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Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeit PDF Drucken E-Mail
Islam und christlicher Glaube - Islamkunde
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 22. Juli 2009 um 19:05 Uhr

In Deutschland - wie in vielen anderen Ländern der westlichen Welt - sind Muslimenfeindlichkeit, Kopftuchfeindlichkeit und Ausländerfeindlichkeit nicht nur existent, sondern sie nehmen auch zu. 

Was sind die Ursachen für diese Menschenfeindlichkeiten? Wie weit sind sie in Deutschland verbreitet

Vorwort

Am Beginn eines Textes über diese drei Phänomene sollte eigentlich eine Definition stehen, die diese Feindlichkeiten beschreibt und sowohl voneinander als auch von anderen Feindlichkeiten abgrenzt. An prominenter Stellung würde der Begriff "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" stehen, und auch von einer Phobie würde man sicherlich sprechen wollen.

Beginnen wir mit dem Begriff "Phobie", also eine krankhafte Angststörung. In Deutschland gilt mit gutem Grund, daß eine Krankheit nur von einem fachlich kompetenten, approbierten Arzt diagnostiziert werden darf. Eine Phobie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die dem darunter Leidenden viel abverlangt. Der inflationäre Gebrauch dieses Begriffes führt nur in der Diskussion um "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten" nicht weiter, sondern verhöhnt die wirklich Phobie-Kranken und kann politisch mißbraucht werden. Lassen wir diesen Begriff also bitte beiseite.

Es gibt viele Definitionen, die "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten" aller Art beschreiben wollen, in Bezug auf unsere Menschenfeindlichkeiten ist wohl keine von ihnen wirklich anerkannt und tragfähig. Ich denke, es ist bis zu einer gewissen Grenze so, daß man diese Menschenfeindlichkeiten zwar nicht wirklich definieren kann, man sie aber erkennt, wenn man sie sieht. Allerdings ist nicht jede Tat, die auf eine Kopftuch tragende Frau oder einen Mitbürger ausländischen oder muslimischen Hintergrundes zielt, wirklich ein Ausdruck einer entsprechenden Menschenfeindlichkeit, sondern hat - wie m.E. im Falle der im Landgericht Dresden ermordeten kopftuchtragenden muslimischen Ägypterin Marwa al-Sherbini - ein anderes Motiv (in Dresden m.E. verletzte Ehre, also ein sog. "Ehrenmord"). 

In dem folgenden Text kann ich natürlich nicht alle Formen von Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeiten ansprechen, sondern muß mich auf die meiner Meinung nach in Deutschland wichtigsten Strömungen beschränken. Was ich wegen praktischer Bedeutungslosigkeit komplett weglasse, sind beispielsweise "christliche" Muslimen- und Kopftuchfeinde, deren Motivation Konkurrenzangst in Bezug auf die z.B. christliche Religion und Kultur ist und die deswegen "Mission" als ein "Bollwerk gegen den Islam" fordern. Auch die "Neuen Atheisten", die sowohl den Islam als auch die Kopftuchträgerinnen zum Teil sehr aggressiv anfeinden, erwähne ich nur kurz mit Blick auf die Kopftuchfeindlichkeit, zumal sie meist mit anderen muslimen- und kopftuchfeindlichen, zum Teil auch ausländerfeindlichen Strömungen Allianzen eingehen und selbst wenig "Substanzielles" zu bieten  haben.

Ausländerfeindlichkeit

Etwas über Ausländerfeindlichkeit zu sagen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. 

In Bezug auf die Muslime in Deutschland gibt es heutzutage drei Gruppen von Ausländerfeinden, zu unterscheiden je nach dem primären Feindbild:

