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Predigt zu
Philipper 2,1-11
, gehalten im Ökumenischen Gottesdienst zum Ostermontag in der kath. Kirche St. Antonius Stuttgart-Zuffenhausen am 24. März 2008 von Michael Molthagen (ev.-freik.)
Predigttext
1 Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, 2 dann macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, 3 daß ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. 4 Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. 5 Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: 6 Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, 7 sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; 8 er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. 9 Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, 10 damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu 11 und jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2,1-11; Einheitsübersetzung)
Predigt
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder in der Ökumene,
ich habe für den heutigen Oster-Gottesdienst einen Predigttext herausgesucht, der eigentlich gar kein Ostertext ist. In einer zentralen Aussage geht er sogar zurück in die Zeit vor Ostern: „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“, führt uns zurück in die Karwoche und zum Karfreitag. Am Ostermontag ein Karfreitagstext?, mag man sich fragen und vielleicht sogar innerlich stöhnen – nach den schweren gottesdienstlichen Erinnerungen an die Karwoche und an den Karfreitag brach doch mit dem Ostermorgen endlich eine freudige Zeit an, die Feier der Auferstehung unseres Herrn. Unser Predigttext mit dem Karfreitagsgeschehen in seinem Zentrum am Ostermontag – da überspringt man diesen Vers lieber schnell und bleibt entweder bei dem weihnachtlichen Geschehen der Menschwerdung Gottes oder springt schnell weiter zum zweiten Advent unseres Herrn Jesus, wenn alle sich vor dem erhöhten Herrn Jesus beugen und seinen großen Namen ehrfurchtsvoll aussprechen werden.
Warum nun gerade dieser Text zu Ostern? Keine Predigtreihe schlägt diesen Text zu Ostern vor; die evangelische Kirche schlägt ihn tatsächlich schon für den Palmsonntag vor, den Sonntag vor der Karwoche und dem Osterfest. Daß ich diesen Predigttext dem Vorbereitungskreis vorgeschlagen habe – anstelle des bei uns bereits traditionellen Bibeltextes über die Emmaus-Jünger – , liegt nicht daran, daß es tatsächlich meine Lieblingbibelstelle ist oder ich mich im Kalender oder in der Predigtreihe in höchst peinlicher Weise vertan hätte – nein, dieser Text ist meines Erachtens ein Text, der für die Ökumene sehr wichtig ist, überhaupt für jedes Miteinander von Menschen, die nicht nur miteinander auskommen, sondern miteinander leben wollen, die eines Sinnes sein wollen, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig zusammen stehen wollen, auch wenn sie aus verschiedenen Familien, Traditionen, Überzeugungen, Kulturen oder Nationen herkommen.
Der Apostel Paulus schrieb diesen Brief an eine Gemeinde, mit der er innig verbunden war. In Philippi hatte Paulus das erste Mal auf europäischem Boden das Evangelium verkündigt, hier hatte er die erste europäische Christengemeinde gegründet, mit einer Frau, der Purpurhändlerin Lydia aus Thyatira, als zentraler Gestalt der Entstehungsgeschichte unserer europäischen Christenheit. Später besuchte Paulus wohl noch wenigstens zweimal Philippi und die junge Christengemeinde dort. Als Paulus diesen Brief an die Christen in Philippi schrieb, befand er sich in Gefangenschaft, vermutlich in Rom, und sein Leben stand auf des Messers Schneide: Tod durch das Schwert oder aber die Freilassung.
In Rom nun hatte Paulus erfahren, daß der Christengemeinde in Philippi die Gefahr von Parteilichkeiten und Spaltungen drohte, von Zwietracht und Selbstsucht. Ein im jüdischen Religionsgesetz verhaftetes Christentum drohte das Evangelium zu verwässern und einem gefährlichen Perfektionismus die Wege zu eben; zugleich stand die Gemeinde unter dem Druck einer Verfolgung wegen ihres Glaubens und damit in Gefahr, ihrem Herrn nicht mehr in allen Bereichen und unter allen Umständen das Leben anzuvertrauen, das Miteinander in der Gemeinde nicht mehr an die erste Stelle zu setzen.
