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Mega-Flop: "Politically Incorrect" und der "Burka-Alarm" PDF Drucken E-Mail
Blog - Burkaverbot
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 08. Dezember 2009 um 18:25 Uhr

Am 29. Oktober 2009 hatte "Politically Incorrect" mit großem Interesse der Stammleserschaft eine neue Serie gestartet: Externer Link "Burka-Alarm": Mit Foto-Apparaten bewaffnet sollten sich die PI-Leser auf die Jagd nach komplett verschleierten Frauen machen, wobei man nicht nur Frauen mit Niqab und Burqa vor die Flinte, pardon - das Wort " Burka-Chicken" in einem der Beiträge hat mich ein wenig verwirrt, Burkahuhnjagd statt Moorhuhnjagd als Ballerspiel -, vor die Linse treiben sollte, sondern auch solche im meist gesichtsfreien Tschador, wie man ihn aus dem Iran kennt, in ähnlicher Form aber auch als Tscharschaf aus der Türkei.

"Das Tragen von Burka, Tschador und Niqab ist der sensibelste Indikator für die fortschreitende Islamisierung Deutschlands. Um dies sichtbar zu machen, starten wir eine neue Aktion: Bitte schicken Sie uns Fotos aus Ihrer Stadt mit den Trägerinnen dieser Ganzkörperverhüllungen (...) Wir kritisieren das Tragen von Burka, Tschador und Niqab als Speerspitzen der Islamisierung. Wenn wir das hier dokumentieren, dann haben wir einen feinen Seismographen für die künftige, bedrohliche Entwicklung, denn diese Ganzkörpervermummungen stehen für die radikalsten und extremsten Formen des Islam." Bis zum 30. November durften PI-Leser ihre Bilder einsenden, Teilnehmern wurde ein T-Shirt in Aussicht gestellt. (Siehe auch hier.)

Die Serie griff zurück auf einen "Burka-Alam" vom 21.09.2009 von "Majoho", den wir großzügigerweise berücksichtigen wollen (1 Niqaabi), um die Erfolgsquote von PI etwas aufzubessern. Es folgten Dieter aus Köln (3 Niqaabis), Thomas K. aus Berlin (1 Niqaabi, wirkt gestellt), ESW aus Wien (1 oder 2 Niqaabis), Manuel K. aus Österreich (1 Niqaabi, aber das Foto kannte ich schon von Flickr, wo es aber wieder verschwunden ist....), Werner W. aus Dormagen (1 oder 2 Niqaabis), David A. (Schweiz, 2 Niqaabis) und Klaus B. aus Düsseldorf (1 Niqaabi von hinten, das Gesicht scheint gar nicht bedeckt zu sein, aber Tschadore waren laut PI ja auch erlaubt).

Und somit kommen wir auf  8 "Burka-Alarme" mit bis zu 13 Niqaabis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (und keine einzige Burqa). Wie war das noch?

"Das Tragen von Burka, Tschador und Niqab ist der sensibelste Indikator für die fortschreitende Islamisierung Deutschlands. Um dies sichtbar zu machen, starten wir eine neue Aktion: Bitte schicken Sie uns Fotos aus Ihrer Stadt mit den Trägerinnen dieser Ganzkörperverhüllungen (...) Wir kritisieren das Tragen von Burka, Tschador und Niqab als Speerspitzen der Islamisierung. Wenn wir das hier dokumentieren, dann haben wir einen feinen Seismographen für die künftige, bedrohliche Entwicklung, denn diese Ganzkörpervermummungen stehen für die radikalsten und extremsten Formen des Islam."

Damit hätte PI dann wohl bewiesen, daß es mit der Islamisierung Deutschlands nicht so weit her sein kann, wie PI & Co. es gerne behaupten und zum Anlaß nehmen, am Rande der Legalität und oftmals weit jenseits des Erträglichen gegen die Muslime zu hetzen.

Aber damit haben wir auch einen wenigstens elffachen Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild (das natürlich auch bei einer komplett verschleierten Frau greift, auch wenn PI und die Mehrzahl der Stammleserschaft das partout nicht glauben will).

