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Liturgie und Andacht zum Thema "Frieden ohne Bibel", gehalten am 8. Mai 2006 beim "Ökumenischen Gebet für den Frieden" in der ev. Pauluskirche (Stuttgart-Zuffenhausen).
In Anlehnung an den "Sonntag ohne Bibel" vom 7. Mai 2006, siehe: www.sonntag-ohne-bibel.de
Präludium
Gemeindelied „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (EG 382,1-3)
Votum und Begrüßung
- Votum -
Begrüßung zum Ökumenischen Friedensgebet „Frieden ohne Bibel“:Am gestrigen Sonntag haben Kirchen in vielen Ländern den „Sonntag ohne Bibel“ gefeiert. Diese Aktion wurde erstmals im Jahr 2004 in Großbritannien durchgeführt. Im Jahr 2005 nahmen auch Kirchen aus Kanda und den USA teil, und in diesem Jahr folgten dann Kirchen aus Norwegen, Südafrika, Kenia, Australien und Deutschland. Diese weltweite und ökumenische Aktion will Christen zu neuer Dankbarkeit für die Bibel ermutigen und sie zudem darauf aufmerksam machen, daß weltweit rund 300 Millionen Christen – das sind 15 % aller Christen – keine Bibel haben, und viele andere Christen zwar eine Bibel haben, aber nicht in ihrer eigenen Sprache.
Ich habe das heutige ökumenische Friedensgebet in Anlehnung an diese wichtige Aktion unter das Thema „Frieden ohne Bibel“ gestellt.
Psalmlesung (im Wechsel) Psalm 119 (EG 748)
Liedstrophe „Ehre sei dem Vater“ (EG 177,1)
Eingangsgebet
Unser Gott,
wir stehen vor dir mit leeren Händen, wir rufen nach dir. Du hast Segen für uns, du bist der Gott, der uns Zukunft verheißt. Wo immer uns Angst bedrückt, da hilf du unserem Glauben und komme uns entgegen.
Wir bitten dich: Sprich zu uns das Wort, das uns tröstet, das uns befreit, das uns in deinen großen Frieden führt. Schließ du uns das Land auf, das keine Grenzen kennt, laß uns als deine Kinder in Gemeinschaft mit dir und untereinander leben.
Amen.
Schriftlesung (Jesaja 48,17-18)
„Der Herr, der heilige Gott Israels, euer Befreier, sagt: 'Ich, der Herr, euer Gott, sage euch, was ihr tun und wie ihr leben sollt. Meine Weisungen dienen zu eurem Besten. Hättet ihr doch auf meine Gebote geachtet! Dann würdet ihr jetzt Frieden haben, und es würde euch an nichts fehlen; euer Wohlstand würde anschwellen wie ein Strom, er würde sich ausbreiten wie die Wogen des Meeres“
Andacht
Liebe ökumenische Gemeinde, lieber Beter für den Frieden,
für uns Christen ist ein Sonntag ohne Bibel unvorstellbar. Die Bibel und ihre Verkündigung gehören zum Sonntag, ein Sonntag ohne Bibel ist nur ein arbeitsfreier Tag. Jene 300 Millionen Christen weltweit, die keine Bibel haben, wünschen sich sehnlichst eine Bibel und würden dafür viele Anstrengungen auf sich nehmen.
Ist Frieden ohne Bibel vorstellbar? Wenn dem nicht so ist, wenn Frieden ohne Bibel schlicht unvorstellbar ist, wie können wir das begründen? Wenn Frieden ohne Bibel unvorstellbar ist, welche Anstrengungen unternehmen wir, um die Botschaft der Bibel zum Frieden zu hören und auch weiterzugeben und dann danach zu leben?
