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Wenn man mich fragt, welche Eigenschaften für den deutschen Baptismus am Wichtigsten sind, dann werde ich ohne zu zögern antworten: Das Eintreten für die allgemeine Religionsfreiheit, für die Trennung von Staat und Kirche und die Mission.
Seit rund 175 Jahren gilt für die deutschen Baptisten der Satz Johann Gerhard Onckens: "Jeder Baptist ein Missionar". Die Mission kann als die vordringlichste Aufgabe der Baptisten gelten - sowohl jedes einzelnen Baptisten als auch jeder Gemeinde und jedes baptistischen Zusammenschlusses.
Für uns Baptisten ist es nie eine Frage, ob wir missionieren, sondern wie wir das tun.
In den letzten rund 175 Jahren, seitdem es in Deutschland Baptisten gibt, hat sich das MIssionsverständnis, die Missiologie (Lehre von der MIssion) natürlich gewandelt. Und auch heute existieren verschiedene baptistische Missionsverständnisse mehr oder weniger friedlich nebeneinander her.
Für mich persönlich drückt sich das Wirken der Mission am besten in dem aus, was die neoevangelikale Missiologie als "Konvivenz" bezeichnet. Ursprünglich meint dieser Begriff nachbarschaftliches Leben in eher dörflichen Strukturen Lateinamerikas.
Die drei Kernelemente der Konvivenz sind: Einander helfen - voneinander lernen - miteinander feiern.
Sie speisen sich aus der Art und Weise nachbarschaftlichen Lebens, das Jesus uns vorgelebt hat - und sie verzichten auf jede Form der MIssion, die andere überzeugen oder gar drängen will, die "Gemeindemitglieder machen" oder das Taufregister aufüllen will.
Überzeugen kann ohnehin nur Gott allein; der konvivenzielle Missionar kann immer nur ein Zeuge sein - ein Zeuge von dem, was Gott in seinem Leben getan hat. Also auch kein Anwalt Gottes (sei es nun der moralinsaure Staatsanwalt Gottes oder der apologetische Verteidiger Gottes), sondern nichts anderes als ein Zeuge, dessen einziges Thema die von Gott gewirkten Veränderungen in seinem Leben sind.
Vor allem aber geht es bei einer konvivenziellen Mission um die drei "Einanders", um das einander helfen, um das voneinander lernen, um das miteinander feiern. Ob Christen sündigen oder nicht, hängt auch davon ab, ob sie konvivenziell leben oder nicht. "Sünde" ist keine moralische Kategorie, sondern hängt davon ab, ob helfende, lernende und feiernde Gemeinschaft gelingt oder nicht. Denn in Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen zu leben ist unser Ziel, dafür sind wir nach christlicher Überzeugung geschaffen. Wer in gelingender Gemeinschaft lebt - gerade auch mit den Armen und den Schwachen und den Ausgestoßenen und den Kranken und den Huren, Sündern und Zöllnern und nicht zuletzt mit seinen Feinden und Verfolgern -, dem ist alles rein und nichts kann ihm Sünde sein.
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