Soviel zur angeblichen Rechtstreue von PI, das sich hier mehrfach strafbar gemacht hat, vom Aufruf zu Straftaten bis hin zur Veröffentlichung von Bildern, zu denen man nicht befugt war. 

Hinzu kommen noch die diversen Beleidigungen, die teils direkt in den Artikeltexten, teils in den Kommentaren veröffentlicht wurden, üble Nachrede, Volksverhetzung. Im Prinzip genügend Material für den Staatsanwalt.

Zurück zu den maximal 13 Niqaabis aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es gibt allein in Deutschland Niqaabis in einer Zahl, die vierstellig ist, wenn man Fachleuten glaubt (und PI hat ja auch um Bilder von Frauen im Tschador gebeten, nicht nur von solchen, die Niqab oder Burqa tragen). Warum haben die PI-Leser nur so wenige vor die Linse bekommen?

Gerne würde ich glauben, daß die meisten PI-Leser rechtstreuer sind als PI selbst und das Recht der Frauen am eigenen Bild respektieren, aber es ist wohl eher wahrscheinlich, daß die Zahl der PI-Aktivisten nicht so hoch ist, wie die von PI verbreiteten Zahlen von Besuchern ahnen lassen. Es dürfte hier wie bei so mancher islamistischen Webseite sein - die Besucher sind halt nicht nur Gleichgesinnte, sondern häufig noch mehr Kritiker und Gegner der jeweiligen Aktivität, sei es nun PI, Muslim-Markt oder was sonst.

Ich gebe gerne zu, daß die geringe Zahl mich überrascht hat - ich ging von etlichen Bildern aus, die freilich gestellt oder geklaut wären. Daß dies nicht geschehen ist, hat mich allerdings überrascht (nur bei 2 Bildern gehe ich von einem Fake aus). Über die Gründe für die geringe Beute der Burqa-Jäger kann man trefflich spekulieren - letztlich wird es sich kaum erklären lassen.

Wie dem auch sei, die Frauen mit Tschador und Niqab sind da, es gibt sie in vierstelliger Zahl in Deutschland. Lediglich Frauen in der Burqa habe ich bisher noch nicht gesehen (und ich habe von recht vielen Niqaabis gelesen, daß sie die Burqa entschieden ablehnen). 

Aber die Unfähigkeit von PI, die Anwesenheit dieser Frauen in der realen Welt zu illustrieren, ist schon höchst interessant, auch wenn die Gründe hierfür hinter dem Schleier bleiben. 

Nehmen wir einmal einen positiven Grund an: Vielleicht haben sich doch mehr PI-Leser daran erinnert, daß es so etwas wie ein "Recht am eigenen Bild" tatsächlich gibt und diese "Burqa-Jagd" absolut menschenverachtend ist.

Und genau das war die PI-Aktion: Menschenverachtend. Die Empörung in islamischen Kreisen über diese Aktion ist nachvollziehbar und verständlich.

Unnötig ist der Hinweis, daß die "Sichtung" einer Frau, die Burqa, Niqab oder Tschador (oder Tscharschaf oder Khimar oder was sonst) trägt, schlicht und ergreifend gar nichts über irgend etwas aussagt. Interessant wäre allenfalls ein höfliches, respektvolles Gespräch mit der betreffenden Frau.

Zuletzt bleibt noch die Feststellung, daß es absolut unangebracht ist, die verschleierten Frauen auf ihren Schleier, ihre Religion und mutmaßliche Überzeugungen zu reduzieren. Es handelt sich bei ihnen um Menschen, die ein vom Grundgesetz verbrieftes Recht haben, daß man ihnen würdevoll und mit Respekt begegnet.Und das ist nicht erst dann der Fall, wenn man sie zu Opfern einer Foto-Jagd erklärt, sondern schon dann, wenn man sie auf ihren Schleier reduziert.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 02. März 2010 um 16:23 Uhr
 

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