|
Eine Andacht zu
1. Petrus 3,15-16
. Dieser Vers diente mir als Motto für die damals von mir betriebene apologetische Home Page "Answering Islam Deutschland". Wann und wo ich diese Andacht gehalten habe, ist mir leider nicht mehr bekannt.
Diese Andacht existiert in zwei Fassungen, dieses scheint die erste, ältere zu sein.
Die zweite, neuere Fassung finden Sie hier.
Thema ist in beiden Fällen "Hoffnung".
Der Bibeltext
"Haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig! Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert, aber mit Sanftmut und Ehrerbietung! Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, worin euch Übles nachgeredet wird."
(1. Petrus 3,15-16; Rev. Elberfelder Bibel)
Anmerkungen
Petrus wendet sich mit seinem Text an Christen, die für die Gerechtigkeit leiden, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden.
Dabei sind die griechischen Worte für "Verantwortung" und "Rechenschaft" vielseitig übersetzbar und passen sowohl auf den normalen Lebenswandel eines Christen als auch auf die besondere Situation einer Verfolgung.
Was hier in der Elberfelder mit "Verantwortung" übersetzt worden ist, griechisch "apologia", meint eigentlich nur das "Wort weg von" etwas. Es ist, je nach Kontext, eine Antwort, eine Verteidigung, eine Rechtfertigung, eine Verantwortung. Und was mit "Rechenschaft" übersetzt worden ist, griechisch "logos", meint eigentlich nur das "Wort", und ist noch vielseitiger als "apologia". Es kann das Sagen, Reden oder Sprechen meinen, das Erwägen, die Rechenschaft, die Berechnung oder Abrechnung, den vernünftigen Grund, den Beweggrund.
Je nach Kontext können diese beiden Worte also eher dies, eher jenes meinen. Es kann, wie die Gute Nachricht übersetzt, bedeuten, "Rede und Antwort zu stehen", es kann aber auch die Rechtfertigung, die Verteidigung sein, die mit vernünftigen Beweggründen daherkommt, um sich auf eine Anklage zu verteidigen.
Die Andacht
"Haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig!" Oder, wie die Gute Nachricht übersetzt, "Christus allein ist der Herr, haltet ihn heilig in euren Herzen und weicht vor niemand zurück!". Für einen Juden gilt, "heilig, heilig, heilig ist der Herr!" Und: "Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir". Und hier nun: "Christus ist der Herr, er allein! Ihn haltet in euren Herzen heilig!" Petrus greift das erste Gebot auf, wendet es auf Jesus Christus an und setzt es zur Grundlage seines Rufes an Christen, jederzeit Rede und Antwort zu stehen. Egal ob vor Juden oder Griechen oder Römern, egal welches Gottesbild jemand hat - Christus ist der Herr, er allein, ihn haltet in euren Herzen heilig! Ob nun Juden dies Blasphemie nennen, ob nun Griechen dies eine Torheit nennen, ob nun Römer verlangen, den Kaiser als den Herrn zu verehren - weicht vor niemand zurück. Geht keine Kompromisse ein, wenn es um Jesus geht.
Und in jeder Situation, ob während des alltäglichen Lebenswandels Rede und Antwort zu stehen ist oder ob in der Verfolgung Rechenschaft abzulegen ist - jederzeit sollen wir dazu bereit sein. Es ist nie die Frage, ob wir Rede und Antwort stehen, sondern wie wir dies tun. Es ist nie die Frage, ob es angebracht ist oder nicht. Es ist auch nie die Frage, wem wir Antworten schuldig sind: Jedermann. Wir sind es jedermann schuldig, jeder Frau, jedem Hohen, jedem Diener, jedem Freien, jedem Sklaven, jedem Juden, Griechen, Römer.
Doch soll man nun einfach drauf los reden? Soll man jederzeit und gegenüber jedermann das Wort ergreifen? Sollen wir einfach jederzeit in die Offensive gehen?
Petrus spricht etwas Eigenartiges an. Ich schätze, würde man unseren Bibeltext hier mit einer Auslassung vorlesen und fragen, worum es hier geht, würde so manche interessante Antwort kommen.
