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matthäus 11 mt 11 joch

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Christlicher Glaube - Andachten und Predigten
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 05. Juni 2007 um 13:49 Uhr

Predigt zu Matthäus 11,28-30 ("Nehmt auf euch mein Joch"); gehalten im Juni 2006 in der Martin-Luther-King-Kirche (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde - Baptisten - Stuttgart-Zuffenhausen)

Predigttext

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanfdtmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Matthäus 11,28-30 (LB84)

Predigt

Liebe Gemeinde,

das Joch war bei den Juden in Israel zur Zeit Jesu ein weit verbreiteter Alltagsgegenstand. Es handelte sich dabei um einen Holzbalken oder hölzernen Rahmen, mit dem zwei Tiere – in der Regel Ochsen oder Rinder – vor einem Pflug oder einem Wagen mit verknoteten Stricken zusammengespannt wurden.

Das Gesetz des Mose verbot dabei, ungleiche Tiere, genau gesagt einen Ochsen und einen Esel, gemeinsam in ein Joch zu spannen ( 5. Mose 22,10 ). Zugleich durfte laut dem Gesetz ein Rind, das Gott geopfert werden sollte, nicht zuvor in ein Joch gespannt worden sein ( 4. Mose 19,2 ; 5. Mose 21,3 ).

In der Bibel kommt das Joch des öfteren vor. Dabei wird das Joch verschieden betrachtet: Das Joch, das Gott den Menschen auferlegt, nämlich seine Gebote und Weisungen, aber auch sein Wille für das Leben des Menschen, sind gut (vgl. Jeremia 2,20 ; Jeremia 5,5 ; Klagelieder 3,27 ), aber das Joch, das Menschen anderen auferlegen, vor allem, wenn es ungerecht ist, ist Sünde, und so fordert Gott durch den Propheten Jesaja, die freizulassen, auf die man ein Joch gelegt hat und jedes Joch wegzureißen ( Jesaja 58,6 ). Im Neuen Testament wird das jüdische Religionsgesetz dann als ein Joch betrachtet, das man nicht auf den Rücken der Gläubigen legen darf ( Apostelgeschichte 15,10 ; vgl. Galater 5,1 ). Zugleich soll man nach den Worten des Apostels Paulus nicht mit den Ungläubigen am fremden Joch ziehen ( 2. Korinther 6,14 ), sich also in Glaubensfragen anderen unterordnen. Paulus fordert die Christen aber trotzdem auf, sich der Obrigkeit unterzuordnen ( Römer 13,1-7 ), was nichts anderes bedeutet, als ein Joch auf sich zu nehmen.

Für die Juden – wie für alle Orientalen – war das Joch nicht nur ein Alltagsgegenstand, sondern immer auch ein beliebtes Bild: Ein Bild für die Herrschaft, etwa über ein Land oder Volk, oder auch dafür, daß eine schwere Last wie eine Herrschaft auf das Leben einer Person oder einer Familie drückt und ihr den Raum zum Leben nimmt, sie einschränkt. Jesu Zeitgenossen haben das Joch oft als Bild für zwei Lasten verwendet, die sie zu tragen hatten.

Die erste Last, die mit dem Bild des Jochs dargestellt wurde, war vor allem finanzieller Natur: Die Steuern, die die Juden zu zahlen hatten, für den Kaiser im fernen Rom, für ihre Landesherrn und für den Tempel in Jerusalem. Für viele Juden war dies eine äußerst schwere Last, ein Joch, das sie kaum zu tragen vermochten, und dabei empfand man vor allem die finanziellen Lasten, die durch die Steuern für den Kaiser in Rom entstanden, als ein Joch, das man gerne abgestreift hätte. Doch auch das Joch, Steuern an die Landesherrn zu zahlen, hätte man gerne zerbrochen. Und auch bei der Tempelsteuer fragte man sich, ob sie wirklich sinngemäß verwendet wurde.

Die zweite Last, die mit dem Bild des Jochs dargestellt wurde, war religiöser Natur: Das Gesetz des Mose mit all seinen Forderungen und all die Ausführungen der Schriftgelehrten und Pharisäer, die ebenfalls beachtet werden wollten.

