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Wie können wir die Welt der Muslime verstehen? PDF Drucken E-Mail
Islam und christlicher Glaube - Islamkunde
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 14. August 2009 um 17:35 Uhr

Um die Welt der Muslime zu verstehen, ist es vor allem notwendig, Menschen aus dieser Welt kennenzulernen. Die Welt der Muslime läßt sich nicht durch Internet-Seiten, Bücher, Seminare und Vorträge kennenlernen, sondern nur in direkter Begegnung mit dieser Welt, mit den Menschen dieser Welt. 

Dieser Artikel - die bearbeitete Fassung eines Vortrags, den ich im Rahmen eines Seminars über den Islam seit 2003 mehrfach gehalten habe - kann nur eine Hinführung sein, eine kurze Einleitung. Es ist wünschenswert, wenn dies schließlich zu Freundschaften mit Muslimen hinführt, zu Begegnungen auf Augenhöhe.

Eine Welt buntschillernder Facetten

»Den Islam« gibt es ebenso wenig wie »die Muslime«. Es gibt auch nicht »die islamische Welt«, eher müssen wir von »den islamischen Welten sprechen«, um den Muslimen gerecht zu werden.

So können wir eigentlich auch nicht »die Welt der Muslime kennenlernen«, sondern wir stehen vor den Welten der Muslimen, einer Welt buntschillernder Facetten. Kein Mensch kann jemals alle Facetten der Welten der Muslime kennenlernen oder gar verstehen.

Sie werden immer vor der Aufgabe stehen, Ihre islamische Welt kennenzulernen und zu verstehen. Ob nun der türkische, der kurdische, der iranische, der afghanische, der algerische, der yementische, der saudische, der pakistanische Islam - das ist immer eine Welt für sich, ebenso der türkische Islam in Deutschland, der pakistanische Islam in Großbritannien, der algerische Islam in Frankreich...

Es gibt nur wenige Elemente, die starken Klammern gleich alle diese Welten zusammenhalten: Die fünf »Pfeiler des Islam«, Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, Almosen, Wallfahrt. Jeden Tag brandet das islamische Gebet salat einer gewaltigen Welle gleich fünfmal um die Welt, dem Stand der Sonne folgend. Einmal im Jahr kommen alle Muslime zum Fasten saum zusammen, einmal im Jahr brechen Millionen Muslime aus aller Welt zur Wallfahrt, der hajj, nach Mekka, auf. 

Doch abseits dieser fünf Klammern - man könnte noch den jihaad, die »Anstrengung auf dem Weg des Islam«, dazurechnen - stehen wir vor einer Vielfalt, die kein Mensch mehr überblicken kann - auch kein Muslim. 

Dieser Artikel  versucht, eine Art Mittelwert für das reale Leben frommer Muslime - weniger der säkularen Muslime - inmitten ihrer Gesellschaft zu beschreiben. Sie werden aber nicht umhinkommen, Ihr Verstehen der islamischen Welt auf eine bestimmte Facette feinabzustimmen, auf »den Islam«, den Sie näher kennenlernen und verstehen wollen.

Was im Leben der Muslime wichtig ist

Im Leben der Muslime sind vor allem vier Dinge wichtig:

  1. Die Praxis des Glaubens (din)
  2. Die Erscheinungsweise der Menschen
  3. Die Gastfreundschaft
  4. Dia Familienbindung
Alle diese Dinge sind im Kontext der islamischen Schamkultur zu beachten - auf die Unterschiede zwischen einer Schamkultur und einer Schuldkultur (wie sie im Westen weit verbreitet ist) gehe ich am Ende dieses Artikels ein.

Die Praxis des Glaubens

Das Ideal mag für Muslime anders aussehen, aber im "real existierenden Islam" ist weniger wichtig, was man glaubt (iman), als vielmehr, wie der Glaube praktiziert wird (din), solange es nicht die Einzigartigkeit Allahs (tauhid) verletzt. 

Muslime erwarten auch von Angehörigen anderer Religionen, daß diese ihre Religion praktizieren, und zwar öffentlich. Religion als Privatsache, die eher im "Stillen Kämmerlein" praktiziert wird - diese westliche Praxis, die die Religion zugunsten von Aufklärung, Humanismus und Wissenschaft in den Hintergrund drängt, ist im Islam weithin unbekannt und gilt für viele Muslime als Unglaube, als Gottlosigkeit. Was man in der Öffentlichkeit sieht, das ist die Religion einer Gesellschaft. Was Muslime in der Öffentlichkeit des Westens (und auch im Kino, im TV, in den Medien...) sehen, ist für viele von ihnen die Religion dieser christlichen Gesellschaft. 

