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Salafisten?

Derzeit in aller Munde - vor allem derer, die über wenig Sachkenntnis verfügen - sind die Salafi, die Angehörigen der Salafiyya, hierzulande fälschlich als "Salafisten" bezeichnet.

Seit einiger Zeit bemüht man sich in Deutschland, die Salafiyya als Feindbild aufzubauen - meiner Überzeugung nach dient das vor allem als Ablenkungsmanöver - und wohl auch als Wahlkampftaktik.

Wäre der Antisemitismus von heute nicht der Antisemitismus, so könnte man sagen: Der Kreuzzug gegen die Salafi ist der Antisemitismus von heute. Sicherlich kann man sagen: Nur selten wurde eine Gruppe der Bevölkerung von so vielen seiten so heftig unter einen Generalverdacht gestellt und zur Hexenverfolgung freigegeben.

Nun bin ich sicherlich kein Fan der Salafiyya. Zwar wäre ich wohl Salafi, wäre ich Muslim, und zwar halte ich die Salafiyya für eine Bewegung, die dem Anspruch, "Islam nach Koran und Sunna" zu sein, sehr nahe kommt, aber das bedeutet nicht, daß ich ein Bewunderer der Salafiyya sei.

Allerdings sehe ich die Angriffe von Rechtspopulisten, zahllosen Politikern und etlichen Journalisten mit einer breiten Unterstützung durch die Bevölkerung dennoch höchst problematisch und als eine Verletzung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Staates.Soweit Politiker die Salafiyya als "Sekte" darstellen, die mit dem "wahren Islam" nichts zu tun habe, solange sie von "richtigen" Muslimen eine Distanzierung von den Salafi und von den Moscheen eine Warnung vor der Salafiyya fordern, verletzten sie meines Erachtens ihre Pflicht zur weltanschaulichen Neutralität. Auch die Trennung von Staat und Religion ist hier in Gefahr, wenn Politiker Predigtvorschläge für Imame abgeben.

Die Salafiyya mag alles mögliche sein - eines ist sie gewiß nicht: Eine einheitliche Bewegung, ein monolithischer Block. Es ist eine bunterschillernde Bewegung mit zahlreichen Fazetten. Untereinander sind die Salafi zum Teil auf das Heftigste zerstritten, zahlreiche Gräben trennen die verschiedenen Fraktionen voneinander.

Soweit einzelne Salafi oder eine der Salafiyya nahestehende Religionsgemeinschaft gegen geltendes recht verstößt, wird der Staat natürlich dem Recht Geltung verschaffen müssen - aber bitte ohne eine moderne Hexenverfolgung.

Die Salafi haben in diesem Land das gleiche Recht auf freie und ungestörte Ausübung ihrer Religion wie alle anderen Muslime auch. Muslime dürfen nicht aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Salafiyya benachteiligt werden. Das schließt auch ihr Recht auf religiöse Werbung - also die Da'wah - ein, wenn sie etwa eine Koranausgabe verteilen.

Übrigens: Durch die Medien geistern einige Zahlen zu der Frage, wie viele "Salafisten" es eigentlich in Deutschland gäbe. Diese Zahlen sind nicht ernst zu nehmen - niemand weiß tatsächlich, wie viele Salafi es hierzulande gibt. Die genannten Zahlen sind meiner Überzeugung nach viel zu niedrig.

Darüber hinaus schätze ich, daß ein großer Teil der Deutschen, die sich zum Islam bekehren - das sollen mittlerweile jährlich mehrere Tausend Personen sein -, der Salafiyya nahestehen. Und viele Salafi sind deutsche Konvertiten. Es ist also kein "Problem", bei dem es nur um Migration und Integration geht. Von allen Richtungen des Islam in Deutschland dürfte die Salafiyya diejenige sein, die am stärksten in diesem Land verwurzelt ist.

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