In unserer Sprache sind generische Bezeichnungen für menschliche Bezugsobjekte usw., auch wenn sowohl Frauen als auch Männer gemeint sind, zumeist im Maskulinum gehalten - Lehrer, Arzt, Pastor...Dies wird als generisches Maskulinum bezeichnet. Das generische Maskulinum wird meist auch bei anaphorischen Personalpronomina, Indefinitpronomina und Demonstrativpronomina angewandt. Außerdem spricht „man“ vom generischen Maskulinum usw. Unsere Sprache ist da, wo sie generisch von Menschen spricht, fast nur auf Männer bezogen - Frauen sollen sich stets mitgemeint fühlen.

Es gibt nur wenige Ausnahmen, in denen hingegen vorwiegend ein generisches Femininum verwendet wird, auch wenn beide Geschlechter gemeint sein können. Viele dieser Begriffe beziehen sich etwa auf Berufe wie z.B. „Schwester“ in der Alten- oder Krankenpflege, die früher in erster Linie Frauenberufe waren, aber zum Beispiel auch auf „Meerjungfrauen“, weil diese in den Mythen aus alten Zeiten stets Frauen waren (und etwa von Wassermännern strikt unterschieden werden) und auch die modernen Meerjungfrauen zumeist weiblichen Geschlechts sind (und Männer hierbei eine Ausnahme bilden, deren Existenz vielen nicht einmal bekannt ist oder auch als angeblich „unmännlich“ abgelehnt wird). Zugleich suchen Männer meist nach einer weniger femininen Form, wenn sie mitgemeint sind („Pfleger“, „Meermenschen“), es fällt oft schwer, Männer hier mit zu meinen, vor allem natürlich Männern selbst.

Es gibt Bestrebungen, das generische Maskulinum aufzuweichen - entweder durch Schrägstrichschreibweisen, Klammerbenutzung, Binnen-I oder Gendergap, Gender-Sternchen und Gender-x (jeweils in der Schriftsprache), durch die Doppelnennung, Neutralisierung oder Umschreibung (jeweils in der geschriebenen oder gesprochenen Sprache). Teilweise soll dabei auch die Fixierung auf nur zwei Geschlechter (männlich und weiblich) aufgehoben werden bzw. deutlich gemacht werden, dass es nicht nur zwei Geschlechter gibt bzw. die Zuordnung nicht in jedem Fall möglich bzw. gewünscht ist.

Insbesondere Schrägstrichschreibweisen, Klammerbenutzung, Binnen-I, Gendergap, Gender-Sternchen und Gender-x sind nicht barrierefrei, wenn etwa geschriebene Texte automatisiert vorgelesen werden sollen oder z.B. Autistinnen die Texte lesen und verstehen sollen. Auch stören sie häufig den Lesefluss oder beim mündlichen Vortrag eines Textes.

Eine andere Methode, das generische Maskulinum aufzuweichen, ist dessen Verknüpfung mit expliziter Zuordnung des Geschlechts durch ein eindeutiges Suffix da, wo ausdrücklich Männer oder Frauen gemeint sind. Wenn z.B. das maskuline „Arzt“ den generischen Begriff darstellt, aber bei ausdrücklichem Bezug auf ein bestimmtes Geschlecht vom „Arzter“ bzw. von der „Arztin“ gesprochen wird. Es wird also da, wo ausdrücklich ein Mann oder eine Frau gemeint ist, stets ein „-er“ oder ein „-in“ an das generische Maskulinum angehängt. Bei Bezeichnungen wie „Lehrer“ führt dies dann zu „Lehrerer“ bzw. „Lehrerin“. Hierbei gibt es nun auch keine vom Maskulinum abgeleiteten weiblichen Bezeichnungen wie „Ärztin“, „Friseuse“, „Schwester“, sondern eben „Arztin“, „Friseurin“, „Pflegerin“.

Das generische Femininum

Das generische Femininum kommt, wie wir schon gesehen haben, eher selten vor - die „Schwester“ in der Alten- und Krankenpflege, die „Meerjungfrau“. Hier wird meist davon ausgegangen, dass Männer nicht mitgemeint sind - ansonsten wird eher auf neutrale Formen zurückgegriffen (die „Pfleger“, die „Meermenschen“), aber eben nicht das generische Femininum verwendet. Dies geschieht allenfalls noch bei Tieren - Katzen, Schlangen usw. -, aber eher nicht bei Menschen.

