"Es klingelt an der Haustür. Ich öffne und stehe einem Mann
gegenüber. Mitte fünfzig. Graues Haar. Trenchcoat. Staatssicherheit!,
durchfährt es mich wie ein Blitz. Unsinn. Das ist doch vorbei. Gott sei
Dank! »Erinnern Sie sich an mich?«, fragt der Herr. »Ich war
Ihr Schuldirektor.«. »Ich kann mich sehr gut erinnern«, sage
ich leise.
Eine Begegnung, die Ingrid Ebert in die Gauck-Behörde und schließlich
zurück nach Hause zu ihren Tagebüchern führt. Seit sie vierzehn
ist, hat sie ihre Erlebnisse, Gedanken und Träume aufgeschrieben.
Während andere sich lieber nicht erinnern, ist ihr alles gegenwärtig:
die Schulzeit, [...] ihre Arbeit als Lokalredakteurin, Heirat, Kinder,
Freundschaften und Abschiede - und dann der Mauerfall, der auf alles ein
neues Licht wirft.
Ein Tagebuch voller Wärme, Humor und Gottvertrauen, das Leser in Ost und
West nicht loslassen wird."
Das Buch enthält Auszüge aus Ingrid Eberts Tagebuch; es beginnt
damit, daß ihr ehemaliger Schulleiter von
ihr die Bestätigung haben will, daß zu DDR-Zeiten niemandem wegen
seines Glaubens oder seiner politischen Anschauung Steine in den Weg gelegt
wurden. Frau Ebert erzählt von ihrem Leben als Christin in einem
sozialistischen Staat, vonn all den Schwierigkeiten, ie das mit sich bringt -
trotz sehr gutem Abitur nicht studieren dürfen, jede Menge Schwierigkeiten
bei der Berufswahl und später im Beruf, bei der Jugendarbeit in der
Gemeinde und so weiter. Fast unvorstellbar für mich als
"Wessi"... Sie berichtet aber auch von vielen schönen oder
lustigen Ereignissen - und davon, wie Gott ihr immer zur Seite stand.
Bewundernswert finde ich ihren Einsatz für andere Menschen sowie die
intensive missionarische Gemeindearbeit und den Zusammenhalt zwischen den
verschiedenen Konfessionen.
Wer schon immer mal wissen wollte, wie es in der
DDR zuging, und sich nie zu fragen traute, ist hier richtig.
Auch Frau Ebert hat - wie Diet Eman - an dem "Genießerwochenende für Bücherfreunde" vorgelesen und erzählt, und wir kamen aus dem Lachen kaum heraus. Sie hat eine wunderbare Art zu erzählen; ihr Humor läßt sich nicht unterdrücken, obwohl der Schrecken und das Mißtrauen vor dem Bespitzelt-Werden sehr deutlich wird. Ihr Bericht von dem Versuch der Stasi, sie zur Mitarbeit zu bewegen, ist so ein Beispiel. Sie mußte selbst beim Erzählen lachen, schien mir, aber die Angst war auch spürbar. Das Buch endet damit, daß Frau Ebert ihre Stasi-Akte einsieht, daß viele Verletzungen und Ängste wieder aufreißen, daß sie sich aber doch entschließt, mit der Vergangenheit abzuschließen - soweit das eben geht.
Ingrid Ebert eine faszinierende Frau, und ich bin sehr dankbar, daß ich ihr an diesem Wochenende begegnen und mich mit ihr unterhalten durfte.
Gebunden, 192 Seiten, 2001 (Oncken / Haan), ca EUR 12,90 - weitere Infos bei Amazon.de