"Seid immer bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand euch nach PUNKT PUNKT PUNKT fragt". Wonach fragt? Nach unserer hochkirchlichen Liturgie oder nach unseren freikirchlichen Shows? Nach dem "Ruhen im Geist"? Nach dem Sprechen in Zungen? Nach unserem vorzüglichen Lebenswandel? Nach unserer Zurückhaltung? Nach unserer Duldsamkeit? Nach unserem Glauben? Nach unserer Liebe?
Sicherlich haben wir alle davon etwas vorzuweisen. Da ist sicherlich Liebe, da ist Glaube, eine feste Zuversicht auf das, was man nicht sieht, aber erhofft, da ist Duldsamkeit, Langmut, Freundlichkeit, ein vorzüglicher Lebenswandel, da sind allerlei Geistesgaben, da ist eine ausgeklügelte Theologie, eine vollkommene Liturgie und da sind echt mehrheitsfähige Shows. Haben wir alles. Können wir alles bieten. Bringen wir alles, dank der Gnade Gottes, frei Haus. Wir sind in solchen Dingen echt reich. Wir können auch Heilungen anbieten und christliche Freizeiten. Wunder und Kirchenvorstandssitzungen.
Petrus aber erwähnt nichts von all diesen Dingen, jedenfalls nicht hier. Es folgt nicht einmal eine Aufzählung all der interessanten Dinge, die Außenstehenden bei uns auffallen könnten. Er erinnert sich nicht an die Gabenlisten des Paulus, nicht an die Früchte des Geistes, von denen Jakobus sprach..
Man sollte doch meinen: Liebe, ja, das würde man hier nun wirklich erwarten. Immerhin haben wir ja das Hohelied der Liebe. Nichts geht über die Liebe. Und wir sind da eigentlich auch gar nicht so schlecht. Gut, hier und da hakt es ein bisserle. Aber im Großen und Ganzen haben wir Liebe. Wir haben sie von Gott empfangen, und wir geben sie weiter. Aber Petrus spricht hier nicht von Liebe.
Nun gut, aber Glauben könnte man hier erwarten. Den christlichen Glauben. Der, wie die Liebe, immer bleibt. Der die Berge versetzt. Aber Petrus spricht hier nicht von Glauben.
Er spricht von Hoffnung. Griechisch "elpis", und anders als vorher "apologia" und "logos", gibt es hier keine Vielfalt, die wir beim Übersetzen beachten müssen. Egal, warum wir Rede und Antwort zu stehen haben, gleich in welcher Situation - immer dreht es sich nur um Hoffnung. Es gibt keine Hoffnung für den alltäglichen Lebenswandel und keine besondere Hoffnung in der Verfolgung. Hoffnung ist Hoffnung ist Hoffnung.
Im griechischen Altertum ist "elpis" ein doppelwertiger Begriff. Die alten Griechen meinten damit sowohl die gute als auch die schlechte Zukunftserwartung, die gute Hoffnung ebenso wie die düstere Vorahnung, die Befürchtung von etwas Unheilvollem. Das Neue Testament dagegen kennt "elpis" nur im Sinne einer guten Hoffnung, einer freudigen Erwartung.
Die neutestamentliche Hoffnung, das ist die freudige Erwartung dessen, was man noch nicht sieht, was noch in der Zukunft liegt. "Wir sind gerettet, aber noch ist alles Hoffnung. Eine Hoffnung, die sich schon sichtbar erfüllt hat, ist keine Hoffnung. Ich kann nicht erhoffen, was ich vor Augen habe" (
Römer 8,24
). "Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: Im Vertrauen beweist es sich selbst" (
Hebräer 11,1
). "Glaube und Liebe - sie beide erwachsen aus der festen Hoffnung auf das Leben, das Gott im Himmel bereithält" (
Kolosser 1,5
).
"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, die Liebe ist aber die größte unter ihnen" (
1. Korinther 13,13
). Glaube und Liebe und Hoffnung gehören zusammen. Es gibt das eine nicht ohne die beiden anderen. Glaube und Liebe erwachsen aus der Hoffnung. Der von Gott geschenkte Glaube, die Heilsgewißheit in unseren Herzen, bezeugt die Wirklichkeit unserer Hoffnung.
