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Von der Unterordnung PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - Den Frauen aber sage ich...
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 17. Juli 2009 um 02:00 Uhr

Erläuterungen zu 1. Mose 3,15-16 und Epheser 5,21-33

Zu den sicherlich schwierigsten Themen der Bibel gehört die Unterordnung der Frau unter ihren Mann. Die biblischen Aussagen darüber sind zu oft mißverstanden worden, und diese Mißverständnisse haben zu dunklen Kapiteln in der Geschichte von Judentum und Christentum geführt. Viele Menschen lehnen diese beiden Religionen heute nicht zuletzt wegen dieser dunklen Kapitel ab, da man nicht hinnehmen will, daß Frauen sich den Männern zu unterwerfen haben.

Vorwort

Ich schreibe diesen Artikel (genauer: ich unterziehe die schon etwas angegraute, mittlerweile mindestens fünf Jahre alte Fassung einer umfassenden Überarbeitung) im Hinblick auf drei Zielgruppen, obwohl ich hoffe, da er vor allem von denen gelesen wird, die sich einfach nur für dieses Thema interessieren.

Die erste Zielgruppe sind diejenigen, die die Bibelstellen zur Unterordnung der Frauen immer wieder zur Polemik gegen das Christentum verwenden. Dies habe ich vor allem von atheistischer Seite erlebt, die damit gegen das Christentum polemisieren, aber auch von Seiten muslimischer Apologeten, die damit auf Anfragen wegen der Stellung der Frau im Islam antworten. 

Die zweite Zielgruppe bereitet mir mehr Kopfschmerzen - es sind diejenigen Christen, die, wie ich befürchte, eine sadomasochistische Neigung religiös verbrämen, eine aus moralischen Gründen unterdrückte Neigung "taufen" und mit biblischem Segen ausleben wollen, zwar ohne Fesseln und Peitschen, aber doch wenigstens mit "Domination" und "submission".

Sadomasochistische Neigungen sind weit verbreitet, auch unter Christen. In ihrem 1990 veröffentlichten Buch "Lust an der Unterwerfung" verweist Sina-Aline Geißler auf eine Umfrage der Hamburger Sexualforscherin Elisabeth Roden, nach der "jede zweite Frau masochistische Tendenzen hat. Jede vierte dieser Frauen steht zu ihren Neigungen, doch nur jede fünfzehnte lebt sie auch aus". In christlichen Kreisen ist der Sadomasochismus weithin als Sünde verpönt und mindestens so schlimm wie die Homosexualität - dazu stehen oder es gar auszuleben, kommt da so gut wie nicht infrage. Die "Christianisierung" der "bösen" sadomasochistischen Neigung unter Verwendung beispielsweise der in diesem Artikel behandelten Bibelstellen verspricht der gequälten Seele einen "sauberen" Ausweg, ja sogar die "Heiligung" dieser Neigung.

Ich denke, es wäre besser, man würde seine sadomasochistische Neigung auch als Christ ausleben, statt sie mit frommer Tünche zu überziehen, was nichts als einen Mißbrauch der Bibel darstellt. Aber um die Frage, ob Sadomasochismus nun eine Sünde ist oder nicht, soll es hier nicht gehen - die biblische Unterordnung der Frau unter den Mann als Tarnung für eine unterdrückte sadomasochistische Neigung ist auf jeden Fall eine "Zielverfehlung", und das Wort "Sünde" meint in den Sprachen der Bibel genau das. Auf jeden Fall haben die biblische Unterordnung der Frau unter den Mann, nein: die biblische Unterordnung untereinander nichts mit Sadomasochismus zu tun. 

Die dritte Zielgruppe ist die problematischte. Ich denke, ich gehe nicht zu weit, wenn ich so manches, was in dem Bereich "Christentum und die Unterordnung der Frau" geschieht, als puren pathologischen Sadismus bezeichne, als endlose Demütigung und grenzenlose Erniedrigung der Frau. Die meisten "echten" Sadomasochisten gehen niemals so weit, wie manche Christen dies im Namen der Bibel tun. Sie kennen immerhin "Stopp-Wörter" und gewisse Vereinbarungen. Zudem ist es hier für gewöhnlich so, daß der submissive Part die Regeln festlegt und die Grenzen absteckt. Was ich in einigen Strömungen des konservativen Christentums erlebe, ist weit schlimmer als alles, was sich in "Dark Rooms" abspielen dürfte..

Was da jedenfalls geschieht, hat mit der biblischen Unterordnung nichts zu tun, und es ist tragisch, daß zur Verteidigung immer wieder auch die in diesem Artikel behandelten Bibelstellen herangezogen werden. 

Aber wie schon gesagt - ich hoffe, daß dieser Artikel auch über diese drei Zielgruppen hinaus Licht in die komplizierten Bibelstellen zum Thema "Unterordnung" bringen. Dabei möchte ich das umfangreiche Thema "die Stellung der Frau" ausschließlich nach der Bibel beleuchten. Wir lassen dabei die Entwicklung der Stellung der Frau in der Kirchengeschichte - eine erschreckende Entwicklung - außer Acht und konzentrieren uns allein auf die Bibel.

Die Christologie als Schlüssel

Der Schlüssel zum Verständnis der Bibelstellen zur Unterordnung der Frau bzw. der Herrschaft des Mannes liegt in der Christologie, und zwar in der Knechtschaft Jesu Christi. Obschon Gott in Christo ist, obschon also die Fülle der Gottheit in Christus leibhaftig ist, ist es doch eine verhüllte Herrlichkeit, ein armes Kind in der Krippe, ein Dulder am Kreuz, eine Knechtsgestalt. Nie ist der Herr Jesus ein "Schauwunder", sondern er bittet gerade vom Kreuz her, daß wir uns mit Gott versöhnen lassen. 

Die Ehe von Mann und Frau ist, wie Paulus in seinem Brief an die Christen in Ephesus schreibt, ein auf Christus und die Gemeinde zu deutendes Geheimnis ( Epheser 5,31f ). Die Knechtsgestalt Jesu soll sich in der Ehe von Mann und Frau in der Knechtsgestalt des Ehemannes wiederspiegeln. Das bedeutet, daß vor allen Dingen der Mann Knecht ist - wenn er über die Frau herrscht, dann ist es eine verhüllte Herrschaft und keine, die offen zu Tage tritt, es ist eine Herrschaft, die in der liebenden Hingabe des Mannes an seine Frau verankert ist.

Damit ist jede "Herrschaft" ausgeschlossen, wie sie unter den Menschen allgemein üblich ist. Es ist eine dienende Herrschaft, es ist Herrschaft durch Hingabe, es ist eine verhüllte Herrschaft. 

Die Bibel und die Unterordnung von Mann und Frau

"Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens! Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!" (1. Mose 3,15-16)

"Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als des Leibes Heiland. Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, [sie] reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei. So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes. `Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein'. Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute (sage) es auf Christus und die Gemeinde. Jedenfalls auch ihr - jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber, daß sie Ehrfurcht vor dem Mann habe" (Eph 5,21-33)

Diese beiden Bibelstellen sind die beiden wichtigsten Verse, die die Unteordnung der Frau zum Thema haben.

