Mythic BlueIch gehöre der Spezies Sirenia sapiens an - den Meerjungfrauen.

Ich bin also eine männliche Meerjungfrau, ein Meermann. Weibliche Meerjungfrauen nennt man übrigens dementsprechend Meerfrauen.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen unsere Spezies vorstellen. Da viele Mythen und Legenden über uns unter Euch Landdamen im Umlauf sind, aber auch viel Halb- und Unwissen zu finden ist, möchte ich für Aufklärung sorgen - in der Hoffnung, dass Ihr Landdamen uns Meerjungfrauen besser verstehen lernt.

Oh, Ihr wundert Euch vielleicht, warum ich Euch „Landdamen“ nenne. Das sollte ich vorher noch kurz erklären. Ihr nennt Euch „Menschen“ - ein Wort, das vom mittelhochdeutschen „mannisc“ kommt, was „mannhaft“ bedeutete und später zu „menschlich“ wurde. Daraus wurde dann das Substantiv „Mensch“ gebildet. Wir Meerjungfrauen finden es ziemlich seltsam, dass Ihr Euch nur nach Euren Männern benennt, darum nennen wir Euch eher „Landjungfrauen“. Weil Ihr aber „Jungfrauen“ anders versteht als wir und es bei uns eigentlich „(Edel-) Damen“ bedeutet, nenne ich Euch „Landdamen“. Die Männer Eurer Art sind dabei natürlich immer mitgemeint (bei Euch ist das ja meist eher umgekehrt - Eure Sprache verwendet häufig das sogenannte generische Maskulinum, und die Frauen sollen sich dann mitgemeint fühlen).

Meerjungfrau, Meerfrau, Meermann

Der Begriff „Meerjungfrau“ lässt Euch Landdamen oft an Eure „Jungfrauen“ denken - sprich unverheiratet, nicht entjungfert. Damit liegt Ihr aber im Hinblick auf uns falsch.

Der Begriff hat sich in unserer Kultur nämlich ganz anders entwickelt. Er hat sich aus einem alten Begriff aus der mittelmeerjungfrauischen Sprache entwickelt, der früher für eine Frau stand, die einem höheren Stand angehört, einer Edeldame. Er hat also weder mit dem Familienstand noch mit dem Alter zu tun.

Der Begriff „Meerjungfrauen“ bezeichnet unsere Spezies, umfasst Meermänner und Meerfrauen, umfasst sowohl Kinder, Erwachsene als auch Ältere.

Sind nur Frauen gemeint, so wird entweder ebenfalls der Begriff „Meerjungfrauen“ verwendet - oder das in dieser Hinsicht eindeutigere „Meerfrauen“.

Die Männer sind beim Begriff „Meerjungfrauen“ meist mitgemeint. Sind nur Männer gemeint, ist häufig die Rede von „Meermännern“. 

Larven

Unsere Larven nennen wir, wenn sie frisch geschlüpft sind, „Schlüpflinge“, wenn sie etwas älter sind, aber noch gesäugt werden, „Meerbabies“.

Später nennen wir die Larven dann „Meerkinder“ bzw. später „Meerteenies“, manchmal freilich auch „Meermädchen“ oder „Meerjungen“.

Wollen Meereltern ihre Larven wegen unangebrachten Verhaltens ermahnen, werden sie unabhängig vom Geschlecht oft mit „Mein Meerfräulein!“ angsprochen, was in früheren Zeiten die Bezeichnung für die Tochter einer hochstehenden Meerjungfrau war.

Meerjungfrauen, Nixen und Sirenen

Während im Englischen meist von Mermaids und machmal auch von Sirens gesprochen wird, findet man im Deutschen die Bezeichnungen Meerjungfrauen und Nixen.

Die Legenden und Mythen der mittel- und nordeuropäischen Landdamen unterscheiden dabei oft zwischen den Meerjungfrauen und den Nixen, wobei Nixe eine eher im mittel- und nordeuropäischen Raum gebräuchliche Bezeichnung ist.

