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Nach Oslo - Umdenken bei Islamkritikern?

Es scheint so, daß jede Hoffnung, nach dem Doppelanschlag von Oslo habe bei Islamkritikern und insbesondere bei islamophoben Rechtspopulisten ein Umdenken eingesetzt, im Großen und Ganzen vergebens sind - Ausnahmen bestätigen das, was sich als Regel herauskristallisiert.

Ich habe mir stichprobenartig ein paar einschlägige Seiten im Internet - Politically Incorrect & Co. -angesehen, ob es zu so etwas wie Selbstkritik kommt - wirklich fündig geworden bin ich nicht.

In den meisten Artikeln, Kommentaren, Diskussionsbeiträgen, Blogeinträgen usw. gibt es ein Muster: Man zeigt sich erschüttert von der Tat, man distanziert sich von der Gewalt - und versucht dann, selbst mit weißer Weste dazustehen und Unterschiede zwischen der eigenen Position und der des Attentäters herauszustellen. Der wichtigste Unterschied: Breivik ist der Täter, die Islamkritiker sind die eigentlichen Opfer. Zwischen den Zeilen ist man eher über den Schaden für die Islamkritik erschüttert.

Denn vorherrschend ist die Überzeugung, daß das Attentat ein Rückschlag für die Bewegung sei, für die Islamkritik, für die Konservativen, für die selbst ernannten Retter des Abendlands.

Nicht selten sind Verschwörungstheorien, daß das Attentat inszeniert war, um die "Islamkritiker" zu treffen. Man sieht sich selbst als Opfer.

Es sieht so aus, als würde das Doppelattentat die hiesigen Islamkritiker eher anspornen, in Zukunft noch aktiver zu werden.

Ich fürchte, der Haß auf Muslime, "Gutmenschen", Multikuli usw. wird zunehmen - und daß es weitere Anschläge geben könnte.

Sauer aufgestoßen sind mir etliche Äußerungen nach dem Motto, an allem sind letzten Endes die Muslime schuld, weil die sich ja so verhalten, daß es zwangsläufig zu Katastrophen kommen muß. Also muß es ja zu Gewalt gegen Muslime kommen, muß es zu Gewalt gegen Unschuldige im Rahmen eines "Kreuzzugs" kommen, muß es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen, muß es nach jedem Terroranschlag zuerst Schuldzuweisungen an Muslime geben. Das erinnert an Schuldzuweisungen an vergewaltigte Frauen aufgrund ihrer Kleidung oder ihres "schlampigen" Verhaltens, so genanntes Victim bashing.

Auch bei evangelikalren bzw. freikirchlichen Christen, die zur Islamkritik und zu Allianzen mit Politically Incorrect & Co. neigen, kann ich weithin kein Umdenken erkennen - hier habe ich allerdings nicht so genau hingeschaut.

Auffällig ist hier der Versuch vieler evangelikaler Christen, den Attentäter als nichteligiös, als Nichtchristren darzustellen, seine Verbindungen zu Freimaurern herauszustellen. Dies kann nur zum Teil mit den Angriffen einiger Medien erklärt werden, die eine Verbindung zwischen dem Attentat und "fundamentalistischen Christen" - was dann jeweils evangelikale bzw. freikirchiche Christen sein sollen - herstellen wollen. Das ist wohl vor allem der Versuch, sich selbst und anderen gegenüber mit weißer Weste zu präsentieren. Auch hier neigt man eher zu einer Opferrolle, zu Unrecht beschuldigt.

Im Rückblick muß man sagen, daß evangelikale bzw. freikirchliche Christen zu wenig getan haben, um der rechtspopulistischen Islamophobie Widerstand zu leisten. Wir haben in diesem Punkt auf ganzer Linie versagt. Da ist es vielleicht kein Wunder, wenn wir mit Rechtspopulisten und Islamkritikern in einen Topf geworfen werden.

Das scheint sich nun auch in Zukunft fortzusetzen, weil man vor allem damit beschäftigt ist, sich als unschuldig im Hinblick auf rechtes Gedankengut und als unschuldiges Opfer einer feindseligen Kampagne hinzustellen - aber natürlich auch eher den Islam als "Herausforderung" sieht anstelle von Rechtspopulismus und Islamophobie.

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