Mit anderen Theologen verstehe ich Epheser 5,21-33 als eine Auslegung zu 1. Mose 3,15-16. Auf jeden Fall ist die Erzählung aus Genesis von Paulus' Auslegung her zu lesen. 

Es gibt freilich noch weitere Bibelstellen zu diesem Thema, ich habe sie jedoch - mit kurzen Anmerkungen oder Links - als Anhang "Weitere Bibelstellen" hinzugefügt.

Die Auslegungen

Meine Auslgung von 1. Mose 3 nimmt den Text als Tatsachenbericht, aber das ist im Prinzip nicht zulässig; denn wir haben hier einen Text, der Antworten auf metaphysische Fragen (woher kommt die Sünde, woher der Tod?) in einem mythologischen Text transportiert. In diesem Falle nehme ich 1. Mose 3 jedoch als Tatsachenbericht, um mich Paulus und seinem Zugfang zu diesem Text anzunähern. 

Ob wir 1. Mose 3 nun wie in alten Zeiten als Tatsachenbericht nehmen oder als mythologischen Text - die Verpackung mag sich ändern, aber der geistliche Inhalt, die Schlüssellehren, die aus dem Text zu ziehen sind, bleiben in beiden Fällen gleich. Dennoch dürfen wir den mytholigischen Charakter von 1. Mose 3 nicht aus den Augen verlieren.

1. Mose 3,15-16 - Verlangen und herrschen

Wir dürfen den Vers 16 vom Verlangen und Herrschen nicht isoliert betrachten. Er gehört untrennbar mit Vers 15 zusammen, dem Fluchwort über die Schlange. Und beide Verse dürfen auch nicht isoliert betrachtet werden, sondern nur im Zusammenhang von 1. Mose 3, der Erzählung vom Sündenfall. Man lese also erst einmal dort den Text im Ganzen.

"Und Gott, der HERR, sprach zur Schlange: Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein unter allem Vieh und unter allen Tieren des Feldes! Auf deinem Bauch sollst du kriechen, und Staub sollst du fressen alle Tage deines Lebens! Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen. Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!"

Das Fluchwort wider die Schlange ist zugleich ein Segenswort für den Menschen. Die Schlange hat nur scheinbar über den Menschen triumphiert. Der Mensch kommt nicht vollends unter die Herrschaft der Schlange, wie diese vielleicht gehofft hat: "Ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau". Der "Tod", den die Schlange über den Menschen bringen wollte, trifft vor allem den Mann. Die "Erbsünde" wird über den Mann an seine Kinder weitergegeben, nicht über die Frau. Weil aber jedes Kind Vater und Mutter hat, ist auch jedes Kind von der Sünde, die durch Adams Sünde in die Welt kam, in Mitleidenschaft gezogen worden. Freilich ist auch die Frau - Eva - durch ihren Mann an die Sünde gebunden, aber nicht sie "vererbt" die Sünde.

Darum, weil Feindschaft herrscht zwischen der Frau und der Schlange, kann der Nachkomme der Frau - nicht aber des Mannes - der Schlange den Kopf zermalmen. Durch diesen "von der Erbsünde freien Kanal" konnte Gott selbst Mensch werden. Darum ist Christus, der den Menschen in allen Dingen gleich ist, frei von der Sünde - erst am Kreuz nimmt er die Sünde der Welt und den Fluch Gottes, die Gottverlassenheit, auf sich. Wäre Jesus nicht vom Heiligen Geist, sondern von einem Manne gezeugt worden, so wäre er nicht frei von der Sünde, nun aber konnte Jesus, wenn auch von einer der Sünde verhafteten Frau geboren, selbst ohne Sünde sein.

Wir sollten das nicht so verstehen, als seien die Frauen frei von der Sünde. Das ist keine Frau, und auch Maria, die Mutter Gottes, war nicht frei von der Sünde. Weil seit dem "ersten Adam" die Sündhaftigkeit des Menschen über den Mann "vererbt" wird, ist auch jede Frau mit der Sünde behaftet.

So, wie die Sünde seit dem "ersten Adam" über den Mann weitergereicht wird, so wird jener Same, der der Schlange den Kopf zermalmen wird, über die Frau weitergereicht. Das Leben wird über die Frau weitergereicht, obwohl sie es aus sich selbst nicht hervorbringen kann, doch der Tod wird über den Mann weitergereicht. Und so ist der Mensch, obwohl er doch die Hoffnung auf das Leben hat, dem Tode verfallen. Doch dann wurde Gott durch eine Frau Mensch, und mit diesem "Neuen Adam" kam endlich wieder das Leben in die Menschheit. Durch Jesus ist die Hoffnung Wirklichkeit geworden.

Gott konnte den Samen, der dem Nachkommen der Schlange den Kopf zermalmen würde, nicht über den Mann weiterreichen. Anders als die Kirchengeschichte in weiten Teilen trifft nämlich die Bibel das vernichtende Urteil über Adam, den Mann, daß durch ihn die Sünde in die Welt kam ( Römer 5,12 ). Wo man in der Geschichte von Judentum und Christentum immer der Frau die Hauptschuld gab, entspricht dies ganz und gar nicht der Bibel. Sie sagt unmißverständlich, daß durch "einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil (oder woraufhin) sie alle gesündigt haben".

Christus kam jedoch nicht durch einen Mann, sondern durch eine Frau in die Welt, er ist ihr Same und nicht der des Mannes. Darum mußte die Sünde Christus - obwohl er in Veruchung geführt werden konnte - nicht zwangsläufig überwinden, und Gott konnte Christus von den Toten auferwecken, da der Tod keine Vollmacht über Christus hatte und ihn nicht festhalten konnte.

Ist die Frau nun die Mittlerin des Heils? Kommt das Heil durch die Frau? Natürlich nicht; Paulus würde in bestem Lutherdeutsch sagen: Das sei ferne. Durch den einen Menschen kam die Sünde in die Welt - Welt meint nicht den unbeseelten Kosmos, sondern die Menschheit seit Adam -, durch die Sünde kam der Tod in die Welt und ist zu allen Menschen durchgedrungen. Die Frau ist ebenso wenig frei von der Sünde wie der Mann und darum dem Tode ebenso verfallen wie der Mann. Das Heil liegt nicht in der Frau, sondern in ihrem Samen, und der ist Christus, das Kind, das "sie" geboren hat. Nicht die Frau ist die Mittlerin des Heils, sondern Jesus Christus, denn ein anderer Mittler ist nicht zwischen Gott und Mensch als der Mensch gewordene Sohn Gottes Jesus Christus, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von einer Frau.