Die Legenden und Mythen der amerikanischen Landdamen unterscheiden hingegen oft zwischen Mermaid und Siren. Hierbei gilt die Mermaid eher als sanft und verspielt, die Siren dagegen als eher düster und gefährlich. Die Mermaid sei eher menschlich und schutzbedürftig, stets ziehe es sie an Land; die Siren sei eher ein gefährliches, unberechenbares Meerestier.

Doch ob nun Meerjungfrau oder Nixe, ob Mermaid oder Siren - das sind nur unterschiedliche Bezeichnungen für uns Meerjungfrauen.

So sind auch die Legenden, Nixen bzw. Sirenen würden Gefahren, Schaden oder gar den Tod bringen, würden Landdamen womöglich mit ihren Gesängen anlocken und dann töten, ganz und gar unzutreffend.

Meerjungfrauen - Dienerinnen des Meeres

Das englische Mermaid zeigt noch etwas an. Man kann Maid nicht nur mit Jungfrau übersetzen, sondern auch mit Dienerin. Wir Meerjungfrauen betrachten uns als Dienerinnen der Meere und ihrer Geschöpfe. Wir sorgen für sie, wir beschützen sie, wir verteidigen sie.

Andere Wasserwesen

Etwas ganz anderes als Meerjungfrauen sind schließlich Wasserfrauen und Wassermänner - zu diesen besteht auch keinerlei Verwandtschaft.

Manchmal nehmen Landdamen an, es gäbe uns Meerjungfrauen gar nicht. Seefahrer hätten früher Seekühe für Meerungfrauen gehalten. Aber nicht nur, dass Seekühe uns Meerjungfrauen nun wirklich gar nicht ähnlich sehen, gibt es auch keine Verwandtschaft (obwohl die Landdamen ihnen irrtümlich ebenfalls die lateinische Bezeichnung Sirenia gegeben haben, weil sie dachten, es handele sich dabei um Meerjungfrauen).

Abstammung

Wenn man den Theorien glaubt, so haben wir uns wie die Landdamen (Homo sapiens) aus den Wasseraffen entwickelt.

Es ist nicht geklärt, wann genau die Wasseraffen lebten. Es waren vermutlich Vorfahren der ersten Hominini, und die ersten Hominini tauchten vor rund 7 Millionen Jahren auf. Während die Hominini damals an Land gingen, blieben die Sirenini im Wasser, lebten wie ihre Vorfahren in den Flüssen, Seen und Meeren.

Im Laufe der Evolution hat sich unser Oberkörper wie der von Landdamen entwickelt (zufällig gleicht er heute äußerlich dem von Homo sapiens), doch unser Unterleib hat sich stark dem aquatischen Leben angepasst, so dass er gerade dank der Schuppen und der Schwanzflosse wie ein Fischschwanz aussieht.

Sirenia sapiens gehört somit auch nicht zum Tribus Hominini, sondern bildet einen eigenständigen Tribus, Sirenini. Wir und die Hominini gehören aber  beide zur Familie der Hominidae (Menschenaffen).

Es ist übrigens ziemlich anthropozentrisch, von Menschenaffen oder Hominidae zu sprechen, da ja nicht nur die Homini, sondern auch die Sirenini zu dieser Familie gehören. Man könnte ebenso gut von Meerjungfrauenaffen oder Sireninidae sprechen.

Es ist wegen der Anthropozentrizität des Begriffes auch umstritten, ob man die Meerjungfrauen als Meermenschen bezeichnen sollte. Wir sind nun einmal keine Menschen, sondern Meerjungfrauen.

Anatomie

Je nach Länge unserer Schwanzflosse bestehen wir zu etwa 30 - 50 % aus einem Oberkörper, der dem der Landdamen ähnelt, und zu etwa 50 - 70 % aus einem an das aquatische Leben bestens angepassten Unterleib, der mit seinen Schuppen und seiner oft recht großen Schwanzflosse dem eines Fisches ähnelt und der darum auch als „Fischschwanz“ bezeichnet wird.