Christen, die ihre Religion nicht öffentlich praktizieren, werden von vielen Muslimen meist nicht respektiert.  Entsprechend ist auch das islamische Bild vom Christentum, von den Christen geprägt, weil sie hier meist wenig gelebten Glauben sehen (selbst die Evangelikalen ziehen sich ja meist in fromme Nischen zurück). Darum wird das Christentum und werden seine Vertreter de facto nicht respektiert. Darum ist es besonderswichtig, Christsein authentisch, ehrlich vorzuleben - auch in der Öffentlichkeit.

Die Gefahr öffentlicher Religiosität ist natürlich immer fromme Heuchelei. Die Bibel warnt wiederholt vor frommer Heuchelei - und rät mehrfach dazu, lieber im Verborgenen religiös zu sein. 

In einer multikulturellen Gesellschaft, in der Christen und Muslime zusammenleben, können Christen es sich nicht wirklich leisten, sich in fromme Nischen zurückzuziehen oder in die bei evangelikalen Christen so beliebten "frommen Kuschelclubs der Erretteten".

Es geht freilich nicht darum, "fromme Stärke" zu zeigen - "hey, wir sind frömmer als ihr!" -, sondern eher darum, "fromme Schwäche" zu zeigen. Maßstab eines öffentlichen Christentums muß immer die Kondeszendenz in der Offenbarung Gottes sein - Gott war in Christus, in ihm war die Fülle der Gottheit - aber er offenbarte sich in einem Kind in der Krippe, in einem Dulder am Kreuz. Jesus hat die Herrlichkeit Gottes nicht in einem Spectaculum, einem Schauwunder, offenbart, sondern als er in Knechtsgestalt vom Kreuz her bat: "Laßt euch versöhnen mit Gott!" Öffentliches Christentum will nicht durch Stärke überzeugen, sondern Gott die Gelegenheit geben, in der Schwäche das Gewissen zu überführen. 

Wir Christen müssen nuicht nur lernen, unseren Glauben öffentlich zu praktizieren - sondern auch, uns die Herablassung Gottes in Jesus Christus, seine Erniedrigung zum Maßstab zu nehmen (siehe Philipper 2,5ff). Gott ist in den Schwachen mächtig, die sich an seiner Gnade genügen lassen - das gilt auch für das öffentliche Auftreten der Christen. Von Natur aus neigt man dazu, in der Öffentlichkeit fromme Stärke präsentieren zu wollen, aber das führt immer zur Heuchelei. 

Die Erscheinungsweise der Menschen

Muslime achten sehr auf die Erscheinungsweise der Menschen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Es ist wichtig, womit und wie wir uns kleiden, welche Signale unsere Körpersprache vermittelt.

Besonders wird auf die äußere Erscheinung von Frauen geachtet - die moralischen "Qualitäten" eines Mannes werden oft daran gemessen - zum Teil fast ausschließlich -, wie seine Frau (und ggf. seine Töchter) auftreten.

Die Gastfreundschaft

Für Muslime ist die Gastfreundschaft von sehr großer Bedeutung. Man lädt einander zu Besuch ein und nimmt Einladungen auch an - jeweils ganz spontan. Es kann sein, daß man abends um zehn Uhr eine Einladung erhält, und man tut gut daran, diese dann auch anzunehmen. Als Gastgeber ist man freigiebig und überschüttet seine Besucher mit Leckereien und Köstlichkeiten. Als Besucher läßt man auf jeden Fall etwas übrig. 

Die Familienbindung

Die Familie ist die wichtigste Einheit im Islam, und sie wird tatsächlich als Einheit gesehen. Auf scheinbare und echte Bedrohungen dieser Einheit reagieren Muslime sehr empfindlich. 

Wenn wir Muslime kennenlernen und ihre Welt verstehen wollen, müssen wir diesen vier wichtigen Elementen islamischen Lebens die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen und alles von diesen vier Blickwinkeln her sehen. Auch unser eigenes Verhalten muß diesen vier Eckpfeilern gerecht werden.

Äußerlichkeiten wichtig nehmen

Äußerlichkeiten sind im Islam oftmals von zentraler Bedeutung, und dies wird uns nur schwer verständlich werden, da im Westen ganz andere Dinge wichtig sind als in den islamischen Welten. Viele Muslime achten auf...

  • Kleidung
  • Schmuck (gerade muslimische Frauen tragen meist sehr viel (Gold-) Schmuck)
  • Körpersprache
  • Statussymbole (Ein repräsentatives Auto hat bei der Anschaffung im Zweifelsfall Vorrang vor nützlicheren Dingen)
  • Wo man wohnt
  • Wie man wohnt
  • Eingangsbereich der Wohnung (Entree)
  • Welche bekannten Persönlichkeiten man kennt

Im Westen zählt vor allem, was ein Mensch leistet. In den islamischen Welten zählt eher, welchen äußeren Anschein man zu erwecken vermag, sei er nun echt oder nur eine Vortäuschung falscher Tatsachen. 