Dies steckt hinter dem Vers 15: "ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse zermalmen". Der Same ist Christus. Am Kreuz hat der Teufel scheinbar über Christus triumphiert und ihm "die Ferse zermalmt", doch nach dem scheinbaren Triumph des Teufels, nach er Gottverlassenheit und dem Tode Jesu, hat Gott durch die Auferweckung Christi über den Teufel triumphiert, hat "ihr Same" ihm "den Kopf zermalmt". (Hier sei ein kleiner christologischer Hinweis erlaubt: In dieser Bibelstelle haben wir also nicht nur den ersten Hinweis in der Bibel auf den Messias Jesus, sondern auch darauf, daß er leiden muß (vgl. auch 1. Mose 3,21 - die Felle setzen den stellvertretenden Tod voraus und weisen darum auf den Opfertod Jesu hin -, Psalm 22 ; Jesaja 53 ).

Was soll nun aber der Vers 16: "Zu der Frau sprach er: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaft, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!"?

Wenn wir uns die Vorgeschichte ansehen, erkennen wir einige interessante Fakten, die wir teilweise schon gesehen haben, die ich aber hier noch einmal erwähne:

  1. Dem Manne wird gesagt, daß er nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen soll. Dieses Gebot ist dem Manne gegeben worden, und es gibt keinen biblischen Beleg, daß der Mann seiner Frau von diesem Gebot erzählte oder daß Gott der Frau von diesem Gebot erzählte. Wir erfahren allerdings, daß die Frau wußte, daß sie und der Mann nicht von dem Baum essen sollten - interessant ist aber, was Eva genau sagt: von den Früchten, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt sie nicht berühren, damit ihr nicht sterbt! Soweit wir es wissen, hat Gott das mit dem nicht Berühren nicht gesagt. Hat Adam und seine Frau falsch informiert, oder hat sie das Gebot Gottes selbst erweitert?

  2. Manchmal wird angenommen, die Frau habe mit ihrem Verhalten gegenüber der Schlange gegen die "schöpfungsmäßige Vorherrschaft des Mannes" verstoßen, die sich daraus ergeben soll, daß er zuerst geschaffen wurde. Aus der Bibel läßt sich eine solche Vorherrschaft des Mannes freilich nicht ableiten - gerade der erste Schöpfungsbericht geht sowohl von der gleichzeitigen Erschaffung von Mann und Frau als auch ihrer gemeinsamen Herrschaft über die Schöpfung aus und verbietet jede Annahme, dem Mann sei schon von der Schöpfung her eine Vorherrschaft über die Frau gegeben. 

  3. Die Frau diskutiert erst mit der Schlange über das Gebot Gottes. Die Frau muß verführt werden, und sie widersteht der Verführung eine ganze Weile.

  4. Wir erfahren, daß der Mann bei der Frau stand: ihrem Mann, der bei ihr war. Der Mann war also dabei, wortlos, sich nicht in die Diskussion einmischend und seine Frau nicht hindernd, von dem Baum zu essen. Statt dessen - nachdem er gesehen hatte, daß die Frucht sie nicht umbrachte? - nahm er ohne Widerrede eine der Früchte und aß. Er verließ sich auf seine Frau, nicht auf Gott.

  5. Der Sündenfall trat ein, nachdem der Mann von dem Baum gegessen hatte, nicht schon, als die Frau dies getan hatte. So wie das Gebot, nicht von dem Baum zu essen, dem Mann gegeben war, trat der Sündenfall auch ein, nachdem der Mann von dem Baum gegessen hatte, nicht vorher, als die Frau den ersten Biß tat.

  6. Schon gleich nach dem Sündenfall gab der Mann der Frau die Schuld: die Frau, die du mir zur Seite gegeben hast, sie gab mir von dem Baum, und ich aß. Unmittelbar nach der Katastrophe gab der Mann der Frau (und indirekt auch Gott) die Schuld an dem, was geschehen war - und dieses Muster setzt sich bis heute fort. Männer geben der Frau die Schuld. Schon bei Adam stimmte das so nicht, denn Adam kannte das Gebot - und handelte dagegen.

  7. Gott richtet sich nach dem Sündenfall an die Schlange, an die Frau und an den Mann. Zuerst verflucht Gott die Schlange für das, was sie getan hat. Zugleich erklärt Gott, daß es einen Nachkommen der Frau geben wird, der der Schlange den Kopf zermalmen wird. An dem Mann geht der Fluch Gottes haarscharf vorbei und trifft - um des Mannes willen - den Erdboden. Zwischen dem Fluch, der die Schlange trifft und dem Fluch, der den Mann knapp verfehlt und um seinetwillen den Erdboden trifft, wendet Gott sich auch an die Frau: Ich werde sehr vermehren die Mühsal deiner Schwangerschaften, mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über Dich herrschen.

  8. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Fluch, der die Schlange trifft, und dem Wort Gottes an die Frau. In dem Fluch an die Schlange verheißt Gott, daß der Nachkomme der Frau der Schlange den Kopf zertreten wird, nachdem der Nachkomme der Schlange dem der Frau in die Ferse stechen wird. Nach der prophetischen Aussage in dem Fluch an die Schlange wendet Gott sich der Frau zu und spricht zu ihr von Schwangerschaft und Geburt, von Verlangen und Herrschaft.

Gott reagiert auf den Sündenfall - nicht nur mit zwei Flüchen, sondern auch mit einer Verheißung. Die Verheißung ist, daß ein Nachkomme der Frau die Errettung bringen wird. Der Willen Gottes, den Menschen zu retten, folgt einem Plan, der über die Frau geht, nicht über den Mann. Der Retter wird der Nachkomme der Frau sein, nicht der des Mannes. So sehen wir dann auch im Neuen Testament, daß Jesus der Sohn einer Frau ist - gezeugt nicht von einem Mann, sondern vom Heiligen Geist Gottes. (Die Zeugung darf man sich nicht als einen biologischen, sexuellen Akt vorstellen, als habe sich Gott eine Frau (Maria) genommen und mit ihr ehelich verkehrt. Es handelt sich dabei um einen geistlichen Akt, bei dem etwas von ewig her Existentes (das Wort Gottes) in dem Leib einer Frau eine besondere Gestalt annimmt.)

Gott wird also erstens die Mühsal der Schwangerschaft vermehren, zweitens soll die Frau mit Schmerzen gebären, drittens soll ihr Verlangen nach ihrem Mann sein und viertens soll der Mann über die Frau herrschen.

Was hat es mit den ersten beiden Worten Gottes an die Frau auf sich, die Mühsal der Schwangerschaft vermehren und mit Schmerzen gebären? Die Frau kommt nicht "ohne Schrammen" aus der Sache heraus. Nun sind Schwangerschaften und Geburten aber eine Sache für sich. Sie sind mühselig und schmerzhaft, aber hat eine Frau erst ihr Kind geboren und gab es keine Komplikationen, dann ist sie danach voller Freude, und alle Mühsal und alle Schmerze sind vergessen, wenn das Neugeborene erst einmal auf ihr liegt.

