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Sollten Christinnen sich verschleiern? PDF Drucken E-Mail
Kopftuch und Schleier - Kopftuch und Schleier im Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 02. Oktober 2008 um 17:24 Uhr
Beitragsseiten
Sollten Christinnen sich verschleiern?
Geschichte der Verschleierung
Multikulti oder Monokultur?
Vorurteile gegen den Schleier
Wider den Schleier
Der Schleier als Symbol
Argumente gegen den Schleier
Argumente für den Schleier
Was können Sie erwarten?
Kopftuch, Schleier oder Burqa
Tipps
Mission
Epilog
Alle Seiten

Sollen christliche Frauen Kopftuch tragen oder sich sogar verschleiern? Sollte es eine "Kleiderordnung" für Christinnen geben, die sich an der Tracht von Nonnen oder gar der Kleidung muslimischer Frauen orientiert?

Dieser Artikel schaut besonders auf die Frage, ob sich christliche Frauen verschleiern sollten, um das Zusammenleben von Christen und Muslimen im Allgemeinen und von Christinnen und Muslimas im Besonderen zu verbessern. 

Es werden Vorurteile über den Schleier und über verschleierte Frauen behandelt, Argumente der Kämpfer gegen den Schleier beleuchtet, Gründe für und gegen die Verschleierung christlicher Frauen besprochen.

Sollten Christinnen sich verschleiern?

Prolog

Mit diesem Artikel greife ich ein Thema auf, das (nicht nur) unter Christen umstritten ist wie kaum ein anderes. An anderer Stelle habe ich mich bereits unter der Überschrift "Paulus und der Schleier" ausführlich mit einem Aspekt dieses Themas befaßt (und dabei sehr viele Leser gefunden), aber hier geht es um etwas anderes - dort steht die Auslegung einer umstrittenen Bibelstelle zur Frage der Verschleierung einer vor der Gemeinde stehenden Prophetin oder Beterin im Mittelpunkt, hier die alltägliche Verschleierung einer christlichen Frau, ein Thema, zu dem das Neue Testament nichts aussagt (und auch das Alte Testament keine Gebote aufstellt).

Am Anfang steht die Frage: Sollte ein Mann dazu überhaupt etwas schreiben? Das ist natürlich immer so eine Sache. Dieser Artikel steht ja in einer Kategorie meiner Home Page mit der bewußt provozierenden Überschrift, "den Frauen aber sage ich...". Nun, solange ich mich gegen die Schleierpflicht im Gottesdienst, gegen eine Unterordnung der Frau, gegen ein Lehrverbot für Frauen und gegen ein Schweigegebot ausspreche, hält sich der Protest eher in Grenzen. Dieser Artikel wird allerdings ein eingeschränktes "Ja" zur Frage, ob sich christliche Frauen im Alltag verschleiern sollten, anbieten (und ein entschiedenes "Nein" zu allen Vorurteilen und Attacken gegen die Verschleierung von Frauen). Ich weiß, daß ich mit Protest zu rechnen habe, nicht nur aus dem liberalen Lager, sondern auch aus dem evangelikalen und dem charismatischen, von Männern und diesmal vor allem von Frauen.

Ich könnte natürlich einen Alibi-Absatz zur Kleidung christlicher Männer und, wenn ich gerade dabei bin, zur Frage des männlichen Blickes angesichts attraktiver oder verführerisch zurechtgemachter Frauen schreiben.

Aber ich mache es mir einfacher und verzichte auf jede Entschuldigung dafür, daß ich als Mann etwas über die Frage der Kopfbedeckung bzw. Verschleierung christlicher Frauen sage. Letztlich sollen die dargebotenen Argumente sprechen, nicht das Geschlecht des Verfassers.

Die nächste Frage lautet, ob wir als Christen nicht wichtigere Themen zu behandeln haben als ausgerechnet die Frage, ob sich christliche Frauen nun ein Kopftuch aufsetzen oder gar einen Schleier tragen sollen. Nun, ich werde im Folgenden einige Argumente gegen und für die Verschleierung anbieten - dann mag aufgrund der Argumente jede Leserin und jeder Leser selbst entscheiden, wie wichtig ihm dieses Thema ist. 

