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Soweit es um die Kopftuch- und Schleierdebatte geht, finden Sie aktuelle Inhalte auf unserer Webseite  www.Burkaverbot.de.

Burka (Niqab) PDF Drucken E-Mail
Kopftuch und Schleier - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 05. Oktober 2009 um 15:07 Uhr

Ich sehe ab und an Frauen in einer Burka. Was steckt dahinter?

Die Burka ( Burqa) sieht man hierzulande fast nur im Fernsehen - und (leider!) im Karneval. Sie wird von Frauen in Afghanistan, Teilen Pakistans und Indiens getragen und auch als Burqu oder Chaderi bezeichnet. 

img_6929_bearbeitet-1-1 Hierzulande findet man als Kleidungsstück zur Vollverschleierung eigentlich nur den Niqab, der meist mit einem langen Überwurf oder Mantel sowie einem Kopftuch kombiniert wird. Auch weltweit ist der Niqab weit mehr verbreitet als die Burka, Frauen in Saudi-Arabien, dem Jemen, in Ägypten und in vielen anderen Ländern tragen den Niqab. Manchmal wird zum Niqab auch ein Paar Handschuhe getragen. Eine Frau, die den Niqab trägt, wird oft als Niqaabi bezeichnet.

Es gibt viele Gründe für eine Frau, einen Niqab zu tragen. Man kann die Niqaabis nicht über einen Kamm scheren, was die Beweggründe betrifft, nicht nur den Kopf zu bedecken, sondern das Gesicht (meist mit Ausnahme der Augen) und manchmal auch die Hände zu bedecken. Keinesfalls darf man die Niqaabis als einen monolithischen Block betrachten, als eine - womöglich aus Saudi-Arabien oder von al-Qaida ferngesteuerte - gesichtslose Masse, in der die "schwarzen beweglichen Objekte" allesamt gleichgeschaltet sind.

Es gibt natürlich Frauen, die gezwungen werden, einen Niqab zu tragen, aber sie stellen nicht die Mehrheit. Auch wenn viele Niqaabis ihren Schleier als Ausdruck ihrer Identität sehen - sie wollen nicht nur als Muslimas gesehen werden, sondern als solche, die ihren Glauben sehr ernst und dafür auch manche Anstrengung auf sich nehmen -, steht dies nicht im Mittelpunkt der Beweggründe, sich komplett zu verschleiern. Die Bejahung des islamischen Extremismus oder eine Gewaltbereitschaft im Namen des Islam steht ebenso wenig im Mittelpunkt, wenn eine Muslime sich komplett verschleiert. Ebenso wenig geht es zentral um Abschottung, Desintegration, Rückzug aus der Gesellschaft oder was sonst.

Ohne je und je die genauen Beweggründe für eine komplette Verschleierung zu kennen, nehme ich folgendes Motiv an, wenn ich eine Niqaabi sehe:

Es handelt sich um eine Muslima, die sich zum einen aus Liebe zu Gott und zum anderen aus Liebe zum Nächsten verschleiert. Aus Liebe zu Gott, dessen Gebote sie befolgen und den sie dadurch ehren möchte, aus Liebe zum Nächsten, weil sie mit ihrem Äußeren weder Männern eine Versuchung sein will noch weil sie zu Neid unter Frauen beitragen will.

Man sollte dieses Motiv einfach so stehen lassen und nicht bewerten oder beurteilen.

Manche Muslimas folgen der Auffassung, daß es aus religiösen Gründen erwünscht oder empfehlenswert ist, nicht nur die Haare, sondern auch das Gesicht, vielleicht auch die Hände zu bedecken. Manche bedecken auch ihre Augen. Auch die schwarze Farbe, die viele Niqaabis bevorzugen, gilt ihnen aus religiösen Gründen als wünschenswert oder empfehlenswert. Es jeweils nicht zu tun, wäre in ihren Augen eine Sünde, vergleichbar dem Genuß von Alkohol oder Schweinefleisch oder dem Essen und Trinken während des Fastenmonmats Ramadan.