Parteilichkeiten und Spaltungen auf der einen, die Nöte einer Christenverfolgung auf der anderen Seite sind auch heute aktuelle Themen. Gewiß, hier in Zuffenhausen haben wir ein besonders gutes Miteinander der verschiedenen Konfessionen, und wir können unseren Glauben frei leben, ohne irgend einer Form der Verfolgung ausgesetzt zu sein. Wenn wir jedoch über unseren persönlichen Glaubens- und Lebensbereich hinaus schauen, dann sind Parteilichkeiten und Spaltungen zwischen Christen verschiedener Kirchen und Konfessionen vielerorts Realität.
Rund 200 Millionen Christen – jeder zehnte Christ weltweit – leiden darüber hinaus unter einer in der gesamten Geschichte der Christenheit unvergleichlichen Verfolgung, vor allem in Nordkorea, in Saudi-Arabien, dem Iran, auf den Malediven, in Bhutan, dem Jemen, in Afghanistan und in Laos, um die neun Länder zu nennen, in denen Christen besonders schwer verfolgt werden und in denen auch keinerlei Entspannung der Situation wahrzunehmen ist.
In dieser aktuellen Situation spricht uns auch der Philipper-Brief an, und unser Predigttext will gerade vor diesem Hintergrund gelesen werden.
Liebe Gemeinde,
Paulus ringt in unserem Predigttext um volle, tiefe Einheit der Gemeinde. Dabei geht es ihm nicht um eine „Einheit der Lehre“, sondern um praktische, gelebte Einheit. Anders als viele Christen heute, sah der Apostel Paulus die Einheit im Glauben weit weniger durch Unterschiede in der Erkenntnis gefährdet – lehrte er doch ohnehin, daß alle Erkenntnis, daß alles Wissen nur Stückwerk ist –, sondern durch Unterschiede im Leben der Gemeinde. Wenn Paulus schreibt, „seid eines Sinnes, habt dieselbe Gesinnung“, dann geht es ihm um das praktische Denken, um die willensmäßige Gesinnung, um die Lebenshaltung gerade im gegenseitigen Umgang der Christen, und für die sollen wir eine Person zum Maßstab nehmen und ihr Handeln, den Herrn Jesus.
Jesus hätte uns freilich eine lehrmäßige Beschreibung geben können, wie wir gesinnt sein sollen, worauf wir bedacht sein sollen. Nehmen wir für unsere Situation als von Gott getrennte Menschen einmal das Bild von Menschen, die während eines schweren Sturmes in einem See mehr schlecht als recht schwimmen, sich gerade über Wasser halten, von Wind und Wellen bedroht werden, unzugehen drohen, sich selbst nicht retten können. Gott hätte den Menschen ein Buch mit lauter lehrmäßigen Beschreibungen zuwerfen können, damit sie lernen können, woher der Wind und die Wellen kommen, warum wir uns nicht an der Oberfläche halten können, was das Wasser, das wir verschlucken, in unseren Lungen anrichtet – und zuletzt, wie wir schwimmen lernen können. Der Herr Jesus hätte auch am Ufer stehen und über Wind und Wellen hinweg den Menschen seine Weisheiten zurufen können.
Nun, ich fürchte, viele Menschen sehen den Herrn Jesus sogar in dieser Rolle: Ein großartiger, ein weiser Lehrer, der den Menschen sagt: So und so ist eure Situation, dies und das passiert da mit euch, und wenn ihr dies und jenes tut, dann werdet ihr gerettet werden.
Dies ist aber nicht die Gesinnung des Herrn Jesus. Ihm stand der Sinn danach, vom himmlischen Thron, aus den Höhen der Herrlichkeit herab zu den Menschen zu kommen, sich selbst zu entäußern und zu erniedrigen bis zur Schmach des Kreuzestodes. In unserem Bild sprang der Herr Jesus zu uns Ertrinkenden in das tosende, wütende Meer. Jede Lehre, jedes Gleichnis, jede Weisheit, die wir in Bezug auf den Herrn Jesus zu besitzen glauben, müssen wir stets vor dem Hintergrund der Gesinnung des Herrn Jesus sehen, der mit uns mitten drin war, der sich selbst nicht verschonte, um uns zu erretten.