  1. Ausländerfeinde, deren Feindbild Nr. 1 der Muslim ist. Ohne viel über den Islam zu wissen, sehen sie in der Muslima, im Muslim den typischen Ausländer, der natürlich durch und durch böse ist, ein "Sozialschmarotzer", ein "genetischer Verbrecher", der es zudem auf deutsche Arbeitsplätze, deutsches Geld, deutsche Frauen... abgesehen hat. Muslime sind für sie Terroristen, jeder Muslim ein Islamist, jede Muslima eine Gebärmaschine für Gotteskrieger. Als kulturlose Anbeter eines "Wüstengottes" gefährden sie die "deutsche Kultur", die muslimischen Kopftücher der "Pinguine" - Vergleiche mit der Tierwelt sind ein Dauerbrenner - werden als eine der größten Bedrohungen unseres Landes gesehen. Mangelnde Integrationsbereitschaft ist einer der Hauptvorwürfe gegen Muslime, wobei die Integration erst dann geglückt wäre, wenn die Muslime Abziehbilder der Deutschen wären, ohne eigene Identität, allenfalls ein wenig die schwülstige Exotik der Bauchtänzerinnen - alles andere aber bitte, wenn überhaupt, nur im stillen Kämmerlein. Aber auch der gut integrierte Muslim sollte seine Integration besser als Chance nutzen, dieses Land wieder in Richtung Heimat zu verlassen, die sicherlich in Deutschland gut ausgebildete Fachkräfte brauchen kann (die Bauchtänzerinnen darf er aber gerne in Deutschland lassen, Fatma kann das nun einmal besser als Erna). 
  2. Ausländerfeinde, deren Feindbild Nr. 1 der sich integrierende, sich mit den Deutschen vermischende Ausländer ist; denn den (und seine Nachkommen) kann man "wenn es soweit ist" nicht so einfach aus Deutschland entfernen. Sie rechnen es den Muslimen hoch an, daß sie eher unter sich bleiben und sich nicht mit den Deutschen "vermischen". "Wenn es soweit ist" kann man die sich ohnehin separatistisch verhaltenden Muslime relativ einfach aus Deutschland entfernen - so jedenfalls das Kalkül dieser Ausländerfeinde, die also Gegner der Integration sind und die Segregation fördern, das Verbundenbleiben mit der Sprache, Kultur, Religion der jeweiligen Herkunftsländer der Muslime. Wo muslimische Verbände ebenfalls mehr auf Segregation denn auf Integration setzen, spielen sie diesen Ausländerfeinden in die Hände.
  3. Ausländerfeinde, deren Feindbild Nr. 1 die Juden sind. Gewissen Vorläufern im "3. Reich" nacheifernd, suchen sie unter den Muslimen Verbündete im Kampf gegen die Juden. Der Antisemitismus, den es unter vielen Muslimen gibt, fördern sie unter dem Etikett "Antizionismus" nach Kräften. Da viele der Ausländerfeinde zugleich amerikafeindlich sind, gibt es hier einen weiteren Anknüpfungspunkt zu nicht wenigen Muslimen. Auch hier ist eher die Segregation der Muslime als ihre Integration gewünscht, weil ihre Integration ihre "Verweichlichung" bedeuten könnte (und eventuell einer späteren Entfernung aus Deutschland eher hindelrich wäre). 

Ausländerfeindlichkeit reicht in Deutschland bis in höchste politische, gesellschaftliche und selbst kirchliche Kreise, und sie kommt sehr vielfältig daher. In Bezug auf Muslime nimmt, wenn ich die Zeichen der Zeit richtig deute, die erste Form ab, während die zweite und dritte zunehmen. Es mag verwundern, daß es sozusagen "islamfreundliche Ausländerfeinde" gibt, aber der Mißbrauch der Muslime, um ausländerfeindliche Zwecke zu erreichen, hat seine Anfänge schom im "3. Reich" erlebt. Vor allem die damals schon herrschende Judenfeindlichkeit vieler Muslime (ein Phänomen, das nicht erst mit der Staatsgründung Israels begann - man denke nur an das Pogrom von Hebron im Jahre 1929) haben sich die Nazis zunutze gemacht. Vielleicht kann man auch noch weiter zurückgehen, bis in die Zeit der Kreuzzüge, als sich manche christliche Kreuzfahrer mit muslimischen Feldherrn verbunden haben, um gemeinsame Feinde zu bekämpfen. 

Manche Ausländerfeinde vor allem der dritten Form erwägen denn auch die Konversion zum Islam, um einen "Deutschen Islam" zu erschaffen. Diese Konvertiten sind dann auch besonders fleißige Da'wa-Akteure (Missionare) unter den Deutschen; dennoch bleibt die Zahl der Konversionen von Deutschen zum Islam mit einem ausdrücklich antisemitischen Charakter eher gering. Allerdings gibt es mittlerweile einige deutsche Konvertiten, die ihren neuen Glauben nun mit antisemitischen ("antizionistischen") und meist auch antiamerikanischen Ideen verbinden. 

Natürlich stellt die dritte Form keine reine Ausländerfeindlichkeit dar; ich habe sie aber dennoch in diese Liste mit aufgenommen und auch als "Ausländerfeindlichkeit" etikettiert, weil Ausländerfeindlichkeit der ersten oder zweiten Form einerseits und Antisemitismus/Antiamerkanismus doch recht nahe beieinander liegen und im "typischen Rechtsextremen" meist auch eine Einheit bilden. Zudem stellt m.E. auch dieser Mißbrauch der Muslime, die ja zumeist einen Migrationshintergrund haben, eine Form der Ausländerfeindlichkeit dar.

Muslimenfeindlichkeit

Ich wähle hierfür nicht den bekannten Begriff "Islamfeindlichkeit", sondern den etwas umständlicheren Begriff "Muslimenfeindlichkeit", um die Menschen, um die es hier als Opfer geht, nicht auf ihre Religion zu reduzieren. Zwar steckt auch im Begriff "Muslim" die Religion, aber doch mehr auf die Menschen bezogen als bei dem Begriff "Islam". 

