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Islamophobie gleich Rechts?

Ich gebe es ja zu, und ich gelobe Besserung: Radikale Islamkritik, Islamophobie und Burkophobie wie auch die Minarett-Gegnerschaft habe ich zu oft als "rechts außen", "rechts" oder "rechtsextrem" eingeordnet - genau so, wie viele andere es auch tun. Die Gleichung ist simpel: Islam und ihn zu tolerieren ist irgendwie links und damit gut, alles, was gegen den Islam ist, ist schlecht und damit irgendwie rechts.

Aber so ist es nicht.

Schon die Anti-Minarett-Initiative in der Schweiz hat gezeigt, daß viele BefürworterInnen eher aus dem linken, dem Feminismus zuneigenden Lager kamen. So auch viele Befürworter eines "Burka-Verbotes", die eher im linken Lager zu suchen sind und eher dem Feminismus (und wohl auch dem Gender Mainstreaming) zuneigen als typisch konservativen Positionen. Umgekehrt haben sich auffällig viele Konservative gegen ein Minarett-Verbot ausgesprochen, und so ist es auch mit Kopftuch- und Schleier-Verboten.

Islamkritik, Islamophobie, Burkophobie, Minarettophobie etc. pp. ist also mitnichten typisch "rechts", ist mitnichten in einem Spektrum von "rechtspopulär" bis "rechtsextrem" einzuordnen, zumal ohnehin heutzutage niemand mehr weiß, was diese Definitionen bedeuten sollen (nachdem schon die damaligen Nazis sich selbst nicht als "rechts" sahen).

Dieses Schubladendenken ist völlig fehl am Platze. Zustimmung zum Islam gibt es quer durch alle Positionierungen von links außen bis rechts außen, und bei Ablehnung ist es nicht anders. Die Stellung zum Islam hat eher wenig mit der Stellung im politischen Spektrum zu tun, und wer links steht, ist nicht automatisch über jeden Verdacht erhaben, mehr oder wenige radikale Islamkritik zu üben, islamophob zu sein, Minarette, Kopftücher oder Schleier verbieten zu wollen. Und wer "rechts" ist hat vielleicht manchmal zu viele gemeinsame Feindbilder mit radikalen Muslimen (Israel, USA...), sieht in einer islamischen Abschottung zu sehr die Chance, seine eigene "Rasse" "reinzuhalten".

Ist Frankreich, wie ich zuletzt gestern schrieb, wegen einer mehrheitlichen Zustimmung zu einem "Burka-Verbot" und wegen dem drohenden Verbot der Verschleierung in Behörden, Ämtern, Schulen, Krankenhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln, wirklich "rechts außen" positioniert?

Gewiß nicht - die Zustimmung zu dieser Politik zieht sich durch alle politischen Lager, ebenso die Ablehnung. 

Wer die Gefahr, die aus radikaler Islamkritik, Islamophobie usw. usf. erwächst, ausschließlich im rechten Lager - irgendwo zwischen rechtspopulistisch und rechtsextremistisch - verortet, auf dem linken Auge aber blind ist, kann die Gefahr gar nicht richtig einschätzen.

Das gleiche gilt freilich auch für den Antisemitismus - zu sehr haben wir uns darauf versteift, ihn ausschließlich rechts zu suchen, wo er aber im linken Lager daheim ist, benehmen wir uns wie die berühmten drei Affen, nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Für die Juden ist es freilich egal, wer ihnen Schaden zufügt - darum ist unsere "es sind nur die Rechten"-Politik so verheerend. Für die Juden zuerst, aber dann auch für die Muslime - und letztlich für unsere ganze Gesellschaft.

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