Die für viele Muslime so wichtige Ehre eines Menschen hängt oft mit Äußerlichkeiten zusammen (anders als in einer Schuldkultur ist die Ehre eines Mannesin einer Schamkultur etwa nicht verletzt, wenn er sich in irgend einer Weise schuldig macht - sondern wenn es nach außen hin sichtbar wird).

Eine nicht vorzutäuschende Äußerlichkeit ist das Alter. Älteren wird man in den islamischen Welt immer respektvoll begegnen - jungen Menschen jedoch weniger, vor allem, wenn sie unreif wirken. »Reife« erlangt ein Mann erstmals, wenn er verheiratet ist und Vater eines Kindes geworden ist. Aber jeder Mann (für Frauen gilt das noch mehr), der unordentliche Kleidung trägt, die Haare und den Bart nicht pflegt usw., wird, egal wie alt er ist, immer als »unreif« gelten. 

Die meisten Muslime werden etwa »Hippies« (oder auch die "Jesus-Freaks") niemals als reife Menschen betrachten, ihnen keine Weisheit und keine Lebenserfahrung und keine Autorität zutrauen.

Christen aus der islamischen Welt kennenlernen

Ein erster Schritt in die Begegnung mit dieser Welt ist die Begegnung mit Christen aus der islamischen Welt, nicht mit Konvertiten, sondern mit Arabern, die aus einer christlichen Tradition stammen, z.B. Kopten aus Ägypten, Christen aus der Türkei, Palästina usw.

Wir sollten danach trachten, Freundschaften mit Christen aus der islamischen Welt zu schließen und zu pflegen. Dies auch, um bei diesen Christen Liebe für die Muslime zu wecken. Das Verhältnis der Christen aus der islamischen Welt zu den Muslimen ist oft distanziert, und nur wenige von ihnen führen mit Muslimen Gespräche über den Glauben. Oftmals kennen sie zwar die islamische Welt, aber sie verstehen manchmal nur wenig von der Welt der Muslime. 

Christen muslimischen Hintergrundes kennenlernen

Ein überaus wichtiger Schritt, um die Welt der Muslime kennenzulernen, besteht darin, auf ehemalige Muslime zuzugehen, die zum Christentum konvertiert sind. Sie können uns in die Welt der Muslime einführen, wie dies kein Seminar, kein Buch vermag (wobei nicht jeder Konvertit ein Fachmann für den Islam ist, schon gar nicht seiner ganzen Vielfalt - zudem darf man die Gläubigen muslimischen Hintergrundes nicht als "Auskunftei" für Fragen über den Islam mißbrauchen und damit überfordern; und nicht jeder ehemalige Muslim fühlt sich in seiner Rolle als "Fachmann für den Islam" wohl).

Da viele ehemalige Muslime gerade in der ersten Zeit nach ihrer Bekehrung den Kontakt zum Islam vermeiden, kann dies auch für sie eine Hilfe sein, Ängste und Vorurteile zu überwinden.

Wir sollten freilich nicht nur auf orientalische Konvertiten zugehen, sondern auch auf Deutsche, die einmal zum Islam konvertiert waren, heute aber Christen sind. Sie können uns ein Gefühl für die Faszination am Islam mitteilen. Was begeistert Deutsche am Islam? Warum konvertieren Männer und Frauen zu dieser Religion? Ein Beispiel für eine Deutsche, die erst zum Islam konvertierte, bei einer islamistischen Organisation sogar Frauenbeauftragte war, aber dann wieder zum christlichen Glauben fand, ist Johanna al-Sain, die zusammen mit Ernst Schrupp das Buch »Ich kämpfte für Allah« (R. Brockhaus) geschrieben hat.

Wir werden das Thema Konvertiten weiter unten noch ausführlich behandeln; denn der richtige Umgang mit Konvertiten ist von großer Bedeutung für die christliche Gemeinde. 

Muslime kennenlernen

Doch über die Beziehungen zu ehemaligen Muslimen hinaus sind für uns freundschaftliche Beziehungen zu islamischen Familien und freundschaftliche Kontakte in Moscheegemeinden wichtig. Erst hier haben wir die Chance, die Welt der Muslime richtig kennenzulernen.

Wir vermeiden es, Anstoß zu erregen, wir achten die vier oben genannten Eckpfeiler: Glaubenspraxis, Erscheinungsweise, Gastfreundschaft und Familienbindungen, und wir geben Acht auf unser Äußeres.

Die Muslime lieben

Die Liebe muß das Fundament sein, von dem aus wir die Welt der Muslime zu verstehen suchen, wie sie auch das Fundament sein muß, von dem aus wir mit Muslimen über den Glauben sprechen. Ohne die Liebe funktioniert das nicht.