Für viele Ausländerfeinde ist die Muslima, ist der Muslim zum "Hauptausländer", zum wichtigsten Feindbild geworden, weniger weil die Muslime den am größten und am deutlichsten sichtbaren Block unter den Mitbürgern ausländischen Hintergrundes stellen, sondern vielmehr weil hier die Integration am wenigsten gelungen scheint. Viele Ausländerfeinde können sich mit dem nicht muslimischen Ausländer besser arrangieren als mit dem muslimischen, sind und bleiben aber in erster Linie Ausländerfeinde, auch wenn der nicht muslimische Ausländer für sie in den Hintergrund tritt. Hier werden die Grenzen zwischen Ausländer- und Muslimenfeindlichkeit fließend. 

Der "echte" Muslimenfeind ist in der Regel ein Fachmann für den Islam. Das unterscheidet ihn vom Ausländerfeind, der von den Herkunftsländern der Ausländer, Muslime oder nicht, meist kaum etwas weiß, der ihre Lebensgewohnheiten nicht kennt. Der Muslimenfeind aber ist ein Fachmann, ein Spezialist, der den Koran und die islamischen Lebens- und Glaubensgewohnheiten kennt, oftmals besser als diejenigen, die den Islam bejahen und die Muslime gegen die Muslimenfeinde in Schutz nehmen. Der Muslimenfeind besitzt oftmals eine große Sammlung von Schriften, Videos usw., die ihn über den Islam informieren. Einen islamfreundlichen Kirchenmann, Politiker oder Journalisten kann er fachgerecht in jeder Diskussion besiegen, so daß seinen Gegnern nur die Flucht aus der "sachlichen" Diskussion bleibt. Er weiß auch mehr über den Islam als 90 % der Muslime. Alles, was er gegen den Islam, gegen die Muslime vorbringt, ist gut belegt, kann er beweisen. Der Mann, die Frau ist kein Dummkopf. Das alles führt dazu, daß ihm in einer Diskussion kaum jemand ebenbürtig, geschweige denn überlegen ist. Jeden Einwand zugunsten der Muslime kann er fachgerecht widerlegen. Ihn kann man nur mit Zensur und Gewalt zum Schweigen bringen, nicht mit Fakten und Beweisen, zumal er in der Lage ist, zwischen den Fakten, die ihm zum Kampf gegen die Muslime zur Verfügung stehen, hin und her zu springen, um seine Diskussionsgegner immer wieder auf Glatteis zu führen.

Dabei sind die Informationen, die er über den Islam hat, nicht falsch, nicht unwahr. Nur selten sitzt er einer Ente, einem roten Hering, einer Falschmeldung auf. "Urban Legends" haben bei ihm keine Chance, lange zu überleben - selbst wenn sie seine Position stützen würden. Er ist stolz darauf, daß seine Munition gegen den Islam, gegen die Muslime auf wahren Fakten beruht. 

Dennoch ist er in hohem Maße anfällig für Verschwörungsdenken, für Verschwörungstheorien. Und wie alle Menschen, die dafür anfällig sind, egal ob es sich nun um Ufos, schwarze Hubschrauber, das Bermuda-Dreieck, die Illuminaten, die Juden oder eben die Muslime handelt, ist er weder zu Differenzierungen in der Lage noch nimmt er Fakten zur Kenntnis, die seine Position widerlegen. Sie werden entweder ignoriert oder, wenn das nicht möglich ist, solange gegen andere Fakten aufgewogen, bis sie in der Bedeutungslosigkeit versinken. 

Muslimenfeindlichkeit geht also fast immer mit Verschwörungsdenken und -theorien einher, und der Muslimenfeind ist getrieben von der Überzeugung, die Gesellschaft vor der islamischen Verschwörung (in die sie alle verwickelt sind: Die Muslime, die Medien, die Politik, die Kirchen, eben SIE...) retten zu müssen. Er muß aufklären, er muß bekehren, er muß kämpfen. Er hat nur die besten, die hehrsten Ziele, er ist überzeugt von der überirdischen Bedeutung seiner Mission. 

Anders als viele Ausländerfeinde, lehnt der Muslimenfeind Gewalt meist ab. Er wird eher nicht für seine Mission töten. Es ist der Ausländerfeind, der Muslime töten würde, der Muslimenfeind wird nicht nur, aber auch davon abgehalten, daß er damit "Märtyrer" schaffen würde, und das will er um jeden Preis vermeiden. Damit würde er Fakten schaffen, die seiner Mission zuwiderlaufen, die den Muslimen nützen. Viel eher würde er mit einem Selbstmord Zeichen setzen wollen, viel lieber würde er ein Märtyrer für die eigene Sache werden wollen. Er würde eher sein Leben für die Sache geben denn eines zu nehmen. Somit gibt es hier auch eine gewisse Märtyrerverehrung.