Die Deutungshoheit über den Schleier sollten wir den sich verschleiernden Frauen selbst überlassen, sie uns weder als Nichtmuslime anmaßen noch von der Meinung der Mehrheitsmuslime (etwa den islamischen Verbänden) abhängig machen. Die Tatsache, daß sich hierzulande die meisten muslimischen Frauen nicht komplett verschleiern, sondern nur eine kleine Minderheit, ist kein zulässiges Argument gegen diese Form der Verschleierung.

Die Zahl der ständig in Deutschland lebenden Niqaabis - die regelmäßig von Urlauberinnen aus islamischen Ländern verstärkt wird -, dürfte im mittleren vierstelligen Bereich liegen; es handelt sich vermutlich um etwa 4.000 Frauen oder mehr.

Etwa ein Drittel dieser Frauen - möglicherweise sogar die Hälfte - sind Schätzungen zufolge gebürtige Deutsche, die zum Islam konvertiert sind und sich meist dem wahhabitischen oder salafitischen Islam angeschlossen haben. Sie tragen meist einen kompletten schwarzen Schleier, oft mit Handschuhen. Viele weitere Niqaabis haben zwar einen islamischen Hintergrund, entstammen jedoch keiner Familie, in der von Frauen ein Niqab getragen wurde, sie haben sich von einem eher moderaten Islam einem weit konservativeren Islam zugewandt; unter ihnen sind viele junge Türkinnen und Araberinnen. Weniger als die Hälfte der Niqaabis hat den Niqab gewissermaßen aus der ursprünglichen Heimat mit nach Deutschland gebracht. 

Ich gehe davon aus, daß wenigstens die Hälfte der Niqaabis ausreichend, befriedigend oder sogar gut deutsch spricht, das gilt natürlich vor allem für diejenigen Niqaabis, die in Deutschland aufgewachsen sind, sei es mit muslimischem Hintergrund oder ohne.

Vor den Niqaabis muß niemand Angst haben - auch dann nicht, wenn sie ganz in schwarz daher kommen. Wer mehr über sie wissen möchte, sollte sie selbst fragen - diese "schwarzen beweglichen Objekte" können durchaus sprechen, und häufig auch auf Deutsch. Besonders Frauen und Kindern gegenüber geben sie meist Auskunft, wenn man sie höflich fragt (Männern gegenüber legen viele freilich eine gewisse Zurückhaltung an den Tag, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen).

Darüber hinaus freuen sie sich, wenn man sie nicht anstarrt, sie nicht ungefragt fotografiert (Kinder dürfen meistens ein Foto aufnehmen, wenn sie fragen), nicht über sie redet, als wären sie gar nicht da oder verstünden kein Wort Deutsch und so weiter - all das, was eben generell als höflich gilt. Niqaabis wollen wie andere Menschen auch behandelt werden, und unter dem Schleier stecken ja auch ganz normale Menschen, keine Monster oder Mutanten, natürlich auch keine Terroristinnen oder sonst eine Bedrohung unserer Gesellschaft und unserer Lebensweise.


Videos von Muslimen über die komplette Verschleierung

Zum Schluß noch einige Videos, in denen sich Muslime über die komplette Verschleierung äußern, damit Sie ein paar authentische Meinungen hören können. 

Ich bin kein Muslim, darum stimme ich mit den Aussagen in den Videos auch nicht überein. Ich finde es aber wichtig, in dieser Frage auch den Muslimen (und vor allem den Muslimas) selbst Gehör zu schenken.

Gerne nehme ich weitere deutschsprachige Videos von Niqaabis über den Niqab in diese Sammlung auf - eine kurze eMail an mich genügt.

Es gibt auch eine deutsche Webseite zum Thema Niqab, auf der Sie weitere Informationen finden: www.an-niqab.de.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 14:57 Uhr
 
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