Wir sollten auch nicht vergessen, daß nicht einmal Gott "ohne Schrammen" aus der Sache herauskommt. Vielmehr wird er Mensch, wird fälschlich angeklagt, vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und gekreuzigt. Zudem nimmt er alle Schuld der Menschheit auf sich, um stellvertretend für alle Menschen diese Schuld zu sühnen. Welche Mühsal, welche Schmerzen sind mit dem Kreuz verbunden? In der Mühsal der Schwangerschaften und in den Schmerzen der Geburten kommt ein Stück weit zum Tragen, was das Kreuz bedeutet. Sie sind eine lebendige "Predigt" all dessen, was Gott für uns auf sich genommen hat.

Kommen wir nun zu den anderen beiden Worten Gottes an die Frau: "Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen!"

Als Mann vermag ich nicht zu beurteilen, ob es bei Frauen eine vorherrschende Charaktereigenschaft negativer Art gibt, ich vermag nicht zu sagen, ob das Vorurteil vieler Männer zutreffend ist, daß Frauen "herrschsüchtig" sind und sich nicht unterordnen wollen. Vielleicht ist das so, vielleicht nicht. 

Ich weiß aber - und als Mann darf, ja muß ich das auch sagen -, daß es bei Männern eine vorherrschende negative Charaktereigenschaft gibt, unter der Frauen zu leiden haben: Sie sind von Natur aus gegenüber Frauen lieblos. Das äußert sich vor allem darin, daß sie zur Verantwortungslosigkeit neigen, sich aus ihren Verantwortungen stehlen wollen. "Lieblosigkeit" meint hier vor allem einen eklatanten Mangel an jener Liebe, die die Bibel mit dem altgriechischen Wort "agapae" beim Namen nennt, die sich aufopfernde Liebe ( 1. Korinther 13 , Epheser 5,25 ). 

Dem lieblosen und verantwortungslosen Mann begegnet Gott, indem er der Frau ein Verlangen nach dem Mann gibt. Sie bedrängt ihn, bis er sich seiner Liebesverpflichtungen erinnert und sich um seine Verantwortungen kümmert, sie wahrnimmt.

Das hier im Hebräischen stehende Wort masal kann sowohl mit "herrschen" übersetzt werden als auch mit "gleich sein" im Sinne "ein Gleichnis reden", "eine Gleichung machen", und es kann im Hebräischen benutzt werden, um die Ähnlichkeiten auszudrücken (vgl. das hebr. mosal, das "Gleiches" oder "Ähnliches" bedeutet).

Wir finden dieses hebräische Wort beispielsweise in 1. Mose 3,16 ; 1. Mose 4,7 ; 1. Mose 24,2 ; 1. Mose 37,8 ; 1. Mose 45,8.26 ; Josua 12,5 ; Psalm 22,29 ; Psalm 59,14 ; Psalm 89,10 ; Sprüche 16,32;22,7 ; Sprüche 29,2 ; Jesaja 40,10 ; Jesaja 63,19 ; Hesekiel 19,14 und Sacharja 6,13 . Es bedeutet also keine ganz spezielle Form von "Herrschaft" im Sinne von "tyrannisch", "diktatorisch", "unterjochend" oder etwas in der Art. Dem Wort liegt keine ausdrücklich negative Bedeutung zugrunde. Freilich fehlt auch eine ausdrücklich positive Bedeutung wie "fürsorglich herrschen", "Herrschaft zum Besten des Beherrschten ausüben".

"Er aber wird über dich herrschen" ist ein sehr neutraler Ausdruck. Er hat weder eine negative noch eine positive Bedeutung und ist somit am ehesten eine sachliche Feststellung.

In dem "Herrschen" in 1. Mose 3,16 stecken gewissermaßen zwei Aussagen. Die erste ist eine Prophetie: "So wird es werden", Männer werden Frauen tyrannisch, diktatorisch beherrschen, unterjochen, versklaven, unterwerfen. Die zweite Aussage ist ein Gebot: "So soll es sein", Männer sollen in ihrer Herrschaft fürsorglich sein, das Beste für ihre Frauen suchen. Die Prophezeiung ist negativ, das Gebot ist positiv.

Beispiele dieser positiven Herrschaft finden sich beispielsweise in 1. Mose 4,7 ; 1. Mose 24,2 (verwalten); 1. Mose 45,8.26 ; Psalm 22,29 ; Psalm 59,14 ; Psalm 89,10 ; Sprüche 16,32 und Jesaja 40,10 .

Das Gebot Gottes, daß der Mann über die Frau herrschen soll, meint eine positive Herrschaft des Mannes über die Frau, eine fürsorgliche Herrschaft, die das Beste der Frau sucht, ihren Vorteil, ihr Wohlergehen, ihr Glück und dergleichen mehr.

Daß dieses Gebot nicht direkt dem Mann gegeben wurde, sondern in Gottes Rede an die Frau eingefügt wurde, bedeutet zweierlei:

  1. Der Mann hat kein "direktes Mandat" Gottes, über die Frau zu herrschen. Die Frau kann dieses "Mandat" delegieren, kann einem Mann gestatten, über sie zu herrschen. Der Mann kann die Herrschaft über die Frau nicht einfordern, nicht einklagen, nicht mit Gewalt erzwingen.

  2. Der Mann ist nicht von der Pflicht entbunden, es zu erfüllen. Dies sollte ja gerade selbstverständlich sein. Es ist ein Doppelgebot: die Frau soll den Mann über sich herrschen lassen, und der Mann soll über die Frau herrschen.

Daß die Frau sich beherrschen läßt, kann nur funktionieren, wenn der Mann seine Herrschaft auf die richtige Weise ausübt: allein für das Wohlergehen der Frau. Das Sich-beherrschen-lassen der Frau ist an das Herrschen des Mannes im Sinne des Wohlergehens seiner Frau gekoppelt. Das beginnt schon damit, daß der Mann sich das "Mandat" zum Herrschen von seiner Frau geben läßt. Er hat, wie schon gesagt, kein "Direktmandat". Sein "Mandat" ist auch nicht ewig: Vernachlässigt der Mann dieses "Mandat", mißbraucht er es, kann die Frau es ihm entziehen.

Dort, wo Menschen aus dem Herrschaftsgebot Gottes ausbrechen, kommt es zur pervertierten Herrschaft, Männer herrschen wie Tyrannen, wie Diktatoren und wie Sklavenhalter über ihre Frauen. Daraus kann nichts Gutes erwachsen.

Warum nun soll der Mann über die Frau herrschen? Er trägt die Verantwortung für die Sicherheit der Frau und ihrer Nachkommen; denn der Nachkomme der Frau soll ja dem Teufel den Kopf zermalmen. Ausschließlich in der Verantwortung für die Frau und ihren "Samen", für ihre Kinder liegt die Aufgabe des Mannes und der Grund, warum er über die Frau herrschen und sie nach ihm verlangen soll. Hier nun werden die Verse 15 und 16 miteinander verknüpft. Der Mann, der sich in liebloser Weise von seiner Verantwortung stehlen will, wird durch das Verlangen seiner Frau in die Verantwortung gezwungen, zum Besten seiner Frau und ihrer Kinder über sie zu herrschen.