Das macht ihn aber um keine Handbreit harmloser als den muslimemordenden Ausländerfeind. Ohne es zu wollen, es sogar fürchtend, wird er zum Stichwortgeber für den gewaltbereiten Ausländerfeind. Dabei verabscheut er für gewöhnlich den Ausländerfeind; denn weder hat er selbst etwas gegen Ausländer noch kann er der primitiven Denkweise und der Gewaltbereitschaft des Ausländerfeindes etwas abgewinnen. Der Ausländerfeind aber, der sich vor allem auf Muslime eingeschossen hat, umschwirrt wie ein Nachtfalter den Muslimenfeind, fühlt sich von ihm angezogen, weil er die Qualität seiner antimuslimischen Argumente erkennt. Gerne würde der Ausländerfeind ein Bündnis mit dem Muslimenfeindschließen, aber selbst wenn es einmal zu Allianzen kommt, sind sie höchst kurzlebig, und meist beendet der Muslimenfeind diese Allianzen.

In Deutschland gibt es nicht sehr viele Muslimenfeinde, die wenigen aber, die es gibt, sind sehr laut und so sehr von ihrer Mission überzeugt, daß sie überall, zu jeder Zeit auftauchen. Dadurch wirkt die Muslimenfeindlichkeit omnipräsent. 

Kopftuchfeindlichkeit

Eigentlich sollte man von "Kopftuch- und Schleierträgerinnenfeindlichkeit" sprechen, aber der Begriff ist einfach zu lang. Man könnte von Hijaabifeindlichkeit sprechen, aber wer weiß schon, daß eine Hijaabi eine Muslima ist, die einen Hijab trägt? Außerdem tragen nicht nur Muslimas Kopftuch.

Eigentlich ist es kaum zu glauben, daß ein mehr oder weniger großes Stück Stoff - vielmehr seine Trägerinnen - es dazu gebracht hat, in Deutschland nicht nur ein vages Gefühl der Be- und auch Entfremdung hervorzurufen, sondern sogar eine teilweise recht heftige Feindschaft. Selbst die Empörung über den hierzulande von einigen wenigen Frauen  getragenen Gesichtsschleier geht weit über das hinaus, was man eigentlich erwarten könnte. Was steckt hinter dem Schleier, daß die Deutschen so oft aus dem Häuschen sind?

Beginnen wir erst einmal mit einem Rückblick auf unsere Geschichte, unser aller Geschichte: Der Schleier der Frau dürfte eines der frühesten Kleidungsstücke gewesen sein, das Menschen hergestellt und getragen haben, zuerst mit Sicherheit als Schutz vor der Witterung, vor sengender Sonne, vor strömendem Regen, vor Sandstürmen, vor Hagel und Schnee. Bald stellte die sich aufwendig friesierende und schmückende Mutter aller verschleierten Schönheiten wohl fest, daß das Tuch hervorragend geeignet ist, all die Pracht in der Öffentlichkeit vor Witterung und Langfingern zu schützen. Die eine oder andere Frau mag auch früher oder später erkannt haben, daß ihr Schleier ihr eine gewisse geheimnisvolle Aura beschert, die auf die Männer nicht ohne Wirkung ist. 

Irgendwann hat der Schleier auch die Rolle übernommen, Frauen in der Öffentlichkeit zu verhüllen. War das eine Idee der Frauen oder der Männer? Das wird niemand beantworten können, vermutlich haben sowohl Männer als auch Frauen in der Verhüllung weiblicher Körper Vorteile gesehen und jeweils für sich ausgenutzt.

In den vorbiblischen Kulturen des fruchtbaren Halbmondes war der Frauenschleier schon lange bekannt und verbreitet, ehe sich zuerst die Autoren des Alten Testamentes an einigen wenigen Stellen damit beschäftigt haben, ohne allerdings ein Schleiergebot zu formulieren (das kam erst später, etwa im Babylonischen Talmud). In der damaligen jüdischen wie heidnischen Welt wie auch später in der römisch-griechischen Welt war die Frau ohne Schleier einfach undenkbar. Die Christen im Korinth des ersten Jahrhunderts standen jedenfalls vor der Frage, ob die Frau sich im Gottesdienst, wenn sie betet oder prophetisch redet, zu verschleiern habe, für sie war es eine wichtige Frage, und Befürworter und Gegner der Verschleierung der Gottesdienstbesucherin haben von Paulus eine Antwort erhalten (1. Korinther 11,2-16), die heute dummerweise sowohl pro als auch contra ausgelegt werden kann (ich persönlich gehe davon aus, daß Paulus sich gegen den gottesdienstlichen Schleier ausspricht under Frau Vollmacht über ihr Haupt gibt, während er vermutlich gegen den in der Öffentlichkeit aus kulturellen Gründen zu tragenden Schleier nichts einzuwenden hatte). 

Die frühen Christen haben jedenfalls die Verschleierung sowohl aus der orientalisch-jüdischen als auch aus der griechisch-römischen Umwelt übernommen; der "christliche Schleier" folgte keinem Gebot, das sich in der Bibel gefunden hätte, auch wenn man vermutlich die Stelle im ersten Korinther-Brief nicht aus den Augen verloren hatte. Da es Paulus aber nur um die Verwendung im Gottesdienst ging, war die Bedeutung im alltäglichen Leben eher gering. Jedenfalls hat der Schleier bei den Christen über Jahrhunderte die Frauenköpfe geschmückt, noch heute trägt eine Frau während einer Papst-Audienz ein Kopftuch oder einen Schleier. Der Schleier der Nonnen ist übrigens entstanden, um die Nonnen, die damals als unverheiratete Frauen eigentlich nicht den Schleier einer ehrbaren Ehefrau hätten tragen dürfen, diesen gleichzustellen. Viel später hat sich das bei den protestantischen Diakonissen mit ihren Häubchen wiederholt. 