Der Fischschwanz ist aber nur in Gestalt und Aussehen fischähnlich - es handelt sich um den Unterleib eines Meeressäugers, der sich dank der Schuppen und der Schwanzflosse perfekt an das Leben im Wasser angepasst hat.

Der landdamen-ähnliche Oberkörper reicht bis zum Becken herab (und etwas in den Fischschwanz hinein), der fisch-ähnliche geschuppte Unterleib beginnt an der Hüfte, umschließt das Becken und die bis zur Schwanzflosse verlängerte Wirbelsäule und bildet schließlich eine meist recht große Schwanzflosse, die auch „Fluke“ genannt wird.

Die meisten wichtigen Organe (Gehirn, Herz, Lungen, Magen, Darm, Leber usw.) befinden sich im Oberkörper; der Fischschwanz ist vor allem ein starker Muskel, mit dessen Hilfe wir uns im Wasser fortbewegen. Zugleich beherbergt der Fischschwanz die Ausscheidungsorgane, die Scheide der Meerfrauen und die Fortpflanzungsorgane der Meermänner, insbesondere unsere Bruttasche.

Da wir keine Fische sind, besitzen wir auch weder Kiemen noch Schwimmblase.

Lungen

Da wir Meeressäuger sind, sind wir Lungenatmer, die gut die Luft anhalten können, um zu tauchen. Wir müssen aber regelmäßig auftauchen, um atmen zu können.

Kloake

Viele Landmenschen wundern sich, wo denn bei uns Meerjungfrauen zum einen die Ausscheidungsorgane für Harn und Stuhlgang, zum anderen die Scheide bzw. der Penis zu finden sind.

In Anpassung an unseren aquatischen Lebensraum sind die Ausscheidungsorgane beider Geschlechter und die weiblichen Scheide unter den Schuppen verborgen, in einer Kloake. Bei den Meermännern sind die Ausgänge von Harnleiter und Samenleiter getrennt; nur der Harnleiter endet in der Kloake.

Bruttasche

Ebenfalls unter den Schuppen verborgen ist die Bruttasche der Meermänner, in der darüber hinaus der männliche Samenleiter endet, um die Eier der Meerfrauen, die diese in unsere Bruttasche legen, zu befruchten.

Schuppen

Ähnlich wie bei den meisten Fischen ist die Haut unseres Fischschwanzes mit Schuppen bedeckt. Wir sind die einzigen Meeressäuger, die über Schuppen verfügen.

Schwanzflosse

Schauen wir uns nun einmal unsere Schwanzflosse an. Sie wird auch „Fluke“ genannt. Auf unsere Schwanzflosse sind wir stets sehr stolz. Bei ihr handelt es sich übrigens nicht um umgebildete Füße - wir besitzen nämlich gar keine Beinknochen und damit auch keine Füße. Unterhalb unseres Beckens gibt es keine Beine, sondern unsere Wirbelsäule setzt sich vom Becken abwärts bis zur Schwanzflosse fort. Diese besteht aus Bindegewebe und ist darum recht elastisch.

Als Meeressäuger haben wir, wie auch Delfine und Wale, eine horizontale Schwanzflosse. Unsere Wirbelsäule bewegt sich nicht wie bei Fischen seitwärts, sondern wie bei allen Säugetieren auf und ab. Um diese Bewegungen optimal für die Fortbewegung im Wasser einsetzen zu können, ist unsere Schwanzflosse horizontal. Zugleich können wir mit dieser Schwanzflosse auch gut liegen oder sitzen, ohne dass die Flosse im Weg wäre, wie dies bei einer vertikalen Schwanzflosse der Fall wäre.

Weitere Flossen

Viele von uns haben nicht nur eine Schwanzflosse, sondern auch weitere Flossen - oftmals seitlich oder auf dem Rücken unseres Fischschwanzes.

