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Mission PDF Drucken E-Mail
Christlicher Glaube - FAQ
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 18. August 2009 um 02:00 Uhr

Was bedeutet Mission? Ist Mission heute noch zeitgemäß?

Das Wort "Mission" kommt zwar in der Bibel nicht vor, doch dem Sinne nach zieht sich die Mission durch die Bibel wie ein roter Faden. Schon im Ersten Bund war der Dienst der Priester, Könige und Propheten, ja des ganzen Gottesvolkes missionarisch angelegt. Jesu Dienst war ebenfalls missionarisch, und er hat seine Jünger angewiesen, Missionare zu sein. Er hat ihnen kein Konzept, kein Patentrezept für die Mission mitgegeben - in der Nachfiolge Jesu muß die Praxis der Mission immer wieder neu erarbeitet und umgesetzt werden, je nach Situation, Ort, Kultur usw. Mission erfordert Flexibilität, um den Menschen, um die es je und je geht, gerecht zu werden. 

"Mission" bedeutet "Sendung"; wir kennen diesen Begriff nicht nur aus der Religion, sondern auch aus Politik, Diplomatie, Wissenschaft, Wirtschaft, Militär usw. usf. Die meisten Religionen (und Weltanschauungen) sind dem Wesen nach missionarisch (auch wenn viele diesen Begriff vermeiden).

Missionarische Dienste als roter Faden der Bibel und der Geschichte des Gottesvolkes - das hat auch damit zu tun, daß sowohl der Erste wie auch - in noch stärkerem Maße - der Zweite Bund, den Gott mit den Menschen geschlossen hat, immer ein wanderndes Gottesvolk hervorgebracht hat. Das wandernde Gottesvolk ist beauftragt, nicht plan- und ziellos herumzuwandern, sondern zu den Menschen zu wandern und ihnen ein Zeugnis der Liebe, der Gnade und der Gemeinschaft Gottes ( 2. Korinther 13,13 ) zu sein, bei dem eine Ruhe vorhanden ist ( Hebräer 4,3 ). Das Gottesvolk, die Kirche ist ihrem Wesen und ihrem Auftrag nach missionarisch, wir haben den Menschen gegenüber eine Bringschuld, die im Rahmen einer Konvivenz diakonisches Handeln, das Zeugnis des Glaubens und den Dienst an der Gemeinschaft beinhaltet. 

Konvivenz

Der Begriff "Konvivenz" stammt aus Lateinamerika und bezeichnet dort eine Form der auf Gegenseitigkeit beruhenden Nachbarschaftshilfe in eher dörflichen Strukturen. 

Konvivenz, nachbarschaftliches Leben, bedeutet:

  1. Sich gegenseitig helfen (miteinander arbeiten)
  2. Sich gegenseitig informieren (miteinander lenen)
  3. Sich gegenseitig in die Gemeinschaft einbringen (miteinander feiern)

In der Missiologie ist die Konvivenz in der Trinität Gottes verankert. Der drei-einige Gott hat in sich selbst Gemeinschaft. Und der Mensch, der ja nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, soll ebenfalls in Gemeinschaft leben - in Gemeinschaft mit Gott und in Gemeinschaft miteinander, ein jeder in Friedem mit seinem Nachbarn. 

Wo die Gemeinschaft zerbricht, da herrscht die Sünde. 

Sich gegenseitig helfen - miteinanander arbeiten

Mission bedeutet, daß man sich gegenseitig hilft, daß Nachbarn miteinander arbeiten. Die Lasten, die das Leben den Menschen auferlegt, werden miteinander getragen ( Galater 6,2 ).

Sich gegenseitig informieren - miteinander lernen

Mission bedeutet, daß man sich gegenseitig informiert, daß Nachbarn miteinander lernen. Erst gegenseitige Information ermöglicht eine friedliche Nachbarschaft. 

Rechtlich betrachtet, sind zum Thema "Informationen über das Evangelium und den Glauben der Christen" zwei Dinge zu sagen:

Erstens, jeder Mensch hat das Recht auf ungehinderten Zugang zu allen erforderlichen Informationen über Religionen und Weltanschauungen aller Art, die er benötigt, um sich jeweils frei und ohne Zwang dafür oder dagegen entscheiden zu können.

Wo es um "Mission" und Religions- bzw. Meinungsfreiheit geht, da steht gar nicht so sehr das Recht des Missionars im Vordergrund, seinen Glauben zu verkündigen, sondern das Recht der Menschen, sich selbst frei von jeder äußeren Beeinflussung dafür oder dagegen entscheiden zu können, über eine Religion informiert zu werden. Diese Entscheidung darf kein Mensch für einen anderen treffen.

Zweitens, "die Erklärung, die Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen und des Muslimischen Weltkongresses in Chambésy/Schweiz 1976 gemeinsam formuliert haben, stellt fest, dass 'Muslime und Christen das uneingeschränkte Recht haben müssen, zu überzeugen und überzeugt zu werden und ihres Glaubens (sic!) zu leben sowie ihr religiöses Leben so zu ordnen, daß es mit ihren jeweiligen religiösen Pflichten und Prinzipien übereinstimmt' [Fußnote: M.S. Abdullah (Hrsg.), Islamische Stimmen zum Dialog, Köln, 1981 = CIBEDO-Dokumentation 12, S. 27]" (Handreichung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland  "Zusammenleben mit Muslimen in Deutschland - Gestaltung der christlichen Begegnung mit Muslimen" (Gütersloh 2000), S. 36f).