Der Islam traf sowohl auf jüdische, christliche wie auch polytheistische Frauen, die sich verschleiert haben, vermutlich vor allem die Ehefrauen, während Jungfrauen und Sklavinnen möglicherweise keinen Schleier tragen durften. In jedem Fall hat Muhammad die Verschleierung der Frauen - aber auch entsprechende Kleidungsregeln für Männer - in den Islam übernommen; einer sehr unsicheren Überlieferung nach dürfen Muslimas nur das Gesicht und die Hände zeigen, nach einer strengen (und nicht so leicht von der Hand zu weisenden) Theologie sind auch Gesicht und manchmal sogar die Hände zu bedecken. 

In den islamischen Ländern war die Geschichte der Verschleierung stets eine wechselhafte, aber im 20. Jahrhundert sah es in vielen westlich orientierten Ländern so aus, als würde der Schleier als Relikt der Vergangenheit verschwinden. Ab den 1970ern aber  erlebt der Schleier in allen islamischen Ländern eine Wiedergeburt und wandert mit den migrierenden Muslimen auch nach Europa, Amerika usw. Gerade im Islamismus wird der Schleier der Frau zu einem wichtigen Symbol, das von Islamistinnen durchweg als Gleichberechtigung gewertet wird.

In vielen Ländern des Westens ist der Schleier der christlichen Frau schrittweise verschwunden, der endgültige Windstoß, der ihn von den Köpfen der Frauen gefegt hat, ging dann von den 68ern und ihren Schülern aus, für die der Schleier plötzlich zu einem Symbol der Unterdrückung der Frauen und der Herrschaft der Kirche wurde. In den Ländern des Südens und Ostens ist der Schleier weit stärker präsent geblieben und wandert mit den Migranten nach West- und Nordeuropa und in die USA, kann sich hier aber weit weniger auf den Köpfen der Frauen halten als der Schleier der Migrantinnen mit muslimischem Hintergrund. 

Grundsätzlich bestehen zwischen dem christlichen Kopftuch, das aus der orientalisch-jüdischen, der jüdisch-hellenistischen und der griechisch-römischen Kultur hervorgegangen ist, und dem islamischen Kopftuch bzw. dem islamischen Schleier große Unterschiede. Wer über das Kopftuch in Deutschland nachdenkt, muß hier differenzieren und darf nicht beide Formen der Verschleierung in einen Topf werfen. Das Tuch der Christin und das der Muslima mag äußerlich ähnlich sein; der Kopf darunter ist - ohne daß damit irgendeine Wertung verbunden wäre - ein völlig anderer.

Hier in Deutschland gilt der Schleier als Symbol der Unterdrückung von Mädchen und Frauen, als Zwangsmaßnahme der Männer und der Kirche bzw. Religion gegen Frauen. Keine Frau würde doch je auf den Gedanken kommen, sich freiwillig mit einem Kopftuch oder gar einem Schleier zu bedecken - ausgenommen Bäuerinnen zum Schutz bei der Arbeit, Frauen über 70 zum Schutz ihrer Dauerwellen vor der Witterung oder Nonnen. 

Muslimische Frauen, die sich bedecken, werden dabei durch eine westliche, postchristliche Brille gesehen, die aber nicht geeignet ist, das Phänomen "islamisches Kopftuch" richtig wahrzunehmen. Daß Frauen sich freiwillig verschleiern, ist völlig undenkbar - wer so etwas äußert, sieht sich heftigen Protesten ausgesetzt. Eine Frau, die sich verschleiert, handelt entweder unter Zwang (wenn der Mann an ihrer Seite eher leicht bekleidet ist) oder ist indokriniert (wenn der Mann an ihrer Seite einen Vollbart trägt). 

Zu den Vorkämpferinnen gegen den Schleier zählen die Feministinnen. Es erinnert auffällig an ihren Kampf gegen weiblichen Masochismus, den Sina-Aline Geißler vor Jahren in einem ihrer Bücher beschrieben hat. Daß oft genug unter dem Schleier ein emanzipierter Kopf steckt, will nicht in den unbdeckten Kopf. Aber der westliche Feminismus der Postmoderne ist nicht die einzige Form der Frauenemazipation, die es in dieser Welt gibt. Vermutlich haben die westlich-postmodernen Feminstinnen auch schon bemerkt, daß sie sich in Konkurrenz zu einer anderen Spielart der Emanzipation befinden, der sie freilich keine Handbreit überlassen wollen, die sie als Verrat empfinden, zumal sie zutiefst religiös daher kommt. 