Muslime als Menschen sehen

Ob es nun darum geht, die Welt der Muslime zu verstehen oder Glaubensgespräche zu führen - das Fundament »Liebe« bedeutet ganz praktisch zuerst, daß wir die Muslime nicht als Muslime, sondern als Menschen sehen, daß wir sie nicht auf ihre Religion, ihren Glauben reduzieren. Wir müssen verstehen, daß die Muslime Menschen sind, genau wie wir. Sie gehören nicht in eine »Schublade« und sie sind nicht »Missionsobjekt«. Sie sind auch nicht die, die »den Glauben nicht verstanden haben« oder vor denen wir den christlichen Glauben verteidigenmüssen. Es sind Menschen, genau wie wir.

Ganz besonders sind Muslime keine Terroristen, keine radikalen Eiferer, keine Fundamentalisten, die unsere Weltordnung stürzen wollen, die Andersgläubige und Ungläubige verfolgen und töten. Muslime - auch die Strenggläubigen unter ihnen - sind erst einmal Menschen, genau wie wir. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn eine Frau etwa von Kopf bis Fuß in ein weites schwarzes Gewand gehüllt ist, ihr Gesichtsschleier nur einen Schlitz für die Augen freiläßt und selbst die Hände mit Handschuhen bedeckt sind. Das ist eine Frau, ein Mensch. Sie hat ein Recht darauf, nicht auf ihren Schleier reduziert zu werden, nicht als "schwarzes bewegliches Objekt" wahrgenommen zu werden, sondern als Frau.

Als Jesus Mensch wurde, da wurde Gott ein Mensch genau wie wir (vgl. Philipper 2,6ff). Er ist uns auf einer Ebene begegnet, die wir auch in der Begegnung mit Muslimen suchen müssen: von Mensch zu Mensch. Wir müssen den Umgang Jesu mit den verschiedenen Menschen studieren, um zu verstehen, wie wir Muslimen begegnen können. Für uns ist dabei ganz besonders der Umgang Jesu mit den Samaritern interessant:

Die Samariter waren zur Zeit Jesu verachtet und gehaßt, kein Jude wollte mit ihnen zu tun haben (vgl. Johannes 4,9; 8,48). In gewisser Weise waren die Samariter das, was heute die muslimischen Immigranten in Deutschland sind. Wie Jesus den Samaritern begegnete, kann uns ein Vorbild sein, wir wir Muslimen begegnen sollen. Lesen Sie hierzu folgende Bibelstellen:

  1. Der barmherzige Samariter ( Lukas 10,25-37 )
  2. Zehn Aussätzige werden geheilt - nur der Samariter ist dankbar ( Lukas 17,11-19 )
  3. Eine Begegnung am Jakobsbrunnen ( Johannes 4,1-41 )

Wenn Christen mit Muslimen sprechen, hört man manches Mal förmlich die Juden aus Johannes 8,48 wiederkehren: »du bist... von einem bösen Geist besessen!« Jesus hat niemals so mit den Samaritern gesprochen.

Ich habe Christen oft zu Muslimen sagen gehört, daß diese an einen falschen Gott, etwa einen »Mondgott« glauben, und daß sie einem falschen Propheten nachfolgen. Jesus hat nicht so mit den Samaritern gesprochen - auch nicht über die Samariter -, und wir Christen dürfen nicht so mit Muslimen sprechen - oder über Muslime -, wenn wir Jesus nachfolgen wollen. Sonst treten wir sein Vorbild mit Füßen und verhöhnen es. 

Die beiden ersten Bibelstellen, die uns zeigen, wie Jesus mit den Samaritern umging, zeigen uns eher, wie er über die Samariter sprach, die dritte Stelle dagegen zeigt uns, wie er mit den Samaritern sprach.

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter zeigt uns, daß Jesus den Samariter positiv, optimistisch sah. Er tadelte nicht dessen halb-heidnische Religion mit ihren Praktiken. Er griff die Samariter und ihren Glauben nicht an, eher im Gegenteil. Sein Gleichnis zeugt von Respekt gegenüber den Samaritern. Er führte seinem Gegenüber und uns vor Augen, daß man zuerst den Menschen sehen soll, nicht den Angehörigen einer Religion.

Die Begebenheit mit den zehn Aussätzigen, die geheilt werden und von denen nur einer, ein Samariter, zurückkommt, Jesus dankt und dadurch Gott die Ehre erweist, nimmt Jesus auch nicht zum Anlaß, den Samariter wegen seiner Religion zu tadeln. Wen Jesus tadelt, sind jene neun Juden, die nicht wie der »Fremdling« zurückkamen, um Jesus zu danken und dadurch Gott die Ehre zu geben.

