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Je muslimischer, desto gewaltbereiter?

Dieser Tage macht eine Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen von sich reden - jugendliche Muslime seien um so gewaltbereiter, je religiöser sie seien. Jugendliche Christen dagegen seien umso weniger gewaltbereit, je religiöser sie seien.

Für Islamophobe ist die Botschaft klar: Islam macht gewalttätig.

Tatsächlich hat das Institut für seine Studie nur Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren befragt. Von 45.000 befragten Jugendlichen waren gut 10.000 Migranten. Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen sehr religiösen jugendlichen Christen und Muslimen zwar vorhanden, aber nicht sehr ausgeprägt.

Bedenken muß man meines Erachtens:

  • Religiosität ist nicht gleich Religion; wenn es hier um die Religiosität jugendlicher Muslime geht, dann geht es nicht um den Islam, sondern um eine bestimmte Auslegung desselben, die unter gewaltbereiten Jugendlichen möglicherweise eher populär ist als eine andere Les- und Spielart des Islam
  • Als gesicherte Erkenntnis kann allen Modellen zufolge gelten, daß bei dem Zusammenspiel einer größeren Gewaltbereitschaft und einer stärkeren Religiosität auch noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle spielen
  • Unklar ist, ob nun eine höhere Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen mit oder ohne muslimischen Hintergrund zu einer größeren Religiosität führt - oder größere Religiosität bei muslimischen Jugendlichen zu einer höheren Gewaltbereitschaft
  • Falls die höhere Gewaltbereitschaft eine größere Religiosität nach sich zieht, so muß man fragen, ob die Religiosität nun als "passender Hintergrund" gwählt wird - oder sogar mehr oder weniger unbewußt als "Rettungsanker" ausgeworfen wird: "Wenn ich mehr glaube, dann werde ich fähig sein, meine Gewalt zu kontrollieren"
  • Eine stärkere Religiosität bei gewaltbereiten Jugendlichen mag aber auch dazu dienen, vor der eigenen Familie besser dazustehen
  • Eine stärkere Religiosität bei gewaltbereiten Jugendlichen mag identitätsstiftend und -stärkend sein

Im Prinzip sagt die Studie über das Verhältnis von "Gewalt" zu "Islam" erst einmal gar nichts aus. Es wurde ein Faktum festgestellt, das näher untersucht werden muß - und das dann vielleicht in ganz andere Richtungen weist, als Islamophobe bisher annehmen.

Umgekehrt gilt natürlich auch: Daß sehr religiöse Christen wie auch Atheisten statistisch gesehen weniger gewaltbereit sind als sehr religiöse Muslime, hat weder etwas mit dem Christentum noch mit dem Atheismus zu tun; hier finden Apologeten des Christentums wie auch des Atheismus keine Munition für Polemiken gegen die Muslime.

Ein anderer Punkt ist wichtig: In unserer Gesellschaft kann das Etikett "Islam" gerade bei Jugendlichen dazu führen, daß sie mit Samthandschuhen angefaßt werden - in den Medien, in der Fachliteratur, im Sozialwesen, in der Justiz usw. usf. Ein ganz wichtiger Punkt ist hierbei auch der Antisemitismus jugendlicher Muslime, der oft nicht als Antisemitismus behandelt wird, sondern den jungen Muslimen einen "Opferstatus" zuweist und dem Judenstaat die Täterrolle. Ob dies jedoch letztlich im Sinne dieser Jugendlichen ist, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Wer den Islam als "mildernden Umstand" wertet, sieht letztlich im Muslim einen "edlen Wilden" und wird weder dem Muslim noch seiner Religion gerecht. Ein wenig mehr Respekt haben Muslime meines Erachtens schon verdient.

Letztendlich führt die Tatsache, daß Jugendliuche mit dem Etikett "Islam" mit Samthandschuhen angefaßt werden, dazu, daß dieses As natürlich auch ausgespielt wird. Dies erklärt eine gewisse Beliebtheit des Islam bei bestimmten Personen - und führt letztlich dazu, daß der real existierende Islam zu einem Sammelbecken von Personen wird, deren Überzeugungen und Taten früher oder später zu Konflikten mit der Mehrheitsgesellschaft führen.

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