An Land

Die wenigen Orte, an denen wir an Land nicht auffallen, sind Badestrände, Badessen und Schwimmbäder. Hier glauben viele Landdamen, unsere Fischschwänze seien nur Kostüme, in denen unsere Beine steckten. Tatsächlich zeigen wir uns dort in unserer wahren Gestalt.

An Land zwängen wir unseren Fischschwanz ansonsten recht aufwändig in ein Beinkostüm. So fallen wir unter den Landdamen weniger auf und können uns an Land besser bewegen.

Anders als manche Filme oder Serien behaupten, hängt unsere Verwandlung nicht davon ab, ob wir nass sind oder trocken. Es gibt keinen magischen Wechsel zwischen Fischschwanz und Beinen.

Lebensweise

Wir leben oft in Landnähe, das wir jedoch meist nur soweit aufsuchen, dass wir am Strand liegen. Nur wenige von uns zwängen ihren Fischschwanz in ein Beinkostüm, um weiter auf das Land vorzudringen und sich dort auf zwei Beinen zu bewegen.

Unsere bevorzugte Heimat sind Gewässer in Ufernähe, oftmals Inseln. Beliebt sind Inseln mit Vulkanseen in ihrem Innern. Hier finden sich oft Meerjungfrauenschulen. Wir meiden die Nähe von Ansiedlungen der Landdamen.

Ein großes Problem für uns ist zum einen die von Landdamen verursachte Vermüllung der Meere, zum anderen die Überfischung der Meere. Es ist schrecklich, dass Ihr Landdamen unseren Lebensraum so rücksichtslos zerstört.

Wir bitten Euch: Hört auf, Euren Müll in die Meere zu kippen, vor allem Plastikmüll und Mikroplastik. Hört auf, rücksichtslos die Meere leerzufischen. Hört auf, unter Wasser Lärm zu erzeugen.

Pflege & Schönheit

Unseren Fischschwanz pflegen wir sehr aufwendig - täglich reibe ich ihn etwa mit Tang und Quallen ein, damit er immer schön aussieht. So ist er auch immer angenehm glitschig.

Viele Meerjungfrauen achten auch sonst sehr auf ihr Äußeres - aus Muscheln, Seesternen und aus dem, was wir im Meer finden (außer Plastikmüll - den dürft Ihr Landdamen bitte wieder aus dem Meer holen!), basteln sich viele von uns kleine Accessoires, etwa Muschel-BHs für die Frauen.

Wir Meermänner führen ab und an einen Dreizack.

Zusammenleben

Meerjungfrauen leben in matriarchalen Strukturen. Hierin ähneln wir in gewisser Weise sehr nahen Verwandten der Hominini, den Bonobos (Pan paniscus). Die meisten Landdamen ähneln in ihrem Zusammenleben hingegen eher den Schimpansen (Pan troglodytes).

Typischerweise verwenden wir, wenn Meerfrauen und Meermänner gemeint sind, dass sogenannte generische Femininum. Meermänner sind dann stets mitgemeint.

Die Meerjungfrauen leben selten einzelgängerisch, sondern meist in Schulen - ähnlich wie Delfine oder Wale. Die Schulen werden manchmal auch als Schwärme bezeichnet (im Englischen Pod).

Was wir übrigens nicht verstehen können, ist, dass Ihr nicht in einem Matriarchat lebt, sondern meist den Männern viel Macht einräumt. Zu viel Macht, denken wir. Wisst Ihr denn nicht, dass die Männer der Hominidae nicht geeignet sind, um eine Schule bzw. Herde anzuführen? Sie zetteln Kriege an, sie gehen unachtsam mit der Umwelt und ihren begrenzten Ressourcen um, sie rotten andere Lebewesen aus, sie vermüllen die Flüsse, Seen und Meere, sie unterdrücken Frauen. Wärt Ihr so weise, wie es Euer Artenname Homo sapiens andeutet, würdet Ihr wie wir Meerjungfrauen und die Bonobos in matriarchalen Strukturen leben.

