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So seid nun geduldig! PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - Andachten und Predigten
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 17:58 Uhr

Predigt zum Ökumenischen Kanzeltausch in Stuttgart-Zuffenhausen über Jakobus 5,7-8 , gehalten am 6. Dezember 2009 (2. Advent - Nikolaustag) in der Evangelischen Johanneskirche.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt vom Kontext des Bibeltextes her auf dem Miteinander von armen und reichen Christen; ich interpretiere den Predigttext als ein Wort an arme Christen für einen geduldigen Umgang mit reichen Christen (statt sich dem Zorn hinzugeben).

Predigttext

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.

Predigt

Liebe evangelische Gemeinde,

vor vielen Jahrhunderten lebte ein verarmter Vater, der seinen drei Töchtern keine Mitgift mitgeben konnte, sie also nicht ordentlich verheiraten konnte. So blieb ihm nur, seine Töchter in die Prostitution zu verkaufen. Da würde er ein wenig Geld bekommen, und auch sie würden wenigstens nicht verhungern, sie würden ein Dach über dem Kopf haben. Kein schönes Leben, kein sicheres Leben, kein erfülltes Leben, aber wenigstens ein Leben. Vielleicht würde sich sogar ein Freier finden, der Gefallen an einer der Frauen findet und sie freikauft, um sie als Konkubine zu halten, ja, sie vielleicht sogar zu heiraten.

Der Heilige Nikolaus, der spätere Bischof von Myra, hörte von dieser Notlage und ließ den Töchtern aus dem Erbe, das er von seinen reichen Eltern bekommen hatte, ein wenig Gold zukommen, dreimal drei Goldklumpen - denen entsprechen die Äpfel, die moderne Nikoläuse als Gaben verschenken -, und so konnte der Vater seine Töchter angemessen verheiraten, und ihnen blieb die Prostitution erspart.

Daß der Heilige Nikolaus sein Vermögen weggab, hat vielen Armen geholfen. Er konnte ihnen ein wenig Sicherheit geben, ein wenig Lebenserfüllung bieten.

Liebe Gemeinde,

Geld ist eine Realität des Lebens, es gehört zu unserem Alltag. Für Geld bekommen wir eine Bleibe, etwas zu essen, etwas anzuziehen. Mit Geld kann man sich im Leben einrichten. Geld ermöglicht uns, auf eine sorgenfreie Zukunft zu hoffen, es verspricht uns, ein erfülltes Leben zu führen.

Geld haben manche Menschen wenig, andere haben viel davon. Grundsätzlich ist Reichtum nichts Böses, nichts Verwerfliches, nichts, für das man sich schämen muß. Entscheidend ist, wie ein Reicher mit seinem Vermögen umgeht, wie er insbesondere Arme und Bedürftige behandelt. Reichtum und Besitz verpflichten.

Geld ist immer eine Versuchung. Geld kann mit Menschen verrückte Sachen machen, schlimme Sachen, böse Sachen. Die Versuchung des Geldes bildet die Grundlage vieler Sünden, vieler Verbrechen. Manche Menschen gehen für Geld über Leichen. Über dem Geld vergessen manche Menschen Gott, das Geld wird zu ihrem Götzen.

Geld ist eines der Themen, daß Jakobus, der Bruder des Herrn Jesus, in seinem Brief an verschiedene Gemeinden behandelt. In den Gemeinden gab es arme und reiche Christen, und das Miteinander von armen und reichen Christen war nicht ohne Konflikte.

Es gab wohl die Möglichkeit, daß die Gemeinden mit den Mitteln der Reichen den Bedürftigen helfen, aber das ist wohl nicht immer geschehen.

Viele der reichen Christen haben lieber danach getrachtet, ihren Reichtum durch Handel noch weiter zu vermehren. Sie liefen Gefahr, ihre Handelsinteressen über den Glauben zu stellen, ihre Berufsinteressen über die Gemeinde. Sie liefen Gefahr, sich ihres wirtschaftlichen Erfolges und ihres Reichtums zu rühmen und die Bedürftigen zu vergessen. Ihr Verhalten führte dazu, daß in den Gemeinden die Reichen bevorzugt behandelt wurden, die Armen aber benachteiligt werden.

