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Was bedeutet Taufe? Sollte man Kinder taufen oder nur Erwachsene? Soll man Christen, die als Kinder getauft worden sind, noch einmal taufen, wenn sie zum Glauben gekommen sind? Gehören Taufe und Kirchenmitgliedschaft zusammen?
Die Bibel kennt verschiedene Formen der Taufe; ich möchte mich an dieser Stelle auf die Wassertaufe beschränken, die von den meisten Kirchen praktiziert wird, entweder in Form der Unmündigen- bzw. Kindestaufe oder in Form der Mündigentaufe. Dabei geht es mir vor allem um zwei Fragen, nämlich erstens um die Verbindung von Taufe und Kirchenmitgliedschaft und zweitens um die gegenseitige Taufanerkennung.
Ich selbst bin Baptist, gehöre also zu einer Kirche mit täuferischer Tradition, in der nur Mündige getauft werden. Wer übrigens glaubt, die Baptisten hätten eine einheitliche Tauflehre, der irrt - wenn sich drei Baptisten treffen, kann man vier Meinungen über die rechte Taufe hören.
Es ist meine feste Überzeugung, daß in der Taufe das Handeln Gottes und das Handeln der Menschen zusammenkommen. Gott hätte sicherlich das Taufen ganz in seine eigenen Hände nehmen können - eine reine "Geistestaufe" etwa -, aber es hat ihm gefallen, diese seine Taufe in die Hände von irrenden, sündigen Menschen zu legen. Er hat es dabei auf sich genommen, daß diese Menschen die Überlieferung und Deutung der Tauflehre verkürzen.
Was sich heute in den verschiedenen Kirchen an Tauflehren herausgebildet hat, unterliegt meines Erachtens solchen Verkürzungen. Dennoch ist und bleibt auch eine solch verkürzt überlieferte und gedeutete Taufe Gottes Taufe.
Mündigen- oder Unmündigentaufe?
Vorweg eine Klarstellung, die mir als Baptist wichtig ist: Wenn wir Baptisten die Kindertaufe ablehnen, dann nicht, weil es eine lutherische, katholische, reformierte, orthodoxe oder sonst eine Taufe ist. Nicht, daß hier eine andere Kirche tauft, stellt sich für uns als Problem dar, nicht daß es lutherischer oder katholischer Pfarrer ist, ist Hintergrund unserer ablehnenden Haltung zur Unmündigentaufe. Jede Taufe, die von lutherischer, katholischer, reformierter... Seite nach einem Glaubensbekenntnis und durch Untertauschen vorgenommen wird, ist eine Taufe, die wir Baptisten anerkennen. Wir würden freilich auch eine baptistische Taufe, der kein Glaubensbekenntnis vorausgeht oder die nicht durch Untertauschen erfolgt, ablehnen. Manch ein Baptistenkind ist von den Eltern zur Taufe gedrängt worden, ehe es wirklich ein "Ja" zur Bitte des Herrn Jesus hatte, sich mit Gott versöhnen zu lassen. Manche dieser Kinder fanden später zum Glauben und wurden dann auf das Bekenntnis ihres Glaubens hin getauft. In dieser Hinsicht sind wir also eindeutig - nicht das Prädikat "baptistisch" läßt uns eine Taufe anerkennen, sondern allein die Frage nach der Mündigkeit (der Fähigkeit, den Glauben zu bekennen) und die Frage nach dem Untertauchen.
Wenn freilich das Glaubensbekenntnis oder das Untertauchen etwa infolge von Krankheit oder Behinderung nicht möglich ist, so steht das einer gültigen Taufe nicht grundsätzlich im Weg - manch eine baptistische Taufe ist durch Besprengung statt durch Untertauschen erfolgt, und die Taufe etwa von Behinderten hat ebenfalls Antworten gefunden.
Die meisten Baptisten sagen, daß die Bibel nur die Mündigentaufe kennt, und das ist insofern richtig, als daß alle Beschreibungen, die wir von Taufen im Neuen Testament haben, nur Erwachsene nennen. Eine ausdrückliche Kindestaufe wird an keiner Stelle erwähnt. Allerdings haben wir auch kein Gebot, daß eben nur Mündige zu taufen wären und Kinder nicht, und die vorhandenen Bibelstellen so zu interpretieren, bedeutet meines Erachtens, sich auf dünnem theologischen Eis zu bewegen.
