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Prosopagnosie und Gemeinde PDF Drucken E-Mail
Prosopagnosie
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 13. Oktober 2005 um 17:01 Uhr
Die Prosopagnosie - auch bekannt als "Gesichtsblindheit" - bedeutet, daß ein Betroffener wohl ein Gesicht als solches erkennen, aber keiner bestimmten Person zuordnen kann. Nicht selten kann auch die Mimik, also der Gefühlsausdruck des Gesichtes, nicht erkannt werden.

Möglicherweise sind bis zu zwei Prozent der Bevölkerung von der Prosopagnosie, einer neurologischen Störung im Schläfenlappen, betroffen. Für christliche Gemeinden dürfte der gleiche Wert zutreffen: Jeweils zwei von einhundert Gemeindemitgliedern sind gesichtsblind. Für die Baptisten bedeutet dies in statistisch errechneten Zahlen: Im Jahre 2000 waren rund 13 Mitglieder der Stuttgarter Baptisten-Gemeinden Forststraße, Feuerbach und Zuffenhausen betroffen, in der Vereinigung Baden-Württemberg 205 Mitglieder und bundesweit 1730 Mitglieder der Baptisten- und Brüdergemeinden (jeweils ohne Kinder und regelmäßige Besucher der Gemeinden). Von den rund zwei Millionen Protestanten, die regelmäßig einen landes- oder freikirchlichen Gottesdienst in Deutschland besuchen, haben immerhin rund 40.000 Schwierigkeiten, die anderen Gottesdienstbesucher zu erkennen.

Das Thema Prosopagnosie wird in den Gemeinden und Kirchen bisher wenig beachtet. Es gibt keine Arbeitskreise in den Kirchen oder in der Ökumene, die sich dieses Themas annehmen.

Solange jedoch zwei von einhundert Gottesdienstbesuchern gesichtsblind sind - und viele deswegen keinen Gottesdienst besuchen -, ist dieses Thema für Gemeinden und Kirchen wichtig.

Prosopagnosia in Kirche und Gemeinde bedeutet ganz konkret, daß da unter jeweils fünfzig Personen - egal ob Gemeindemitglieder, Gottesdienstbesucher, Mitarbeiter oder was sonst - eine Person ist, die Probleme damit hat, Personen zu erkennen. Dies kann immer zu schwierigen Situationen führen, wenn man etwa andere Gottesdienstbesucher nicht erkennen kann, wenn man dadurch in peinliche Situationen gerät.

Viele Prosopagnostiker meiden Menschenansammlungen - und darum oft auch Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen. Sie bleiben vorwiegend im Hintergrund.

Pastoren, Gemeindeleiter, Seelsorger sollten um die Prosopagnosia wissen, damit sie in guter Weise mit den "Gesichtsblinden" umgehen können.

Es wird im Allgemeinen angebracht sein, Prosopagnostiker in Kleingruppen (z.B. Hauskreise) mit festem Teilnehmerkreis einzubinden. Ansonsten eigenen sich die (in vielen freikirchlichen Gemeinden ohnehin bekannten) "Bildertafeln" mit den mit Namen versehenen Fotos aller Gemeindemitglieder und Angehörigen, um Prosopagnostikern eine Hilfe an die Hand zu geben, sich in der Gemeinde zurecht zu finden. Die Fotos sollten allerdings aktuell und von guter Qualität sein.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 13. Oktober 2005 um 17:34 Uhr
 
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