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Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy - bekannt wegen seines Engagements gegen den Gesichtsschleier - hat zur "Zurückhaltung" bei der Ausübung der Religion aufgerufen, wie AFP heute berichtet. Im Bereich der Religion müsse von jeder "Provokation", ja von jeder "Zurschaustellung" Abstand genommen werden, Religion müsse mit "demütiger Unauffälligkeit" ausgeübt werden. Damit solle denen Respekt gezollt werden, die "nicht dasselbe glauben".
Ob Sarkozy die gleiche Zurückhaltung auch von Atheisten und Agnostikern einfordert, konnte ich nicht in Erfahrung bringen - ebenso wenig, ob er nur an die drei bösen, sprich monotheistischen Religionen denkt, wie ich freilich sehr stark vermute. Der Dalai Lama nicht mehr als gefeierter Staatsgast in Europa? Horoskope raus aus den Zeitungen, Schluß mit dem Astro-TV? Richard Dawkins nicht mehr in den Buchhandlungen, Büchereien und Talk-Shows? Kaum vorstellbar.
Wie dem auch auch sei: Mit seiner Forderung nach "Zurückhaltung" will Sarkozy gleichsam die Religion in der Öffentlichkeit mit einer Burqa bedecken - zwangsbedecken freilich.
Der gleiche Sarkozy, der gegen die Burqa kämpft, ist im gleichen Atemzug bereit, die Religion unter derselben verschwinden zu lassen. (Obelix würde wohl sagen: "Die spinnen, die Gallier.")
Wie dem auch sei: Es mag sein, daß es Menschen gibt, die sich von einer öffentlichen Darstellung religiöser Überzeugungen gestört fühlen. Aber das Problem sind diese Menschen (gleich ob sie nun religiös oder areligiös sind), nicht die öffentliche Darstellung religiöser Überzeugungen, sei es nun durch Minarette, Kirchtürme, Kreuze, Kopftücher, Schleier oder was sonst.
Ich persönlich fühle mich von solchen Darstellungen nicht gestört, egal aus welcher Ecke sie kommen, solange sie nicht mit Ablehnungen anderer religiöser oder auch nichtreligiöser Überzeugungen verbunden sind (und damit meine ich jetzt nicht die mutmaßliche Ablehnung, die manche Leute etwa in den Schleier hinein interpretieren: "Ich fühle mich dadurch diskriminiert, als Schlampe dargestellt usw.").
Ich erwarte von einer Gesellschaft, daß sie mit der öffentlichen Darstellung (nicht-) religiöser Überzeugungen umgehen kann - und vom Staat, daß er die Freiheit hierzu verteidigt.
Auf jeden Fall kann es keine Lösung sein, die öffentliche Darstellung religiöser Überzeugungen gleichsam mit einer Burqa zwangsweise zu verhüllen.
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