Umgekehrt haben wir auch kein Gebot, Kinder zu taufen. Auch hier scheint sich mit jede theologische Begründung auf eher dünnem Eis zu bewegen. Natürlich haben wir die Gnade Gottes, die schon wirkt, ehe wir überhaupt im Mutterleib gebildet werden. Von hier aus eine Verbindung zur Taufe von Unmündigen zu ziehen, scheint mit doch recht weit hergeholt.
Alles, was wir haben, sind Gebote, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Was die Kirchen sowohl mit Unmündigen- als auch Unmündigentaufe daraus gemacht haben, ist zu einem guten Stück "Menschenwerk". Das aber sollte uns nicht erschrecken oder gar vor dem Taufen zurückschrecken lassen.
Ich glaube, daß in der Ökumene beide Formen der Taufe gut nebeneinander bestehen können. Ich möchte keiner Kirche Vorschläge unterbreiten, wie sie am besten tauft. Gott hat nun einmal seine Taufe uns irrenden, sündigen Menschen anvertraut, er geht nun einmal die Gefahr ein, daß es zu Verkürzungen der Überlieferung und Deutung kommt. Wir dürfen hierbei gelassen bleiben, ein jeder sich seines Glaubens gewiß. Lassen wir also die einen Kirchen auch Unmündige taufen und die anderen nur die Mündigen.
Aus pastoraler Sicht sei aber darauf hingewiesen, daß die Erinnerung an die eigene Taufe eine sehr wichtige Erinnerung, gerade in Krisenzeiten, sein kann. Viele als Mündige Getaufte haben die Erinnerung an ihre Taufe als wertvollen Schatz in ihrem Glaubensleben.
Taufe durch Besprengen oder Untertauchen?
Die Kirchen in täuferischer Tradition taufen meist durch das Untertauchen des Täulings im Baptisterium, die anderen Kirchen durch das meist dreimalige Besprengen mit Wasser aus dem Baptisterium.
Für die Frage, was denn nun die richtige Form sei, gilt vieles von dem, was ich im vorigen Abschnitt gesagt habe. Natürlich haben wir in der Bibel ausdrückliche Erwähnungen von Taufen durch Untertauchen. Wir haben aber kein ausdrückliches Verbot von Taufen durch Besprengen. Das Taufen durch Untertauchen entspricht aber eher dem Bild vom "gestorben und begraben mit Jesus Christus" (
Römer 6,3
). Wo immer möglich, empfehle ich die Taufe durch Untertauchen. Ich glaube aber nicht daß diese Form zwingend ist.
Taufe als Eintrittskarte in die Gemeinde?
Obwohl ich die Begründungen kenne, warum Taufe und Kirchenmitgliedschaft zusammengehören (und wir Baptisten dieses Zusammengehören vor allem mit Blick auf
Apostelgeschichte 2,41
sehr stark betonen), sehe ich es skeptisch, wenn man die Taufe gewissermaßen als eine Eintrittskarte in die Kirche bzw. Gemeinde sieht, vor allem, wenn damit eine bestimmte Form der Taufe verbunden wird. Hier wird meines Erachtens sowohl die Deutung der Taufe als auch die Deutung der Kirchenmitgliedschaft verkürzt.
Darf oder muß man als Unmündige Getaufte noch einmal taufen?
Dies ist natürlich der ganz große Streitpunkt zwischen den Kirchen mit verschiedenen Tauflehren.
Ein Punkt, der in den Diskussionen meist zu kurz kommt, ist die Gewissensfrage von als Unmündigen Getauften, die, nachdem sie ihren Glauben bewußt entdeckt haben, ob sie eigentlich "richtig" getauft sind, auch wenn sie ansonsten uneingeschränkt "Ja" zu ihrer Kirche sagen und nicht an einen Wechsel in eine baptistische Kirche denken. Diese Gewissensfrage geht in dem lauten Streit der Kirchen meist unter, dabei sollte sie viel mehr zu Gehör kommen, viel mehr Beachtung finden.
Ein anderer Punkt ist freilich die Frage, ob ein als Unmündiger Getaufter, der in eine baptistische Kirche wechseln möchte, dann noch einmal getauft werden muß bzw. darf. Viele baptistische Kirchen verlangen die Mündigentaufe, ehe sie einer Mitgliedschaft zustimmen. Die Mitglieder nicht baptistischen Kirchen sehen darin freilich eine Wiedertaufe oder gar eine Widertaufe, was wiederum die Mitglieder baptistischer Kirchen verletzt.
