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Islamophobie in Deutschland - ein erschreckendes Phänomen

Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung hat dieser Tage eine Studie zum Thema  Rechtsextremismus veröffentlicht, in der ich die Zahlen zur Islamophobie (die ich bekanntlich nicht für eine Form des Rechtsextremismus halte) für äußerst erschreckend halte.

Laut dieser Studie haben 55,4 % der Deutschen Verständnis dafür, daß "manchen Leuten Araber unangenehm sind", und sogar 58,4 % sind dafür, die Religionsfreiheit für Muslime "erheblich" einzuschränken. Im Osten sind dies sogar 75,7 %, im Westen "nur" 53,9 %.

Deutschland befindte sich damit freilich innerhalb Europas in "guter" Gemeinschaft - die Islamophobie ist ein europäisches Phänomen, und sie nimmt drastisch zu.

Und die Studie der FES zeigt auch, wie wenig Islamophobie mit Rechtsextremismus zu tun hat bzw. auf diesen Personenkreis beschränkt ist: Von denen, die dem Rechtsextremismus überwiegend ablehnend gegenüberstehen, haben 53,7 % Verständnis dafür, daß "manchen Leuten Araber unangenehm sind", und 55,5 % sind dafür, die Religionsfreiheit für Muslime "erheblich" einzuschränken. Also auch eine Mehrheit derjenigen, die dem Rechtsextremismus vorwiegend ablehnend gegenüberstehen, sind islamophob.

Die Islamophobie ist die größte Gefahr, der wir derzeit begegnen. Da tröstet es freilich wenig, daß eine Mehrheit der Europäer vermutlich Evangelikalen ebenso feindselig begegnet wie Muslimen, eine Mehrheit sowohl Verständnis hätte, wenn manchen Leuten evangelikale oder auch freikirchliche Christen (Baptisten, Methodisten, Pfingstler...) unanbenehm wären, als auch dafür wären, die Religionsfreiheit für Evangelikale "erheblich" einzuschränken.

Ich sehe natürlich auch, daß die Evangelikalen Muslimen ebenfalls mehrheitlich ablehnend oder sogar feindselig begegnen (umgekehrt ist es freilich nicht wirklich anders).

Wie dem auch sei: Die Christen können die Islamophobie nicht mehr ignorieren. Wir müssen gegen dieses Phänomen aufstehen, Christen zur Konvivenz mit Muslimen ermutigen und das Recht der Muslime auf Religionsfreiheit verteidigen.

Und nein, das bedeutet nicht, daß wir alles gut und richtig finden müssen, was Muslime tun und lassen. daß wir die Augen verschließen sollen vor dem, was kritikwürdig ist. Aber die Kritik muß fair, sachlich und konstruktiv sein, sie muß differenzieren - und sie sollte immer auch einmal schauen, ob denn bei "uns" wirklich alles besser ist als bei "ihnen".

Und was die Religionsfreiheit betrifft, so müssen wir auf dem Standpunkt bestehen, daß diese niemals verdient wird (sonst müßten wir Evangelikalen doch sicherlich zuerst darauf verzichten, oder etwa nicht?), sondern ihren Ursprung allein in der Würde des Menschen hat. Sie ist keine Medaille - auch nicht für den Einsatz etwa für die verfolgten Christen oder den Bau von Kirchen in der islamischen Welt.

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