Viele Menschen haben mit der Verbindung von Bibel einerseits und Frieden andererseits so ihre Probleme. Man kann auf das Alte Testament verweisen, wo oft von Gewalt und Kriegen die Rede ist, wo Gottes Name mit Kriegen in Verbindung gebracht wird, wo geschildert wird, wie im Namen Gottes Dinge geschehen, die man nur als grausame Kriegsverbrechen bezeichnen kann, wenn etwa ein „Bann“ an den Feinden vollstreckt wird, dem alle Lebewesen, auch Frauen und Kinder, zum Opfer fallen. Man kann auf die Geschichte des Christentums verweisen, wo, mit der Bibel in der Hand, Ketzer und Hexen verfolgt oder zu den Kreuzzügen aufgerufen wurde. Man kann auf etliche religiöse Konflikte in Geschichte und Gegenwart hinweisen, wo eine oder sogar beide Seiten die Bibel in der Hand halten, etwa in Nordirland. Aktuell kann man natürlich auf George Bush verweisen, der, ebenfalls mit der Bibel in der Hand, einen „Kreuzzug“ gegen den Irak führt.
Läßt sich die Bibel also nicht mindestens ebenso gut für den Krieg instrumentalisieren wie für den Frieden? Oder ist ihre Botschaft nicht sogar besser geeignet, Kriege zu führen als für den Frieden zu arbeiten?
Als Missionar, der ich oft unter Menschen muslimischen Hintergrundes arbeite, habe ich manchmal eine ganz und gar andere Sicht gehört: Jesus habe, wie auch Muhammad, nicht Frieden gepredigt, sondern den Jihaad, den „Heiligen Krieg“. Erst Paulus, ein römischer Agent, der die jüdischen antirömischen Urchristen unterwandert haben soll, hätte dann die eifernde Botschaft Jesu in eine pazifistische Botschaft verdreht.
Auch manchen Christen paßt die Friedensbotschaft der Bibel nicht so recht ins Weltbild. Sie orientieren sich, was Krieg und Frieden betrifft, lieber am Alten Testament, an den Priestern, Propheten und Königen des Krieges als an der Bergpredigt des Friedensstifters Jesus.
Liebe Gemeinde,
die Bibel kennt zwei zentrale Begriffe für den Frieden, „Schalom“ im Alten und „Eiraenae“ im Neuen Testament. Beide Begriffe, vor allem das „Schalom“, haben viele Bedeutungen und lassen sich mit dem deutschen „Frieden“ nur sehr bedingt wiedergeben. Schon die alten Übersetzer des hebräischen Alten Testamentes ins Griechische, die Schöpfer der Septuaginta, haben das hebräische „Schalom“ mit mehr als 25 griechischen Begriffen wiedergegeben, darunter „Eiraenae“, das wir dann auch im Neuen Testament finden.
Im Alten Testament liegt der Schwerpunkt auf dem allgemeinen Wohlbefinden, dem äußeren und dem geistlichen Gedeihen hin zur Vollkommenheit. Frieden ist immer auf Vollkommenheit hin angelegt, nicht auf Stückwerk. Frieden ist darum schon aus alttestamentlicher Sicht weit mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt und Krieg. Dennoch mußte das Gottesvolk des ersten Bundes erkennen, daß Frieden mehr als Stückwerk erfahren wird denn als Zustand der Vollendung, und daß die einzelnen Fazetten des Friedens manchmal durch Kriege und Gewalt zusammengehalten wurden. Erst der Messias, der erwartete Retter, würde vollkommenen Frieden bringen, als ein göttliches Geschenk für das Gottesvolk, ja, wie man bei dem Propheten Jesaja lesen kann, für alle Menschen, für die ganze Schöpfung.
Die frühen Christen, die Autoren des Neuen Testamentes, haben den alttestamentlichen Friedensbegriff und die Hoffnung auf vollkommenen Frieden, Frieden auf Erden, aufgegriffen und mit der Person Jesu Christi verbunden. Er ist der verheißene Retter, der Messias, der den Frieden gebracht hat. In der Verbindung mit dem Herrn Jesus ist vollkommener Frieden eine Wirklichkeit, die in den Herzen und in der Umgebung derer beginnt, die auf den Herrn Jesus vertrauen und ihm nachfolgen.
Als Dreh- und Angelpunkt der Friedensstiftung durch den Herrn Jesus haben die Christen nun ausgerechnet das Kreuz ausgemacht. Nicht Weihnachten als Feier der Geburt Jesu, nicht die Bergpredigt, wo Jesus doch die Friedensstifter selig, also glücklich nennt, nicht die Taufe Jesu, auch nicht Pfingsten als das Fest der Ausgießung Heiligen Geistes und Gründung der christlichen Kirche.