Unsere Hoffnung ist ja auch weder zweifelhaft noch ungewiß, sondern besitzt ein solides Fundament: Jesus Christus. In ihm haben alle Verheißungen Gottes ihr Ja und Amen gefunden. "Christus mitten unter uns, gerade unter uns - das bedeutet die sichere Hoffnung, daß Gott uns Anteil gibt an seiner Herrlichkeit" (
Kolosser 1,27
). Daß Christus auf die Erde kam, um unter den Menschen zu leben, daß er sich selbst erniedigte, daß er am Kreuz für uns starb und daß er aus den Toten auferstand - das ist das Fundament unserer Hoffnung. Wäre Christus nicht Mensch geworden, so gäbe es keinerlei Grund für irgend eine Hoffnung, wäre er nicht aus den Toten auferstanden, so wäre jede Hoffnung unbegründet. Gerade die Auferstehung Jesu ist der Grund jeder christlichen Hoffnung: "Wenn wir nur für das jetzige Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als irgend jemand sonst auf der Welt - nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, daß auch die übrigen Toten auferweckt werden" (
1. Korinther 15,19-20
).
Gott, der die Toten lebendig macht, ist der Gott der Hoffnung. Durch die Kraft des Heiligen Geistes wird unsere Hoffnung immer stärker und unerschütterlicher (
Römer 15,13
).
Und "durch Leiden lernen wir Geduld, durch Geduld kommt es zur Bewährung, durch Bewährung festigt sich die Hoffnung. Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen" (
Römer 5,3-5
). Als Menschen der Hoffnung können wir fröhlich sein (
Römer 13,12
). Fröhlichkeit, Freude ist das Fenster der Hoffnung nach außen.
Und diese Freude ist es, die unsere Hoffnung sichtbar werden läßt, so daß Menschen nach eben dieser Hoffnung fragen. Und uns so Gelegenheit geben, Rede und Antwort zu stehen.
Aber warum geschieht es heute so selten, daß wir aufgefordert werden, Rede und Antwort wegen unserer Hoffnung zu stehen? Ist es so, daß wir freudlos und hoffnungslos geworden sind? Hat das Salz seine Kraft verloren?
Wir singen, "fröhlich, fröhlich ist das Volk", aber wirken wir auch fröhlich, fröhlich? Sind wir das Volk, das fröhlich, fröhlich ist? Sind wir von Freude überwältigt? Haben wir Hoffnung? Wann reden wir in unseren Gemeinden von Hoffnung? Wann bricht die Freude spontan aus uns heraus?
Wenn durch die Kraft des Heiligen Geistes unsere Hoffnung immer stärker und unerschütterlicher wird, warum ist dann so wenig Hoffnung bei uns, wo wir doch so viele Gaben des Geistes haben? Wenn wir durch Leiden Geduld lernen, es durch Geduld zur Bewährung kommt, durch Bewährung sich die Hoffnung festigt, unsere Hoffnung uns aber nicht enttäuschen wird - müssen wir dann erst leiden lernen?
Ist unsere Hoffnung einfach nur verkopft, muß sie erst wieder vom Kopf in das Herz wandern? Dürfen wir die Auferstehung aus den Toten nicht nur als theologische Herausforderung begreifen, sondern müssen wir uns selbst davon herausfordern lassen? Wir mögen eine perfekte Auferstehungshoffnungstheologie haben, mögen darüber Bücher geschrieben haben - aber niemand wird uns deswegen auffordern, Rede und Antwort zu stehen. Niemand wird sich dafür interessieren.
Hoffnung will zuerst von Gott erbeten, zweitens durch Bewährung gefestigt und drittens durch den Heiligen Geist gestärkt werden. Wenn wir unseren Bibelvers lesen, sollten wir nicht gleich schauen, wo wir, und wie wir, Rede und Antwort stehen können. Niemand will unsere Rede, niemand will unsere Antwort, wenn wir keine Hoffnung haben, die sich durch Freude ausweist. Niemand will eine Hoffnung, die nicht von Gott her kommt, die übernatürlich ist. Niemand will eine Freude, die weder gefestigt noch gestärkt ist, sondern nur aufgesetzt ist. Die Leute wollen eine bewährte, starke, unerschütterliche Hoffnung, egal ob im Alltag oder in der Verfolgung oder irgendwo dazwischen.
|