszahlung erhalten. Im Frischebereich ist sie zweifelsfrei besser geeignet als eine unverschleierte Kollegin und sollte darum bevorzugt eingestellt werden... (die letzten Sätze enthalten Ironie).

Wie dem auch sei: Wo Frauen aufgrund ihres Vollschleiers keine Anstellung finden, tragen nicht sie die Schuld, sondern Unternehmen, die sie nicht einstellen, Kunden, die sich von ihnen nicht bedienen lassen wollen. So müssen auch sie es sein, die die Konsequenzen tragen - indem sie für das Arbeitslosengeld der vollverschleierten Frauen aufkommen. Das ist recht und billig.

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