Jesus am Kreuz, da wird die Friedensverheißung des Alten Testamentes wahr, etwa die von Jesaja in seinem Lied vom stellvertretenden Leiden des Gottesknechtes: „Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf das wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt“ (
Jesaja 53,5
).
Nirgendwo sonst wird wahrer Frieden auch so deutlich illustriert, so offensichtlich vorgelebt, wie am Kreuz: Als Jesus verhaftet, verhört, gefoltert und schließlich gekreuzigt wird, da ruft er nicht nur keine Engel zu seiner Hilfe – obwohl sie nach seiner Aussage jederzeit bereit wären, ihm zu helfen –, sondern er verbietet seinen Jüngern auch jede Gegenwehr, und als Petrus einen der Soldaten mit dem Schwert schwer verletzt, ruft Jesus ihn zurück und heilt den Verletzten.
Überhaupt zieht sich der Frieden wie ein roter Faden durch das Leben Jesu. Seine Lehren, seine Gleichnisse, sein Vorbild – alles spricht vom Frieden, von heilen Beziehungen, von heilen Beziehungen zwischen Gott und Mensch, von heilen Beziehungen zwischen den Menschen, heil durch echte Vergebung für die Sünden, die nämlich die schrecklichen Zerstörer aller Beziehungen sind und damit die Ursache von Gewalt und Krieg, sozialer Ungerechtigkeit, Zerstörung der Schöpfung.
Bei dem Herrn Jesus ist Frieden weder nur die Abwesenheit von Krieg und Gewalt, noch vertritt der Herr Jesus eine Art „Frieden“, der nötigenfalls mit Gewalt und Krieg errungen oder bewahrt wird, wie etwa die „Pax Romana“, der römische Friede, der auch mit Waffengewalt verteidigt wurde.
In dem Herrn Jesus ist jede alttestamentliche Verheißung des Friedens Wirklichkeit geworden, was vorher nur Stückwerk war, ist jetzt vollkommen da: „Groß ist von jetzt an Gottes Herrlichkeit im Himmel; denn sein Frieden ist herabgekommen auf die Erde zu den Menschen, die er erwählt hat und liebt!“ (
Lukas 2,14
). Jesus hat am Kreuz das durch die Sünde zerstörte Verhältnis zwischen Gott und Mensch wiederhergestellt, und daraus erwächst vollkommener Friede: „Unser Gott ist voll Liebe und Erbarmen, er schickt uns den Retter, das Licht, das von oben kommt. Dieses Licht leuchtet allen, die im Dunkeln sind, die im finstern Land des Todes leben; es wird uns führen und leiten, daß wir den Weg des Friedens finden“ (
Lukas 1,78-79
).
Die Bibel ist das maßgebliche Dokument der Christen für den Frieden. Aus christlicher Sicht kann es Frieden ohne Bibel nicht geben; denn Jesus hat dem Frieden eine besondere Bedeutung gegeben. Jesus ist unser Friede (
Epheser 2,14
), und die Bibel zeugt davon. Sie ist ein zuverlässiger Zeuge, ein glaubwürdiger Beweis.
Liebe Gemeinde,
weltweit müssen 300 Millionen Christen ohne die Bibel als Dokument des Friedens auskommen, und viele hundert Millionen Christen haben dieses so wichtige Dokument des Friedens nicht in ihrer Sprache vorliegen.
Wir Christen in Deutschland haben allen Grund, dankbar zu sein, daß wir die Bibel in unserer Sprache haben, daß unsere ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger hier in Deutschland Bibeln in praktisch allen hier gesprochenen Sprachen kaufen können, sei es englisch, türkisch, arabisch, spanisch, italienisch, französisch, russisch, polnisch und so weiter. Das wichtigste Dokument des Friedens ist hierzulande nicht nur in deutscher, sondern auch in vielen anderen Sprachen verfügbar, und dafür können wir Gott dankbar sein. Wir sollten dieses Geschenk verantwortungsvoll nutzen.