Doch immer wieder brechen die Menschen hier heraus. Männer, die das Verlangen ihrer Frauen über haben, versklaven ihre Frauen regelrecht, erniedrigen sie zu "Ehesklavinnen". Manche Männer fallen allerdings auch in die Rolle der Frau: Sie "verlangen" nach einer dominanten Frau, geben sich selbst in die Rolle derer, die beherrscht werden wollen. Viele Frauen verlangen lieber nach einem Mann, den sie "beherrschen" können. Andere Frauen wollen gar nicht nach einem Mann "verlangen", sondern wollen unabhängig, frei sein, wollen herrschen. 

Gott geht diesen Weg dennoch, damit die Frauen jemanden haben, der für sie und ihre Kinder sorgt. Die Frauen sollen nicht auf der Strecke bleiben, ganz auf sich selbst angewiesen. Doch er ermahnt die Männer auch immer wieder, sich ihrer Verantwortung für Frauen und Kinder bewußt zu sein - das Alte Testament ist voll von Anweisungen, mit denen Gott sich für die Rechte der Frauen einsetzt. Natürlich sind diese Anweisungen Menschen gegeben worden, die nicht die heutigen Frauenrechte kannten. Wer das heute liest, muß immer die damalige Welt vor Augen haben, darf nicht die Umwelt der Bibel mit unseren Augen oder durch eine feministische Brille betrachten. Die Frauenrechte haben sich entwickelt und sollen sich auch weiter entwickeln. Was diese Rechte betrifft, so zeigt die Bibel keinen Idealzustand, sondern Schritte auf dem Weg.

Epheser 5,21-33

Es ist ein weiter Weg von 1. Mose 3 bis zum Brief des Apostels Paulus an die Christen in Ephesus, und auch von dort ist es immer noch eine lange Zeit bis zu uns. Die Welt, in der die Christen des ersten Jahrhunders lebten, war eine ganz andere als die, in der wir leben. Die ersten Christinnen, egal ob jüdischen oder griechisch-römischen Hintergrundes, lebten in einer Umwelt, in der die Frauen praktisch keine Rechte besaßen, zum Teil nicht einmal einen eigenen Namen - ein römisches Mädchen konnte die "Große" oder die "Kleine" sein, oder sie war die "Dritte" oder "Vierte". Für Paulus war es zweifellos nicht nur wichtig, die Stellung der Frau im Christentum neu zu definieren, sondern auch, keinen zu harten Bruch mit der Umwelt zu riskieren. Was in der Gemeinde selbst geschah, war eine Sache, wie man aber in der "Welt" wahrgenommen wuirde, war eine andere Sache. Zugleich wollte Paulus sicherlich keinen weiteren Mysterienkult mit seinen gehemeinen Lehren und Riten; es galt also, für die Stellung der Frau einen Weg zu finden, der das Gute der Guten Nachricht von Jesus auch für Frauen herausstellt, aber das doch immer so, daß die Christen nicht zum Anlaß für Gerüchte und Angriffe wegen unmoralischen Verhaltens werden. Man darf den moralischen Druck, der von außen auf den Gemeinden lastete, nicht vernachlässigen. Der Vorwurf der Amoralität war damals ein sehr schwerer Vorwurf, der schlimme Konsequenzen nach sich ziehen konnte.

Wer heute Paulus zur Stellung der Frau liest, muß dabei berücksichtigen, daß Paulus sowohl den Idealzustand vor Augen hat als auch den kulturellen Gegebenheiten seiner Zeit gerecht werden mußte. Für die Auslegung ist das eine Gratwanderung - wo schildert Paulus ein aus der Guten Nachricht gespeistes Ideal, wo nimmt er auf seiune Zeit und ihre Sitten Rücksicht?

Paulus hat in seinem Brief an die Christengemeinde in Ephesus das "er wird überdich herrschen" aus 1. Mose 3,16 ausgelegt:

"Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als des Leibes Heiland. Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem.

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch der Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, [sie] reinigend durch das Wasserbad im Wort, damit er die Gemeinde sich selbst verherrlicht darstellte, die nicht Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos sei. So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Denn niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Leibes. `Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein'. Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute (sage) es auf Christus und die Gemeinde. Jedenfalls auch ihr - jeder von euch liebe seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber, daß sie Ehrfurcht vor dem Mann habe".

Ist die Frau von Natur aus geringer als der Mann, daß sie sich dem Manne unterordnen müßte? Freilich nicht; denn Gott hat sie ja beide, Mann und Frau, geschaffen, und sie beide sind gemeinsam Abbild Gottes. Erst durch den Sündenfall wurde eine Neuordnung, eine Notordnung erforderlich, aber sie geht nicht mit einem geringeren Wert der Frau einher noch mit einem höheren Wert des Mannes, sondern mit Notwendigkeiten, die sich aus 1. Mose 3,15 ergeben (und sowohl dem Schutz der Frau als auch ihres "Samen" gelten). Dabei ist zu beachten, daß Christus als das Haupt der Gemeinde vor allem ihr Knecht ist; seine Herrschaft über die Gemeinde ist eine verhüllte Herrschaft, wird doch der Herr Jesus in der Gemeinde auch immer noch als der Gekreuzigte gepredigt ( 1. Korinther 1,23 ). 

Paulus beginnt mit "ordnet euch einander unter". Paulus versteht das "Herrschen" ganz richtig als eine wechselseitige Beziehung zwischen Mann und Frau. Mann und Frau haben beide ihre Rolle, beide ordnen sich dem Ehepartner unter. Wie soll nun welche Rolle aussehen? Paulus schreibt zwei Leitbilder auf: Unterordnung für die Frauen, aufopfernde Liebe für die Männer. Den Leitbildern sollen Männer und Frauen folgen. Beginnen wir mit dem Mann, dem Paulus ja so viel mehr Raum für Ermahnungen widmet als der Frau (im Deutschen ermahnt Paulus den Mann mit 146 Worten, die Frau mit 56 Worten - der Mann wird beinahe dreimal so nachdrücklich ermahnt, sich unterzuordnen, wie die Frau).

Ich schrieb schon, daß Männer von Natur aus eher lieblos und verantwortungslos sind. Mit "lieblos" ist hier vor allem Liebe im Sinne der biblischen Agape-Liebe gemeint. Das Griechische, die Sprache des Neuen Testamentes, kennt für die Liebe vor allem drei Worte: "philia", "eros" und "agapae". Sie alle haben verschiedene Bedeutungen. Die Philia-Liebe ist die freundschaftliche Liebe, die Eros-Liebe die romatische Liebe und die Agape-Liebe die selbstlose, aufopferungsbereite Liebe, die das Beste für den Geliebten sucht und nicht ruht, bis eben dieses Beste erreicht ist. In dieser Liebe starb Christus am Kreuz, so liebt Christus die Gemeinde - und so sollen Männer ihre Frauen lieben. In dieser Liebe zeigt sich die von Gott gewollte Herrschaft der Männer über die Frauen.