Jakobus sieht sich nicht als neutraler Vermittler zwischen Arm und Reich; er ergreift Partei für die Armen und kritisiert die Reichen heftig für ihre hartherzige Haltung und fordert sie auf, die Bedürftigen zu unterstützen. In der Gemeinde solle nicht die Person angesehen werden, sondern zwischen Armen und Reichen keine Unterschiede gemacht werden. Die Reichen dürften nicht bevorzugt werden, die Armen nicht benachteiligt, da den Armen sonst Unehre angetan werde.

Gott, so macht Jakobus deutlich, habe gerade die erwählt, die in der Welt arm sind, im Glauben aber reich. Er macht damit deutlich, daß wirtschaftlicher Erfolg kein Maßstab für die Erwählung durch Gott ist. Das Königreich Gottes erbt nicht, wer in der Welt reich ist, sondern reich im Glauben.

An anderer Stelle, unmittelbar vor unserem Predigttext, geht es um die Reichen außerhalb der Gemeinde. Ihnen hält Jakobus eine Gerichtsrede ganz im Stil der alttestamentlichen Propheten, ein bedrohliches Bild, gemalt in düsteren Farben:

Den gottlosen Reichen bleibt am Ende nichts von ihrem Reichtum, ihnen bleibt nur, daß sie weinen und klagen, weil ihr Reichtum verfault ist und ihre Kleidung von Motten zerfressen, weil ihr Gold und Silber verrostet ist und der Rost ihr Fleisch auffrißt. All die für die Zukunft gesammelten Schätze – jetzt sind sie wertlos. Die Reichen haben in trügerischer Sicherheit gelebt – daß ihnen das Gericht Gottes nahe ist, haben sie erst erkannt, als es bereits zu spät ist.

Aber das Problem dieser gottlosen Reichen ist nicht nur, daß sie sich selbstsicher auf ihren trügerischen Reichtum verlassen haben. Nein – vielmehr haben sie sich ungerecht verhalten, und deswegen kommt das Unheil über sie. Sie werden gerichtet, weil sie den Arbeitern ihren Lohn vorenthalten haben, während sie selbst auf Erden geschwelgt und üppig gelebt haben, weil sie gerechte und insbesondere arme Menschen verurteilt und ermordet haben, und sei es dadurch, daß die, die ohne Lohn geblieben sind, sich kein Essen kaufen und bei Krankheit den Arzt nicht bezahlen können.

Die gottlosen Reichen, so sagt Jakobus, haben ihre Herzen bei etlichen Schlachtfesten gemästet. Hier ist daran gedacht, daß sie über Leichen gegangen sind, um Lebenserfüllung und Sicherheit zu finden. Doch nun steht ihnen das Gericht bevor, nun werden sie, bildlich gesprochen, geschlachtet werden.

Nach dieser Gerichtsrede über die gottlosen Reichen wendet sich Jakobus an die Armen in der Gemeinde. Er will ihnen den richtigen Weg zeigen:

„So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen.

Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“

Liebe Gemeinde,

Jakobus wollte mit seiner Gerichtsrede natürlich den Armen und Bedürftigen in der Gemeinde etwas zu bedenken geben, und das verbindet sich jetzt mit der Aufforderung, geduldig zu warten:

Ganz gleich, was die gottlosen Reichen tun – ihr Armen, wartet geduldig auf die Wiederkunft des Herrn!

Ihr habt gesehen, daß Gott sich zu den von den Reichen niedergeworfenen Armen hält und ihnen Recht verschafft, ihr habt gesehen, daß Gott den Reichen das zukommen läßt, was sie für ihr ungerechtes Tun verdienen – darum seid geduldig!

Ihr habt gesehen, daß es angesichts des Endes der gottlosen Reichen unangebracht ist, auf deren scheinbares Glück neidisch zu sein – darum seid geduldig!

