Christlicher Glaube...

Evangelikale raus!

In letzter Zeit liest man so einiges über die Zustände in einigen hauptsächlich von "Bürgern mit Migrationshintergrund" bewohnten Vierteln unserer Städte. Gewalt an Schulen, Mädchen, die als Schlampen oder gar Nutten bezeichnet werden, wenn sie nicht "korrekt" bekleidet sind...

Es wird - m.E. zurecht - bezweifelt, ob manche der Fotos und Filmaufnahmen aus den besagten Vierteln tatsächlich Alltagssituationen wiedergeben, und manches Organ der Medien steht gar im Verdacht, Steinewerfer nicht nur zu bezahlen, sondern die Steine gleich mitzubringen.

Wenn es auch nicht allen Städten solche Zustände gibt, wie ihre Opfer derzeit in den Medien vorgeführt werden, so gibt es doch eine erschreckende Tendenz in Deutschland: In vielen Städten bilden sich dort, wo hauptsächlich BürgerInnen ausländischer Herkunft und nicht selten muslimischen Hingergrundes leben, Ghettos mit ausgeprägten Parallelgesellschaften.

Es soll hier nicht um Ursachen und Analysen gehen. Nur eine Forderung habe ich:

                Evangelikale raus!

Ihr lieben Evangelikalen, was meint Ihr, wo wäre Jesus wohl, wenn er jetzt und hier in Deutschland leben würde? Aufgewachsen vielleicht, wie Albrecht Gralle in seinem an das Markus-Evangelium angelehnte Buch "Jesus starb in Berlin" vorschlug, in Kassel. Doch wo würde Jesus wohl leben und wirken? Und mit wem würde er leben?  Und wohin würde er seine Jünger mitnehmen?

Ich denke, in den schönen Vororten unserer Städte würden wir ihn nicht finden. Nicht in schönen Wohnungen und Häusern, in denen Evangelikale so gerne wohnen, wenn es ihnen denn möglich ist. Und er würde nicht in unseren schönen großen und kleinen evangelikalen Kirchen und Gemeindehäusern zu finden sein.

Aber warum findet man dann so viele Evangelikale dort?

Ich glaube: Die Evangelikalen müssen raus. Überlaßt den Liberalen und den Moderaten und den Progressiven die hübschen Kirchen und Gemeindehäuser und die ganze kirchliche Arbeit - Verkündigung, Seelsorge, Diakonie, Evangelisation - an den "Normalbürgern". Euer Platz, liebe Evangelkale, ist nicht dort. Euer Platz ist nicht in schönen Wohnungen und Häusern und auch nicht in schönen Kirchen und Gemeindehäusern.

Ich glaube, wir sollten dort leben und wirken, wo die Ghettos mit ihren schrecklichen sozialen Zuständen entstehen und blühen und gedeihen. Wir sollten dort unsere Wohnungen haben, sollten dort unsere Gottesdienste haben, sollten dort Nachfolger Jesu sein. Denn nirgendwo sonst in Deutschland können wir dem Herrn Jesus näher sein als dort. 

Ich plädiere dafür, die Ghettos zum Missionsfeld zu erklären.

Mit "Mission" meine ich nun nicht der Evangelikalen zweitliebstes Kind (nach der Beschäftigung mit der Frage, wer denn nun rechtgläubigt sei und wer dagegen höchstens recht gläubig und damit dann nicht "gläubig in unserem Sinne"), nämlich die Evangelisation. Hübsche Events (Amerikanische Evangelikale sprechen dann gerne von "Crusades"), in denen es darum geht, möglichst viele "Entscheidungen" oder auch "Lebensübergaben" zu sammeln.

Mit "Mission" meine ich das, was Jesus in seinem Missionsbefehl seinen Jüngern aufgetragen hat und was seinem Vorbild entspricht: Das Reich Gottes unter den Menschen auszubreiten. Das geschieht nicht nur mit "Events" oder "Crusades", sondern zuerst und zuletzt dadurch, daß wir mit den Menschen, die Hilfe brauchen, zusammenleben. Daß wir Beziehungen aufbauen und pflegen.