Doch ab und an wird das generische Femininum auch ausdrücklich und anstelle des generischen Maskulinums verwendet - also sowohl in der Schrift- als auch in der gesprochenen Sprache stets weibliche Formen verwendet, wo es um generische Begriffe geht.

Dann spricht frau halt von Lehrerinnen und nicht von Lehrern, von Ärztinnen und nicht von Ärzten, von Meerjungfrauen und nicht von Meermenschen usw.

Ich verwende in der Regel das generische Femininum, verwende auch da, wo meist „man“ geschrieben wird, entsprechend ein „frau“. Ich ersetze möglichst durchgehend das generische Maskulinum durch das generische Femininum und weise Männer darauf hin, dass sie sich stets mitgemeint fühlen dürfen (tatsächlich fällt das vielen Männern erstaunlich schwer).

Damit will ich den Männern auch einen Spiegel vorhalten, wie es ist, wenn frau nur mitgemeint ist, wenn die Sprache weithin auf Männer ausgerichtet ist und auf Männer Bezug nimmt.

Ich will aber vor allem die Sprache verwenden, um Frauen stärker aus dem Hintergrund zu holen. Unsere Sprache ist weithin patriarchal geprägt, und das möchte ich aufbrechen. Das generische Femininum holt Frauen in den Vordergrund, macht sie sichtbar.

Ich bin darüber hinaus ein Befürworter matriarchaler Strukturen. Ich würde jederzeit Frauen bei einer Revolution unterstützen, die ein Matriarchat zum Ziel hat (wobei ich ein Matriarchat nicht als reines Spiegelbild oder Negativbild des Patriarchats sehe - meiner Überzeugung nach wäre ein Matriarchat weniger auf die Herrschaft der Frau über den Mann hin ausgelegt als vielmehr darauf ausgerichtet, Gleichheit und Freiheit herzustellen). Als Befürworter des Matriarchats verwende ich eine eher matriarchal geprägte Sprache.

Selbstverständlich ist es nicht ausreichend, nur generisch verwendete Begriffe auszutauschen. Wenn etwa Frauen die Jungfräulichkeit verlieren, so ist das eine sehr patriarchal geprägte Sprache, die nicht verwendet werden sollte. Lebten wir in einem Matriarchat, so würde sehr wahrscheinlich nicht in solcher Weise über Frauen und ihr Leben gesprochen werden. Sprache ist über generische Maskulina hinaus weithin patriarchal geprägt und drückt Frauen eine entsprechende Fehlprägung auf und sorgt dafür, dass wir Frauen in einer falschen Weise sehen. Es ist wichtig, auf patriarchal geprägte Sprache zu achten und nicht mehr zu verwenden. Patriarchale Sprache ist vom sogenannten Vaterrecht geprägt, bei der der Vater (und später der Ehemann) über die Frau verfügt (und im Gegenzug zu ihrem „Schutz“ verpflichtet ist und dazu, sie aufgrund ihres Geschlechts mit „Respekt und Höflichkeit“ zu behandeln). So finden wir es weithin völlig normal, dass in unserer Sprache die Braut (womöglich noch vom Brautvater) dem Bräutigam übergeben wird, eine Frau (ein „Mädchen“) ihre „Jungfräulichkeit verlieren“ kann usw. 

Ich bin mir bei alledem klar, dass ein „entweder Maskulinum oder Femininum“ ausblendet, dass es unzutreffend ist, nur von zwei Geschlechtern auszugehen, von einer rein binären Geschlechterwirklichkeit, wo es entweder Mann gibt oder Frau, aber keine Abstufungen, wo Mann und Frau womöglich nur von angeborenen sichtbaren Merkmalen abhängig wäre. Ich selbst bin gerne Mann, aber entspreche so gar nicht einem binär verstandenen Mann (zoologisch gesprochen „1,0“). Was „typisch“ männlich oder weiblich ist, sind Durchschnittswerte, denen keine Frau und kein Mann exakt entspricht. Ich bin ein heterosexueller Mann, aber was die üblichen und klischeebehafteten Vorstellungen angeht, so erreiche ich durchaus hohe Werte in Bereichen, die für typisch weiblich gehalten werden, während es mir häufig an hohen Werten da. wo es als typisch männlich gilt, fehlt.

Dennoch möchte ich das generische Femininum so verstanden wissen, dass Frauen und Männer nicht nur in einem binären (und gar nicht der Wirklichkeit entsprechenden) Format gemeint sind, sondern auch mit all den Abstufungen, die der Realität entsprechen.