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Eine Andacht zu
1. Petrus 3,15-16
. Dieser Vers diente mir als Motto für die damals von mir betriebene apologetische Home Page "Answering Islam Deutschland". Wann und wo ich diese Andacht gehalten habe, ist mir leider nicht mehr bekannt.
Diese Andacht existiert in zwei Fassungen, dieses scheint die zweite, neuere zu sein.
Die erste, ältere Fassung dieser Andacht finden Sie hier.
Thema ist in beiden Fassungen "Hoffnung".
Der Bibeltext
"(1) Seid jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die (2) Hoffnung in euch fordert, (3) aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird."
(Rev. Elberfelder Bibel)
Die Andacht
Prolog
Wenn man diesen Text liest, dann fällt der Blick meist zuerst auf das "seid jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch fordert", oder aber auf das "aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird". Darüber kann man vorzüglich predigen, darüber kann sich ein Ausleger lang und breit äußern, und das mache ich vielleicht bei meiner nächsten Andacht hier, erinnert mich einfach dran. - Aber ich schätze, wenn man unseren Bibeltext als Lückentext gestalten würde, dann würde zumindest das "über die Hoffnung in euch" nicht so oft genannt werden. Verantwortung, Rechenschaft ja. Sanftmut, Ehrerbietung, gutes Gewissen ja. Aber "die Hoffnung in euch"?
Hoffnung
"Seid jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über PUNKT PUNKT PUNKT fordert, aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird."". Wonach fragt? Nach unserer hochkirchlichen Liturgie oder nach unseren freikirchlichen Shows? Nach dem "Ruhen im Geist"? Nach dem Sprechen in Zungen? Nach unserem vorzüglichen Lebenswandel? Nach unserer Zurückhaltung? Nach unserer Duldsamkeit? Nach unserem Glauben? Nach unserer Liebe?
Sicherlich haben wir alle davon etwas vorzuweisen. Da ist sicherlich Liebe, da ist Glaube, da ist Duldsamkeit, Langmut, Freundlichkeit, ein vorzüglicher Lebenswandel, da sind allerlei Geistesgaben, da ist eine ausgeklügelte Theologie, eine vollkommene Liturgie und da sind echt mehrheitsfähige Shows. Haben wir alles. Können wir alles bieten. Bringen wir alles, dank der Gnade Gottes, frei Haus. Wir sind in solchen Dingen echt reich. Wir können auch Heilungen anbieten und christliche Freizeiten. Wunder und Kirchenvorstandssitzungen.
Petrus aber erwähnt nichts von all diesen Dingen, jedenfalls nicht hier. Es folgt nicht einmal eine Aufzählung all der interessanten Dinge, die Außenstehenden bei uns auffallen könnten. Er erinnert sich nicht an die Gabenlisten des Paulus, nicht an die Früchte des Geistes, von denen Jakobus sprach..
Man sollte doch meinen: Liebe, ja, das würde man hier nun wirklich erwarten. Immerhin haben wir ja das Hohelied der Liebe. Nichts geht über die Liebe. Und wir sind da eigentlich auch gar nicht so schlecht. Gut, hier und da hakt es ein bisserle. Aber im Großen und Ganzen haben wir Liebe. Wir haben sie von Gott empfangen, und wir geben sie weiter. Aber Petrus spricht hier nicht von Liebe.
Nun gut, aber Glauben könnte man hier erwarten. Den christlichen Glauben. Der, wie die Liebe, immer bleibt. Der die Berge versetzt. Aber Petrus spricht hier nicht von Glauben.
Er spricht von Hoffnung. Im griechischen Altertum ist "elpis" ein doppelwertiger Begriff. Die alten Griechen meinten damit sowohl die gute als auch die schlechte Zukunftserwartung, die gute Hoffnung ebenso wie die düstere Vorahnung, die Befürchtung von etwas Unheilvollem. Das Neue Testament dagegen kennt "elpis" nur im Sinne einer guten Hoffnung, einer freudigen Erwartung.
