Startseite Themen... Islam... Apologetik Das Barnabas-Evangelium - das wahre Evangelium Christi?

Wortwolke

barnabas

Powered by RafCloud

Ähnliche Inhalte

Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Simpy Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
071713

Alte Inhalte

Diese Inhalte werden nicht mehr gepflegt, sondern sind archiviert.

Bitte betrachten Sie diese Inhalte als "historische Dokumente", nicht als aktuelle Äußerungen der jeweiligen Verfasser (es sei denn, der jeweilige Verfasser verweist in einem aktuellen Artikel auf einen dieser archivierten Inhalte, ohne den Inhalt als nicht mehr aktuell zu bezeichnen).

Soweit es um die Kopftuch- und Schleierdebatte geht, finden Sie aktuelle Inhalte auf unserer Webseite  www.Burkaverbot.de.

Das Barnabas-Evangelium - das wahre Evangelium Christi? PDF Drucken E-Mail
Islam und christlicher Glaube - Apologetik
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 22. August 2008 um 15:49 Uhr

Das sog. "Barnabas-Evangelium", eine in vielen Sprachen übersetzte Schrift, die nach Meinung vieler muslimischer Apologeten authentisch, aber nach Meinung christlicher Theologen und Historiker eine mittelalterliche Fälschung ist, soll auf diesen Seiten näher untersucht werden

Argumente gegen die Echtheit

Ich möchte aus dem großen Fundus wissenschaftlich bekannter Argumente gegen die Authenzität des Barnabas-Evangeliums nur einige herausgreifen, die mir besonders wichtig erscheinen.

Zuerst sei jedoch erwähnt, daß es tatsächlich historische Belege für die Existenz eines Barnabas-Evangeliums gibt. Dieses ist jedoch, höchstwahrscheinlich während der schweren Christenverfolgungen, verlorengegangen und nach wissenschaftlicher Erkenntnis nicht mit dem heute vorliegenden Manuskript identisch.

Während der Christenverfolgungen, die im ersten Jahrhundert schon bald nach Jesu Tod begannen und mehrere Jahrhunderte andauerten, gingen viele frühchristliche Schriften der verschiedensten Autoren verloren. Als Kirchen niedergebrannt und Christen ermordet wurden, fielen diesem schrecklichen Treiben auch immer wieder wichtige Dokumente zum Opfer, während andere Dokumente gerettet werden konnte.

Wenn heute also frühchristliche Dokumente fehlen, so bedeutet dies nicht, daß die Kirche sie hat "verschwinden" lassen. In den meisten Fällen fielen diese Dokumente - unter ihnen ebenso Schriften der rechtgläubigen Kirche wie auch der Ketzer und Sekten - den Verfolgern der Christen zum Opfer. Für Historiker ist es ein Wunder, daß trotz der Christenverfolgungen (und auch der Judenverfolgungen) so viele Dokumente aus der Zeit der frühen Christen - teilweise aus dem ersten Jahrhundert - und des Judentums überliefert werden konnten.

Es gab mit Sicherheit ein Evangelium des Apostels Barnabas, und mit ebenso großer Sicherheit ist dieses Evangelium verloren gegangen, und zwar mit sehr großer Wahrscheinlichkeit während einer der Christenverfolgungen - vielleicht aber auch durch andere widrige Umstände. Es gibt jedoch keine Hinweise dafür, daß Christen diese Schrift haben "verschwinden" lassen, wozu es ja auch ein Motiv gebraucht hätte, von dem aber in den historischen Erwähnungen dieses Dokumentes nicht die Spur zu finden ist.

Keine große Zahl von Belegen

(Nach Christine Schirrmacher: Wurde das wahre Evangelium Christi gefunden?)

Das wichtigste Argument gegen die Echtheit des Barnabas-Evangelium besteht in der extrem geringen Anzahl von Belegen, die für die Echtheit plädieren. Dazu würden neben Origina-Manuskripten auch Kopien, Zitate und Übersetzungen zählen. Solche Belege sind von vielen anderen Evangelien und frühchristlichen Schriften - auch solchen, die als häretisch gelten und von der Kirche verworfwen wurden  - in größerer Zahl bekannt, doch ausgerechnet das Barbnabas-Evangelium kann solche Belege für seine Echtheit nicht aufweisen. Tatsächlich gibt es nur ein italienisches, ein unvollständiges spanisches und ein heute verschollenes spanisches Manuskript, wobei das italienische Manuskript aus dem 18. Jahrhundert stammt, jedoch kein aramäisches, syrisches, griechisches Manuskript oder gar eines, das aus frühchristlicher Zeit stammen würde.