Der Linken freilich fällt es schwer, sich im Streit um die bekopftuchte oder verschleierte Muslima zu positionieren. Da ist zum einen die Muslima als Opfer der "Rechten", die ihr das Kopftuch vom Kopf, den Schleier aus dem Gesicht reißen wollen. Der Opfer-Muslima muß man natürlich beistehen. Da ist aber zum anderen der linke Feminismus, der sich auch gegen das Kopftuch ausspricht. Die Linke versucht also, einen Kompromiß zu finden - Kopftuch ja, Gesichtsschleier nein. Gilt als genialer Kompromiß, ist aber ein fauler Kompromiß.

Soweit die Situation von einst bis heute, wie wir sie nun also vorfinden. Die Muslima selbst fragt freilich kaum jemand, man spricht über sie, nicht mit ihr. Für viele Menschen wäre es sehr aufschlußreich.

Natürlich gibt es nicht nur den Kampf der westlich-postmodernen Feministinnen gegen das Kopftuch. Er spielt aber wohl die größte Rolle. Er verwechselt freilich das (umgedeutete) Kopftuch der jüdisch-christlichen und griechisch-römischen Geschichte, aus der wir hervorgegangen sind, mit dem Kopftuch der Muslima, das auf eine ganz andere Geschichte, auf eine ganz andere Begründung zurückgeht. Es stehe für die Unterdrückung der Frau, für die Herrschaft des Mannes über die Frau, aber auch für eine Unterdrückung der weiblichen Sexualität bzw. der Sexualität schlechthin. Der seine Frau verschleiernde Mann sehe seine Töchter und Frau(en) halt als "Ganzkörpergenital", der Schleier erscheint als "Keuschheitsgürtel", der den ganzen Körper einschließt. In jedem Falle sei die Enthüllung der Frau der Schlüssel zu ihrer Freiheit. Letztlich soll sie zu einem Abziehbild der westlichen Frau werden, als sei allein dieser Lebensstil lebenswert und der einer verschleierten Frau allenfalls der einer Wilden, vielleicht einer edlen Wilden, aber eben doch irgendwie "unzivilisiert". Viele Feminstinnen verbittert es, daß so viele muslimische Frauen sich nicht auf diese Weise befreien lassen wollen, sondern sich für das Kopftuch oder für den Schleier entscheiden. Diese Undankbarkeit erzürnt so manche Feminstin, die doch nur das Beste der Muslima will und natürlich ganz genau weiß, was das ist. Die Christinnen haben es doch schließlich auch kapiert. Dieser erste Grund ist auch von vielen "aufgeklärten", "humanistischen" Kopftuchgegnern und sogar von vielen Kirchenleuten übernommen werden, sogar solchen, die sonst eher wenig mit dem Feminismus zu tun haben. Sie sehen das Kopftuch mit Unbehagen und in der feministischen Deutung das beste Motiv für ihre Kopftuchfeindlichkeit. 

Ein weiterer Grund für die Kopftuchfeindlichkeit steht in engenm Zusammenhang mit der Ausländerfeindlichkeit in der ersten oben geschilderten Form. Hier wird die Kopftuchträgerin etwa als "Pinguin" bezeichnet, die "durch die Gegend watschelt", man nennt sie "Taliban-Frau" oder "Terroristin" oder "Islamistin", vielleicht auch als "Gebärmaschine für Gotteskrieger". Der Ausländerfeind geht für gewöhnlich davon aus, daß die verschleierte Frau entweder zum Tragen des Tuchs gezwungen wird oder indoktriniert ist. Vielleicht denkt er also, er tut ihr etwas Gutes, wenn er ihr das Tuch vom Kopf reißt, wie es manchnen Frauen passiert sein soll.

Die Muslimenfeindlichkeit ist ein dritter Grund. Der Muslimenfeind ist, wie gesagt, ein Fachmann für den Islam, für gewöhnlich weiß er, daß die Frau zwar in einigen Fällen gezwungen wird, das Kopftuch zu tragen, es in vielen Fällen aber freiwillig und aus (wie er meint, aus eher politischer denn religiöser) Überzeugung trägt. Er geht davon aus, daß die verschleierte Frau auf die nicht verschleierten Frauen herabblickt, sie als "Schlampen" bezeichnet, sich selbst als etwas Besseres sieht. Der Gesichtsschleier ist für ihn ein besonderes Übel und sollte auf der Stelle verboten werden, Religionsfreiheit hin oder her. 

Ein vierter Grund ist die Religionsfeindlichkeit der "Neuen Atheisten". Sie feinden alles an, was die Religion aus dem ihr noch zugestandenen Stillen Kämmerlein hervorholen will. Das Kopftuch sollte eigentlich im Stillen Kämmerlein vergammeln, allenfalls bestaunt auf dem Kopf von alten und zahnlosen Nonnen als Symbol der Rückständigkeit, die Religion nun einmal darstellt. 