Noch ein Hinweis zum Verständnis: Meistens schreibe ich vereinfacht von der Verschleierung und meine damit jede Form der Kopfbedeckung: Das einfache Kopftuch, den auch Schultern und Oberkörper bedeckenden Schleier oder den Gesichtsschleier bzw. Vollschleier (auf das einfache Häubchen gehe ich nur am Rande ein). Wenn ich ausdrücklich eines dieser drei Kleidungsstücke meine, nenne ich es bei der jeweils korrekten Bezeichnung. 

Der Leser dieses Artikels über die Frage nach der Bedeutung des Schleiers für die Frau im Christentum wird feststellen, daß ich immer wieder auf muslimische Frauen zu sprechen komme. Diese beiden Bereiche lassen sich in keinster Weise trennen, da es zu viele Berührungspunkte in Geschichte und Gegenwart, in Theorie und Praxis gibt. Zudem ist es mir wichtig, mich für Muslimas und ihre Rechte (Religionsfreiheit, kulturelle Selbstbestimmung, Respekt...) einzusetzen - da kann ich einfach nicht schweigen. 

Da in Deutschland heutzutage die meisten im Alltag verschleierten Frauen Muslimas sind, steht dieser Artikel in besonderer Weise unter der Frage, ob und wie die Verschleierung christlicher Frauen das Zusammenleben von Christen und Muslimen, besonders von christlichen und muslimischen Frauen verbessern kann.

Einführung

Verschleierte Frauen - was ist eigentlich so besonderes an ihnen, daß nur wegen eines Stückes Stoff immer wieder Emotionen hochkochen, vor allem, wenn nicht nur der Kopf bedeckt ist, sondern die Haare spurlos unter dem Tuch verschwinden oder gar das Gesicht teilweise oder zur Gänze bedeckt ist?

Eigentlich ist jede Debatte rund um Kopftuch und Schleier eine überflüssige Debatte - und doch hat jeder eine Meinung dazu. Es ist eine immer wieder politische Debatte, es spielen viele Faktoren eine Rolle, die für Psychologen wohl sehr interessant wären; denn viele Argumente in der Schleierdebatte, vor allem auf Seite der Schleiergegner, sagen mehr über uns aus, als wir ahnen oder würden wahrhaben wollen. Diese Debatte ist mit Ängsten besetzt, die jede sachliche Auseinandersetzung sehr schwer machen. Hinzu kommen vielfältige Vorurteile, die tief in unserem Denken und Fühlen verwurzelt sind und unser Handeln verschleierten Frauen gegenüber stark bestimmen.

Wie schön wäre es, wenn wir verschleierten Frauen so begegnen könnten, daß ihr Tuch nicht im Mittelpunkt steht? Daß wir sie nicht auf diese paar Quadratzentimeter weißen, bunten oder schwarzen Stoffes reduzieren? Daß die verschleierte Frau nicht jedes Mal, wenn sie von Fremden angesprochen wird, sicher sein kann, wegen ihres Schleiers angesprochen zu werden? Oder in einer Du-nix-verstehen?-Sprache, weil man sich ja sicher ist, daß die Frau unter dem Tuch und mehr noch hinter dem Schleier gar kein deutsch versteht oder überhaupt ihren Kopf für etwas anderes verwenden kann, als ein Tuch darum zu wickeln?

Ich wünsche mir, daß wenigstens wir Christen dahin kommen, mit verschleierten Frauen unverkrampft umzugehen, ohne Ängste, ohne Vorurteile, ohne sie als "Kopftuchfrauen" oder gar "Schleiereulen" zu sehen, ohne sie auf ihr Kopftuch oder ihren Schleier zu reduzieren. Ich wünsche mir, daß wir im Gespräch mit ihnen den Schleier als das nehmen was er ist - ein paar Quadratzentimeter Stoff, über die jede Debatte eine überflüssige ist, wenn auchwichtig, weil viele von ihnen eben wegen ihres Schleiers Vorurteilen, Anfeindungen, Diskriminierungen usw. ausgesetzt sind.

Dafür ist es sicherlich ein wichtiger Schritt, daß wir uns selbst mit dem Schleier auseinandersetzen, der schließlich auch für Christen nicht völlig unbekannt ist. Dieser Artikel möchte dazu eine Hilfe sein, und er lädt ein, sich nicht nur in der Theorie mit der Verschleierung auseinanderzusetzen, sondern auch einmal darüber nachzudenken, welche Gründe eigentlich für und gegen die Verschleierung einer christlichen Frau sprechen, was man zu verlieren und was zu gewinnen hätte, welche Chancen sich ergeben und welche Gefahren.

 



Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 14:37 Uhr
 

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