Männer sollen in diesem Sinne über die Frauen herrschen. Die Herrschaft der Männer über die Frauen ist kein Selbstzweck zum Wohl der Männer, für ihre Bequemlichkeit, zu ihrem Besten. Daraus ergibt sich auch schon, wie Männer über die Frauen herrschen sollen: zum Besten ihrer Frauen, zum Wohl ihrer Frauen. Manche Männer neigen dazu, ihre Verantwortungslosigkeit und Lieblosigkeit auf ihre Herrschaft über die Frauen auszuweiten. Herrschaft verträgt sich aber nicht mit Verantwortungslosigkeit und Lieblosigkeit, sie wird dann zur bloßen Tyrannei, Diktatur, Sklaverei.

Männer haben in Christus ein Vorbild, wie sie über Frauen herrschen sollen: so, wie Christus über die Gemeinde herrscht. Am Anfang steht die totale Hingabe. Christus hat sich für seine Gemeinde hingegeben. "So sind auch die Männer schuldig, ihre Frauen zu lieben". Die Liebe ist eine Schuld der Männer gegenüber ihren Frauen. Sie ist nicht ein Bonus für die Frauen bei "Wohlverhalten", sondern eine Schuld der Männer, eine Bringeschuld - und nicht eine Holschuld, die sich die Frauen abholen müßten -, eine Schuld, die Männer von sich aus zu bringen haben. So ist auch die Herrschaft der Männer über die Frauen, die durchdrungen sein soll von der sich hingebenden Liebe, eine Bringeschuld der Männer. Wo die Herrschaft als Bringeschuld verstanden wird, kann sie nicht mehr mißbraucht werden. Männer haben eine Schuld abzubezahlen, die Christus uns auferlegt hat, und sie haben diese Schuld durch Bringen abzuleisten, nicht indem sie warten, bis die Frauen diese Schuld bei ihnen abholen.

Also: die Herrschaft der Männer über die Frauen muß erstens von der Agape-Liebe regiert sein (vgl. 1. Korinther 13 ) und zweitens von der Herrschaft Christi über die Gemeinde inspiriert sein.

Kommen wir nun zur Frau. Wie soll die Unterordnung der Frau aussehen? Paulus schreibt: "Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi, die Frauen den eigenen Männern als dem Herrn! Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist, er als des Leibes Heiland. Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen den Männern in allem. [...] die Frau aber, daß sie Ehrfurcht vor dem Mann habe".

Ich vermag nicht zu sagen, ob Frauen von Natur aus dazu neigen, herrschsüchtig zu sein, wie das in vielen Auslegungen zu lesen ist. Die frühen Christen wurden freilich mit dem ophitischen Gnostizismus konfrontiert, der die Herrschaft der Frau über den Mann - vor allem in sexueller Hinsicht - predigte. Im ersten Jahrhundert nach Christus hatten die Frauen weder im Judentum noch in der römisch-griechischen Welt viel Gelegenheit zu herrschen. Frauen herrschten nicht, sie wurden beherrscht. Es versteht sich von selbst, daß viele Frauen nach Möglichkeiten gesucht haben, ihrerseits zu herrschen, wer wollte ihnen daraus einen Vorwurf machen? Manche Mysterienkulte gaben den Frauen eine Möglichkeit dazu, aber es war freilich nur eine Scheinfreiheit. 

Das Christentum gab den Frauen in der jüdischen und der römisch-griechischen Umwelt einen neuen Selbstwert, erklärte doch etwa Paulus: "Ihr alle seid jetzt mündige Söhne und Töchter Gottes... Es hat nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch... Mann oder Frau ist. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle ein neuer Mensch geworden" ( Galater 3,26-28 ). Im Gottesdienst durfte die Frau nicht nur beten und prophetisch reden, sie mußte dazu nicht einmal ihren Kopf mit einem Schleier verhüllen ( 1. Korinther 11,2-16 ). Berühmt unter den Aposteln sind nicht nur Männer, sondern auch eine Frau: Junia ( Römer 16,7 ). 

Die Gleichstellung von Mann und Frau im frühen Christentum mag dazu geführt haben, daß manche Frauen und vielleicht auch einige Männer aus den Gemeinden nach Jahrhunderten der Vorherrschaft des Mannes über die Frau auf der anderen Seite vom Pferd gefallen sind und die Herrschaft der Frauen über die Männer predigten, eine frühe Form des christlichen Feminismus. 

Paulus jedenfalls sah wohl eine Gefahr, daß die Frauen die Männer beherrschen wollen (vgl. meinen Artikel zum Thema Dürfen Frauen in der Gemeinde lehren?, der sich mit eben dieser Problematik beschäftigt.

So wie Paulus den Männern eine Bringeschuld auferlegt, ihre Frauen zu lieben, legt er jedenfalls den Frauen eine Bringeschuld auf, sich in allen Dingen unterzuordnen wie die Gemeinde sich dem Christus unterordnet. Diese eine Schuld kann nicht gegen die andere aufgerechnet werden, aber sie hängen zusammen. Ein Mann, der seine Frau nicht liebt, kann nicht ihre Unterordnung einfordern; eine Frau, die sich nicht unterordnet, kann nicht die Liebe ihres Mannes einfordern. Es kommt darauf an, daß beide am gleichen Strang ziehen, beide einander unterordnen: der Mann, indem er seine Frau liebt, die Frau, indem sie sich ihrem Mann in allem unterordnet. Es geht nicht, daß nur einer der Ehepartner seine Bringeschuld einlöst. Gott wird ihm dies sicherlich anrechnen, aber die Ehe kann so nicht funktionieren.

Daß die Frauen sich den Männern in allem unterzuordnen haben, dürfte zum einen der Abwehr gnostischer Tendenzen dienen, zum anderen der Sorge geschuldet sein, daß sich nicht mehr unterordnende Frauen zu einem gesellschaftlichen Skandal werden und damit auch die Gemeinden der Christen, ja die ganze christliche Lehre in Verruf bringen. Nicht nur der Vorwurf unmoralischen Verhaltens drohte den Gemeinden, sondern auch, daß das christliche Zeugnis unwirksam wird. Auch hätte ein Ruf, daß bei den Christen die Frauen sich nicht nur nicht unterordnen, sondern auch über die Männer herrschen, dazu geführt, daß die Gemeinde von Frauen überrannt wird, die hier nur eine Möglichkeit sehen, in einer Scheinfreiheit zu leben, vergleichbar manchen Mysterien- und gnostischen Kulten. Paulus wollte keine frauenfeindliche Gemeinde, aber auch keine Kultsätte, in der vor allem die Herrschaft der Frauen über die Männer gelehrt und praktiziert wird, er woltle keinen gesellschaftlichen Skandal. Darum schreibt er die damals ohnehin geltende Regel, daß die Frauen sich den Männern in allem unterzuordnen haben, auch für die Gemeinde fest. Das war in der damaligen Gesellschaft nichts Neues, sondern Paulus paßt das Verhalten der Frauen der Kultur an. Dafür gibt es ja auch die neuen regeln für die Männer: Liebt eure Frauen mit Hingabe, das soll eure rechte Herrschaft über die Frauen sein. Paulus begegnet dem Problem, daß Männer über Frauen herrschen, also nicht mit der Abschaffung fder Unterordnung der Frau, sondern mit dem Gebiot an die Männer, die Frauen zu lieben. Würden sie das tun, so würde die Unterordnung der Frau ja keine Knechtschaft, keine Sklaverei mehr sein, sie wäre also in gewisser Hinsicht abgeschafft.