Kopftuchfeindlichkeit findet sich allerdings nicht nur unter Nichtmuslimen - auch viele Muslimas sprechen sich gegen das Kopftuch aus, und nicht wenige muslimische Kopftuchträgerinnen sprechen sich ausdrücklich gegen den Gesichtsschleier aus. Hier gibt es dann zum Teil auch heftige Beschimpfungen zwischen den muslimischen Frauen, die nur Kopftuch tragen und denen, die auch Gesicht und Hände bedecken. 

In Sachen Kopftuchfeindlichkeit gab und gibt es manche Allianz, die zum Teil sehr fragwürdig ist. Wenn man schaut, wie viel Energie in Deutschland in den Kampf gegen Kopftuch und Schleier gesteckt wird, so hat man es bei den Tüchern wohl irgendwie mit einer der größten Gefahren zu tun, die in Deutschland lauern.

Der "Gutmensch" und der "edle Wilde"

Zum Ende meines Artikels möchte ich noch auf eine Form der Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeit hinweisen, die aus einer ganz anderen Ecke kommt, wenn sie im Beispiel zur Kopftuchfeindlichkeit auch schon angeklungen ist. 

Der Begriff "Gutmensch" ist natürlich nicht nett, aber treffend, ebenso seine Einordnung in die Nähe der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeiten". Was ich ihm vorwerfe, ist, daß er Ausländer, Muslime und/oder (muslimische) Kopftuchträgerinnen nicht als gleichberechtigte Partner in einem Gemeinwesen sieht, in dem alle Menschen gleiche Rechte und Pflichten haben, sondern als "edle Wilde", die Aufklärung, Humanismus, "Reformation" und Zivilisation brauchen, um zu uns aufzuschließen. Um ihnen den Weg zu erleichtern, räumt man ihnen mehr Rechte ein, gibt ihnen zugleich weniger Pflichten. Mit einem Opferstatus erleichtert gerade der linke Gutmensch ihnen den Weg in die "Zivilisation". Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, daß wir es auf jeden Fall am Besten wissen, daß wir sogar wissen, wie etwa der Islam auszusehen habe (jede andere Form erlauben wir uns als "Mißbrauch des Islam" zu definieren) und wie man das Kopftuch am besten binde. 

Das Problem besteht darin, daß der Ausländer, der Muslim, die muslimische Kopftuchträgerin als "kulturell rückständig" angesehen wird, so daß "Nachhilfe" nötig ist, etwas mehr Zeit, viel Geduld, eine breite Fülle an Entschuldigungen (und letztlich ist doch immer der Deutsche schuld, wenn die Integration nicht klappt). Ohne unsere Hilfe könne der Ausländer, der Muslim, die Kopftuchträgerin nie "zivilisiert" werden.

Natürlich ist nicht jeder Ausländer, jeder Muslim, jede Kopftuchträgerin automatisch ein "edler Wilder", der vom "Gutmenschen" umsorgt wird. Es ist die Nützlichkeit für den meist linken "Gutmenschen", die einem den (zweifelhaften) Ehrentitel des "edlen Wilden" einbringt, damit mehr Rechte, weniger Pflichten. Der "Gutmensch" handelt nicht aus Altruismus, sondern aus Berechnung. Der "edle Wilde" ist, gerade als "Opfer" der anderen, nützlich für den "Gutmenschen", darum tut er auch alles dafür, daß der "edle Wilde" weder diesen Status noch den des "Opfers" je hinter sich läßt. Spätestens damit haben wir eine echte "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". 

Die Situation in Deutschland

"Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeiten" sind in Deutschland häufig, die hier angesprochenen Feindlichkeiten gegen Ausländer, Muslime und Kopftuchträgerinnen stellen nur einen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum dar. 

Wie weit Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeit in Deutschland wirklich verbreitet sind, läßt sich nur schwer sagen.

Zur Muslimenfeindlichkeit ist zu sagen, daß eine sachliche, nach objektiven geisteswissenschaftlichen Maßstäben praktizierte Islamkritik nicht zur Muslimenfeindlichkeit zu zählen ist. Das gleiche gilt für die christliche Mission unter Muslimen, wenn sie ohne Zwang, Gängelungen und ohne Polemik gegen den Islam daherkommt, auch nicht mit materiellen oder finanziellen Versprechungen verbunden ist, sondern als Angebot, als Einladung zum Glauben formuliert ist, die angenommen oder ohne Folgen jeglicher Art abgelehnt werden kann.

Auch ein vages Unbehagen, ein unbestimmtes Gefühl der Unsicherheit angesichts von deutlich erkennbaren Muslimen bzw. von Kopftüchern ist keine Muslimen- oder Kopftuchfeindlichkeit. 

Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeiten beginnen dort:

  • Wo Ausländer, Muslime oder Kopftuchträger aufgrund ihrer tatsächlichen oder vrmeintlichen Gruppenzugehörigkeit negativ und nicht gleichwertig betrachtet werden
  • Wo sie benachteiligt, diskriminiert oder verfolgt werden
  • Wo sie Polemiken, Beleidigungen, verbalen und natürlich tätlichen Angriffen ausgesetzt werden
  • Wo diese Einstellung generell die Gruppenzugehörigen und die mit ihnen verbundenen Symbole, Praktiken usw. betrifft

Immer wieder wird auch "Angst" in diesem Zusammenhang genannt, aber obwohl Angst eine Menschenfeindlichkeit auszulösen vermag, sollte sie erst einmal neutral gesehen werden. Angst gehört zu den wichtigsten und grundsätzlich positiven Merkmalen der menschlichen Natur, und darum ist auf allen Seiten ein verantwortungsvoller Umgang mit der Angst erforderlich.