Die Begegnung am Jakobsbrunnen gibt Stoff für einige Predigten. Erst einmal erleben wir hier, wie sich Jesus ein ums andere Mal geradezu unmöglich benimmt. Die samaritanische Frau, mit der er am Brunnen spricht, ist erstens einmal aus Samaria, und dann ist sie auch noch eine Frau. Dann bittet Jesus sie auch noch, ihr aus dem Brunnen zu trinken zu geben. Nun würde man ja wenigsten erwarten, daß Jesus sie wegen ihres halb-heidnischen Glaubens und den damit verbundenen Glaubenspraktiken tadelt - doch obgleich Jesus deutlich macht, daß das Heil aus den Juden kommt, greift er dabei die Samariter nicht an, sondern nimmt sie als Menschen ernst. Schließlich willigt Jesus sogar ein, zwei Tage bei den Samaritern zu bleiben - und die Samariter werden gläubig, ohne daß Jesus ihren Glauben angegriffen hätte.

Verstehen wir, was Jesus uns hier lehrt? Wir sollen Muslimen begegnen, ohne ihre Religion anzugreifen, ohne Allah oder Muhammad herabzusetzen. 

Muslimen zu begegnen, um ihre Welt kennenzulernen, um mit ihnen über den Glauben zu sprechen, bedeutet, daß wir uns von Jesu Begegnungen mit Samaritern inspirieren lassen. Wir lernen von Jesus, Muslime als Menschen ernstzunehmen und sie nicht auf ihre Religion zu reduzieren. 

Jesus ist natürlich nicht nur Samaritern begegnet, sondern auch anderen Menschen: Pharisäern, Sadduzäern, den Leuten des Herodes, Sündern, Zöllnern und Huren und ganz gewöhnlichen Juden. 

Auch wenn die Muslime sehr auf Regeln und religiöse Gebote achten wie damals die Pharisäer - es wäre für unser Anliegen falsch, die Muslime mit den gesetzestreuen, frommen Pharisäern vergleichen zu wollen (eher sollten wir Christen selbstkritisch vor und während der Begegnung mit Muslimen über Jesu Begegnungen mit Pharisäern reflektieren). Wir sollten den Muslimen nicht so begegnen, wie Jesus den Pharisäern begegnet ist. Auch der Umgang Jesu mit den anderen Leuten kann uns kein annähernd so gutes Beispiel wie sein Umgang mit den Samaritern sein.

Den Muslimen in Freundschaft begegnen

Muslimen zu begegnen, um ihre Welt zu verstehen und um Glaubensgespräche zu führen, kann nur dann echte Frucht bringen, wenn wir den Muslimen als Freunde begegnen. Jede andere Beziehung zwischen dem Muslimen und uns ist kein guter Boden, um ihre Welt kennenzulernen oder um mit ihnen über den Glauben zu sprechen. Wir sind nicht Lehrer, nicht Apologeten, nicht Theologen, nicht Missionare, auch nicht - schon gar nicht - Islamkundler, nicht Kirchengeschichtler, sondern Freunde. Wir kommen mit der Bereitschaft, Freundschaften zu schließen, echte Freundschaften. 

Ohne Investitionen in die Freundschaft geht es nicht. Wir besuchen unsere Freunde und laden sie zu uns ein. Dabei berücksichtigen wir, daß unsere Freunde oftmals kein Schweinefleisch essen und keinen Alkohol trinken (und auch nichts essen, was mit Alkohol zubereitet wurde). Wir stehen zur Verfügung, wenn es darum geht, Probleme zu bewältigen.

Einen Freund sieht man auch niemals als »Missionsopfer«. Aber wir leben unseren Glauben selbstverständlich vor. Wir hören zu, vor allem dann, wenn Muslime über ihren Glauben, ihr Leben und ihre Welt sprechen oder unsere Fragen beantworten. Wir wollen ja Lernende sein, die Welt der Muslime kennenlernen.

Freilich geht es hier nicht um »Alibifreundschaften«, Scheinfreundschaften, um uns das Vertrauen der Muslime zu erschleichen, um sie letztlich zu "leichter Beute" für unsere Mission zu machen. Freundschaft besitzt nur dann einen Wert, wenn sie nicht darauf abzielt, den Freund zu bekehren. Paradoxerweise wird sie auch nur dann dazu führen, daß aus Freunden Geschwister werden.

Nichts herabsetzen

Im Gespräch mit Muslimen setzen wir den Islam ebenso wenig herab wie Muhammad und den Koran - auch und gerade dann nicht, wenn Muslime den christlichen Glauben angreifen oder ihrerseits herabsetzen. Wir respektieren die fremde Kultur, Lebensweise und Religion, so wie Jesus die Samariter respektierte. Witze über Heiliges sind ebenso tabu wie herablassende Äußerungen über Themen wie den Umgang zwischen Männern und Frauen, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, das islamische Gesetz usw. 

Buchstäblich setzen wir weder den Koran noch die Bibel »herab«, indem wir sie auf den Boden legen, etwas darauf legen, hineinschreiben usw. 

Grundsätzlich geht es darum, daß wir in unseren Glaubensgesprächen für Jesus eintreten und nicht gegen den Islam, gegen Muhammad, gegen den Koran. Keinesfalls sollten wir auf die völlig unsinnige Idee kommen, mit etwaigen »Fehlern im Koran«, Geschehnissen aus der Biographie Muhammads usw. missionieren zu wollen. 