Wir haben hier in Deutschland ja die Möglichkeit, die Bibel als Dokument des Friedens ungehindert zu nutzen – auch dafür haben wir allen Grund, Gott dankbar zu sein. Es ist wichtig, diese Möglichkeit auch umzusetzen, indem wir die Friedensbotschaft der Bibel unter die Menschen bringen, durch Verkündigung und Seelsorge, Diakonie und Evangelisation.
In der Bibel können wir Gott und Jesus Christus kennenlernen, können wir von ihnen lernen, Frieden zu schaffen, Frieden zu bewahren. Dafür dürfen wir dankbar sein! Die Bibel zeigt uns durch das Leben des Herrn Jesus, was Friede wirklich bedeutet, daß Friede mehr ist als nur „jenes Warten, wenn die Waffen schweigen, wenn sich noch Furcht und Haß die Waage hält, wenn sich Verlierer vor den Siegern beugen: nicht der Friede dieser Welt“ (Manfred Siebald).
Dankbar sein dürfen wir auch dafür, daß die Bibel uns immer wieder ermutigt, uns für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Sie ist eine Quelle der Ermutigung und des Trostes, ein Fundament der Hoffnung. Durch die Bibel ermutigt und tröstet uns Gott, der uns ja in den Streit dieser Welt gestellt hat, seinen Frieden zu verkünden, der nur dort beginnt, wo man, wie ein Kind, seinem Wort Vertrauen schenkt (Peter Strauch).
Dankbar dürfen wir sein, weil wir Frieden nicht selbst machen müssen. Es ist Gottes Geschenk, er spricht das Wort, das tröstet und befreit und das uns in seinen großen Frieden führt, weil er das Land aufschließt, das keine Grenzen kennt (Lothar Zenetti).
Liebe Gemeinde,
die Bibel kann Menschen in allen Sprachen und Kulturkreisen zum Frieden ermutigen. Dazu müssen die Menschen aber mit der Bibel und ihrer Botschaft bekannt gemacht werden. Darum gehört die Verbreitung der Heiligen Schrift zu den wichtigsten Aufgaben der christlichen Kirchen.
Wir wollen heute für die Verbreitung der Bibel beten, damit ihre Friedensbotschaft unter die Menschen kommt. Wir wollen dafür beten, daß die Bibel in der rechten Weise genutzt wird, damit ihre Friedensbotschaft etwas bewirken kann. Wir wollen dafür beten, daß Menschen den Herrn Jesus, den Friedensstifter, kennenlernen. Wir wollen dafür beten, daß die Bibel ihre Leser immer wieder ermutigt, sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.
Wir wollen auch ganz praktisch die Verbreitung der Bibel für ein Friedensprojekt unterstützen; unsere Kollekte kommt einem Projekt der Weltbibelhilfe im Sudan zugute, wo die Christen immer wieder erleben, daß Gottes Wort Frieden schenkt.
Solang es Menschen gibt auf Erden, solang die Menschen Worte sprechen, solang Gottes Wort zum Frieden ruft, solang hat Gott uns nicht verlassen (Dieter Trautwein). In Jesu Namen wollen wir danken für die Bibel und für ihre Friedensbotschaft.
Amen.
Gemeindelied „So lang es Menschen gibt auf Erden“ (EG 427,1-5)
Fürbitten
Jede Fürbitte schließt mit: „... wir bitten dich:“ - „Kyrie, Kyrie eleison“ (EG 178,12)
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Verbreitung der Bibel, damit ihre Friedensbotschaft unter die Menschen kommt
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Daß die Bibel in der rechten Weise genutzt wird, damit ihre Friedensbotschaft etwas bewirken kann
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Daß Menschen den Herrn Jesus, den Friedensstifter, kennenlernen
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Daß die Bibel Menschen ermutigt, sich für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen
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Für ein Bibel-Projekt im Sudan: Daß Gottes Wort Frieden schenkt
Vaterunser
Gemeindelied „Herr, wir bitten: Komm und segne uns“ (EG 565,1-5)
Sendung und Segen
Brüder und Schwestern, werdet nicht müde, das Gute zu tun!
Der Herr selbst aber, von dem aller Frieden kommt, schenke euch jederzeit und auf alle Weise seinen Frieden. Der Herr stehe euch allen bei!
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.
So segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen
Postludium
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