Auf der Strecke bleibt dabei meist der als Unmündiger Getaufte.
Wir sollten akzeptieren, daß diese Situation ein menschengemachtes Tohuwabohu darstellt, für das die Bibel zwar beiden Seiten hervorragend als Steinbruch dienen kann, daß wir aber einen Weg finden müssen, diese Situation zu überwinden.
Erst einmal möchte ich den baptistischen Kirchen vorschlagen, das Gewissen des betreffenden Christen zu respektieren. Gerade durch die Verbindung von (baptistischer) Taufe und Kirchenmitgliedschaft wird ein Druck aufgebaut, der nur schädlich sein kann. Wer als Mündiger die Taufe, die an ihm erfolgt ist, als er noch unmündig war, bejahen kann, der sollte auf das Bekenntnis seines Glaubens hin ausgenommen werden und fortan als ein getaufter Christ gelten (und nicht etwa als "trockener Baptist"). Hier kann uns Baptisten die Praxis der uns nah verwandten Freien Evangelischen Gemeinden ein Vorbild sein.
Es bleibt ohnehin immer die Frage, ob auch wir, die wir als Mündige getauft wurden, da wirklich hundertprozentig "mündig" waren, ob wir wirklich den "perfekten" Glauben hatten. Auch nach einer ersten Entscheidung für den Herrn Jesus entwickelt sich der Glaube eines Christen weiter, manch eine "erste Entscheidung" entpuppt sich im Nachhinein als eine vielleicht eher emotionale, vielleicht aber auch rein rationale Angelegenheit. Wir sollten die "Mündigkeit" als Taufeignung, das "rechte Glaubensbekenntnis" nicht zu hoch hängen. Wer sind wir, daß wir beurteilen können, wann der richtige Glaube für die Taufe da ist? Der Glaube steht nicht zu unserer Verfügung, und im Leben des Gläubigen gibt es keinen Status quo des Glaubens. Viele Baptisten sprechen nicht darüber, aber auch sie haben sich, nachdem sie durch die Gnade Gottes einen neuen großen Glaubensschritt getan haben, gefragt, ob sie vorher eigentlich für eine "Glaubenstaufe" ausreichend geglaubt haben.
Dann möchte ich den nicht baptistischen Kirchen vorschlagen, die Mündigentaufe eines schon als Unmündigen Getauften nicht als "Wiedertaufe" zu betrachten, sondern als Tauferinnerung, nicht als zweite Taufe, sondern gewissermaßen als einen weiteren Schritt, nicht zu einem besseren, gläubigeren, mündigeren Christen, sondern als einen Schritt, der für das Gewissen wichtig ist. Auch hier sollte das Gewissen des betreffenden Christen beachtet werden. Ich halte es freilich für sinnvoll, wenn - vielleicht auch in Zusammenarbeit mit den baptistischen Kirchen - eine etwas "trockenere" Form einer "mündigen Tauferinnerung" gesucht wird. Legitim ist es freilich auch, wenn im Gespräch mit dem betreffenden Christen und der baptistischen Kirche eine Möglichkeit gefunden wird, die volle Mitgliedschaft bei den Baptisten auch ohne Mündigentaufe zu ermöglichen.
Es ist wichtig, daß die baptistischen und die nicht baptistischen Kirchen über diese Fragen miteinander sprechen. Wirklich überwinden können wir die Trennung nur gemeinsam, und das wird nur gehen, wenn beide Seiten bereit sind, sich auf den Weg zu machen.
Letztlich, davon bin ich überzeugt, ist die Taufe für den Menschen da - nicht umgekehrt. Es ist ein Skandal, daß die Kirchen gerade über das Thema "Wiedertaufe" nicht zu einer Einigung kommen und jede Seite auf "ihrer" Taufe besteht, obwohl es doch die Taufe Gottes ist, der will, daß allen Menschen geholfen wird.
Einer trage die Last des anderen - wir müssen den Taufstreit als eine Last erkennen, die wir, um das Gesetz Christi zu erfüllen, gemeinsam tragen müssen. Dafür müssen sozusagen beide Seiten Wasser aus ihrem Baptisterium ablassen, aber es geht um ein Ziel, daß ungemein wichtig ist - und das wir mit der Gnade Gottes gemeinsam erreichen können.
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