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Wer hat denn nun recht?

Hat Thilo Sarrazin recht?

Nein, hat er nicht. Er präsentiert wohl Fakten, die im Großen und Ganzen korrekt sind, aber er pauschalisiert in unzulässiger Weise und er ordnet den Menschen einem Nutzdenken unter, das die Würde des Menschen in unzulässiger Weise verletzt, ja, ihn entwürdigt. Er schürt Überfremdungsängste.

Hat der "Volksgerichtshof" recht?

Nein, hat er nicht. Er will partout recht behalten, daß wir Deutschen Schuld an allem sind, weil das nun einmal das ist, worauf wir am meisten stolz sind: Allzeitsieger im Wettbewerb um das größte Verbrechen an der Menschheit, weltbester Lehrmeister für die Juden in Bezug auf den Umgang mit den Palästinensern ("sie ziehen keine Lehren aus dem Holocaust"), weltweit schlechteste Aufnahmegesellschaft für kulturbereichernde Migranten etc. pp.

Sarrazin begeht aus Sicht des "Volksgerichtshofes" - anders kann man die derzeit omnipräsente und in ihrem gegen Sarrazin gerichteten Vernichtungswillen omnipotente Volksverhetzung gegen Sarrazin nicht mehr beschreiben - vor allen den schweren Fehler, einen Teil unserer Schuld auf andere zu legen, in einem Teilbereich einen Freispruch für die Deutschen zu fordern.

Wir Deutschen sind Weltmeister, wenn es darum geht, auf unsere Sünden und Fehler und Verbrechen stolz zu sein.

Wir sind die Weltmeister des Holocaust, die Weltmeister in allem, was schlecht ist. Deutschland ist schlecht und schuld an allem Übel in der Welt, das Christentum ist schlecht und schuld an allem Übel in der Welt, und an diesem deutschen Wesen, an der Erkenntnis, daß wir deutschen Christen an allem die Schuld tragen, soll die Welt genesen. Siehe den Holocaust und die Lehren, die die Israelis daraus für den Umgang mit den Arabern ziehen sollen.

Nun kommt aber Sarrazin und sagt das, was hierzulande als "rechts" gilt: Wir Deutschen sind nicht an allem schuld, sondern andere tragen eine gewisse Mitschuld. Da hilft es nicht einmal, daß er sagt, Deutschland schaffe sich selbst ab. Eine Welt ohne Deutsche, an deren wunderbar-schrecklichen Wesen alle Welt mag genesen?

Wir Deutschen werden von einer seltsamen Haßliebe für unser Volk getrieben. Wir hassen uns für all das, was wir in Geschichte und Gegenwart getan haben, und wir lieben uns, weil das undenkbar Böse je und je als Lehre für andere herhalten soll. Wir sind die perfekten Lehrmeister der ganzen Welt, berufen, die Probleme der ganzen Welt zu lösen. Daß wir dabei natürlich eine Sünde nach der anderen begehen (Militäreinsätze am Kindukusch und im Irak, einseitige Unterstützung Israels und der USA und dort vor allem der Evangelikalen usw. usf.) ist natürlich nur die andere Seite der Medaille.

Wie dem auch sei - weder Sarrazen noch seine Gegner im "Volksgerichtshof" haben recht. Aber Letztere begehen den Fehler, auf eine merkwürdig verdrehte Art stolz auf ihr Deutschsein zu sein, auf unsere Sünden in Geschichte und Gegenwart.

Mit diesem Stolz tun wir natürlich den Nichtdeutschen unrecht, in gewisser Weise ist unser deutscher Stolz auf Deutschlands Weltmeisterschaft im Sündigen rassistisch.

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