Ihr habt gesehen, daß es keinen Grund gibt, die gottlosen Reichen zu hofieren und ihnen gegenüber die Armen zurückzusetzen – darum seid geduldig!

Darum, Brüder und Schwestern, wartet geduldig auf die Wiederkunft des Herrn!

Liebe Gemeinde,

nach dem Alten Testament ist Geduld in erster Linie eine Eigenschaft Gottes. Gerade gegenüber den Sündern ist Gott geduldig; er stellt seinen berechtigten Zorn zurück, um Gnade und Güte walten zu lassen, um den Sünder mit Liebe und Barmherzigkeit zu umwerben.

Gerade die Weisheitsbücher in der Bibel – und im Neuen Testament stellt der Jakobus-Brief einen Vertreter dieser literarischen Gattung dar – fordern diese Geduld dann auch vom Menschen. Der Mensch, der von der Geduld Gottes profitiert und aufgrund dieser Geduld am Leben bleiben darf, soll seinem Nächsten mit Geduld begegnen. Der Mensch soll seinen Zorn nicht gleich losbrechen lassen, sondern zurückhalten.

Jakobus fordert diese Geduld gerade in Bezug auf die gottlosen Reichen. Dabei geht es ihm nicht darum, daß die Schuld der gottlosen Reichen unter den Teppich gekehrt wird. Das Böse soll nicht übersehen werden. Es geht hier nicht um Schicksalsergebenheit. Das Böse wird wohl gesehen und dem gottlosen Reichen wird das ihm bevorstehende Gericht gepredigt, aber ihm soll mit Geduld begegnet werden, nicht im Zorn. In Geduld und nicht im Zorn fordern wir Gerechtigkeit vom gottlosen Reichen, in Geduld und nicht im Zorn fordern wir ihn auf, umzukehren, Buße zu tun.

Die gottlosen Reichen bedrängen die Armen, doch es gilt, in dieser Bedrängnis geduldig auszuharren, auf die Ankunft des Herrn zu warten. Gott wird kommen, auch und gerade zu den gottlosen Reichen und für den zum Gericht, aber Gott ist barmherzig. Er will dem gottlosen Reichen Zeit zur Umkehr geben. Der Herr ist geduldig, darum kommt er noch nicht wieder, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Zeit der Geduld vergeht nicht, ohne daß Gott sich den Armen zuwendet, sie tröstet und ihnen beisteht.

Liebe Gemeinde,

es mag uns schwer fallen, das Warten Gottes zu verstehen. Alles in uns verlangt danach, daß Gott jetzt kommt und die gottlosen Reichen richtet und mit ihnen alle Übeltäter, alle Bösen, alle Sünder – denn es sind ja nicht nur die gottlosen Reichen, die Bedrängnis und Leid verursachen, sondern es gibt noch viele andere Bedrängnisse, beispielsweise die Christenverfolgung, von der gegenwärtig jeder zehnte Christ weltweit betroffen ist, rund 200 Millionen Christen etwa in Nordkorea, in Saudi-Arabien, im Irak, in Afghanistan und in vielen anderen Ländern. Wäre es nicht höchste Zeit, daß Gott jetzt kommt, die verfolgten Christen befreit und die Christenverfolger richtet? So viele Übeltäter, so viele Sünder tun so vielen Menschen so unermeßlich viel Leid an, bedrängen so unfaßbar viele Menschen – wann kommt Gott endlich, um Gericht zu halten?

Aber wer sagt uns, daß wir jetzt schon dafür bereit sind, daß der Herr Jesus wiederkommt? Daß wir nicht auf die Geduld Gottes angewiesen sind? Gibt es auch nur einen unter uns, der ohne Sünde ist, so daß er nicht auf die Geduld Gottes angewiesen ist, die uns Raum zur Buße geben will?

So wie wir auf die Geduld Gottes angewiesen sind, so sind wir aufgefordert, uns selbst in Geduld zu üben.