Uneigennützig dieses praktische Denken zu teilen, in Eintracht diese starke Gesinnung zu haben – darin liegt die Einheit, die Paulus für die Christen anstrebt. Diese Einheit ist fest und unverbrüchlich, ganz anders als jede Einheit in Wissen und Erkenntnis, die doch immer nur Stückwerk ist.
Wenn alle Christen im Umgang miteinander dieselbe Gesinnung haben, in der Jesus sich uns zugewandt hat, dann leben sie in wahrer Einheit. Ökumene beginnt dort, wo Christen aus verschiedenen Kirchen und Konfessionen dieselbe Gesinnung haben wie Christus, der aus der Höhe zu uns Menschen kam, sich selbst zu nichts machte und aller Menschen Knecht wurde und für sie sein Leben gab. Was könnte Christen, die diese Gesinnung teilen, voneinander trennen? Was könnte sie dann noch hindern, an den Schwestern und Brüdern festzuhalten?
Liebe Gemeinde,
in dem Herrn Jesus gibt es „Ermahnung in Christus (...), Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen“. Das ist das, was wir alle miteinander haben. Wo wir „Ermahnung“ lesen, da steht im Griechischen das gleiche Wort, das wir auch aus den Abschiedsreden des Herrn Jesus im Johannes-Evangelium kennen: Paraklet, Fürsprecher, Anwalt, Tröster, Beistand. Als der Herr Jesus fortgegangen ist, hat Gott uns den Heiligen Geist als unseren Beistand zur Seite gestellt, er hat uns nicht allein gelassen; der Heilige Geist wird für immer bei uns bleiben, er wird uns lehren und an alles erinnern, was der Herr Jesus uns gesagt hat. Zuspruch aus Liebe, das ist die liebevoller Ermunterung von Eltern, wenn ihre Kinder das Laufen lernen oder sonst etwas, worin Eltern ihre Kinder mit Liebe umgeben, damit ihre Entwicklung gut vorangeht. Die Gemeinschaft des Geistes besteht darin, daß wir alle miteinander Anteil haben an dem Geist, den Gott uns sendet. Der Geist ruht nicht nur auf wenigen Priestern, Propheten und Königen, sondern auf allen Kindern Gottes und Miterben Christi; er ist überreich ausgeschüttet über dem ganzen Volk Gottes. Herzlichkeit und Erbarmen, das ist die Tatsache, daß Gott nicht nur ein paar gute Gefühle für uns hat oder aber in blinden Aktionismus verfällt. Unsere Not, unser Leiden bewegt Gott. Es hat Gott dazu bewegt, auf die Erde zu kommen und Mensch zu werden – er war mit uns mittendrin –, mit schmerzendem Herz und durchbohrten Händen, es bewegt ihn dazu, uns in aller Not beizustehen.
Das ist das, was uns geschenkt ist. Das ist die Gabe Gottes, die wir alle haben, das ist die Liebe Gottes, mit der sich Gott der Welt zuwendet, uns zuwendet. Aus Freude über diese Gaben sollen wir auf dasselbe bedacht sein, dieselbe Liebe haben, einträchtig sein, auf das eine bedacht, das uns alle verbindet: Daß wir die Gesinnung Jesu in uns haben, nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei zu tun.
Eigensucht und Geltungsdrang, das sind die Feinde der Gemeinschaft, die zwar im Wasser der Taufe ertränkt sind, aber doch immer wieder oben schwimmen! Willentlich müssen wir sie immer wieder zurückdrängen. Das sind zwei Bereiche unseres Lebens, die weder ganz von selbst in Ordnung kommen, wenn wir getauft sind, noch die wir einfach durch Gebet um die richtige Haltung abtöten können. Durch Demut bekämpfen wir Eigensucht und Geltungsdrang, wenn wir einer den anderen höher einschätzen als uns selbst, wenn wir ihm in Liebe und Ehrerbietung begegnen – was nicht bedeutet, den anderen auf einen Sockel zu stellen und damit für geschwisterliche Liebe, die sich auch in Ermahnungen und konstruktiver Kritik äußern kann, unerreichbar zu machen.