Wer als Evangelikaler glaubt, er könne von außen in die Ghettos mit ein paar gezielten "Events" oder "Crusades" hineinwirken, täuscht sich. Wenn wir nicht mit Haut und Haaren in die Ghettos hineingehen, können wir es gleich sein und bleiben lassen. Wenn wir nicht in den Ghettos unsere Wohnungen beziehen, in den Ghettos einkaufen und unsere Freizeit verbringen und unseren Nachbarn wo immer möglich Hilfestellungen im Alltag geben, brauchen wir über die Ghettos nicht weiter zu reden.

Jesus hat auch nicht von außen mit einem hübschen "Event" oder "Crusade" in diese Welt hineingewirkt. Nein, der Herr Jesus ist wirklich und wahrhaftig Mensch geworden, uns in allen Dingen - außer der Sünde gleich. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde ein Knecht, ein Sklave. Lies Philipper 2,5 und folgende. Jesu Kreuzzug führte mitten in diese Welt hinein und an das Kreuz. Sind wir bereit, unser Kreuz auf uns zu nehmen? Paulus war bereit dazu. Er wurde den Juden ein Jude, den Griechen ein Grieche. Er nahm alles auf sich, um überall einige zu retten. Sind wir Evangelikalen bereit, den BürgerInnen der Ghettos, den BürgerInnen mit Migrationshintergrund, den BürgerInnen mit einem häufig muslimischen Hintergrund den gleichen Gefallen zu tun?

Ich glaube, daß wir Evangelikalen die Möglichkeit haben, die Situation in den bestehenden Ghettos und den Orten, die solche zu werden drohen, zu verbessern. Diese Hoffnung habe ich. Aber ich weiß auch: Das geht nur, wenn wir mitten rein gehen.

Raus also aus unseren Kuschelclubs erretteter Christen. Raus aus unseren schönen Wohnungen und Häusern, raus aus unseren schönen Kirchen und Gemeindehäusern.

Ich sage nicht, daß das leicht wird. Aber wenn wir das tun, dann liegt darauf ein Segen - für jene Gegenden Deutschlands, die uns allen derzeit so viel Sorgen machen.

In Deutschland leben etwa fünf Millionen Evangelikale, wenn man den Begriff "evangelikal" möglichst weit faßt. Wenn davon 10 % dem Ruf "Evangelikale raus!" folgen, sind es 500.000 Christen, die in der Kraft Gottes etwas bewegen werden.

Was sollen sie nun tun?

  • Dort wohnen und leben, wo die Menschen leben und wohnen, die auf das Reich Gottes angewiesen sind
  • Dort die Kinder zur Schule schicken
  • Dort den Nachbarn Hilfestellung bei der Bewältigung aller Probleme und Aufgaben des Alltags geben: Nachhilfe für Kinder, Deutschunterricht, Hilfe bei Behördengängen...
  • Dort in Privatwohnungen Gottesdienste feiern (Hauskirchen)
  • Dort für Menschen, die in Not sind, beten

Was sie nicht tun sollen, sei auch angemerkt: Nicht den Menschen muslimischen Hintergrundes den Islam erklären wollen. Die BürgerInnen mit Migrationshintergrund nicht als "Missionsobjekte" betrachten. Nicht die Umgebung "verdeutschen" wollen, sondern "verreichsgotten", keine Assimilation, sondern Reich-Gottes-orientierte Integration. 

Was ist eine "Reich-Gottes-orientierte Integration"? Eine Integration, die den kulturellen, ethnischen, sozialen und religiösen Hintergrund der Menschen ernst nimmt und das Reich Gottes durch Nächstenliebe (Diakonie) und Verkündigung ausbreitet. 

Natürlich würde ein solcher Weg nicht ohne Schwierigkeiten sein. Es ist ein Weg, der beinhaltet, daß man sein Kreuz auf sich nimmt. Es ist aber auch ein Weg, auf dem man den Herrn Jesus bei sich wissen darf.

Ich hoffe und bete, daß sich Evangelikale aller Konfessionen angesprochen fühlen von diesem Ruf und ihn mit in ihr Gebet nehmen. Daß sie Gott danach fragen, ob dieser Ruf ihnen gilt und wie sie ihm folgen können.

Und wer diesem Ruf folgen möchte, der sollte jetzt nichts überstürzen, sondern darüber beten und sich mit anderen darüber austauschen.

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