"Erlaubt" ist alles, was Muslime zum Denken und Nachdenken anregt, ohne daß es den Islam in irgend einer Weise herabsetzt. Wir wollen die Muslime zum Guten »reizen«.

Um Liebe beten

Liebe ist eine Gabe und eine Frucht des Geistes, die wir nur schwer aus uns selbst hervorbringen können. Sie will erbeten sein. Für uns ist sie wichtiger als Theologie, Apologetik, Islamkunde, Sprachenkunde, Kulturkunde und alles andere, wichtiger auch als jedes Konzept, das sich auf die Glaubensgespräche mit Muslimen anwenden ließe.

Sich weiterbilden

Selbstverständlich soll hier der Wert der Weiterbildung nicht geschmälert werden. Um die Welt der Muslime kennenzulernen, ist es notwendig, sich in Islamkunde weiterzubilden, am besten anhand muslimischer und christlicher Quellen. Wenn Sie die Chance bekommen, an einer islamischen Hochschule Islamwissenschaft zu studieren - warum nicht? Etwas Besseres, um die Welt der Muslime verstehen zu lernen, kann sich Ihnen gar nicht bieten.

Da sich aber wohl nicht jedem eine solche Chance bietet, ist es wichtig, islamkundliche Seminare zu besuchen, islamkundliche Bücher zu lesen usw. Dabei sollte man muslimische Autoren ganz bewußt nicht meiden, sondern ebenso gründlich studieren wie christliche Autoren.

Von polemischen Büchern (etwa von Udo Ulfkotte, Hans-Peter Raddatz usw.) sollte man Abstand nehmen, ebenso von "islamkritischen" Web-Seiten wie "Akte Islam", "Politically Incorrect" usw.

Die Welt der Muslime verstehen lernen - nicht nur eine Etappe

Die Welt der Muslime kennenzulernen, ist nicht nur ein Schritt zur Vorbereitung der Gespräche über den Glauben. Wir sollten niemals aufhören, die Welt der Muslime kennenlernen zu wollen. Sobald wir damit aufhören, werden wir auch aufhören, Glaubensgespräche mit Muslimen führen zu können. Beides geht immer Hand in Hand, das Kennenlernen der Welt der Muslime und das Gespräch mit Muslimen über den Glauben. Es ist gerade die Liebe, die uns auffordert, beständig die Welt der Muslime kennenzulernen, Interesse an dieser Welt zu bekunden und den Muslimen zuzuhören. 

Muslime verstehen: Sex & Co.

Sex & Co. sind Themen, die es zu verstehen gilt. In einer gemischten Gesellschaft spricht man gar nicht darüber. Über manche Themen (beispielsweise die Regel, die für Muslimahs so wichtige Entfernung der Körperhaare, manchmal sogar Schwangerschaft und Geburt) sprechen unter Umständen nicht einmal Frauen untereinander.

Allerdings sind gerade Frauen untereinander alles andere als prüde, sondern sprechen oft sehr offen über Sex und vertrauen sich hier sehr viel an. Nur wenige Themen sind dabei grundsätzlich ausgeschlossen.

Grundsätzlich wird der Sex im Islam nicht negativ aufgefaßt, ganz im Gegenteil. Die zahlreichen Beschränkungen zu diesem Thema sind ganz eindeutig nicht Ausdruck von Prüderie, sondern davon, daß Muslime Sex als eine Macht verstehen, die bei Mißbrauch Familien und sogar die Gemeinschaft zerstören kann.

Männer mischen sich eigentlich nie in die Welt der Frauen ein. Wir tun gut daran, das zu berücksichtigen. 

Schuldkultur und Schamkultur

Wer die Welt der Muslime verstehen will, muß man verstehen, daß diese Welt eine Schamkultur darstellt - wir Europäer leben dagegen in einer Schuldkultur.

Angehörige beider Kulturen neigen dazu, die jeweils eigene als überlegen, die jeweils andere als unterlegen zu betrachten. Sobald sich allerdings Angehörige einer Schuldkultur tatsächlich denen einer Schamkultur überlegen fühlen, beginnen sie zwangsläufig mit einer Metamorphose in eine Schamkultur. 

Das Evangelium von Jesus Christus ist auf jeden Fall kompatibel sowohl zu einer Schamkultur (in der es auch entstanden ist) wie zu einer Schuldkultur (die ihren Ursprung in einem judäo-christlichen, aufgeklärten, humanistischen Weltbild hat). 

