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Der Islam - Gefahr oder Chance? PDF Drucken E-Mail
Blog - Islam
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 19. November 2009 um 18:16 Uhr

Die einen sehen im Islam eine der größten Gefahren oder sogar die größte Gefahr für "das christliche Abendland" (oder auch für die humanistische, aufgeklärte, pluralistische Gesellschaft), andere sehen im Islam oder wenigstens in Teilen davon eine großartige Chance für dieses postchristliche Land. Manche glauben, eine Art "Euro-Islam", so etwas wie ein "Islam lite" wäre genau das, was Deutschland in dieser Krisenzeit brauche.

Persönlich denke ich, daß der Islam an und für sich weder eine Gefahr noch eine Chance für unser verwirrendes und verwirrtes Land darstellt. Ich glaube, er ist in erster Linie ein Ruf Gottes, mit dem er uns zur Umkehr bewegen will. 

Ich werde gleich erklären, was ich damit meine, aber erst einmal sollen zwei wichtige Klarstellungen erfolgen:

Erstens, wenn ich als Christ den Islam als Teil des göttlichen Handelns sehe, dann ist damit nicht gemeint, daß die Muslime willenlose Marionetten Gottes sind, denen er einen Ring durch die Nase zieht, um sie dann nach Gutdünken hin und her zu führen, wo sie dann seinen Vorhaben mit den Christen zu Diensten wären.

Zweitens, wenn ich die Muslime in dieser Rolle sehe, dann bedeutet das nicht, daß alles, was sie tun oder lassen, automatisch gut ist und Muslime für ihr Handeln oder Unterlassen nicht zur Rechenschaft gezogen werden dürften. Auch wenn der Islam Teil des göttlichen Handels ist, bleiben die Muslime für ihr Handeln verantwortlich. 

Mit diesen beiden Punkten ist die alte Frage nach dem freien oder unfreien Willen der Menschen angesprochen - und die ebenso alte Frage nach der Verantwortung des Menschen für sein Handeln. Beides soll aber an dieser Stelle nicht vertieft werden. Nur so viel: Ich gehe davon aus, daß die Muslime in ihrem Umgang mit den Christen einer gewissen Vorherbestimmung folgen, für diesen Umgang aber auch verantwortlich sind.

Was meine ich nun, wenn ich oben schrieb, der Islam sei ein Ruf Gottes, mit dem er uns - die Christen in diesem Land, dieses christliche Land - zur Umkehr rufen will?

Erst einmal sei darauf hingewiesen, daß diese Lehre uralt ist - praktisch so alt wie der Islam selbst. Seitdem der Islam Christen begegnet ist, haben Christen nach der Bedeutung des Islam im Handeln Gottes gefragt. Dabei war es freilich nicht die Frage, ob Gott mit dem Islam einen gleichberechtigten Heilsweg neben dem Christentum eröffnet habe, sondern: Warum hat Gott den Islam zugelassen, der doch quasi von Anfang an im Streit mit den Christen lag? Eine der ersten Antworten kam von den Christen, die von der damals übermächtigen Byzantinischen Reichskirche unterdrückt und verfolgt wurden: Der Islam ist Gottes Strafe für die Byzantiner. Man sah darum auch nicht, warum man sich nicht mit den wider Byzanz ziehenden Muslimen zusammenschließen sollte, Allianzen gegen die Reichskirche und Byzanz selbst schmieden sollte. Weniger militante Stimmen sahen schon damals im Islam einen Bußruf Gottes an eine unbußfertige Christenheit über die Grenzen von Byzanz hinaus. 

Zur Zeit der Reformation griffen Luther, Calvin und Melanchthon den Gedanken, der Islam sei ein Ruf Gottes zur Umkehr, auf, sie sahen im Islam ein Gericht Gottes über die Christenheit. Andere Christen sahen im Islam einen geistlichen Weckruf. In der Frage, ob man wider den Islam zu Felde ziehen sollte, wurde manches Mal auch gesagt: Wer wider die Muslime streitet, der streitet wider Gott. Statt militärisch gegen die Muslime anzugehen, sollte man besser Buße tun und umkehren, dann würde Gott sich seines Volkes erbarmen. Würden die Muslime siegreich sein, so sei die Niederlage der Christen eine Strafe für ihre Sünden und damit eine gerechte Sache.

Ich denke, an dieser Sichtweise, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist (eine Ausnahme bildet das mittlerweile leider schon wieder vergriffene Buch Externer Link "Der Islam - Gottes Ruf zur Umkehr?" von Andreas Baumann), ist viel Wahres dran. 

Wir sollten darum den Islam nicht als eine Gefahr, eine Bedrohung sehen - sondern als Weckruf für eine tief schlafende Kirche, als einen Ruf Gottes zur Umkehr an ein ehemals christliches Volk, das sich weit von den Geboten Gottes entfernt hat (und ich meine hier weniger die Gebote einer moralischen Kategorie oder der richtigen Gottesverehrung, sondern der Nächstenliebe, der Sorge der Starken, Reichen, Gesunden und Mächtigen für die Schwachen, Armen, Kranken und Hilflosen). 