Die neutestamentliche Hoffnung, das ist die freudige Erwartung dessen, was man noch nicht sieht, was noch in der Zukunft liegt. "Wir sind gerettet, aber noch ist alles Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich schon sichtbar erfüllt hat, ist keine Hoffnung. Ich kann nicht erhoffen, was ich vor Augen habe" (
Römer 8,24
). "Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: Im Vertrauen beweist es sich selbst" (
Hebräer 11,1
). "Glaube und Liebe - sie beide erwachsen aus der festen Hoffnung auf das Leben, das Gott im Himmel bereithält" (
Kolosser 1,5
).
"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, die Liebe ist aber die größte unter ihnen" (
1. Korinther 13,13
). Glaube und Liebe und Hoffnung gehören zusammen. Es gibt das eine nicht ohne die beiden anderen. Glaube und Liebe erwachsen aus der Hoffnung. Der von Gott geschenkte Glaube, die Heilsgewißheit in unseren Herzen, bezeugt die Wirklichkeit unserer Hoffnung.
Unsere Hoffnung ist ja auch weder zweifelhaft noch ungewiß, sondern besitzt ein solides Fundament: Jesus Christus. In ihm haben alle Verheißungen Gottes ihr Ja und Amen gefunden. "Christus mitten unter uns, gerade unter uns - das bedeutet die sichere Hoffnung, daß Gott uns Anteil gibt an seiner Herrlichkeit" (
Kolosser 1,27
). Daß Christus auf die Erde kam, um unter den Menschen zu leben, daß er sich selbst erniedigte, daß er am Kreuz für uns starb (
Philipper 2,5-11
) und daß er aus den Toten auferstand - das ist das Fundament unserer Hoffnung. Wäre Christus nicht Mensch geworden, so gäbe es keinerlei Grund für irgend eine Hoffnung, wäre er nicht aus den Toten auferstanden, so wäre jede Hoffnung unbegründet. Gerade die Auferstehung Jesu ist der Grund jeder christlichen Hoffnung: "Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als irgend jemand sonst auf der Welt - nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, daß auch die übrigen Toten auferweckt werden" (
1. Korinther 15,19-20
).
Gott, der die Toten lebendig macht, ist der Gott der Hoffnung. Durch die Kraft des Heiligen Geistes wird unsere Hoffnung immer stärker und unerschütterlicher (
Römer 15,13
).
Und "durch Leiden lernen wir Geduld, durch Geduld kommt es zur Bewährung, durch Bewährung festigt sich die Hoffnung. Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen" (
Römer 5,3-5
). Als Menschen der Hoffnung können wir fröhlich sein (
Römer 13,12
). Fröhlichkeit, Freude ist das Fenster der Hoffnung nach außen.
Und diese Freude ist es, die unsere Hoffnung sichtbar werden läßt, so daß Menschen nach eben dieser Hoffnung fragen. Und uns so Gelegenheit geben, Rede und Antwort zu stehen.
Aber warum geschieht es heute so selten, daß wir aufgefordert werden, Rede und Antwort wegen unserer Hoffnung zu stehen? Ist es so, daß einige von uns Christen - oder viele von uns? oder viele hier im Westen? - freudlos und hoffnungslos geworden sind? Hat das Salz seine Kraft verloren?
Wir singen, "fröhlich, fröhlich ist das Volk", aber wirken wir auch fröhlich, fröhlich? Sind wir das Volk, das fröhlich, fröhlich ist? Sind wir von Freude überwältigt? Haben wir Hoffnung? Wann reden wir in unseren Gemeinden von Hoffnung? Wann bricht die Freude spontan aus uns heraus?
Wenn durch die Kraft des Heiligen Geistes unsere Hoffnung immer stärker und unerschütterlicher wird, warum ist dann so wenig Hoffnung bei uns, wo wir doch so viele Gaben des Geistes haben? Wenn wir durch Leiden Geduld lernen, es durch Geduld zur Bewährung kommt, durch Bewährung sich die Hoffnung festigt, unsere Hoffnung uns aber nicht enttäuschen wird - müssen wir dann erst leiden lernen?
Ist unsere Hoffnung einfach nur verkopft, muß sie erst wieder vom Kopf in das Herz wandern? Dürfen wir die Auferstehung aus den Toten nicht nur als theologische Herausforderung begreifen, sondern müssen wir uns selbst davon herausfordern lassen? Wir mögen eine perfekte Auferstehungshoffnungstheologie haben, mögen darüber Bücher geschrieben haben - aber niemand wird uns deswegen auffordern, Rede und Antwort zu stehen. Niemand wird sich dafür interessieren.