Was bedeutet nun, "die Frau aber, daß sie Ehrfurcht vor dem Manne habe" (oder ihren Mann ehre oder fürchte)? Viele Kommentare zu diesem Text behandeln diese Worte kaum. Stehen sie als Imperativ, als Befehl neben dem Befehl an die Männer, die Frauen zu lieben? Spricht Paulus also noch einmal beide an, Männer und Frauen, und gibt ihnen jeweils ein Gebot für den Umgang mit dem Ehepartner? Oder bedeuten sie eher zusammen mit dem Befehl an die Männer, die Frauen zu lieben, eine Begründung für dieses Gebot, nämlich ein "damit sie euch deswegen ehren"? Ich persönlich tendiere zu dieser zweiten Auslegung. Es geht also nicht darum, daß die Frauen die Männer ehren, sondern darum, daß die Männer ihre Frauen so sehr lieben, daß die Frauen dadurch Grund haben, ihre Männer zu ehren. Das macht auch vom Zusammenhang her Sinn, weil sich dann Paulus nach seiner Überschrift "Ordnet euch einander unter" in Vers 21 zuerst in den Versen 22 bis 24 den Frauen zuwendet, dann aber in den Versen 25 bis 33 den Männern Anweisungen erteilt und in Vers 33b nicht noch einmal auf die Frauen zurückkommt und ihnen Anweisungen erteilt.

Unterordnung praktisch

Worin besteht nun die Unterordnung der Frau unter ihren Mann? 

  1. Die Frau versucht nicht, über ihren Mann zu herrschen
  2. Die Frau evangelisiert durch kulturell relevante Unterordnung

Für mehr Unterordnung findet sich in der Bibel keinerlei Anhaltspunkt. Die Frau muß dem Mann nicht gehorchen, sie muß nicht seine Dienerin oder gar Sklavin sein. Es geht nicht grundsätzlich um das Recht, in Fragen der Ehe, der Familie, der Berufe, der Wohnung usw. usf. zu bestimmen - hier bestimmen die Eheleute als gleichberechtigte Partner. 

Der erste Punkt bedeutet, daß eine Frau die als liebende Hingabe praktizierte Herrschaft ihres Mannes als wichtigen Aspekt seiner geistlichen Berufung akzeptieren und auch fördern soll. Der Mann zeigt durch seine liebende Hingabe, daß er nicht ein Herrscher, Tyrann, Despot o.ä. ist (in unserer Kultur hat dieser Punkt weit mehr theoretische als praktische Bedeutung, weil die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Gesellschaft weitgehend verwirklicht ist; in anderen Kulturen hat dieser Punkt eine größere Bedeutung). Die Frau soll keinem Glauben anhängen, demzufolge sie bestimmt sei, in irgend einer Weise über den Mann zu herrschen. Auch dieser Punkt hat in unserer Kultur nur eine eher geringe praktische Bedeutung. Hier könnte man heute vielleicht an bestimmte Auswüchse der feministisch-esoterischen Religiosität denken ("Hexen").

Der zweite Punkt dreht sich dagegen um etwas ganz anderes als um eine rein geistliche Frage, und er ist dem ersten Punkt nachgeordnet. "Evangelisation durch kulturell relevante Unterordnung" bedeutet, daß Mann und Frau in ihrer Ehe einander in einer Form Partner sind, die in der betreffenden Kultur der Ausbreitung des Evangeliums nützlich, weil kulturell anerkannt ist. In den meisten Kulturen war und ist die Frau dem Manne untergeordnet, und im Rahmen der christlichen Ethik - also Unterordnung untereinander - wird die kulturell relevante Unterordnung der Frau unter den Mann der Verbreitung des Evangeliums nützlich sein, während ein bewußter Verstoß gegen kulturelle Sitten die Ausbreitung des Evangeliums behindert. (Abgesehen von einigen Subkulturen, meist mit Migrationshintergrund, gibt es in unserer Kultur allerdings keine kulturell bedingte Unterordnung, also hat dieser Punkt in unserer Kultur keine Bedeutung - statt dessen ist hier echte Partnerschaft, völlige Gleichberechtigung gefordert.) Die Härte, die die Unterordnung in diesem Fall für die Frau mit sich bringt, wird durch die Pflicht des Mannes, durch liebende Hingabe zu herrschen, abgemildert. 

Wenn eine Frau sich nun nach weitergehender Unterordnung (Submission) sehnt, dann gilt dafür zweierlei. Erstens soll das nicht mit der biblischen Unterordnung vermischt werden, zweitens soll es der Ausbreitung des Evangeliums, dem Wirken der Guten Nachricht nicht im Wege stehen.

Ein sehr schönes Beispiel für praktische Unterordnung finden wir bei Maria und Josef, den Eltern Jesu. Josef diente seiner Frau, er beschützte sie, er gab sich für sie hin, er liebte sie. Er nahm Verantwortung wahr für seine Frau und das Kind, das doch gar nicht sein leiblicher Sohn war. Maria ordnete sich ihrem Mann Josef unter, indem sie weder über ihn zu herrschen versuchte noch seine liebende Hingabe zurückwies (und sie blieb doch die hervorstechende Persönlichkeit der beiden Eheleute; Unterordnung bedeutet ja gerade nicht, sich zu verstecken). 

Anhang

Weitere Bibelstellen

"Meine Nachahmer werdet, wie auch ich Christi. Ich lobe aber euch, daß in allen Dingen meiner ihr gedenkt, und wie ich übergeben habe euch die Überlieferungen, haltet (daran) fest, (das) will ich (und ich will, daß ihr die Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch übergeben habe)!

Aber ihr aber versteht es so, daß jedes Mannes Haupt Christus ist, Haupt aber (der) Frau der Mann, Haupt aber Christi Gott. Jeder Mann, betend oder prophetisch sprechend, hinab über (auf dem) (das) Haupt (etwas) habend, schändet sein Haupt. Aber jede Frau, betend oder prophetisch sprechend als einem verhüllten mit dem Haupt (mit unverhülltem Haupt) , schändet ihr Haupt, denn eins ist sie und dasselbe wie die kahl Geschorene. Wenn also nicht sich verhüllt eine Frau, auch lasse sie sich das Haar abschneiden! Wenn aber schimpflich ist für eine Frau das Sich-das-Haar-abschneiden-lassen oder Sich-kahl-scheren-lassen, soll sie sich verhüllen. (Der) Mann einerseits aber nicht soll sich verhüllen das Haupt, Bild und Abglanz Gottes seiend; die Frau andrerseits Abglanz (des) Mannes ist. Denn nicht ist (der) Mann von (der) Frau, sondern (die) Frau vom Mann; denn auch nicht wurde erschaffen (der) Mann wegen der Frau, sondern (die) Frau wegen des Mannes.

