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Abschied von der Religionsfreiheit PDF Drucken E-Mail
Religionsfreiheit - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 13. Juli 2006 um 10:54 Uhr

Zur echten Religionsfreiheit gehört idealerweise auch eine Trennung von Staat einerseits und Religion sowie Religionsgemeinschaften andererseits, die freilich nicht von Religionsfeindlichkeit geprägt sein darf. Dies gilt um so mehr in einer multikulturellen Gesellschaft, in der zahlreiche Religionsgemeinschaften und Weltanschauungen vertreten sind.

Leider hat es Deutschland bisher nicht geschafft, diese Trennung zu verwirklichen - es blieb bisher bei einer weltanschaulichen Neutralität des Staates, der zugleich dem Religiösen aufgeschlossen gegenüber steht, solange es gewisse Grenzen anerkennt (keine Missionierung, kein Proselytismus, Religion als Privatsache usw.) und statt dessen politisch-korrekte Toleranz und einen entsprechenden Dialog fördert.

In gewisser Weise ist dies ein Kompromiß zwischen den Vertretern einer "Volksreligion", wie sie etwa von den Landeskirchen vertreten wird, und den Vertretern des Laizismus, wie er sowohl von Atheisten als auch den traditionellen Freikirchlern - mit völlig verschiedenen Motiven - vertreten wird.

Wenn nun jedoch zu einem "Integrationsgipfel" am morgigen Freitag in Berlin auch Religionsgemeinschaften eingeladen werden und plötzlich die Religion im Mittelpunkt steht, wenn man sich dann noch beschwert, wenn diverse Religionsgemeinschaften wie beispielsweise der Islamrat und der Zentralrat der Muslime nicht eingeladen werden, dann bedeutet dies, daß wir uns auf dem Weg zurück in die Vergangenheit befinden, weg von der Trennung von Staat und Religion, weg von der weltanschaulichen Neutralität des Staates, hin zu einer stärkeren Verbindung von Staat und Religion.

Es ist natürlich zutreffend, daß viele Zuwanderer muslimischen Hintergrundes sind - aber natürlich nicht nur. Es finden sich da auch zahlreiche Immigranten christlichen Glaubens - nicht selten Angehörige der freikirchlichen Konfessionen wie Baptismus, Methodismus, Pfingstlertum usw. -, Hindus, Buddhisten, Juden, Atheisten usw. Nicht wenige Immigranten sind zuderm Flüchtlinge, die der Verfolgung wegen ihres Glaubens entgehen wollen, etwa aus Ländern der islamischen Welt wie Iran, Afghanistan, Pakistan, Palästina usw.

Bei der Integration geht es derzeit vor allem um zwei Aspekte: Das Zusammenleben der alten und neuen Kulturen im Einwanderungsland Deutschland und die Wirtschaft in diesem Land. Dabei mag das zweite Thema wichtiger sein als das erste; denn je besser es den Deutschen wirtschaftlich geht, alteingesessenen wie zugewanderten Bürgern, um so stabiler wird das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen sein. Genügend Ausbildungsplätze, gute Berufsaussichten, ein befriedigendes Gehalt gehören zu den Fundamenten eines guten Zusammenlebens zwischen den Nationalitäten und Kulturen.

Welche Rolle spielen hier denn die Religionsgemeinschaften? Warum müssen Religionsgemeinschaften hierzu gehört werden? 

Bleibt die Frage nach dem Zusammenleben der Kulturen. Sollte man nicht wenigstens deswegen die Religionsgemeinschaften anhören? Grundsätzlich gilt: Wir wollen Menschen integrieren, nicht Religionen. Es geht nicht darum, das Christentum, den Islam, den Atheismus oder was sonst zu integrieren. Die Zuwanderer dürfen nicht auf ihre Religion reduziert werden. Es geht um die Integration von Individuen, nicht von gesichtslosen Gruppen wie " Baptisten", "Methodisten", "Muslimen" usw.

Zu groß ist auch die Gefahr, daß dabei Minderheiten geopfert werden. Zuwanderer etwa aus Ländern der islamischen Welt werden einfach mit dem Etikett "Islam" versehen und in eine entsprechende Schublade einsortiert. Dabei wird übersehen, daß religiöse Minderheiten aus diesen Ländern und insbesondere "Apostaten", die zu einer anderen Religion oder Weltanschauung konvertiert sind, nicht selten eine Opferrolle einnehmen. 

Zu Beginn der Zuwanderungsdebatte muß die Frage stehen, wie Deutschland sich gegenüber den Religionen und Religionsgemeinschaften verhalten will? Wollen wir weiterhin die weltanschauliche Neutralität des Staates bejahen? Dann ist es gänzlich falsch, die Religionsgemeinschaften zu einem Integrationsgipfel einzuladen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 14:04 Uhr
 
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