Der Herr Jesus nahm gerade die Schwachen und Ungebildeten wichtig. Er hielt sich selbst nicht für wichtiger als sie, sondern liebte sie als wichtige Menschen. Ja, er nahm sie sogar für wichtiger als sich selbst; denn er kam für sie in diese Welt und gab sein Leben für sie.
Liebe Gemeinde,
Paulus beläßt es nicht bei einer Predigt mit den Worten, „so sei es unter euch“, einer Predigt, der man gerne zustimmt, auch wenn man weiß, daß das Ideal in Wirklichkeit unerreichbar ist. Er stellt den Herrn Jesus als Maßstab vor uns hin: Er, der der wichtigste Menschen war, der je auf Erden lebte, ja mehr noch: Er, der als wahrer Gott und wahrer Mensch die allerwichtigste Persönlichkeit der Geschichte überhaupt ist, hat sich selbst ganz und gar nicht als wichtige Person behandeln lassen. Gerade in Begegnungen mit „Sündern, Zöllnern und Huren“ hat der Herr Jesus gezeigt, daß ihm alle diese Menschen wichtiger waren als er selbst. Und denen, die sich selbst für wichtig und gut und fromm hielten, hat er in Gleichnissen und oft auch harten Worten gesagt, daß etwa ein barmherziger Samariter wichtiger ist als ein frommer Priester oder Levit, eine Hure, die Tränen verschüttet und Jesus salbt, wichtiger als ein frommer Pharisäer.
Das, was der Herr Jesus getan hat, ist in der Selbsterniedrigung und der Selbstentäußerung, in allem Verzichten auf Vorrechte und Freiheiten weit umfangreicher und weitreichender und tiefgreifender als alles, was von uns Menschen je erwartet werden kann, um nicht das Eigene im Blick zu haben, sondern den anderen, um den anderen in Demut für wichtiger zu halten als sich selbst.
Nun geht es Paulus nicht um einen „edlen Menschen“ Jesus, auch nicht um ein Ideal. Paulus knüpft erst einmal an eine biblische Geschichte an, die uns allen bekannt ist: Satan lockt die Menschen mit dem Versprechen, sie könnten sein wie Gott. Die Menschen trachten seit eh und je danach, zu sein wie Gott. Das ist das wilde Verlangen in unseren Herzen. Immer höher klettern wir auf Lebens- und Karriereleiter, immer mehr trachten wir nach einer das Leben verlängernden Medizin, immer tiefer suchen wir alle Geheimnisse zu enträtseln, damit wir unserem Ziel, zu sein wie Gott, immer näher kommen, wir manipulieren sogar Atome und Gene, ohne die Konsequenzen vollständig überschauen zu können. Freilich muß schon wie beim Turmbau von Babel Gott vom Himmel herunterkommen, um den Menschen, der auf seiner Leiter der Gottgleichheit entgegenklettert, in seinem unsinnigen Tun zu sehen.
Der Herr Jesus aber ist so ganz anders. Er ist Gott von jeher gleich, doch er hält nicht gierig daran fest, wie Gott zu sein. Während wir auf der Leiter der Gottgleichheit entgegen klettern wollen, kommt Jesus zu uns herunter. Während Menschen jedes kleine bißchen Gottgleichheit, das sie scheinbar errungen haben – wobei man oft genug von „Raub“ sprechen kann, wenn die Menschen auf ihrer Leiter andere Menschen brutal zur Seite stoßen, Natur und Umwelt schänden, über Leichen gehen –, gibt der Herr Jesus alles her, was ihn von den Menschen unterscheidet und über sie stellen würde, ihn wichtiger machen würde.