Beides, die finanziellen wie die religiösen Forderungen, lasteten schwer auf Jesu Zeitgenossen, und nicht wenige wünschten sich, von diesen Lasten befreit zu werden, daß da jemand wäre, der das Joch zerbricht und ihnen die Freiheit schenkt. Wie oft haben sie da an Jesaja gedacht, durch den Gott sagte: „Laß los, die du mit Unrecht gebunden hast, laß ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“ ( Jesaja 58,6 ). Während sich manche Juden heimlich aus dem religiösen Joch befreit hatten, war es ungleich schwerer und gefährlicher, das finanzielle Joch zu zerbrechen; denn die Steuereintreiber sowohl im Dienste der Landesfürsten als auch des römischen Statthalters, die aus den Evangelien bekannten Zöllner also, achteten sehr genau darauf, wer ihnen etwas schuldig blieb und trieben die Schulden ein.

Einige jedoch wagten es, sich vor allem gegen die Römer zu erheben, wozu dann auch gehörte, Rom die Steuern schuldig zu bleiben, so etwa die Zeloten, von denen einer mit Namen Simon Zelotes – Simon der Eiferer – zu den Aposteln Jesu gehörte, während ein anderer Apostel, Matthäus, Steuereintreiber in Diensten Roms gewesen war. Unter dem Joch des Herrn Jesus kamen sozusagen beide zusammen: Der Zelot und der Zöllner.

Nicht wenige Juden haben vom versprochenen Retter, dem Messias erwartet, daß er das Joch Roms zerbricht, daß er sein Volk in die Freiheit führen würde, so daß sie nie mehr in ein Joch, ganz gleich welches, gespannt würden.

Jesus hätte sicherlich viel Beifall bekommen, wenn er genau das versprochen hätte: „Kommt her zu mir! Ich bin gekommen, jedes Joch zu zerbrechen und alle zu befreien, die unter einem Joch sind! Ich nehme alle Lasten von euren Schultern, bei mir müßt ihr auch nichts lernen!“ Dazu hätte er sich glatt auf Jesaja berufen können.

Doch Jesus ist nicht gekommen, um jedes Joch zu zerbrechen. Er kam nicht, um das Joch Roms zu zerbrechen, er kam auch nicht, um wenigstens die Landesherrn mit ihren unverschämten Steuerforderungen in die Schranken zu weisen, und er kam ebenfalls nicht, um die Tempelsteuer abzuschaffen. Schon gar nicht kam er, um die Gebote und Weisungen Gottes abzuschaffen, das Gesetz aufzuheben (vgl. Matthäus 5,17-19 ). Er sieht die Menschen unter einem Joch, das sehr viel schlimmer ist als die Lasten Roms, der Landesherrn und des Tempels oder auch des Gesetzes.

Er sieht die Menschen unter dem Joch der Sünde: Sie vertrauen Gott nicht, sie rebellieren gegen ihn und seine Gebote, sie wollen sich nicht an seine Weisungen halten, sie sündigen gegen Gott und Menschen. Da ist nicht einer, der Gutes tut, sie sind alle Sünder, egal ob Arme oder Reiche, ob Zeloten oder Zöllner, ob Juden oder Heiden (vgl. Römer 3,22b-23 ). Jesus sieht diese Not, und er ist gekommen, um dieses Joch zu zerbrechen. Am Kreuz hat er das Joch zerbrochen. Er hat das Joch auf sich genommen, und dabei ist es zerbrochen. Der Herr Jesus ist zu groß für das Joch, weil er voller Liebe war.

Liebe Gemeinde,

bei uns Menschen ist es mit dem Joch so eine Sache. Gerne wollen wir anderen ein Joch auferlegen. Manchmal mit guten Absichten, wohl häufiger aus bösen Motiven. Und obwohl so ein Joch für zwei ist, sind wir nicht bereit, dann auch unseren Platz neben den anderen einzunehmen, die Lasten, die wir anderen auferlegen, mitzutragen.

