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Islam in Deutschland - wie geht es weiter?

Ich weiß nicht, ob meine folgenden Vermutungen über die Zukunft des Islam in Deutschland korrekt sind, möchte sie aber dennoch veröffentlichen - in zehn Jahren schauen wir dann einmal, ob ich Recht gehabt haben werde oder nicht:

  1. Spätestens nach der baldigen Abwahl von Schwarz-Gelb wird eine rot-grüne oder rot-rot-grüne Koalition die Gründung einer als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannten islamischen Religionsgemeinschaft auf Basis des Koordinierungsrates der Muslime in Deutschland (sprich DITIB, Islamrat, VIKZ und ZMD) vorantreiben, diese z.B. "Islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland" (IRGD) genannte Glaubensgemeinschaft wird den Landes- und Freikirchen sowie der katholischen Kirche gleichgestellt, auch wenn sie ganz anders verfaßt ist
  2. Diese Religionsgemeinschaft wird anders als die Kirchen nicht auf Mitgliedern basieren, sondern auf Institutionen (insbesondere auf den o.g. Dachverbänden)
  3. Es wird eine öffentliche Finanzierung dieser islamischen Religionsgemeinschaft als Ersatz für eine aufgrund fehlender Mitgliederlisten nicht möglichen Kirchensteuerregelung geben (auch weil viele Moscheegemeinden sich etwa keine Uni-Absolventen als Imame werden leisten können) - damit soll eine Finanzierung und damit Steuerung aus dem Ausland (mit Ausnahme der Türkei) verhindert werden
  4. Es wird einen "Integrationssoli" geben, der als Basis der o.g. öffentlichen Finanzierung dient (ganz oder teilweise als Nachfolger des herkömmlichen Solidaritätszuschlags)
  5. Es wird eine öffentliche "Integrationsstiftung" als weitere Basis der o.g. öffentlichen Finanzierung geben
  6. Die Bezahlung von Imamen, die an deutschen Hochschulen ausgebildet werden, wird ebenfalls zu einem großen Teil über die unter Punkte 4 und 5 genannten Einrichtungen erfolgen, außerdem wird man sie mit einer halben Stelle als Religionslehrer, Integrationsbeauftragte o.ä. beschäftigen
  7. Islamische Gläubige wären gewissermaßen Zwangsmitglieder dieser Islamischen Religionsgemeinschaft, es gäbe keine individuellen Regelungen für Ein- und Austrittoder die Mitgliedschaft
  8. Andere islamische Gemeinschaften, die der o.g. Islamischen Religionsgemeinschaft K.d.ö.R. nicht beitreten wollen, können nicht auf eine Gleichstellung hoffen
  9. Zwischen dem Staat und dieser Islamischen Religionsgemeinschaft werden Staatsverträge ausgehandelt, die für alle Muslime gelten würden
  10. Der Status von Ex-Muslimen wird nicht gesondert geregelt, ein Verlassen des Islam in Form des Verlassens der Islamischen Religionsgemeinschaft wäre nicht möglich
  11. Die Islamische Religionsgemeinschaft legt fest, worin die Ausübung der islamischen Religion besteht und was somit unter den Schutz der Religionsfreiheit fällt; es gäbe keine unabhängige Religionsfreiheit für Muslime (etwa für Wahhabiten, für komplett verschleierte Muslimas, für Aleviten, für Ahmadiyya, für "liberale Muslime" usw. usf.), keine "Gewissensfreiheit" (negative Aspekte der Religionsfreiheit werden eher unterrepräsentiert sein)

Daß es zu einer eher informellen Mitgliedschaft kommt, daß also niemand offiziell ein- oder austreten kann, sehe ich als unausweichlich an. Man wird die damit verbundenen Probleme damit relativieren, daß es ja keine Mitgliedslisten gäbe, die Mitgliedschaft also eher symbolisch ist - niemand würde ja zudem "Moscheensteuer" zahlen, da die Finanzierung aus einem "Integrationssoli" erfolgt bzw. aus einer "Integrationsstiftung".

Tatsächlich wird es einen Islam "außerhalb" dieser Islamischen Religionsgemeinschaft offiziell nicht geben - vor allem nicht als Gegenüber des Staates. Jeder andere Islam wäre ein "Privatislam".

Für noch später halte ich übrigens 12. die Abschaffung der bisher üblichen Kirchensteuer für ziemlich wahrscheinlich. An ihre Stelle wird dann eine Art "Kultursteuer" treten, die alle Steuerpflichtigen entrichten müßten und aus der alle kulturellen Körperschaften des öffentlichen Rechts finanziert werden, darunter auch und wohl mit dem größten Anteil staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften (hier vor allem die bisherigen Empfänger einer Kirchensteuer, nicht allerdings die aus freiwilligen Spenden finanzierten Freikirchen usw.) und Weltanschauungsgemeinschaften. Ein Ausschuß würde jeweils festlegen, wer wie viel aus diesem Topf erhält. Die Zahl der Mitgliedschaften in den jeweiligen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften wäre für die Finanzierung eher unwichtig - Gewicht hätten Größen wie "dient der Integration", "dient dem öffentlichen Frieden", "dient dem sozialen Frieden", "vermittelt ein Gefühl der Gerechtigkeit".

Soweit also meine Vermutungen (die vor allem auf drei Überzeugungen beruhen: Erstens wird es eine Islamische Religionsgemeinschaft geben und zweitens wird es einen "Integrationssoli" geben, der drittens zu einem großen Teil vor allem dazu dienen wird, diese Religionsgemeinschaft zu finanzieren)  - in zehn Jahren schauen wir dann einmal, wie die Wirklichkeit dann aussieht.

Auf jeden Fall fürchte ich, daß eher kleine Religionsgemeinschaften auf Dauer benachteiligt werden. Die Zukunft gehört den großen Religionsgemeinschaften - Evangelische Kirche, Katholische Kirche, Islam und aus historischen Gründen das Judentum. Kleine Freikirchen, aber auch kleinere islamische Gemeinschaften werden keineswegs den "Großen" gleichgestellt werden - ihnen bleibt dann oft nur, sich den "Großen" anzuschließen und in deren Kielwasser mitzusegeln.

Vielleicht kommt natürlich auch alles ganz anders - falls beispielsweise in den nächsten zwei, drei Jahren die zunehmende Islamophobie der Deutschen über die "German Angst" vor einem beleidigten, sich empörenden und gewalttätig agierenden Islamismus triumphiert und es zum großen "Knall" kommt, der dann schlimmstenfalls zu einem schrecklichen Ende für den Islam in Deutschland führt.

Ich hoffe natürlich, daß genau das nicht geschieht.

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