Allen, die auf der Leiter nach oben klettern, allen, die für wichtig gehalten werden wollen, allen, die Gott gleich sein wollen, ruft Paulus zu: „Macht's wie Gott, werdet Mensch!“
Liebe Gemeinde,
als Jesus Mensch wurde, da war das keine Verkleidung. Als er am Kreuz starb, da war das kein Theater, wo alles Blut und aller Schmerz nur Schminke und Spiel ist, inszeniert von einem Regisseur, der sein Publikum geschickt täuschen will. Als er aus den Toten auferstand, da war das kein schöner Schein. In Jesus war und ist alles echt – er war nicht eine Art Halbgott, dessen Knechtsgestalt bloße Verkleidung gewesen wäre, eine dürftige Verhüllung seiner Gottheit. Nein, in Bezug auf seine Gottheit hatte Jesus sich entäußert, entleert; er lebte in völliger Abhängigkeit von seinem Gott und Vater. Sein Leiden und sein Tod waren kein Spiel mit gezinkten Karten; es tat Jesus wirklich weh, er hat richtiges Blut vergossen, er war wirklich tot. Seine Auferstehung ist nicht ein Symbol oder Mythos, Gott hat Jesus wirklich und leibhaftig aus dem Tod zurück ins Leben geholt.
Wo Paulus uns auffordert, die gleiche Gesinnung zu haben wie der Herr Jesus, da erwartet er von uns ebenfalls, daß wir nicht nur so tun als ob, daß wir nicht Theater spielen und uns nur verkleiden. Bei Paulus erkenne ich keine Gesinnung, in der ich mich am Sonntag als Christ verkleiden und die Verkleidung dann im Alltag ablegen und meine wahre Wesensart ausleben darf. Er zeigt auf den Herrn Jesus und ruft mir zu: „Sei ganz Sein – oder laß es ganz sein“.
Auch die Erhöhung derer, die dieselbe Gesinnung haben wie Jesus, die sich selbst erniedrigen und dem Herrn Jesus und ihren Schwestern und Brüdern ihr Leben hingeben, wird ebenso gewiß und ebenso wahrhaftig erfolgen wie die Erhöhung Jesu, der von Gott aus den Toten auferweckt worden ist. Wenn wir dem Vorbild Jesu folgen, müssen wir nicht befürchten, von Gott „dermaleinst“ mit einer Scheinauferstehung aus den Toten und einer Scheinerhöhung abgespeist zu werden. Gott wird dann nicht nur so tun als ob, wird mit uns nicht nur Theater spielen. Darum sollten wir auch mit Gott nicht Theater spielen, uns nicht nur mit einer schönen Gesinnung verkleiden, sondern wirklich und wahrhaftig so gesinnt sein, wie Jesus es war.
Liebe Gemeinde,
habt dieselbe Gesinnung wie der Herr Jesus, der Gott gleich war, aber nicht daran festhielt, wie Gott zu sein, sondern sich entäußerte und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich, dessen Leben das eines Menschen war, der sich erniedrigte und gehorsam war bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz – das hat vielfältige Bedeutungen für uns. Es ist überall dort von Bedeutung, wo wir als Christen miteinander Umgang haben, ob in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde oder in der Ökumene. Auch die Missionare haben entdeckt, daß diese Gesinnung für ihren Umgang mit Nichtchristen unverzichtbar ist. Missionare können ihre Kultur, ihre Gewohnheiten, ihre Freiheiten und ihre Vorrechte nicht wie einen Raub festhalten, sie werden gewissermaßen Knechte der Menschen und ihnen in allen Dingen gleich, die uns nicht von Gott trennen.
Heute möchte ich besonders als unsere Schwestern und Brüder erinnern, die wegen ihres Glaubens an den Herrn Jesus verfolgt werden. Viele Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“, „Offene Grenzen“ oder die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ setzen sich für die Belange verfolgter Christen ein, und wir können sie darin auf vielerlei Weise unterstützen. Nicht wenige Christen engagieren sich persönlich vor Ort und unter Lebensgefahr für verfolgte Geschwister. In jedem Fall dürfen und sollen wir die Gesinnung haben, daß unsere verfolgten Geschwister innerhalb der Kirche die wichtigste Rolle spielen – sie haben das größte Anrecht auf unsere Hilfe in jedweder Form, die wir leisten können. Keine Kirche war oder ist je wichtiger als die verfolgte Kirche.
Amen.
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