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Betet ohne Unterlaß PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - Andachten und Predigten
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 14. Mai 2008 um 10:39 Uhr

Andacht zum Ökumenischen Friedensgebet am 5. Mai 2008 in Stuttgart-Zuffenhausen, gehalten in der ev. Pauluskirche

Thema: „Betet ohne Unterlaß“ (zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen)

Andacht zum Ökumenischen Friedensgebet am 5. Mai 2008 in Stuttgart-Zuffenhausen

Thema: „Betet ohne Unterlaß“ (zur Weltgebetswoche für die Einheit der Christen)

Andachtstext

13b Lebt in Frieden und Eintracht miteinander!

14 Wir bitten euch weiter, liebe Brüder und Schwestern: Weist die zurecht, die ein ungeregeltes Leben führen. Ermutigt die Ängstlichen. Helft den Schwachen und habt Geduld mit allen.

15 Achtet darauf, daß niemand von euch Böses mit Bösem heimzahlt. Bemüht euch vielmehr stets, das Gute zu tun, im Umgang miteinander und mit allen Menschen.

16 Freut euch immerzu!

17 Laßt nicht nach im Beten!

18 Dankt Gott in jeder Lebenslage! Das will Gott von euch als Menschen, die mit Jesus Christus verbunden sind.

1. Thessalonicher 5,13b-18 (Gute Nachricht Bibel)

Andacht

Liebe Gemeinde,

weltweit begehen derzeit Christen aus vielen Konfessionen und Kirchen die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen. Christen aus den USA haben das Thema ausgesucht: „Betet ohne Unterlaß“. Ich möchte dieses Thema auch für unser Ökumenisches Friedensgebet hier in Zuffenhausen aufgreifen, was sich ja auch anbietet, fordert doch der erste Vers des Leittextes die Leser des Apostels Paulus in der Christengemeinde in Korinth und darüber hinaus in allen Kirchen und Gemeinden ausdrücklich auf, in Frieden und Eintracht miteinander zu leben.

In der Bibel geht es fünfmal um das „Betet ohne Unterlaß“, zuerst – im 18. Kapitel des Lukas-Evangeliums – in einem Gleichnis des Herrn Jesus, das von einer Witwe handelt, die einen Richter, dem es an jeglicher Gottesfurcht und jedem respekt vor Menschen fehlt, wieder und immer wieder anfleht, ihr zu ihrem Recht gegen einen Unterdrücker zu verhelfen. Mit diesem Gleichnis fordert der Herr Jesus seine Zuhörer auf, ohne Unterlaß für die Ankunft des Reiches Gottes zu beten, aus unserer Sicht für die Wiederkunft Jesu.

Nun folgen vier Bibelstellen, die alle aus der Feder des Apostels Paulus stammen.

In seinem Brief an die Christen in Rom steht die Aufforderung, ohne Unterlaß zu beten in einem Abschnitt mit Ermahnungen zur Gemeinschaft der Schwestern und Brüder. Das unablässige Gebet füreinander und miteinander gehört zur Gemeinschaft der Christen, zu ihrer Einheit. Paulus bettet es in eine Dreiheit ein: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“. Diese Dreiheit steht zentral in all den Mahnungen zur geschwisterlichen Gemeinschaft, sie sind der Dreh- und Angelpunkt, die in der Aufforderung gipfeln, „ist es möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden“.