Kulturanthropologisch gesehen, wurde zuerst die japanische Kultur als Schamkultur beschrieben (1946 durch Ruth Benedict). Später wurde der Begriff "Schamkultur" auf die gesamte Region des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens ausgedehnt, heutzutage bildet hauptsächlich Israel eine "Insel der Schuldkultur" in einem "Meer der Schamkultur". Dabei gibt es nicht die Schamkultur - man muß zwischen verschiedenen Subkulturen - auch islamischen Subkulturen - differenzieren. Muslime in ihrem Heimatland und solche, die etwa nach Deutschland ausgewandert sind, teilen die gleichen schamorientierten Wurzeln, haben aber zwei zu differenzierende Subkulturen ausgebildet, wobei die in der Diaspora meist strenger ausfällt als die im Heimatland.

Schuldkultur

Innerhalb des von der Schuldkultur geprägten Westens gibt es "Inseln" der Schamkultur - so haben etwa die Nazi-Organisationen (SS, HJ, SA, Gestapo usw.) deutliche Merkmale einer Schamgesellschaft aufgewiesen, ebenso die DDR-Organisationen (SED, Stasi usw.), teilweise weist auch der heutige "traditionelle" Linksblock solche Merkmale auf. Wo viele Mitglieder einer eng gefaßten Gemeinschaft (z.B. Angehörige einer zugewanderten Ethnie oder einer religiösen Sondergemeinschaft) auf engem Raum zusammenleben (auch "virtuell"), bilden sich leicht Schamkulturen heraus, ebenso dort, wo Menschen aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen Gruppenmerkmalen das Ziel von rassistischen Aggressionen werden. 

In einer Schuldkultur gilt, daß derjenige, der eine Normverletzung begangen hat, Schuld empfinden und sich um die Sühnung seiner Schuld sorgen soll. Ohne Bedeutung ist dabei immer, ob andere die Normverletzung bemerkt haben nicht, ob man fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. 

Unser Gewissen gilt als moralisches Korrektiv für unser Verhalten; das ruhige Gewissen wird als höchstes Gut betrachtet. Als Maxime gilt: Verhalte dich stets so, daß dein Handeln als Grundlage für eine allgemeine Gesetzgebung gelten kann. 

Dabei gilt, daß nur eine kleine Zahl von Menschen - in der Regel die Eltern - das Gewissen prägen sollen. Von dieser kleinen Zahl von Menschen übernimmt man seine Verhaltensmaßstäbe und bildet ein Gewissen heraus, in dem sich die Normenvorstellungen manifestieren. Wer nun plant, sich einer Normverletzung schuldig zu machen, erhält von seinem Gewissen ein Signal, daß die geplante Tat eine Verletzung seiner Normen darstellt. Das löst einen Abwehrmechanismus aus, der im Idealfall die Normverletzung verhindert.

Wer sich aber doch einer Normverletzung schuldig macht, ist in seinem inneren Gleichgewicht von innen her gestört, er erlebt ein Schuldgefühl, das er auch als Bestrafung von innen heraus wahrnimmt, und er startet einen Entlastungsmechanismus - er sucht eine Möglichkeit, Buße zu tun, seine Schuld zu sühnen. Ist dies geschehen, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück.

Schamkultur

In der Schamkultur der islamischen Welt ist es eine recht große Zahl von Personen - in der Regel die Großfamilie -, die prägend auf das Gewissen einwirken. Hierzu wird das islamische Recht (sharia) ebenso herangezogen wie die traditionellen Vorstellungen des Volksislam, die Bedeutung der Normen für die umma (islamische Gemeinschaft) spielt eine große Rolle. Ein vorbildlicher Muslim in der Großfamilie oder in der näheren Umgebung (ein Vorbeter, ein hajji o.ä.) wird für die Prägung des Gewissens als besonders vorteilhaft angesehen. Der Kontakt zu nicht vorbildlichen Personen (Ungläubige, Gottlose...), aber auch zu Angehörigen des anderen Geschlechts soll in dieser Zeit der Prägung beschränkt sein oder unterbleiben. Der junge schamorientierte Muslim übernimmt die Verhaltensmaßstäbe dieser prägenden Personen und bildet ein Gewissen heraus, in dem sich einerseits die Normvorstellungen manifestieren, andererseits die Sorge um die öffentliche Wertschätzung vor allem durch die umma.

Neben der Großfamilie übernimmt die umma zudem die Fremdüberwachung der Normen; die Überwachung der Normen obliegt also von innen heraus dem Gewissen und von außer her der umma.

Wer nun plant, sich einer Normverletzung schuldig zu machen, erhält von seinem Gewissen das Signal, daß die geplante Tat die Verletzung seiner Normen darstellt und dazu führen kann, daß man die öffentliche Wertschätzung vor allem durch die umma verlieren kann. Das löst einen Abwehrmechanismus aus, der im Idealfall die Normverletzung verhindert. 

Die Person selbst oder eine andere Person, die von der geplanten Normverletzung erfahren hat, holt an dieser Stelle möglicherweise eine fatwa (Rechtsgutachten) ein, als ergänzende Manifestation der Normenvorstellungen. 