Und zugleich, rebellieren wir gegen jedes Joch, das man uns auferlegen will, ganz gleich, was für ein Joch das ist. Wir wollen selbst Freiheit, Freiheit von allen Zwängen und Vorschriften und Abgaben und Einschränkungen. Und gerade diese Rebellion ist selbst nichts anderes als ein Joch, weil sie uns zwingt und treibt, uns zu Worten und Taten zwingt, die viel Leid verursachen. Sie zwingt viele Menschen unter ein grausames Joch, sowohl uns selbst als auch die Menschen um uns herum.

Jeder Mensch steht und geht unter einem Joch, ob er das will oder nicht. Der Staat, die Mächtigen, die politischen und religiösen Führer, unsere Vorgesetzten – sie alle legen uns auch Joch auf. Und mit unserer Sünde und unserem verhängnisvollen Streben nach Freiheit um jeden Preis, wir selbst legen uns das schwerste, das grausamste Joch auf.

Der Herr Jesus nun lädt uns, die wir mühselig und beladen sind, ein, zu ihm zu kommen. Er will das Joch, unter dem wir zusammenzubrechen, nicht zerbrechen. Er bietet uns ein größeres Joch an, ein Joch, das einerseits sanft und leicht ist, andererseits so groß, daß nicht nur wir selbst, sondern auch all unsere Lasten darin Platz finden. Unter dem Joch Jesu werden all die Lasten dieser Welt nicht verschwinden, aber leichter zu tragen.

Liebe Gemeinde,

halten wir uns vor Augen, daß es hier um einen Zweierjoch geht. In dem Joch, das wir auf uns nehmen sollen, sind wir nie allein, sondern Jesus ist immer bei uns. Es ist sein Joch, weil er nämlich nicht derjenige ist, der das Joch führt, sondern weil er vielmehr das Joch zuerst auf sich genommen hat. Wenn wir sein Joch auf uns nehmen, werden wir an Jesu Seite gehen, und wir brauchen keine Angst zu haben, daß er sich je von diesem Joch befreien wird. Der Herr Jesus ist treu, wir können uns auf ihn verlassen.

Unter seinem Joch, an seiner Seite, finden wir mit all unseren Lasten und Mühen Raum, um Erquickung, um Ruhe zu finden. Ruhe bedeutet im Sprachgebrauch der Bibel nicht: Untätigkeit, Schicksalsergebenheit, sondern ganz im Willen Gottes sein, in der Gnade Gottes geborgen sein, an dem Herrn Jesus hängen, eins sein mit ihm, in der Verbindung mit ihm wirken und handeln, in seiner Kraft Lasten tragen und Mühen bewältigen.

Der Herr Jesus lädt uns ein, „ja“ zu ihm zu sagen, zu seinem Wesen, das sanftmütig und von Herzen demütig ist (vgl Jesaja 53 ), zu seinen Geboten, und er will uns mit unseren Lasten und Mühen helfen. Er nimmt sie nicht weg, aber er trägt uns und unsere Mühen und Lasten.

Liebe Gemeinde,

ich glaube, daß der Herr Jesus von uns erwartet, daß wir Menschen helfen sollen, die Lasten zu tragen haben. Das Joch Jesu auf uns zu nehmen bedeutet, daß wir anderen helfen mit ihrem jeweiligen Joch, unter dem sie leiden, mit all ihren Lasten, die sie zu tragen haben, mit ihren Mühsalen, die sie bedrücken.

Jedes Joch ist ein Zweierjoch. In jedem Joch ist Platz für zwei. Und so, wie der Herr Jesus zu uns in unser Joch gekommen ist und bei uns ist und uns hilft, so sollen wir zu anderen in ihr Joch kommen, ihnen beistehen.

Das ist auch das, was Paulus meint, wenn er der Gemeinde in Philippi schreibt: „Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt“ ( Philipper 2,5-7 ).

So unter uns gesinnt zu sein, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht, heißt: Keiner soll je alleine in sein Joch gespannt sein. Wir nehmen die Lasten der anderen auf unsere Schultern, tragen daran miteinander. Wir können nicht jede Mühe, jede Last aus der Welt schaffen. Aber wir können mittragen.

Amen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 09:44 Uhr
 
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