Jakobus verwendet zur Verdeutlichung das Bild eines Bauern, das uns freilich nicht sehr vertraut ist, zumal es ein palästinisch-syrischer Bauer war, kein schwäbischer. Der Bauer im Bild des Jakobus muß zweimal warten, auf den Spätregen und auf den Frühregen. Für ihn war das kein leichtes Warten – kam der Regen nicht, so war zumindest für ein Jahr die ganze Ernte unwiederbringlich verloren, die ganze Arbeit auf dem Feld vergebens. Ohne den Spätregen im Herbst konnte die Saat nicht ausgebracht werden. Ohne den Frühregen im Frühjahr vertrockneten die Pflanzen. Dem Bauern blieb freilich nichts anderes als Geduld aufzubringen. Er konnte nicht vorzeitig in den Wachstumsprozeß eingreifen.

Als Christen blicken wir gerade im Advent zurück auf den Spätregen: Der Herr Jesus ist vom Himmel zur Erde gekommen, und die Saat ist ausgebracht. Wir hoffen auf den Frühregen, wenn der Herr Jesus vom Himmel zurückkommt und die Ernte einbringen wird. Wir warten nicht vergeblich, wir haben einen guten Grund für unsere Advent-Hoffnung, und darum warten wir geduldig auf das Kommen des Herrn.

Geduld mag manch einem als eine Schwäche erscheinen, als eine rein passive Haltung, sogar als eine schicksalsergebene Haltung. Jakobus verknüpft das geduldige Warten auf die Wiederkunft des Herrn mit dem Wachstumsprozeß zwischen Saat und Ernte. Wir sollen wachsen, unser Herz soll fest werden – nicht so fett gemästet wie bei dem gottlosen Reichen. Nicht Schwäche, nicht Passivität, nicht Schicksalsergebenheit sind Zeichen für einen Gläubigen, sondern Stärke und Festigkeit. Geduld ist aktives Ausharren. Gegenüber gottlosen Reichen sind wir geduldig, nicht aber gegenüber der Not der Armen, für sie setzen wir uns ein, für sie ergreifen wir Partei. Wir übersehen weder die Ungerechtigkeit des gottlosen Reichen noch die Bedrängnis der Armen, ihre Not, ihren Hunger, ihre Einsamkeit.

Liebe Gemeinde,

wir erwarten geduldig das Kommen unseres Herrn Jesus.

Wir hoffen auf Frucht, auf eine gute Ernte, auf die Erlösung gerade auch der Armen dieser Welt. Wir haben ein lohnendes Ziel, das macht das Warten leicht.

Wir wissen, daß Gott geduldig ist und dem Sünder Raum zur Buße, zur Umkehr geben will. Wir wissen, daß wir selbst auch auf die Geduld Gottes angewiesen sind, daß auch wir diesen Raum zur Umkehr benötigen. Wir können die Wartezeit auf die Wiederkunft unseres Herrn aktiv ausfüllen, sowohl für unsere eigene Umkehr als auch um etwa die gottlosen Reichen zur Umkehr zu rufen, das macht das Warten leicht, ja, da muß man sich sogar fragen, ob die Zeit noch reicht, um sie alle zur Umkehr zu rufen, ob wir jeden Einzelnen erreichen können, ehe der Herr Jesus wiederkommen wird.

In dieser Adventzeit sind wir aufgerufen, unsere Herzen zu stärken. Das steht in starkem Kontrast dazu, daß Jakobus den gottlosen Reichen vorgeworfen hat, ihre Herzen zu mästen. Die Herzen zu stärken, liebe Gemeinde, ist im Neuen Testament ein feststehender Begriff dafür, daß sich Christen gegenseitig Mut zusprechen, daß sie sich gegenseitig stärken. Es ist ja doch so, daß einer sich selbst nur sehr schwer stärken kann – wenn überhaupt. Wir sind aufeinander angewiesen, nicht nur innerhalb unserer Gemeinden, sondern gerade auch in der Ökumene, im Miteinander der Christen aus verschiedenen Gemeinden und Kirchen. Die Wartezeit bis zur Wiederkunft unseres Herrn ist darum auch gut verwendet, wenn wir die Ökumene stärken, unser Miteinander festigen.

