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Holocaust-Gedenktag

Heute, am 66. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau, gedenken die Deutschen der Opfer des Nationalsozialismus, zum nun mehr sechszehnten Mal, seitdem der damalige Bundespräsident Roman Herzog diesen nationalren Gedenktag 1996 proklamiert hat. Auch der Opfer des Holocaust und des Antisemitismus wird an diesem Tag gedacht.

Gedenken sollte man an etwas, das vorbei ist, das hinter einem liegt. Doch liegt der Holocaust wirklich hinter uns?

Nicht nur tun wir Deutschen uns immer noch schwer damit, den Juden den Holocaust zu vergeben, nein: heute sprechen wir allzu leichtzüngig von einem "neuen Holocaust", diesmal von einem, den die Israelis angeblich am palästinensischen Volk begehen. Der Gaza-Streifen wird als "KZ" bezeichnet, und wir ermahnen die Israelis, doch aus der Vergangenheit zu lernen.Von europäischen Juden erwarten wir, sich von Israel zu distanzieren.

Doch weit mehr als das: Der Antisemitismus ist heute auch in Deutschland lebendiger als jemals zuvor seit dem Ende der Nazi-Diktatur. Auch heute müssen Juden jeden Tag damit rechnen, verbal oder tätlich attackiert zu werden.Die Täter können nicht einer einzigen Szene zugeordnet werden; der Antisemitismus unserer Tage ist vielgestaltig: Multikulturell, überparteilich, interreligiös.

Verurteilungen des Antisemitismus sind, zumal wenn die Täter nicht einem rechtsextremistischen Milieu zuzuordnen sind, selten mehr als folgenlose Worthülsen. Oft verkommen sie zu einem allenfalls medienwirksamen Ritual.

Immerhin, Deutsche lieben Rituale, und darum auch solche wie den Holocaust-Gedenktag. Für solche folgenlosen Rituale werden wir dann sogar zu Philosemiten, solange der Jud' denn ein toter Jud' ist, ermordet von den Nazis damals, früher, im Osten, weit weg, den Israelis zur Mahnung, uns zum milden Grusel. Mit den lebenden Juden dagegen haben wir so unsere Probleme, vor allem, wenn sie beim Ritual nicht mitspielen wollen. Oder wenn sie gar so etwas wie Überlebenswillen zeigen und sich nicht ein weiteres Mal vernichten lassen wollen. 

Am 27. Januar wurde das KZ Auschwitz befreit. Müssen wir eine Wiederholung des Holocaust fürchten? Das müßten wir nur, wenn Antisemitismus und Holocaust mit der Befreiung und dem Ende der Nazi-Diktatur tatsächlich sein Ende gefunden hätten. Das aber haben sie nicht.

Wir müssen nicht eine Wiederholung des Holocaust befürchten, sondern uns dem Fortdauern entgegenstellen - nicht nur mit Worthülsen und Ritualen.

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