Den Christen in Ephesus empfiehlt er das Gebet ohne Unterlaß als Teil der geistlichen Waffenrüstung – und zwar sollen sie nicht nur für sich selbst beten, sondern zum einen für alle Heiligen und zum anderen für die Verkündigung des Evangeliums. Paulus spricht von dem „Geheimnis des Evangeliums“, das verkündigt werden soll – er weiß darum, daß es beim Predigen und Missionieren nicht allein um das geht, was der Theologe studieren kann, sondern auch um das geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes an Herz und Verstand der Predigthörer. Jede Predigt ist immer nur so gut, wie das dahinter stehende Gebet. Jeder Missionar ist auf Beter angewiesen, die seinen Dienst unterstützen, durch Gebet ohne Unterlaß. Auch die Ökumene ist Missionsarbeit, weil es darum geht, Christen aus allen Kirchen und Konfessionen für die Gemeinschaft, für die Einheit zu gewinnen. Darum ist auch die Ökumene auf beharrliches Gebet angewiesen, und ich möchte an dieser Stelle gerne darum bitten, daß wir in unseren Gemeinden besonders für die beten, die als „Missionare“ für die Ökumene, für die Einheit der Christen tätig sind, für dieses Herzstück der Nachfolge Jesu.

Auch die Christen in Kolossäa bittet der Apostel Paulus darum, daß sie seine Missionsarbeit und seinen Verkündigungsdienst dadurch unterstützen, daß sie ohne Unterlaß für ihn beten, damit sich eine Tür öffnet für das Wort vom Geheimnis Christi. Wir alle kennen es, daß wir bei Menschen wie vor einer verschlossenen Tür stehen, wenn es darum geht, ihnen etwas vom Herrn Jesus zu erzählen. Selbst ein großer Gottesmann wie Paulus kannte diese Erfahrung und war ganz und gar darauf angewiesen, daß die Christen dafür beten, daß sich Türen öffnen. Das Gebet ist der Schlüssel für die Türen zu den Herzen der Menschen. Alle Missionare wissen um die Kraft des Gebetes als wirksamen Türöffner zu den Herzen der Menschen, und als Missionar glaube ich, daß Gott dermaleinst all die Beter reich belohnen wird, die durch ihre beharrlichen Gebete die Schlüsselstellung im Verkündigungs- und Missionsdienst eingenommen haben.

Zum Schluß nun eine weitere Dreiheit. Hatte Paulus die Christen in Rom aufgefordert, fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet zu sein, so ermahnt er die Christen in Thessaloniki, allezeit fröhlich zu sein, ohne Unterlaß zu beten und dankbar zu sein in allen Dingen. Diese Dreiheit ist der Dreh- und Angelpunkt von Ermahnungen, die damit beginnen, Frieden untereinander zu halten und damit enden, das Böse in jeder Gestalt, also letztlich den Unfrieden, zu meiden.

Liebe Gemeinde,

in der Ökumene können wir auf das beharrliche Gebet nicht verzichten. Auch Friedensarbeit ist zuerst und zuletzt Gebetsarbeit.

Doch wie können wir ohne Unterlaß beten? Paulus denkt hier eher nicht an besondere „Gebetszeiten“ mit mehr oder weniger stark liturgischem Charakter, an den Gebrauch etwa von vorformulierten Gebeten.

Der Mensch ist nach dem Bilde Gottes geschaffen, und das meint auch: Er ist als Gesprächspartner Gottes geschaffen. Durch den Sündenfall ist diese Partnerschaft allerdings zerbrochen und das Gespräch unterbrochen. Der Mensch nutzt seine sprachlichen Fähigkeiten gerade im meditativen Bereich, also der Sprache unseres Herzens, für Selbstgespräche, er erzählt sich selbst etwas vor, freut sich selbst etwas vor, klagt sich selbst etwas vor. Er kennt für seine Gedanken kein Gegenüber, erwartet keine Antworten.

Das Gebet bindet er vor allem an besondere liturgurgische Gebete, die mit dem Denken meist nur insofern etwas zu tun haben, als daß jemand sich vorher etwas ausdenkt, was er dann in schöner sprachlicher Form zu Papier und unter die Leute bringt.