Und zuletzt ist diese Wartezeit dann gut verwendet, wenn wir diejenigen in unseren Gemeinden und in darüber hinaus in unserem Land unterstützen, die bedrängt, benachteiligt, verfolgt oder beschämt werden, besonders auch die Armen und Bedürftigen. So, wie der Heilige Nikolaus den drei Töchtern des verarmten Vaters jeweils drei Goldklumpen hat zukommen lassen und sie damit aus großer Not gerettet hat, haben auch wir die Möglichkeit, Hilfe zu leisten: Trost spenden, Hoffnung vermitteln, Spenden zukommen lassen. Übrigens unterstützt die evangelische Diakonie, in der Landes- und Freikirchen ökumenisch zusammenarbeiten, Projekte für Frauen, die in der Zwangsprostitution gefangen sind.

Amen.

Nachbemerkungen

Hätte ich diese Predigt für einen Gottesdienst in einer evangelikalen und/oder freikirchlichen Gemeinde verfaßt, so wäre sie mit Sicherheit anders ausgefallen. Da ich vor einer landeskirchlichen, sicherlich nicht evangelikalen Gottesdienstgemeinde predigen werde, habe ich mich in manchem zurückgenommen.

Tatsächlich war ich mir nicht sicher (und habe immer noch gewisse Zweifel), ob es gut ist, den Konflikt zwischen den Reichen und Armen so in die Mitte zu stellen und dann für die Armen Partei zu ergreifen. Wäre es nicht besser gewesen, diesen Konflikt etwas zur Seite zu nehmen? Aber der Kontext des Predigttextes erlaubt mir das nicht, es geht nun einmal darum, daß die Armen aufgefordert sind, in diesem Konflikt mit den Reichen geduldig zu sein.

Als Predigt für eine evangelikale und/oder freikirchliche Gemeinde hätte ich den Konflikt zwischen Reichen und Armen noch stärker in den Mittelpunkt gerückt, noch stärker Partei für die Armen und Bedürftigen ergriffen. Ich hätte auch deutlich gemacht, daß der Konflikt zwischen den Reichen und den Armen nicht erst bei den "gottlosen Reichen" beginnt, die außerhalb der Gemeinde stehen, sondern noch tiefer in die Gemeinde hineinreicht und daß auch die Reichen involviert sind, die nicht "gottlos" sind. Ich hätte auch den Predigttext stärker mit der vorangehenden Gerichtsrede gegen die Reichen verbunden - denn meiner Meinung nach ist auch die Tatsache, daß Jakobus sich nun als Prophet von den Reichen abwendet und den Armen zuwendet und ihnen Trost spendet, nicht ohne Bedeutung für die Reichen, sie hören nun als Außenstehende, was sie verloren haben. Zu ihnen kam Gott ja schon, doch als Richter; die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu ist für sie verloren. Sie konnten sich nicht gedulden, das Gute zu bekommen - alles hat Gott sich auch nicht in Geduld gefaßt, er ist als Richter schon längst zu ihnen gekommen und hat ihnen gegeben, was sie verdienen. Der Predigttext begründet nicht nur die Hoffnung der Armen, sondern zementiert auch die Hoffnungslosigkeit der Reichen. Für euch ist es zu spät, für euch gibt es keinen Raum mehr zur Buße, keine Möglichkeit mehr, dem Zorn Gottes zu entfliehen. Hört, was Gott für die Armen bereithält, damit ihr wißt, was ihr für immer verloren habt! Für euch gibt es keine kostbare Frucht mehr, weil ihr keine Geduld hattet, weil ihr weder den Spätregen noch den Frühregen abwarten wolltet. Ungeduldig hattet ihr an den Pflanzen gezerrt, ehe sie reif zur Ernte waren; nun ist die Ernte hin, die Arbeit eures Lebens ist dahin, euch bleibt nichts. 

Literatur

  • Wuppertaler Studienbibel, Ergänzungsfolge, Der Brief des Jakobus erklärt von Hans-Jürgen Peters, Wuppertal 1997

  • Stuttgarter Erklärungsbibel, Stuttgart 2005

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. März 2010 um 19:17 Uhr
 
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