Wer sich aber doch einer Normverletzung schuldig macht, erlebt im Falle, daß die Tat anderen nicht als Normverletzung bewußt wird, eine Störung seines inneren Gleichgewichts wegen der Sorge, daß seine Tat doch nicht anderen als Normverletzung bewußt wird. Erst nach einer mehr oder weniger längeren Zeit, wenn seine Befürchtung sich nicht bewahrheitet, eine Entdeckung unwahrscheinlicher wird und er eine gewisse Zahl an "guten Werken" aufbauen kann, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück. 

In dem Fall jedoch, daß die Tat anderen als Normverletzung bewußt wird, erlebt er eine Störung seines inneren Gleichgewichts sowohl von innen als auch von außen her. Sofort, wenn ihm bewußt wird, daß die Normverletzung öffentlich bemerkt wurde, erlebt er ein Schamgefühl, das als Bestrafung empfunden wird. Das aktiviert nun einen Abwehrmechanismus, der sich in erster Linie gegen die Wertung durch die Öffentlichkeit richtet (z.B. durch eine als gerecht empfundene Bestrafung). Ist dies erfolgreich, fühlt er sich entlastet und kehrt zu seinem inneren Gleichgewicht zurück.

Daraus folgt, das in der islamischen Schamkultur nicht das ruhige Gewissen, sondern die öffentliche Wertschätzung als höchstes Gut gilt. Scham hat der zu empfinden, dessen Normverstöße auffallen - aber auch der, dem man ungeahndet öffentlich Unrecht tun kann. 

Öffentlich angetanes Unrecht muß darum geahndet werden. Allgemein regeln die sharia und darüber hinaus die juristischen Traditionen des Volksislam die Ahndung einer öffentlichen Normenverletzung. Die folkloristischen Traditionen sind dabei meist strenger als die sharia, in der Diaspora strenger als in der Heimat.

In der islamischen Schuldkultur spielt allerdings nicht nur das von einer Person individuell erfahrene öffentliche Unrecht eine Rolle, sondern auch das öffentliche Unrecht, das die umma, die islamische Gemeinschaft, erfährt - etwa durch Angriffe auf die Einheit Gottes (tauhid), auf den Koran oder auf Muhammad. In einem solchen Fall ist jeweils die umma aufgefordert, das Unrecht zu ahnden; anderenfalls hat sie Scham zu empfinden. 

Die Schwierigkeiten im Zusammenleben von Christen und Muslimen haben sehr viel mehr mit dem Unterschied zwischen der postmodernen Schuldkultur und der islamischen Schamkultur zu tun als mit religiösen oder anderen Unterschieden. In unserer Gesellschaft gilt eine Schamkultur als rückständig und intolerant, ihr Umgang mit Recht und Unrecht verletzt unser Rechtsempfinden. Umgekehrt gilt in der islamischen Schamkultur unsere Schuldkultur als gottlos und dekadent. Unser Umgang mit Recht und Unrecht verletzt das Rechtsempfinden vieler Muslime, die in der islamischen Schamkultur verwurzelt sind.

Umgang mit der islamischen Schamkultur

Als Christen dürfen wir die Menschen, die in einer islamisch geprägten Schamkultur leben, nicht abwertend oder verurteilend behandeln. Menschen in einer Schamkultur sind in ihrem jeweiligen kulturellen Empfinden ernst zu nehmen, und wir müssen darauf achten, uns keiner öffentlichen Normverstöße oder Vergehen schuldig zu machen. Falls das doch geschieht - sei es fahrlässig, sei es vorsätzlich -, so ist es sinnvoll, sich zu entschuldigen, auch wenn unser Gewissen ruhig ist und wir uns keiner "Schuld" bewußt sind. 

Christen können jederzeit in den Modus der "Schamkultur" umschalten, um Frieden zu stiften, das stellt keinen Verrat am Evangelium dar.

Sich auf die Schamkultur einzulassen, hat in besonders starkem Maße mit dem Aufgeben von Freiheiten, mit Erniedrigung zu tun - es bedeutet, den Maßstab von Philipper 2,5ff vollkommen ernst zu nehmen.

In der Begegnung mit Menschen aus einer Schamkultur haben wir als Christen eine besondere Verantwortung, die Bedeutung des Gewissens als Korrektiv gerade auch "verborgener" Normenverstöße aufzuzeigen. Zudem kommt uns die Aufgabe zu, auf die Rechte des Individuums und auf die Bedeutung der Allgemeinen Grundrechte hinzuweisen und diese jeweils zu verteidigen. 

Nicht unsere Ausgabe ist es, die Muslime von der Schamkultur zur Schuldkultur zu "bekehren" (selbst wenn das unsere Aufgabe wäre - an diesem Vorhaben scheitert die Linke unbewußt schon seit Jahrzehnten und festigt damit nur die schamorientierten Strukturen der Zuwanderer mit muslimischem Hintergrund, auch den Islamismus).

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 13:20 Uhr
 
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