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Die Komplettverschleierung in Europa

Ich bin gestern oder so über einen Artikel gestolpert, in dem die Autorin allen Ernstes behauptet, Europa habe nie eine Komplettverschleierung gekannt, nur das Kopftuch.

Das ist freilich Nonsens - Europa kannte gerade im griechisch-römischen Altertum sehr wohl die Komplettverschleierung der Frauen.

Die frühen Christinnen der ersten zwei, drei Jahrhunderte haben sie denn auch sowohl aus der orientalisch-jüdischen als auch aus der griechisch-römischen Kultur übernommen - ging es doch in jener berühmtem Stelle des Neuen Testamentes, die als einzige vom Schleier spricht (1. Korinther 11,2-16), nicht nur um ein Kopftuch, sondern um jenen Schleier, den wir heute "Burka" nennen und der üblicherweise nur die Augen unbedeckt ließ.

Im Prinzip war es dann aber vor allem auch die Ausbreitung des Christentums als Staatsreligion, die die Komplettverschleierung verdrängt und für Jahrhunderte durch das Kopftuch ersetzt hat - im Bereich der Westkirche wohl stärker als im Bereich der Ostkirche, wo dann möglicherweise nach dem Untergang Konstantinopels aus dem christlichen Frauenschleier der türkisch-islamische Tscharschaf wurde, der in der Türkei bis heute anzutreffen ist (natürlich auch im europäischen Teil der Türkei), mitterweile auch an Popularität unter gläubigen Frauen gewinnt.

Der Islam führt uns diese ur-europäische Tradition wieder vor Augen, wenn mittlerweile eine rund fünfstellige Zahl muslimischer Frauen in Europa den Schleier trägt - nicht wenige von ihnen zum Islam konvertierte Europäerinnen.

Und während man heute europaweit gerne alles verteufelt, was irgendwie "christlich" ist und ein postchristliches Europa anstrebt - mit den drohenden Burkaverboten knüpfen wir wieder an die Christianisierung Europas an. Das ist schon ironisch...

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