Blog...

Evangelikale Sünden

Daß es unheilige Allianzen zwischen evangelikalen Christen und Rechtspopulisten gibt, ist leider nichts Neues. Eine solche Allianz scheint zwischen dem "Arbeitskreis Religionsfreiheit" der evangelikalen "Evangelischen Allianz in Deutschland" (AKREF) und dem rechtspopulistischen "Berliner Gebetskreis 'Verfolgte Kirche'" zu geben.

So hat heute der Allianz-Arbeitskreis ohne korrekte Nennung der unmittelbaren Quelle einen Artikel des sogenannten Gebetskreises übernommen:

Die Original-Quelle findet sich übrigens bei Compass Direct: Somali Convert from Islam Whipped in Public.

Der "Gebetskreis" gehört zu einem religiös verbrämten rechtspopulistischen und islamophoben Netzwerk. Offen bekennt man sich zuur Partnerschaft mit islamophoben Rechtspopulisten wie der "Jungen Aramäischen Union", den "Kopten ohne Grenzen" und der "Via Dolorosa", aber nach meinen Informationen gibt es auch teilweise sehr enge Verbindungen zu "Politically Incorrect", der "Initiative1683", dem Internet-Pranger "Nürnberg 2.0", der "Bürgerbewegung Pax Europa", der "Freiheit" und den "Pro"-Bewegungen, um nur einige zu nennen. Auch die "Aktionsgruppe für verfolgte Christen" scheint zu diesem Netzwerk zu gehören.

So wie es aussieht, versucht man mit Hilfe der vermeintlichen oder tatsächlichen Verfolgung von Christen in Teilen der islamischen Welt (die vielfältige Ursachen hat) evangelikale Christen für den Rechtspopulismus und die Islamophobie zu gewinnen. Dabei fürchte ich aber auch, daß der islamophobe Rechtspopulismus als filternde Durchreiche für postmoderne Rechtsextremisten dient.

Es besteht wohl kein ernster Zweifel daran, daß der vermeintlich pro-israelische und pro-amerikanische Rechtspopulismus mit seinem scheinbaren Einsatz für verfolgte Christen und seinem Feindbild Islam von intellektuellen Rechtsextremisten unterwandert ist, die sich nur in ihrem Auftreten von den primitiven Brüllnazis unterscheiden, nicht aber in ihrem rassistischen Weltbild.

Obige Übernahme eines Artikels aus diesem Netzwerk durch den AKREF ist nicht das erste Beispiel für die meines Erachtens besorgniserregende Verbindung des AKREF mit diesen Rechtspopulisten. Nun kenne ich zumindest einige Mitarbeiter des AKREF - und was die betrifft, so kann man ganz sicher sagen, daß es sich nicht um Rechtspopulisten handelt, und auch als "islamophob" würde ich diese Christen nicht einschätzen, auch wenn sie dem Islam sicherlich kritisch gegenüberstehen. Rassismus wird bei ihnen aber vergeblich suchen.

Auf jeden Fall machen sich der AKREF und auch die Evangelische Allianz (und damit die evangelikale Bewegung) durch diese "unheilige Allianz" angreifbar - aber vor allem fürchte ich, daß wohlmeinende Christen durch diese bedenkliche Allianz in die Fänge von Islamophoben und Rechtspopulisten geraten.

Natürlich ist der Einsatz für verfolgte Christen wichtig, auch die Vernetzung der sich für diese Christen einsetzenden Organisationen. Aber man sollte sehr genau darauf achten, mit wem man sich vernetzt. Nicht jeder, der vorgibt, sich für verfolgte Christen einzusetzen, ist vertrauenswürdig.

Seitens der Rechtspopulisten werden die verfolgten Christen in der islamischen Welt für den Kampf gegen den Islam instrumentalisiert, was sie ein zweites Mal zu Opfern macht.

Wohlmeinende Christen können hier leicht zu Mittätern werden.

Zusätzliche Informationen