Rang

Innerhalb einer Meerjungfrauenschule nehmen die Meerfrauen einen mehr oder weniger hohen Rang ein.

Der Rang wird nicht ererbt, sondern hängt vor allem von Faktoren wie Bildung und Weisheit und Geschick im Lösen von Problemen ab, kann aber auch beeinflusst werden, wenn geschickte Bündnisse mit anderen Meerfrauen eingegangen werden. Die Meerfrauen mit dem höchsten Rang führen die Schule gemeinsam an und bilden den Rat der jeweiligen Schule. An der Spitze stehen die drei ranghöchsten Meerfrauen.

Der Rang der Meermänner innerhalb der Schule ist vor allem vom Rang der Meermutter abhängig, später eher vom Rang der Meerehefrau.

Ehe und Familie

Meerjungfrauen gehen meist lebenslange Ehen von Meerfrau und Meermann ein und bilden Familien mit meist zwei bis drei Larven, die etwa bis zum achtzehnten Lebensjahr in der Schlupffamilie bleiben. Die Erziehung der Larven wird von beiden Elternteilen verantwortet. 

Junge Meerfrauen schließen sich, wenn sie mit etwa achtzehn Jahren ihre Schlupffamilie verlassen, einer anderen Schule an. Meist sind dies befreundete Schulen, zu denen auch Verwandtschaftsverhältnisse bestehen.

Junge Meermänner bleiben hingegen fast immer ihr Leben lang in ihrer Schule und heiraten eine Meerfrau, die aus einer anderen Schule stammt.

Wurden Ehen früher häufig von den Eltern des jungen Meermannes arrangiert, so ist heute die Liebesheirat selbstverständlich geworden.

Fortpflanzung

Oft werden wir gefragt, wie das bei uns mit der Fortpflanzung funktioniert. Nun, ohne ins Detail gehen zu wollen - wir haben eine Art der Fortpflanzung entwickelt, die es so sonst nirgendwo bei den Säugetieren gibt. Wir sind weder Beutelsäuger noch Plazentasäuger. Bei uns tragen die Männer die Larven aus, die Frauen übernehmen das Säugen.

Wir Meermänner besitzen in unserem Fischschwanz eine Bruttasche. In diese Tasche legen die Meerfrauen ein Ei.

In der Bruttasche wird das Ei von uns Männern befruchtet und nistet sich dann ein. Die Bruttasche verschließt sich. Um das befruchtete Ei entsteht eine Fruchtblase. Wir bilden eine Art Plazenta aus, die das befruchtete Ei aus dem Körper des Vaters mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, so dass es in der Bruttasche zu einer Larve heranwachsen kann.

Nach ungefähr neun Monaten reißt die Bruttasche auf und eine Larve schlüpft (manchmal gibt es auch einen Zwillingsschlupf). Erstmals atmet die Larve nun selbständig und muss darum vom Vater regelmäßig an die Wasseroberfläche gebracht werden, um Luft zu holen. In diesem Stadium wird die Larve auch „Schlüpfling“ genannt.

Gesäugt wird der Schlüpfling wie bei allen Säugetieren von der Mutter (die Milchproduktion wird angeregt durch vom Mann kurz vor dem Schlüpfen produzierte Hormone, die durch Küsse an die Frau weitergegeben werden).

Die Entwicklung der Larve

Schon recht bald nimmt die Larve auch feste Beikost auf - bestehend aus Fischen und Meeresfrüchten. Schließlich beginnt die Umstellung von Muttermilch auf feste Nahrung, weiterhin Fisch und Meeresfrüchte. Aber auch Schokolade und Gummibärchen sind bei den Larven sehr beliebt.

Die Larve lernt ziemlich früh zu schwimmen und selbständig die Wasseroberfläche aufzusuchen, um Luft zu holen. Meist schwimmt die Larve neben Vater oder Mutter her.

Eine große Gefahr für unsere Larven ist der Plastikmüll, mit dem die Landdamen die Meere zumüllen. Sie verwechseln ihn manchmal mit Gummibärchen und wollen ihn essen.

