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Die Prosopagnosie - auch bekannt als "Gesichtsblindheit" - bedeutet,
daß ein Betroffener wohl ein Gesicht als solches erkennen, aber keiner
bestimmten Person zuordnen kann. Nicht selten kann auch die Mimik, also
der Gefühlsausdruck des Gesichtes, nicht erkannt werden.
Möglicherweise sind bis zu zwei Prozent der Bevölkerung von der
Prosopagnosie, einer neurologischen Störung im Schläfenlappen,
betroffen. Für christliche Gemeinden dürfte der gleiche Wert zutreffen:
Jeweils zwei von einhundert Gemeindemitgliedern sind gesichtsblind. Für
die Baptisten bedeutet dies in statistisch errechneten Zahlen: Im Jahre
2000 waren
rund 13 Mitglieder der Stuttgarter Baptisten-Gemeinden Forststraße, Feuerbach und Zuffenhausen betroffen, in der Vereinigung Baden-Württemberg 205 Mitglieder und bundesweit 1730 Mitglieder der Baptisten- und Brüdergemeinden
(jeweils ohne Kinder und regelmäßige Besucher der Gemeinden). Von den
rund zwei Millionen Protestanten, die regelmäßig einen landes- oder
freikirchlichen Gottesdienst in Deutschland besuchen, haben immerhin
rund 40.000 Schwierigkeiten, die
anderen Gottesdienstbesucher zu erkennen.
Das Thema Prosopagnosie wird in den Gemeinden und Kirchen bisher
wenig beachtet. Es gibt keine Arbeitskreise in den Kirchen oder in der
Ökumene, die sich dieses Themas annehmen.
Solange jedoch zwei von einhundert Gottesdienstbesuchern
gesichtsblind sind - und viele deswegen keinen Gottesdienst besuchen -,
ist dieses Thema für Gemeinden und Kirchen wichtig.
Prosopagnosia in Kirche und Gemeinde bedeutet ganz konkret, daß da
unter jeweils fünfzig Personen - egal ob Gemeindemitglieder,
Gottesdienstbesucher, Mitarbeiter oder was sonst - eine Person ist, die
Probleme damit hat, Personen zu erkennen. Dies kann immer zu
schwierigen Situationen führen, wenn man etwa andere
Gottesdienstbesucher nicht erkennen kann, wenn man dadurch in peinliche
Situationen gerät.
Viele Prosopagnostiker meiden Menschenansammlungen - und darum oft
auch Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen. Sie bleiben
vorwiegend im Hintergrund.
Pastoren, Gemeindeleiter, Seelsorger sollten um die Prosopagnosia
wissen, damit sie in guter Weise mit den "Gesichtsblinden" umgehen
können.
Es wird im Allgemeinen angebracht sein, Prosopagnostiker in
Kleingruppen (z.B. Hauskreise) mit festem Teilnehmerkreis einzubinden.
Ansonsten eigenen sich die (in vielen freikirchlichen Gemeinden ohnehin
bekannten) "Bildertafeln" mit den mit Namen versehenen Fotos aller
Gemeindemitglieder und Angehörigen, um Prosopagnostikern eine Hilfe an
die Hand zu geben, sich in der Gemeinde zurecht zu finden. Die Fotos
sollten allerdings aktuell und von guter Qualität sein. |