Zuerst einmal muß festgehalten werden, daß Atheismus nicht das Gegenteil von Religion ist.

Religion, das sei hier angemerkt, ist eine Auseinandersetzung mit metaphysischen Fragen, die Auswirkungen auf die Lebensgestaltung hat.

Damit fallen erstens auch ein ideologischer Atheismus und zweitens atheistische Religionen wie z.B. der Buddhismus unter den Begriff "Religion".

Das Gegenteil des Atheismus ist also nicht die Religion, sondern der Theismus, also Mono- oder Polytheismus.

Man kann zwischen drei Formen des Atheismus unterscheiden:

  1. Der methodische Atheimus als Werkzeug der Naturwissenschaften
  2. Der praktische Atheismus
  3. Der ideologische Atheismus

Der methodische Atheismus darf nicht mit einer atheistischen Weltanschauung verwechselt werden. Da das Wirken einer Gottheit naturwissenschaftlich nicht erfaßt werden kann, müssen alle naturwissenschaftlichen Modelle ohne Gottheit auskommen. Ein Naturwissenschaftler kann Christ, Atheist oder was sonst sein, immer wird er mit dem methodischen Atheismus arbeiten, ohne daß dies Auswirkungen auf seine Weltanschauung hat. In allen seinen Äußerungen wird er stets zwischen der Naturwissenschaft und der Metaphysik unterscheiden und wissen, daß auf viele Fragen nur die Metaphysik, auf andere Fragen nur die Naturwissenschaft Antworten geben kann. Beispielsweise der Kreationismus, das Intelligente Design als auch der ideologisch-atheistische Evolutionismus, der aufgrund der Evolutionstheorie zu beweisen glaubt, es gäbe keinen Gott, verstoßen gegen diese Bedingung für saubere nsaturwissenschaftliche Arbeit. 

Der praktische Atheismus ist der wohl am weitesten verbreitete Atheismus. Mit diesem Begriff werden Menschen bezeichnet, die so leben, als gäbe es Gott nicht, egal, ob sie nun an einen Gott glauben oder nicht, ob sie einer theistischen Religionsgemeinschaft angehören oder nicht.

Der ideologische Atheismus ist eine Weltanschauung, nach der es keine Gottheit gibt. In der Regel wird von Vertretern dieser Weltanschauung ein Gott geschaffen, an den sie nicht glauben - die meisten Theisten allerdings, die nach Ansicht des betreffenden Atheisten an eben diesen Gott glauben sollten, ebenfalls nicht, weil das atheistische Gottesbild oftmals stark verzerrt ist. Der Gott beispielsweise, an den der britische Atheist Richard Dawkins nicht zu glauben glaubt, ist kein Gott, an den irgend ein Christ, den ich kenne, glauben würde. Was die US-Evangelikalen für das Christentum, das sind die sog. "Neuen Atheisten" bzw. "Brights" ("Hellen") für den ideologischen Atheismus.

Eine atheistische Religion wie der Buddhismus fällt sowohl in die zweite als auch in die dritte Kategorie. Auch sonst sind die meisten Vertreter des ideologischen Atheismus wie Richard Dawkins natürlich auch Angehörige der zweiten Kategorie, der praktischen Atheisten - zusammen mit vielen Angehörigen von Kirchen und anderen theistischen Religionsgemeinschaften. Es macht also Sinn, bei der zweiten Kategorie noch weiter zu unterscheiden - es gibt hier also solche Leute, die formal einer theistischen Religionsgemeinschaft, z.B. einer christlichen Kirche, angehören, dann solche, die einer atheistischen Religionsgemeinschaft, z.B. dem Buddhismus, angehören, des weiteren jene, die ideologische Atheisten sind und schließlich diejenigen, die sich über Religionen schlicht keine Gedanken machen und auch keiner weltanschaulichen oder Religionsgemeinschaft angehören.

Zusätzliche Informationen