Alles, was zum Glauben und zum Leben der Muslime gehört, kann uns als "Beichtspiegel" dienen - sei es das Fasten, die Verschleierung der Frauen, das Almosen, die Verehrung Gottes, der Gehorsam gegenüber Gott, das Vertrauen in die Gerechtgkeit und Barmherzigkeit Gottes auch über den Tod hinaus usw. usf. Manches im Islam zeigt uns, was wir Christen verloren haben (wir stehen jetzt kurz vor dem Advent, ursprünglich einer Fastenzeit - doch welcher Christ fastet denn heute noch, gerade in der Adventzeit?), anderes zeigt uns, wo wir gesetzlich und hartherzig geworden sind.

Der Islam sollte bei uns nicht zu Abwehrreaktionen führen, sondern zu einer selbstkritischen Haltung. Wir sollten nicht über die Muslime urteilen, sondern es wagen, im Licht des Islam einen kritischen Blick auf uns selbst zu werfen, auf dieses Land, auf die Kirche, auf mich und auf Dich. Wären wir schonungslos offen, würden wir erkennen, daß jedesmal, wenn wir mit dem Finger auf die Muslime zeigen, drei Finger auf uns zeigen - sagen wir einmal, auf unseren größten Gott, den Mammon, auf unseren Kirchenschlaf und auf unser Land, in dem Reichtum, Stärke, Gesundheit und Macht nicht mehr zur Sorge für den Nächsten verpflichten. 

Schauen wir einmal auf Abraham, Isaak und Ismael. Wir neigen leicht dazu, Ismael als den Bösen, den Schuldigen zu sehen. Er geht eigenmächtige Wege, er erhebt sich über seine Brüder. Aber die Wahrheit ist, daß Ismael nicht von Anfang an derjenige war, der eigenmächtige Wege ging - das war niemand anders als Abraham. So ist es auch mit dem Islam. In ihm sehen wir allzu leicht das Wilde, das Unzivilisierte, das Widergöttliche. Ich bin aber überzeugt, daß am Anfang des Islam das Versagen der Christen steht - und daß dieses Versagen bis heute die Stärke des Islam ist. 

"Gott richtet nicht!" Diese Überzeugung haben viele Christen. Gott ist Gott der Liebe, da wird er weder Menschen für einen Akt der Strafe gegen andere führen (das AT spricht hier eine andere Sprache!) noch überhaupt über Menschen richten. Gott liebt, Gott vergibt, Gott nimmt Schuld und Strafe auf sich - aber er richtet nicht. Ich denke, diese Ansicht ist vollkommen falsch. Sie vergißt die Gerechtigkeit Gottes - ein Thema, das ich hier nicht ausführlich darstellen kann. Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit würde dazu führen, daß das Unrecht überhand nimmt. Wo Gott richtet, da will er nicht den Tod des Sünders, sondern daß dieser umkehrt, damit er Gnade und Heil findet (im Hebräischen steht für Gericht, Gnade und Heil das gleiche Wort). Eine Welt ohne Gericht wäre eine unbarmherzige, kaputte Welt. 

Rechnen wir also mit Gottes Gericht - und flehen wir es nicht auf die Muslime herab, sondern stellen wir uns selbst vor dieses Gericht und lassen wir den Islam als Zeugen auftreten. Wo Menschen sich unter das Gericht Gottes stellen, da wird allen Beteiligten Gerechtigkeit, Gnade und Heil widerfahren - uns, aber auch den Muslimen. Im Islam Gottes Ruf zur Umkehr zu vernehmen und dann auch umzukehren trägt in sich die Verheißung, daß dann auch das Miteinander von Christen und Muslimen gewinnen wird. 

Wenn wir den Ruf Gottes, daß wir umkehren sollen, von uns weisen, wenn wir statt dessen den Islam bekämpfen, wird uns das in den Abgrund führen. 

Aber ebenso falsch wäre es, den Ruf Gottes zur Unmkehr von uns zu weisen und statt dessen einen Dialog mit den Muslimen zu führen, in dem wir alle Unterschiede verwischen - wir hätten doch wie hier wie da die gleiche Sache vor uns. Auch das wird uns in den Abgrund führen (wobei das jetzt nicht bedeutet, daß wir keinen Dialog mit den Muslimen führen sollten - unbedingt sollen wir das tun! Es ist nicht die Frage, ob wir mit den Muslimen in einen Dialog treten, sondern wie wir das tun). 

Der Islam steht zwischen uns und dem Abgrund, den wir selbst verschuldet haben. Der Islam ist - bidlich gesprochen - Gottes Warnhinweis für Christen: "Nicht weiter! Diese Straße endet in einem Abgrund!" Wir können jetzt aussteigen, das Warnschild zerstören, wieder einsteigen und weiterfahren. Wir können das Warnschild auch in den Kofferraum packen und weiterfahren, es ist ja aus Stahl wie auch unser Auto, und die rote Farbe erinnert ja auch an den Lack unseres Autos, und die Schrauben an dem Schild verwendet ja auch der Hersteller unseres Autos. Wir werden im Abgrund landen. Darum bleibt uns nur, das Warnschild ernst zu nehmen und umzukehren. Wir werden vor dem Abgrund bewahrt - und das Schild bleibt auch heil.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 18. März 2010 um 10:39 Uhr
 

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