Hoffnung will zuerst von Gott erbeten, zweitens durch Bewährung gefestigt und drittens durch den Heiligen Geist gestärkt werden. Wenn wir unseren Bibelvers lesen, sollten wir nicht gleich schauen, wo wir, und wie wir, Rede und Antwort stehen können. Niemand will unsere Rede, niemand will unsere Antwort, wenn wir keine Hoffnung haben, die sich durch Freude ausweist. Niemand will eine Hoffnung, die nicht von Gott her kommt, die übernatürlich ist. Niemand will eine Freude, die weder gefestigt noch gestärkt ist, sondern nur aufgesetzt ist. Die Leute wollen eine bewährte, starke, unerschütterliche Hoffnung, egal ob im Alltag oder in der Verfolgung oder irgendwo dazwischen.
Hoffnung gehört ja zum menschlichen Leben. Wir alle wollen eine gute Hoffnung haben. Ob Junge den Bogen ihrer Hoffnung weit spannen oder ob Alte und Schwache ihre letzten Hoffnungen pflegen. Hoffnungslosigkeit ist einer der größten Feinde der Menschheit.
Paulus schreibt, daß die "übrigen Menschen", die Nichtchristen, keine Hoffnung haben (
1. Thessalonicher 4,13
). Doch sie alle suchen nach Hoffnung, und es gibt zahllose Angebote, vom Horoskop über die Esoterik bis zu der Hoffnung, als Märtyrer sofort Eingang ins Paradies und 72 Huris zu bekommen. Die christliche Hoffnung wird oftmals nachzuahmen versucht. Das ist ja schon bei der Paradieshoffnung des Islam so. Aber gerade mit unserer Hoffnung haben wir durch das Evangelium von Jesus Christus und die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten etwas, was sonst niemand bieten kann. Muslime, außer sie sterben als Märtyrer, können sich niemals sicher sein, ins Paradies zu kommen. Selbst für Muhammad gibt es keine absolute Hoffnung, darum beten die Muslime jeden Tag für ihn.
Aber Christen haben eine ganz andere Hoffnung; denn bei uns sind es nicht unsere guten Werke, die unsere Hoffnung begründen, sondern das, was Jesus für uns getan hat, seine Überwindung des Todes, seine Auferstehung aus den Toten.
Und unsere Hoffnung erstreckt sich nicht bloß auf das Leben nach dem Tode. Die Auferstehung greift ja schon jetzt in unser Leben ein. Darum ist Veränderung möglich. Schon jetzt wird der neue Mensch aufgerichtet. Wo Menschen sich auf die Auferstehungskraft Jesu, auf seine Lebenskraft einlassen, erfahren sie Veränderung. "Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist" (
1. Johannes 3,2-3
).
Haben wir diese Hoffnung auf Leben wirklich, dann wird das um uns herum auffallen. Dann kann das unserer Umwelt nicht verborgen bleiben. Und dann werden sie uns fragen, und wir werden ihnen Rede und Antwort stehen, sanftmütig, ehrerbietig, mit einem guten Gewissen.
Die Menschen um uns herum sind nicht uninteressiert. Sie sind sehr interessiert. Sie hungern und dürsten nach Hoffnung und wollen sie aufsaugen wie ein trockener Schwamm. Wenn sie uns nicht fragen, dann liegt es nicht an ihnen, sondern an uns. Und wenn wir jetzt nicht nach unserer Hoffnung gefragt werden, dann werden wir Gott Rechenschaft geben müssen über die Hoffnung, die in unserem Leben sein sollte. Warum hat sie keinen Raum in uns gefunden?
Epilog
Gehen wir noch einmal zu unserem Text. Er besteht aus der Verpflichtung zur Apologetik, aus dem Hinweis auf die Hoffnung und auf die Aufforderung, wie wir Zeugnis geben sollen. Evangelikale und charismatische Christen werden vor allem die Verpflichtung zur Apologetik, zur Mission herauslesen. Liberale Christen werden vor allem die Aufforderung, sanftmütig und ehrerbietig zu sein, herauslesen. Wer wird den Hinweis auf die Hoffnung ernstnehmen? Wer wird alles drei für gleich wichtig erachten?
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