Dabei weiß die Hirnforschung um eine Art „religiöses Zentrum“ in unserem Gehirn, das beim Beten aktiv wird – und dieses Zentrum ist regelmäßig aktiv und in besonderer Weise mit unserem Denken verknüpft. Gott hat uns so geschaffen, daß wir mehr oder weniger regelmäßig das Bedürfnis verspüren, mit ihm zu sprechen. In Schützengräben etwa gibt es keine Atheisten. Ein frohes „Gott sei dank!“ oder ein verzweifeltes „Oh Gott, hilf mir!“ in Krisen ist keine anerzogene Gewohnheit, sondern das Sprechen unseres Herzens. Es ist Teil unserer menschlichen Natur, unserer Existenz.

Durch den Herrn Jesus ist der Sündenfall geheilt und die Urverbindung wiederhergestellt. Der Herr Jesus lädt uns ein, unser Denken bewußt als ein Gespräch mit Gott zu gestalten. Wir müssen nicht länger uns selbst etwas vorerzählen, uns selbst etwas vorfreuen und vorklagen, sondern haben in Gott einen Gesprächspartner, mit dem wir innerlich sprechen können, und das ebenso unablässig, wie unser Denken ja ohne Halt und ohne Unterbrechungen ist. Weil der Herr Jesus lebt, dürfen wir auch mit Antworten rechnen.

Beim Gebet ohne Unterlaß kommt es weniger darauf an, daß ein Liturg schöne Gebete entwirft, zu Papier bringt und vorbeten läßt, sondern vor allem darauf, daß wir unser Denken nicht mehr als ein Selbstgespräch benutzen, sondern auf Gott ausrichten. Aus Sicht der Hirnforschung wird dabei ein Bereich des Gehirns biologisch, chemisch und elektrisch aktiv, den wir als Gläubige als eine wunderbare Schöpfung Gottes in uns sehen, die es uns ermöglicht, mit Gott zu sprechen – zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Situation. Studien zeigen übrigens, daß die Ausrichtung unseres Denkens auf Gott, also das Gebet, für unser Wohlbefinden und für unsere Gesundheit von Vorteil ist.

Eine besondere Bedeutung hat allerdings das gemeinsame Gebet der Gläubigen, die Gebetsgemeinschaft. Gottes Gabe des Gebets nur für sich selbst zu benutzen, einzig im „stillen Kämmerlein“, wird ihr nicht vollends gerecht.

Liturgische Gebete haben beim gemeinsamen Gebet ihre Berechtigung, und vorformulierte Gebete sind eine gute Sache. Es ist aber auch gut und wichtig, in einer Gemeinschaft die eigenen Gedanken zum Gebet zu machen, frei zu beten. In vielen Kirchen haben Gebetsgemeinschaften, wo man frei betet, ohne vorformulierte Texte, eine lange und gute Tradition, die als Bereicherung des jeweiligen kirchlichen Lebens empfunden werden. Dort ist es allerdings auch mitunter wichtig, ebenso den Sinn liturgischer Gebete zu vermitteln.

Wo liturgische Gebete im Mittelpunkt stehen, kann es für den Gottesdienst aber auch bereichernd sein, das freie Gebet, etwa in einer Gebetsgemeinschaft, zu fördern. Wichtig ist dabei niemals, daß ein freies Gebet perfekt formuliert und ohne jeden Fehler vorgetragen wird. Beim freien Gebet kommt es allein darauf an, daß es von Herzen kommt – dazu kann man als Mitbeter auch gut sein „Amen“ sagen, wenn der Beter vielleicht einmal ein wenig ins Stocken gerät.

Verschiedene kirchliche Traditionen des gemeinsamen Gebetes können und dürfen in der Ökumene nebeneinander stehen, liturgische Gebete und freie Gebetsgemeinschaften. Für unsere ökumenischen Gebete in Zuffenhausen wünsche ich mir ein lebendiges Nebeneinander von liturgischem Gebet und freiem Gebet, daß wir miteinander so beten, daß sich möglichst viele beteiligen können.

Amen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. März 2010 um 19:23 Uhr
 
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