In Deutschland ist vor allem die Muslimenfeindlichkeit eher gering ausgeprägt, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln und in welchem Ausmaße der "real existierende Islam" (Ehre und Schande betonender Kulturislam, Islamismus, islamischer Terrorismus) derzeit nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in Deutschland agiert - und wie wenig - im Vergleich zur "Islamophobie" - muslimische Verbände tatsächlich auf Mißstände reagieren (wobei der Einfluß der Verbände tatsächlich überschätzt wird - sie vertreten allenfalls 15-20 % der Mitbürger mit muslimischem Hintergrund, also eine Minderheit). Inwieweit die Zurückhaltung in Deutschland an der Natur des Deutschen oder an den mäßigenden Einflüssen von vor allem Politik, Medien und Kirchen liegt, ist eine offene Frage.

Der Deutsche scheint mir von Natur aus nicht so sehr zur Menschenfeindlichkeit zu neigen, sondern zur Uniformität. Er will, daß alles streng geregelt, perfekt geordnet ist. Er schätzt wohl das Exotische, aber alles andere sollte seinen Platz im "Stillen Kämmerlein" finden, vor allem auch die Religion, der feste Nischen zugewiesen werden, die zu verlassen wenigstens zu Stirnrunzeln, Unbehagen und Skepsis führt, aber auch zu gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeiten führen kann.

Das Christentum hat sich in Deutschland weithin mit den ihm zugewiesenen Nischen (Gottesdienste, Prozessionen an hohen Feiertagen, Religionsunterricht, "Wort zum Sonntag", Diakonie) zufriedengegeben und meidet ansonsten die Öffentlichkeit - anders als der Islam, anders als die kopftuchtragenden Muslimas. Sie geben sich nicht mit den ihnen zugewiesenen Nischen zurecht, sie wollen ihren Glauben öffentlich leben und praktizieren, sie verstoßen damit gegen die unausgesprochenen Ordnungen und Regeln der deutschen Uniformität, und was zählt da schon Artikel 4 unseres Grundgesetzes, der die freie Religionsausübung garantiert und vom "Stillen Kämmerlein" nichts weiß? Die verschleierte Bauchtänzerin ist exotisch und damit akzeptabel, die Muslima im langen Mantel und mit Kopftuch löst Unbehagen, die vollverschleierte Muslime Proteste aus. Droht da nicht eine Revolution, pure Unordnung? Der Islam bricht so massiv aus seiner ihm zugestandenen Nische aus, daß er massive Feindlichkeiten auszulösen vermag.

Mit Informationen, Aufklärung usw. kann man nur wenig gegen diese Feindlichkeiten ausrichten; denn etwa Muslimenfeinde sind durchaus reich mit Fakten ausgestattet, die durchaus der Wahrheit entsprechen. Das Vorhandensein von und der Zugang zu Informationen ist nicht das Problem, sondern die Bereitschaft, diese für wahr zu halten. 

Die einzige Möglichkeit besteht in einer konsequenten Anwendung des deutschen Strafrechts, wo es beispielsweise zu Diskriminierungen, Beleidigungen, übler Nachrede, Volksverhetzung usw. kommt. 

Eine weitere Möglichkeit sind Begegnungen zwischen Tätern und Opfern - leider bleiben beide Gruppen leider oftmals unter sich oder nehmen sich nur als "Feinde" wahr, wo einer dem anderen nicht trauen kann. Gerade Christen sollten die Begegnungen mit Ausländern, Muslimen und Kopftuchträgerinnen suchen - und auch das "den Juden wie ein Jude, den Griechen wie ein Grieche" des Paulus bedenken. Der christliche Glaube bietet eine enorme Freiheit und Flexibilität, die Begegnungen mit Menschen, die einen anderen Glauben, eine andere Kultur haben, erleichtert. Die Freiheit, sich anderen Menschen flexibel anzupassen, kann dem Maßstab Jesu Christi folgen: Er, der in allen Dingen Gott gleich war, gab seine Vorrechte und Freiheiten auf und wurde den Menschen in allen Dingen - außer der Sünde - gleich, er nahm Knechtsgestalt an. So konnte er die Menschen gewinnen.

Ausländer-, Muslimen- und Kopftuchfeindlichkeiten basieren auf Angst und Mißtrauen, eben dem, was die christliche Ethik klassisch als Hauptzutaten zur "Sünde" betrachtet. Nur dort, wo Begegnungen auf gleicher Augenhöhe gelingen, kann es möglich sein, Ängste und Mißtrauen und damit auch Feindlichkeiten abzubauen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 13:31 Uhr
 
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