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Deutschland schafft sich ab

Man muß Sarrazin nicht mögen, auch ich schätze ihn nicht sonderlich, auch wenn ich zugeben muß, sein berühmt-berüchtigtes Buch nur zur Hälfte gelesen zu haben, danach war es mir einfach zu langweilig. Immerhin: Es gibt weit schlimmere Sarrazinismen als die vom Sarrazin selbst. Und viele der Erwiderungen auf Sarrazin waren zwar gutgemeint, aber einfach nur merkbefreit. Wer beispielsweise unsinnige Statistiken mit noch unsinnigeren Statistiken bekämpfen will, in denen er oder sie kurzerhand andere Bezugsrahmen annimmt, um so zu Zahlen zu gelangen, die besser ins Bild passen und Sarrazin scheinbar widerlegen, liefert nur den Rechtspopulisten Brennstoff.

Daß man nun aber sein Buch einer postmodernen  Bücherverbrennung zuführt - statt Verbrennung ist heutzutage natürlich Recycling angesagt -, geht dann doch zu weit. Bücherverbrennungen weisen auf nicht nur einen sehr dunklen Punkt in Deutschlands Geschichte.

Wer Bücher verbrennt, das ist eine vielleicht zu oft geäußerte Weisheit, als daß man sie noch verstehen will, verbrennt irgendwann auch Menschen. Oder recycelt sie.

Statt Bücherverbrennungen - die immer auch für einen erheblichen Mangel an Argumenten stehen -, muß man den Dialog suchen, der nur dort abgebrochen werden kann, wo ein ordentliches Gericht Verfassungsfeindlichkeit feststellt. Mit einer solchen Bücherverbrennung nimmt man den Stempel "verfassungsfeindlich" selbst in die Hand und bricht damit das Gewaltmonopol des Staates. .

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