Darum soll die Frau Macht haben über ihr Haupt: wegen der Engel. Denn schließlich (ist) weder (die) Frau ohne (den) Mann noch (der) Mann ohne (die) Frau im Herrn; denn gleichwie die Frau vom Mann, so (kommt) auch der Mann durch die Frau, aber alles von Gott. Bei euch selbst urteilt! Geziemend ist es, (daß) eine Frau unverhüllt zu Gott betet. Auch nicht die Natur selbst lehrt euch, daß ein Mann einerseits, wenn er langes Haar trägt, Schande für ihn (es) ist, eine Frau andererseits, wenn sie langes Haar trägt, Ehre für sie (es) ist. Denn das Haar anstelle eines Schutzes ist gegeben. Wenn aber jemand meint, rechthaberisch zu sein, so bedenke er: Wir solche Gewohnheit nicht haben, auch nicht die Gemeinden Gottes" (1. Korinther 11,1-16).

Zu dieser besonderen Übersetzung die von den traditionellen Übersetzungen abweicht aber sprachlich und theologisch sowohl möglich als auch sinnvoll ist und meine Auslegung dazu siehe meinen Text Paulus und der Schleier.

"Die Frauen sollen in den Gemeindeversammlungen schweigen, denn es wird ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen, denn es ist schändlich für eine Frau, in der Gemeindeversammlung zu reden. Oder ist etwa das Wort Gottes von euch (Männern) ausgegangen? Oder ist es zu euch (Männern) allein gelangt?" (1. Korinther 14,34-36).

Ich habe im letzten Vers das "Männer" ergänzt, weil das "euch" in einer männlichen Form vorliegt also gar nicht an Frauen gerichtet sein kann! Siehe hierzu meine Auslegung Müssen Frauen in der Gemeinde schweigen?

"Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn ziemt! Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie!" (Kolosser 3,18-19) .

Was die Aufforderung an die Frauen betrifft, sich den Männern unterzuordnen, so liegt der Schwerpunkt auf dem wie es sich im Herrn ziemt. Was bedeutet das? Was ziemt sich im Herrn in Bezug auf die Unterordnung der Frauen? Ist es, daß Frauen ihren Männern gehorsam, willig, devot und sklavisch in allem dienen sollen, unterwürfig und ohne jedes Murren? Meint es nicht viel eher, daß eine Frau sich ihrem Mann so unterordnen soll, wie sich die Gemeinde dem Herrn unterordnet? Das ist doch das, was sich im Herrn ziemt, daß sich die Frau dem Mann unterordnet wie die Gemeinde Christus - und der Mann über die Frau herrscht wie Christus über die Gemeinde?

"Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung. Ich erlaube aber einer Frau nicht zu lehren, daß (oder indem) sie über den Mann herrsche, sondern ich will, daß sie sich in der Stille halte; denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva, und Adam wurde nicht betrogen, die Frau wurde aber betrogen und fiel in Übertretung. Sie wird aber durch das Kindergebären gerettet werden, wenn sie in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit bleibt" (1. Timotheus 2,11-15).

Siehe zu diesem sehr schwierigen Text meine Auslegung Dürfen Frauen lehren?

"Ebenso ihr Frauen, ordnet euch den eigenen Männern unter, damit sie, wenn auch einige dem Wort nicht gehorchen, ohne Wort durch den Wandel der Frauen gewonnen werden, indem sie euren in Furcht reinen Wandel angeschaut haben" (1. Petrus 3,1-2).

Petrus fordert die Unterordnung der Frauen unter ihre ungläubigen Männer, damit diese auch ohne Predigt gerettet werden. Sollen die Frauen devote, willige Sklavinnen sein, die durch ihre Unterwürfigkeit die Männer zu Jesus bekehren, eine Art frühchristliches flirt-fishing?

Wahrscheinlicher erscheint es mir, daß die Frauen durch ihre Art in der Ehe vorleben sollten, wie sich die Gemeinde Jesus gegenüber verhält (vgl. Epheser 5,32), also die Ehe als lebendige Predigt. Die Gemeinde ist aber keine unterwürfige Sklavin Jesu, sondern seine Braut, und so soll auch die Ehefrau keine unterwürfige Sklavin sein.

Es ist auch möglich, daß Petrus die christlichen Frauen warnte, nicht der gnostischen Irrlehre über die Herrschaft der Frauen über die Männer zu verfallen und damit die Männer eher vom Christentum fortzutreiben. Die Christen, an die Petrus sich wandte, waren hebräische Christen, messianische Juden, die von daher nicht so sehr in Gefahr standen, der Gnosis zu verfallen. Anders war es jedoch mit den Frauen. Als judenchristliche Frauen standen sie nicht nur unter dem Eindruck des Evangeliums, sondern auch unter der Furchtel des rabbinischen Judentums, das die Frauen eher benachteiligte. Gerade als Frauen von nicht an Jesus gläubigen Juden standen sie um so mehr unter dieser Furchtel. Für sie mußte die gnostische Lehre der "Freiheit" eine ganz besondere Verlockung sein, aus den schmerzhaften Traditionen auszubrechen, die das Judentum ihnen auferlegte. Petrus warnt die Frauen, ihre jüdischen Männer durch gnostisches Verhalten in der Ehe von Jesus wegzutreiben, und er rät ihnen, sich lieber unterzuordnen, ihrer Männer zuliebe.

Es geht hier also um eine ganz spezielle Situation, die sich heute so nicht stellen kann. Die Frauen standen als Judenchristinnen zwischen ihren jüdischen, rabbinischen Männern, die nicht an Jesus glaubten (immerhin wendet Petrus sich nicht an die Frauen, die mit Christen verheiratet sind!), und den Verlockungen der progressiven Gnostiker. Was wir hieraus lernen können, ist, daß es besser ist, sich zuliebe eines ungläubigen Ehepartners zurückzuhalten und auch einmal zurückzustecken, selbst wenn "Freiheit" winkt.

Literatur

Ich möchte an dieser Stelle auf das wertvolle Buch  "Paulus im Kampf gegen den Schleier - Eine alternative Auslegung von 1. Korinther 11,2-16" von Professor Thomas Schirrmacher verweisen (Nürnberg 2002, Verlag für Theologie und Religionswissenschaft) und diesem Werk eine weite Verbreitung wünschen. Es sei allen ans Herz gelegt, die sich für das Thema "Paulus und die Frauen" interessieren. Wer es mit offenem Herzen liest, dem wird es ein großer Gewinn werden, wie ich aus eigener Erfahrung bezeugen kann.

Ebenfalls empfehlenswert sind die beiden Bücher  "Priska, Junia & Co. - Überraschende Einsichten über Frauen im Neuen Testament" von Ulrich Wendel (Gießen 2003, Brunnen Verlag) und  "Ohne Unterschied - Frauen und Männer im Dienst für Gott", herausgegeben von Marilyn B. Smith und Ingrid Kern (Gießen 2000, Brunnen Verlag).

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 10:13 Uhr
 

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