Blog...

Stephen Hawking und die Gottesfrage

Stephen Hawking vertritt in seinem neuesten Buch "Der große Entwurf" die Überzeugung, für die Entstehung des Universums sei die Vorstellung eines Schöpfergottes nicht nötig.

Früher hat er sich nicht so eindeutig geäußert - angeblich habe der Wissenschaftler "Gott" bisher lediglich als mögliche "ultimative Theorie" ins Spiel gebracht, um mehr Bücher zu verkaufen, obwohl er - so eine Stellungnahme seiner Ex-Frau - seit jeher Atheist sei.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt: Für die Entstehung des Universums ist kein Gott nötig.

Nun, das ist genau meine Überzeugung - Gott hat ein Universum geschaffen, das aus sich selbst heraus funktioniert (damit ist kein Deismus im eigentlichen Sinne gemeint).

Gott hält weder im Vordergrund alle Schöpfungsfäden in der Hand noch hockt er heimlich in irgend welchen Nischen, die von der Naturwissenschaft bisher nicht erklärt werden konnten.

Gott ist der Allmächtige, aber in Bezug auf die Schöpfung hält er seine Allmacht nicht fest, sondern entäußert sich selbst, entmachtet sich.

Das ist so auch erforderlich; denn ein Gott, dessen Allmacht wahrnehmbar wäre, ließe dem Glauben des Menschen keine Freiheit mehr - er müßte, überwältigt von den Beweisen, glauben. Gott aber hat den Menschen mit einem freien Willen geschaffen, nicht als Marionette, in die man oben wissenschaftliche Beweise hineinsteckt, damit dann der Glaube an Gott herauskommt.

Und wo der allmächtige Gott in die Welt eingreift, da tut er das nicht von einer erhobenen Position aus, sondern da macht er sich ganz klein: Ein kleines, hilfloses KInd im Stall, dann auf der Flucht, ein hilflos Leidender am Kreuz, der im elebnden Sterben flehentlich bittet: "Laßt euch versöhnen mit Gott!"

Kondeszendenz, die Herablassung Gottes, nennen Theologen diese Eigenschaft Gottes, die ganz im Widerspruch zum Gott der Kreationisten und zum "Intelligenten Designer" steht, freilich auch zum falsch gedachten und dann verneinten Gott der "Neuen Atheisten" - man sollte sich halt kein Bild von Gott machen außer dem, das sich etwa in Philipper 2,5ff findet und die Herablassung Gottes in einem Christushymnus beschreibt.

Nein, die Allmacht Gottes, die Stärke Gottes offenbart sich stets im Kleinen, im Unscheinbaren, im Erniedrigten, im Hilflosen, im, Schwachen, im Selbstentäußerten, im Herabgelassenen. Nur so bleibt der freie Wille, der freiwillige Glaube unangetastet, wird nicht mit Beweisen erschlagen und zur Überzeugung gezwungen. Nur so kann "allein aus der Gnade, allein im Glauben" funktionieren.

In diesem Punkt bin ich Stephen Hawking von Herzen dankbar und lobe meinen Schöpfer für diesen Mann, daß er mit dem falschen Gottesbild, das nicht nur die Kreationisten mit sich herumtragen und mit der Glaube vernebelt wird, aufgeräumt hat.

Der andere Punkt aber ist das offenbar nicht sehr von Reue geprägte Geständnis Hawkings, er habe bisher Gottes möglichen Anteil an der Schöpfung (also diese "ultimative Theorie" in seiner "kurzen Geschichte der Zeit", die möglicherweise auf Gott hinweist) nicht aus innerer Überzeugung bejaht, sondern um mehr Bücher verkaufen zu können.

Ja, holla!

Zum einen halte ich es für Blödsinn, daß er mit etwas mehr Ehrlichkeit bedeutend weniger Bücher verkauft hätte als mit einer handfesten Lüge.

Zum anderen ist so eine Lüge natürlich unwissenschaftlich - und das von einem der bedeutendsten Physiker , den die Menschheit je hervrgebracht hat. Da ist das dann auch kein Kavaliersdelikt mehr.

Dürfen wir noch mehr Geständnisse von Stephen Hawking erwarten als dieses?

Und überhaupt - ist das jetzt die Wahrheit oder nur ein diesmal anders gelagerter Versuch, den Verkauf seiner Bücher anzukurbeln, mitschwimmend im Kielwasser der "Neuen Atheisten"?

Ich hoffe nur, daß Hawking nie Gewisensbisse wegen seiner Lüge gegenüber zig Tausenden von Menschen bekommt - und falls doch, daß er dann jemanden findet, der ihm vergibt.

Zusätzliche Informationen