Schule

Unsere Larven müssen, sobald sie etwa sechs Jahre alt sind, die Meerjungfrauenschule besuchen. Mit rund 16 Jahren erhalten sie ihren Abschluss.

Ernährung

Unsere Ernährung besteht hauptsächlich aus Fischen und Meeresfrüchten. Wir lieben aber auch Schokolade und Kaffee bzw. Tee.

Sirenia sapiens

Die lateinische Bezeichnung Sirenia sapiens ist irreführend - denn auch die Seekühe werden zur Ordnung Sirenia gezählt. Es besteht jedoch nur eine äußerliche Ähnlichkeit; eine Verwandtschaft besteht nicht. Tatsächlich sind die nächst lebenbenden Verwandten der Seekühe ausgerechnet die Elefanten, gefolgt von den Schliefern, während unsere nächst lebenden Verwandten eher die Hominini sind, von denen heute nur noch der Homo sapiens existiert.

Doch Sirenia (oder auch Syreni) ist das lateinische Wort für Meerjungfrau. Andere lateinische Bezeichnung wären Nympha marina (See- oder Meeresnymphen) oder Nereides (Nixen).

Das sapiens in Sirenia sapiens besagt, dass wir wie die Landdamen (Homo sapiens) weise, gescheite, kluge, vernünftige Wesen sind. Unser Verstand hat mindestens die gleiche Entwicklungsstufe wie der des Homo sapiens erreicht.

Viele meinen jedoch, dass vor allem unser friedliches Zusammenleben beweist, dass wir vom Verstand her eher weiter entwickelt sind als Homo sapiens. Wir führen keine Kriege, wir achten sehr darauf, unseren Mitgeschöpfen im Meer keinen Schaden zuzufügen, wir beuten die Ressourcen des Meeres nicht aus.

Wesen ohne Seele?

Gewisse Mythen der Landdamen behaupten, wir seien erlösungsbedürftig, besäßen keine Seelen. Erst wenn wir unsere Fischschwänze gegen Beine eintauschten (und womöglich auf unsere Stimme verzichteten), an Land gingen (unter Schmerzen, die uns bei jedem Schritt verfolgten) und von Landdamen bzw. meist deren Männern geliebt und geheiratet würden, erhielten wir eine Seele und würden somit erlöst. Ohne diese Liebe würden wir uns gar in Meeeresschaum verwandeln.

Unsinn.

Wir Meerjungfrauen besitzen eine Seele und unterscheiden uns hierin nicht von den Landdamen.

Schutzbedürftige schwache Wesen?

Eng mit diesem Mythos hängt ein anderer zusammen: Wir seien schutzbedürftige Wesen. Nur die Liebe einer Landdame (auch hier wird meist an Eure Männer gedacht) könne uns Schutz geben.

Auch dies ist Unsinn.

Tatsächlich sind wir darauf bedacht, jene Geschöpfe, die das Meer mit uns teilen, zu schützen. Heutzutage vor allem vor den Landdamen - vor Überfischung, Plastikmüll und vielem mehr.

Geraten Landdamen in Seenot, so eilen wir zur Hilfe, um sie zu retten. Viele von uns unterstützen darum auch die Seenotrettung, die derzeit im Mittelmeer so wichtig ist, weil die europäischen Regierungen hier so viele Menschen, die auf der Flucht sind, erbarmungslos ertrinken lassen.


Disclaimer

Dieser Artikel ist natürlich durchweg fiktiv (nun ja, nicht ganz: die nächsten lebenden Verwandten der Seekühe sind tatsächlich Elefanten, und auch sonst sind nicht alle Informationen in diesem Artikel nur fiktiv).

Er stellt meine kleine Meerjungfrauen-Welt dar - andere Meerjungfrauen würden ihre Welt sicherlich anders darstellen. Dieser Artikel erhebt darum nicht den Anspruch für alle Meerjungfrauen und Nixen zu sprechen.

Er spricht genau für diesen Meermann.