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Antisemiten

Während die einen Antisemiten ihren Antisemitismus als "Antizionismus" tarnen, tarnen die anderen ihn als eine "pro-israelische Haltung".

Martin Luther King hat einst zu Recht festgestellt, daß Antizionismus nichts anderes ist als Antisemitismus ( Brief an einen antizionistischen Freund): "Ich sage, lasse die Wahrheit von hohen Berggipfeln erklingen, lasse sie in allen Tälern der grünen Erde Gottes wiederhallen: Wenn Menschen Zionismus kritisieren, meinen sie Juden – dies ist Gottes eigene Wahrheit."

Heutzutage verwechseln viele die Israelsolidarität der Islamophoben mit einer Ablehnung des Antisemitismus. Aber es ist nicht nur nicht eine Ablehnung des Antisemitismus - das "pro-israelische" Element der Islamophoben ist durch und durch antisemitisch, und der einzige Grund, pro-israelisch zu sein, liegt tatsächlich darin, daß man glaubt, der Feind des Feindes sei der Freund.

In Wirklichkeit ist diese "Freundschaft" nichts anderes als ein Zweckbündnis mit jemandem, dem man nur vorübergehend nicht anlastet, daß er Jude ist - darum ist man ja auch "pro-israelisch" und nicht etwa "pro-jüdisch". Ohne das vermeintlich gemeinsame Feinbild Islam wäre der Jude wieder Feindbild Nr. Eins derer, die sich jetzt als "pro-israelisch" tarnen.

Nicht viel anders ist das übrigens im Hinblick auf "pro-amerikanische" Element der Islamophoben. Oder die "Unterstützung" verfolgter Christen vor allem in islamischen Ländern.

Man kann nicht zugleich ein Gegner des Antisemitismus sein und mit Islamophoben gemeinsame Sache machen. Leider übersehen viele, die sich einerseits gegen den Antisemitismus wenden und andererseits den Islam kritisch sehen - Letzteres basiert meist auf Unwissen über den Islam und ängstlicher Distanz zu den Muslimen -, daß die Islamophobie gerade dort, wo sie "pro-israelisch" ist, nur ihren Antisemitisumus zurückstellt, weil es ihnen gerade opportun erscheint, die schwierigen Beziehungen zwischen Juden und Muslimen für ihre eigenen rassistischen Ideen zu instrumentalisieren.

Man darf nicht vergessen: Was die Islamophoben treibt, ist weniger eine Angst vor dem Islam - sondern die Angst vor der Auslöschung des "christlichen Abendlandes", sei es nun die eher säular und von der Aufklärung geprägte Variante oder die kulturell-religiös geprägte - die Grenzen sind fließend.

In ihrem Rassismus ist nicht der Islam die Rasse, die zu bekämpfen gilt, sondern der "christliche Abendländer" stellt die Rasse dar, die es durch das von einem verräterischen Regime unterdrückte Volk zu verteidigen gilt. Gegen Verräter zuerst, sodann gegen äußere Feinde, etwa die Muslime. Doch der selbst ernannte Verteidiger des "christlichen Abendlandes" sieht dieses auch durch die Juden bedroht, durch die Amerikaner, durch den Kommunismus, durch den Atheismus, durch die Afrikaner...

Hitler und die Nazis konnten einst die Muslime als Bündnispartner im Kampf gegen die Juden sehen. Heutige intellektuelle Rechtsextremisten sehen das nicht anders. Dennoch waren und sind die Nazis nicht "islamophil".

Die Islamophoben von heute sehen die Israelis als Bündnispartner gegen die Muslime. Dennoch sind sie nicht "philosemitisch". Sie sehen auch die verfolgten Christen in islamischen Ländern als Bündnispartner gegen die Muslime. Dennoch sind sie nicht am Wohlergehen arabischer oder afrikanischer Christen interessiert. Sie sehen auch in den Amerikanern Bündnispartner gegen die Muslime. Dennoch sehen sie in den USA eine Bedrohung des Volkes.

Kommen wir noch zu einem letzten Punkt: Die Islamophoben und die Rechtsextremisten. Wir erleben, daß sich die meisten Islamophoben sehr laut und deutlich von den Nazis distanzieren. Sie sehen in ihnen eine Bedrohung ihres Kampfes für das "christliche Abendland", weil sie ihnen als Bündnispartner gegen die Muslime als nicht verläßlich erscheinen. Allerdings ist dies der einzige Grund dafür, daß man getrennt marschiert, daß die Islamophoben sich von den Nazis distanzieren. Immerhin steht die Vergangenheit der Nazis - der Einsatz von Muslimen als Bündnispartner gegen die Juden - als Beweis der Unzuverlässigkeit der Nazis in den Geschichtsbüchern. Islamophobe wollen das Volk des "christlichen Abendlandes" also ohne die Nazis "retten", aber das bedeutet nicht, daß sie sich in ihrem Wesen von den Rechtsextremisten unterscheiden. Sie haben nur eine andere Verwirklichungsgestalt gewählt, die des "Islamkrktikers" oder des "Rechtspopulisten".

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