Sich gegenseitig in die Gemeinschaft einbringen - miteinander feiern

Mission bedeutet, daß man sich gegenseitig in die Gemeinschaft einbringt, daß Nachbarn miteinander feiern. Es geht nicht darum, daß Missionare eine christliche "Gegengemeinschaft" aufbauen, sondern daß sie sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen. 

Gute Nachbarschaft bedeutet, daß jeder die Freiheit hat, sein "Haus" zu bauen. Zur Mission gehört darum auch der Aufbau neuer Gemeinden und die Unterstützung bestehender Gemeinden - und daß man sich gegenseitig in den "Häusern" besucht. 

Ziel der Mission

Das Ziel der christlichen Mission ist eine friedliche Nachbarschaft, in der man miteinander arbeitet, miteinander lernt, miteinander feiert. Durch die Konvivenz geben Christen in der Mission ein bewußtes Zeugnis ihres Glaubens.

Christen glauben nicht, daß sie bessere Menschen sind als Nichtchristen. Sie glauben nicht, daß sie alle Antworten auf alle Fragen des Lebens haben. Sie glauben nicht, daß sie wissen, wie man jederzeit moralisch einwandfrei leben und jeden Fehltritt vermeiden könnte.

Christen respektieren den Glauben und die Überzeugungen der Nichtchristen, sie gehen höflich und freundlich mit dem um, was anderen Menschen heilig ist (jedenfalls sollte es so sein). 

Christen wissen, daß sie niemanden von ihrem Glauben überzeugen können - nur Gott kann dies tun. Wie Gott einen Menschen überzeugt, ist bei jedem Menschen unterschiedlich - Bekehrung ist immer ein individuelles Geschehen. In der Regel stellt ein Überführtwerden im Gewissen - die Erkenntnis, daß man in zerbrochenen Gemeinschaften lebt, zerbrochen vor allem die Gemeinschaft mit Gott - das Fundament einer Bekehrung dar. Entscheidung, Lebensübergabe, Taufe - das alles sind äußerliche Merkmale, die nicht zwingend erforderlich sind, auch wenn sie sich für gewöhnlich früher oder später manifestieren - wie sie das tun, hängt von vielen Faktoren ab: Persönlichkeit, Kultur usw. 

Dennoch glauben Christen, daß die Bekehrung eines Menschen zu Christus wichtig ist. Ohne Bekehrung ist ein Mensch "verloren" (dies ist keine moralische Kategorie). Dieses Wissen um die "Verlorenheit" der Menschen läßt Missionare hoffen und beten, daß sich Menschen bekehren - vor allem natürlich ihre Freunde. Hoffen und beten ist in Ordnung - problematisch wird es aber, wenn man die Menschen zur Bekehrung führen möchte. Dieser Wunsch ist verständlich. Der Wunsch nach Bekehrung ist wie ein Feuer. Hoffen und beten sind das Licht und die Wärme, die von diesem Feuer ausgehen, beides ist notwendig - aber Menschen zur Bekehrung führen zu wollen, führt bildlich gesprochen dazu, daß das Feuer qualmt, bis es in den Augen brennt und die Atemwege reizt. Das ist hochgradig schädlich.

Christliche Mission drängt also nicht auf Bekehrung (jedenfalls sollte es so sein). Es ist nicht gut, Diskussionen über den Glauben gewinnen zu wollen (man mag sie gewinnen - das Herz des Gegenübers wird man freilich verlieren), nicht gut, mit Hilfe, Freundschaft, feierlicher Stimmung usw. eine Bekehrung "ankurbeln" zu wollen. nicht gut, in Gesprächen die Seele oder das Gewissen des anderen "massieren" zu wollen, nicht einmal gut, die sich anbahnende Bekehrung in irgend einer Weise (außer durch das stille Gebet) antreiben zu wollen. Im Gegenteil: Wenn ein Nichtchrist äußert, daß er sich zum christlichen Glauben bekehren will, so sollte man einen etwaigen Enthusiasmus bremsen, dazu raten, es langsam angehen zu lassen. Nichts ist schädlicher als eine übereilte Bekehrung zum christlichen Glauben - man muß die Kosten vorher überschlagen, die Konsequenzen überblicken können. Auch Taufe und Mitgliedschaft in einer Gemeinde dürfen nicht übereilt werden.

Eine Bekehrung betrifft den Glauben - bei einer Bekehrung geht es nicht darum, aus der Kultur auszubrechen oder gar die "christliche Kultur" des Westes zu kopieren. Das sollte weder Hintergrund einer Bekehrung sein noch im Anschluß an eine Bekehrung verlangt oder gefördert werden - Bekehrung darf nicht mit "Assimilation" verwechselt werden.

Wie die Bekehrung eines Menschen äußerlich gestaltet wird, hängt sowohl von dem Bekehrten selbst ab als auch von der Umwelt, in der die Bekehrung stattfindet. Grundsätzlich folgen auf eine Bekehrung erstens die Aufnahme in eine Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig hilft, in der man miteinander und voneinander lernt und in der man miteinander feiert (Konvivenz), zweitens die Taufe und drittens der Unterricht in der christlichen Ethik (sprich: das Höchste Gebot und das Gesetz Christi, daß einer des anderen Lasten trage).

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 11:25 Uhr
 
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