Das Decretum Gelasianum de libris recipiendis et non recipiendis aus dem 4./5. Jahrhundert n. Chr. führt nun tatsächlich ein Barnabasevangelium auf, zitiert hieraus aber nicht, so daß man aus dieser Erwähnung nicht schließen kann, daß das erwähnte Dokument mit dem heute bekannten Barnabas-Evangelium übereinstimmt. Das Gleiche gilt für das Verzeichnis der 60 kanonischen Bücher aus dem 7./8. Jahrhundert.

Geographische und historische Fehler

(Nach Christine Schirrmacher: Wurde das wahre Evangelium Christi gefunden?)

Geographische und historische Fehler im Barnabas-Evangelium sprechen deutlich gegen eine Abfassung durch einen mit der palästinensischen Geographie und dem Leben im Palästina des ersten Jahrhunderts vertrauten Autor. So läßt er Kapernaum irrtümlich entfernt vom See Genezareth und Ninive am Mittelmeer statt am Tigris liegen, Jerusalem per Schiff erreichbar sein, nennt eine viel zu hohe Zahl römischer Legionäre in Palästina (600.000) und spricht von 17.000 Pharisäern zur Zeit des Alten Testamentes, obgleich diese Gruppe erst viel später entstand. Auch bei der Darstellung des palästinensischen Klimas greift der Autor daneben. Auch in Bezug auf die Geburt Jesu und die Amtszeiten von Pilatus, Ananias und Kajafas irrt er. Statt den Wein in Schläuchen aufzubewahren, nennt der Autor die anachronistischen Weinfässer.

Den Christen wird im Barnabas-Evangelium vorgeworfen, das Neue Testament verfälscht zu haben - das NT entstand jedoch erst ab den 50er Jahren des ersten Jahrhunderts, seine letzten Schriften datieren aus den 90er Jahren, und die Kanonisierung begann im zweiten und endete im vierten Jahrhundert. Eine Verfälschung kann also zur Zeit Barnabas' noch gar nicht geschehen sein.

Weiterhin irrt der Autor, wenn er erklärt, die Juden würden das Jubeljahr alle einhundert Jahre feiern, obgleich nach dem Alten Testament und zur Zeit Jesu die Feiern alle 50 Jahre stattfanden. Der Fehler des Autors erlaubt zudem, die Schrift ziemlich genau zu datieren: Nur in den Jahren zwischen 1300 und 1343 galt nämlich die Regel von den hundert Jahren Abstand zwischen den Jubeljahrfeiern, festgesetzt von einem Papst. Das Dokument ist also eine Frucht des 14. Jahrhunderts.

Hinzu kommt, daß das Barnabas-Evangelium die Bibel nach der lateinischen Vulgata zitiert, die bekanntlich erst im vierten Jahrhundert entstand und dann zur katholischen Bibel wurde. Der Dinar zu 60 minuti, die im Barnabas-Evangelium erwähnte Goldmünze, wurde nur kurz im Spanien des Mittelalters verwendet, was auch den Ort der Abfassung festlegt: Spanien. Und die im Barnabas-Evangelium erwähnte schmerzlose Geburt Jesu ist ebenso eine Lehre, die erst im Mittelalter entstand wie die Auffassung, daß die Frucht vom Baum der Erkenntnis ein Apfel gewesen sei.

Weitreichende Übereinstimmungen mit islamischen Lehren

(Nach Christine Schirrmacher: Wurde das wahre Evangelium Christi gefunden?)

Nicht in allen Details stimmt das Barnabas-Evangelium mit islamischen Lehren überein, aber doch in sehr vielen, und da der Islam erst im siebten Jahrhundert entstand, spricht dies literatur- und religionswissenschaftlich gegen eine Abfassung der Schrift vor dem siebten Jahrhundert, aber durch eine Person, die sowohl mit der Kirche des 14. Jahrhunderts als auch oberflächlich mit dem Islam vertraut ist:

  • Verfälschung des Alten Testamentes durch die Juden (Pharisäer)
  • Verfälschung des Neuen Testamentes durch die Christen
  • Propheten wie Adam, Abraham, Ismael, Mose, David und Jesus werden als "Gesandte Gottes" bezeichnet
  • Adam rezitiert das islamische Glaubensbekenntnis (sahada)
  • Ismael, nicht Isaak, wird von Abraham beinahe geopfert
  • Jesu alleinige Sendung zu den Juden
  • Übermittlung des Offenbarung Gottes durch den Engel Gabriel
  • Jesus nennt Muhammad "den Größeren", der nach ihm kommen würde
  • Judas, nicht Jesus, wird gekreuzigt
  • Paulus habe die christliche Lehre verfälscht

Einige Widersprüche zum Koran, die Christine Schirrmacher in ihrem Artikel nennt, deuten darauf hin, daß der Autor - offensichtlich ein spanischer Katholik des 14. Jahrhunderts - nur oberflächlich mit dem Islam vertraut war und nicht alle islamischen Lehren kannte:

  • Die Hölle als ein nur zeitweiliger Ort des Verbleibs für die Verdammten
  • Muhammad als der Messias
  • Geburt Jesu in einer Herberge in Betlehem
  • Marias schmerzlose Geburt Jesu
  • Neun Himmel und als zehnter das Paradies
  • Eintreten für die Monogamie

Fazit

Es sprechen sehr viele Argumente gegen die historische und inhaltliche Echtheit des Barnabas-Evangelium, wie auch in den folgenden Links (Contra Authenzität) belegt wird.

Problematisch für die muslimische Apologetik sind die Widersprüche zur islamischen Lehre - bedeuten sie nun - die Authenzität des Barnabas-Evangeliums vorausgesetzt -, daß die islamische Lehre verfälscht ist? Zieht man sich hier darauf zurück, hier sei eben das Barnabas-Evangelium verfälscht, so muß man offen fragen, ob es dann nicht auch dort verfälscht ist, wo es der Bibel und den christlichen Lehren widerspricht.

Links

Die folgenden Links sind zum großen Teil nicht mehr korrekt. Ich werde sie nach und nach, soweit möglich, aktualisieren.

Der Text

Hier können Sie ein PDF-Dokument mit dem englischen Text des Barnabas-Evangeliums ansehen (übersetzt 1907 von Lonsdale und Laura Ragg).

  Hier finden Sie nähere Informationen über eine deutsche (von Muslimen verlegte) Ausgabe des Barnabas-Evangeliums.

Contra Authenzität

Der Artikel "Wurde das wahre Evangelium Jesu Christi gefunden?" der Islamwissenschaftlerin Dr. Christine Schirrmacher ( Islaminstitut) zur ersten deutschen Ausgabe des "Barnabas-Evangeliums" untersucht dessen Authenzität

'Ein 'muslimisches Evangelium' aus dem 14. Jahrhundert" überschreibt der muslimische Autor Wilhelm Sabri Hoffmann seine kritische Betrachtung zum Barnabas-Evangelium

  The "Gospel of Barnabas" in recent research - Englisch. Eine kritische Untersuchung von Jan Slomp zur Authenzität des "Barnabas-Evangeliums", für das Internet aufbereitet von der Chrislages (Christlich-islamische Gesellschaft). Enthält Forschungsergebnisse von vielen verschiedenen Wissenschaftlern und damit eine wahre Fundgrube für alle, die sich über den aktuellen Stand der Forschung informieren wollen und sich vom englischen Text nicht davon abhalten lassen

The Gospel of Barnabas - Ein englischer Text von Samuel Green

Mit diesem Link könen Sie bei Answering Islam International weitere (zumeist englischsprachige) Artikel zum Barnabas-Evangelium suchen

Pro Authenzität

Auf den Internetseiten des muslimischen Herausgebers der deutschen Ausgabe des "Barnabas-Evangeliums" argumentiert Shamsuddin Rainer Langlotz auf diesen Seiten für die Echtheit des apokryphen Evangeliums.

Hier finden Sie eine englischsprachige muslimische Webseite zum Barnabas-Evangelium.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 13:13 Uhr
 
InfoAdministrationXML Sitemap